Meister der Dimensionen

Wie immer super gemacht, Effjott, alter Schwede. Dass Sie nochmal unter die Wissenschaftler gehen, hätte selbst ich als Wagnerianer der ersten Stunde mir nicht träumen lassen, aber während sie über den Kollegen Matussek scheinbar anstrengungslos daherschwadronieren:

Matussek ist der für mich amtierende deutsche Meister des modernen Erzählens. Er erzählt dreidimensional. Optisch, wissenschaftlich, humoristisch.

gelingt Ihnen ganz Maupassant die Entdeckung von nicht ein, nicht zwei sondern gleich drei neuen Dimensionen: Optik, Wissenschaft und Humor. Das macht Ihnen so schnell keiner nach, und so wäre ein Nobelpreis (wahlweise in Optik, Wissenschaft oder Humor) absolut das mindeste gewesen, was Ihnen zugestanden hätte, wenn… ja, wenn Sie’s am Schluss nicht wieder versaut hätten:

Er ist der Erzähler des digitalen Universums. Unser erster Lacher im Weltall.

Ich weiß nicht, wie oft ich es Ihnen noch sagen soll: Das Weltall ist das Dingens mit der Raumfahrt. Das Internet ist nicht im Weltall, das Internet sitzt bei Ihnen in der Wand, in dem kleinen Kästchen von der Telekom.

Die tiefste Grotte

Eine ganze Weile lang hab ich für ein Theater in einer süddeutschen Stadt, nennen wir sie S., Kabarettprogramme und Texte geschrieben. Der Leiter dieses Theaters, nennen wir ihn Herrn W., hatte einen liebenswürdigen Spleen: Für Menschen, in deren Vertrag stand, dass er für deren Hotelaufenthalt in besagter süddeutschen Stadt aufzukommen habe, suchte er gern Häuser aus, die sein Budget nicht allzu sehr belasteten. Er scheute wohl die Kosten, aber nicht die Mühen, denn die Häuser, die Herr W. für seine Künstler auswählte, findet man nicht in Allerwelts-Reiseführern. Nach derartigen Perlen der Hotellerie, die ihre Gäste nicht mit hochwertiger Einrichtung oder zuvorkommendem Service irritieren wollen, die sich ausdrücklich an „preisbewusste Reisende, die einen sportlichen Komfort bevorzugen“ wenden und keine Zugeständnisse an einen oftmals flüchtigen Zeitgeist („Wer braucht denn ein WC auf dem Zimmer? Nachts wird geschlafen, nicht gepieselt!“) machen, muss selbst der Kenner lange suchen. Herr W. trieb sie unfehlbar auf, und so sind mir die Häuser, in denen ich auf seine Kosten nächtigte, unauslöschlich in Erinnerung geblieben. Doch eins von ihnen ragt auch noch jetzt, über 5 Jahre, nachdem ich zuletzt in ihm genächtigt habe, über die anderen Geiz-ist-geil-Domizile hinaus: Das Hotel R., die Absteige aller Absteigen, die Mutter aller Bruchbuden.
Es begann damit, dass ich am späten Sonntagnachmittag ankam und vor verschlossener Türe stand. Hervorquellenden Auges las ich das Schild am Eingang: „Rezeption täglich von 8 bis 18 Uhr besetzt, Sonntags Ruhetag“. Soso. Gut zu wissen. Und ganz schön pfiffig, die ganze Unternehmensphilosophie in 10 Worten zusammengefasst an die Tür zu schreiben. Trotzdem: irgendwie musste ich ja mein Zimmer beziehen… und da entdeckte ich diesen kleinen Zettel, der in der verschlossenen Eingangstür klemmte. Da stand mein Name und eine Telefonnummer drauf, unter der ich den Regisseur des Kabarett-Programms erreichte, an dem ich gerade schrieb. Der musste auf Geheiß von Herrn W. und der Hoteldirektion meinen Zimmerschlüssel bereit halten und war darob etwas missgestimmt. Hatte sich die Tätigkeit als Regisseur wohl anders vorgestellt. Typisch Kunst-Fuzzi. Egal, Hauptsache, ich war drin.
An der Aufzugtür hing noch ein Schild („Den Lift nach 18 Uhr und sonntags nicht benutzen!“), das ich souverän ignorierte. Mein Zimmer lag im dritten Stock, mein Koffer war schwer und der Regisseur schützte einen Bandscheibenvorfall vor. Also hinein in den Lift. Drinnen wusste ich, warum draußen das Schild hing. Drinnen hing nämlich noch eins: „Wenn er steckenbleibt, keine Panik. Am Notschalter dreimal hintereinander schnell ein- und ausschalten, bis zehn zählen und wieder einschalten. Dann geht er meistens wieder.“
Wie durch ein Wunder erreichte ich unfallfrei mein Zimmer, wo mir die Tränen der Rührung in die Augen traten. Die Hoteldirektion hatte extra für mich ein Zimmer ausgewählt, das in meinem Geburtsjahr tapeziert und möbliert worden und seitdem von keines Handwerkers Hand mehr angerührt worden war! Gleiches galt übrigens auch für die Etagen-Toilette, die niemand vergessen kann, der sie jemals gerochen hat.
Am nächsten Morgen durfte ich dann ein weiteres Highlight des R. erleben, die Frühstücksdirektorin. Noch mit den üblichen morgendlichen Nebeln kämpfend hatte ich mich im halbwachen Zustand in den Frühstücksraum geschleppt, war an einem Buffet vorbeigestolpert, auf dem die Salami vor sich hin schwitzte und der Käse gegen die ihn gefangen haltende Plastikhülle drängte, und hatte mich in einen freien Rattan-Stuhl geworfen. Ich war der einzige Gast im Frühstücksraum. Wie friedlich. Wie entspannend. Nur noch fünf Minütchen die Augen schließen… „Gute Morge, was derfit Ihna bringa?“ Die Trompeten von Jericho waren ein Scheißdreck gegen das Organ der Frühstücksdirektorin. Es ist das Privileg der angejahrten Schwäbin, aggressiv schreiend fisteln zu können, und die Frühstücksdirektorin nutzte dieses Privileg bis zum Exzess. Mit einem enervierenden Klingeln im Ohr, das den ganzen Tag nicht vergehen wollte, orderte ich Kaffee und „ein weiches Ei, aber bitte wirklich weich, allerhöchstens 3 Minuten“. Ich Optimist. Zusammen mit dem Kaffee, an dem ich mir gottserbärmlich die Zunge verbrannte, servierte mir die Frühstücksdirektorin Service-Interna: „Des Ei bring i Ihne, wenn’s fertig is.“ Das sind natürlich Insider-Informationen, die einen morgens um acht entscheidend weiterbringen. Und wenig später brachte sie mir mit heimtückischem Grinsen ein knallhartes Ei mit grünem Dotter, dessen Aggregatzustand sie mit einem gellend hervorgestoßenen „En gutes Ei braucht 5 Minute!“ erläuterte. Eine brave Frau, die wusste, was gut für ihre Gäste ist und ihnen konsequent in lebenswichtigen Fragen wie der Salmonellenvorsorge kein Mitspracherecht einräumte!
Im Verlauf des Tages musste ich verwundert feststellen, dass das Hotel R. nicht vorsah, dass seine Gäste tagsüber in ihren Zimmern weilten. Die Heizung hatte sich um 7 Uhr abgestellt, und sie blieb aus. Meine Bitte um ein wenig Wärme beschied die mittlerweile anwesende Rezeptionsangestellte abschlägig: „Wegen Ihnen geht die Fernheizung nicht an.“ Nun ja, ich gestehe es ungern, aber die Kälte hatte auch ihr Gutes: Ich erledigte mein tägliches Schreibpensum notgedrungen schnell und diszipliniert, um geheizte Räumlichkeiten aufsuchen zu können. Und um dem Hotel R. entfliehen zu können. Hätte Herr W. mich auch nur ein bisschen besser bezahlt, hätte ich mir auf eigene Kosten ein anderes Hotel genommen. Aber Herr W. gab für seine Künstler nicht viel mehr Geld aus als für ihre Hotelzimmer.
Am letzten Abend im Hotel R. hatte ich mir eine Flasche anständigen Rotwein mit aufs Zimmer genommen, mit der ich meinen bevorstehenden Abschied feierte, als gegen 23 Uhr Türenschlagen und laute Stimmen vom Hotelparkplatz meine Aufmerksamkeit weckten. „Ich fass es nicht, der W. hat uns wieder in dieses Dreckloch gesteckt!“ wetterte der Frontmann einer Berliner Kabarettgruppe, der aus seinem Auto stieg. „Erst brenn ich das Drecksloch ab, und dann bring ich den W. um!“
„Ich helf bei beidem gern!“ rief ich dem Kollegen aus dem Fenster zu, der daraufhin erfreut zu mir ins Zimmer eilte und mir beim Rotweintrinken half. Am nächsten Tag verschlief ich prompt, weil der vereinbarte Weckruf der Rezeption ausgeblieben war. „Das ist nicht meine Schuld. Ich hab fünfmal in Zimmer 11 angerufen, Sie sind nicht drangegangen!“ Konnte ich auch nicht. Ich hatte Zimmer 12.

Bassman’s Diary 25.-27.11.07 – Erfolgserlebnisse und Software

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Okay, das Porree-Lied IST eine Herausforderung. Bis das halbwegs akzeptabel klingt UND ich im Rhythmus bleibe, werden wohl ein paar Wochen bzw. Monate ins Land gehen. Für das charmante zweite Bass-Solo (das mit den Akkorden, wirklich nett) werd ich wohl Jahre brauchen. Soviel Zeit haben Achim und ich nicht, deshalb hab ich noch was anderes geübt: Ich kann jetzt die Bassbegleitung zum „Pink Panther Theme“. Auswendig. Okay, das ist eine Spur einfacher als das Porree-Lied, aber wenn ich zwischen dem Zausel mit der Querflöte und Peter Sellers wählen muss, nehme ich immer Peter Sellers.
Kleine Frage am Rande. falls hier jemand mitliest, der von diesem ganzen Musiksoftware-Mididingsbums-Software-Gedöns eine Ahnung hat: Was mir die Weltkarriere unglaublich erleichtern würde, wäre eine Software, in der ich irgendeinen Titel von CD (meinethalben das Porree-Lied) einladen kann, und dann sozusagen scheibchenweise in einer Endlos-Schleife abspielen könnte, so dass ich mitspielen kann. Also: Software spielt Takt 4 bis 24 vom Porree-Lied, und Chris versucht erfolglos, mit seinem Bass mitzukommen. Kennt jemand was entsprechendes? Wenn möglich Freeware/Shareware?

Das Kleingedruckte

„Wenn du einen Vertrag machst, lies das Kleingedruckte!“ wurde mir von frühester Jugend an eingebläut. Bis heute habe ich mich getreulich daran gehalten …

Kleingedrucktes

Aber wie ich dieses – in Originalgröße eingescannte – Kleingedruckte lesen soll, weiß ich beim besten Willen nicht.

Splitterbrötchen (XXIII)

Wie kommen die Marketing-Fuzzis von Vodafone eigentlich darauf, dass ich bereit wäre, Geld (und wenn’s auch nur ein paar Cent sind) zu bezahlen, um zu erfahren, wie es beim Fußball steht?

Erstaunlich, wie viele einigermaßen intelligente Menschen glauben, der Bericht vom Überdruss an sich selbst sei bereits eine kulturelle Leistung.

Der Fußball-Kommentator Beckmann verblüfft: Was immer er auch ankündigt, tritt nicht ein.

Was hör ich da am Telefon beim Beantragen einer neuen Kreditkarte? „Falls mal Geld benötigt wird, können Sie einfach hier bei uns anrufen. Dann überweisen wir’s auf ihr Giro-Konto!“ Klingt gut. Überzeugendes Konzept.

Bassman’s Diary 24.11.07 – Porree-Lied

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Nachdem ich einmal unfallfrei durch „Sunshine of your Love“ gekommen bin, hab ich angefangen, mich in Fressacks Porree-Lied einzuarbeiten. Besser gesagt, in die ersten 5-6 Takte, weiter bin ich erstmal nicht gekommen. Das ganze ist ziemlich schwierig zu greifen, es klingt fürchterlich und ich schaffe es nicht, im Rhythmus zu bleiben. Ansonsten bin ich auf einem guten Weg.

Bassman’s Diary 23.11.07 – Lizenzanfrage

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Bevor ich mir mit Knoten in die Finger spiele und in aufwendige Hard- und Software (Mikro, W-Lan-Kabel, Sequencer) investiere, um meine Übungs-Sessions online zu stellen, klär ich doch erstmal die lizenzrechtliche Lage, dachte ich mir, und hab der GEMA gemailt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich betreibe eine private, nichtkommerzielle Homepage im Internet, in der ich eine durchaus überschaubare Menge von Besuchern über mein persönliches geistiges und seelisches Fortkommen informiere. Nun habe ich mich – mit 51 Jahren – entschlossen, das Bass-Spielen zu erlernen und werde dabei von einem hessischen Gastwirt, der ein Fachmann auf dem Gebiet der Bassgitarre ist, aufopferungsvoll unterstützt.
Besagter Gastwirt – und einige regelmäßige Besucher meiner Seite – fordern mich nun auf, einige meiner Bass-Übungs-Sessions online zu Gehör zu bringen. Ich hab ja alle gewarnt, weil es zur Zeit noch ganz grauenvoll klingt, was ich spiele, aber der Gastwirt und die Besucher lassen nicht nach. Und da die Besucher meiner Website kulturell hochstehende, anspruchsvolle Menschen sind, möchte ich sie nicht mit ein paar Tonleitern abspeisen. Aber was würde die GEMA sagen, wenn ich zum Beispiel meine Version der Bassläufe von „In a gadda da vidda“ auf meiner Website bereitstelle? Müsste ich dann Lizenzgebühren bezahlen? Das würde mich hart treffen, weil meine Bassgitarre schon nicht ganz billig war. In diesem Falle würde ich mich dann doch schweren Herzens auf lizenzfreie Tonleitern beschränken (obwohl einige dieser Tonleitern sich ganz genau wie Original-Gitarren-Soli des seligen Jerry Garcia anhören).
Zu dieser ganzen Problematik – zusammengefasst: darf ich internetöffentlich mit bekannten Songs Bass üben? – erbitte ich Auskunft und Rat von Ihnen und verbleibe mit kollegialen Grüßen

Chris Kurbjuhn

Ansonsten das übliche: Tonleiter, Sunshine of your Love. In a Gadda da Vidda lässt sich gut greifen, klingt aber vollkommen dubios. Dieses Bourée-Stück von Jethro Tull, das ich spielen soll, hab ich mir mal angehört. Wenn ich einen Großteil der Noten weglasse, könnte es klappen.

Eine Stadt im Meer? Das gibt nix!

Wo waren eigentlich diese typischen kleingeistigen Bedenkenträger, die vorher alles besser wissen, als Venedig gebaut wurde?

Blauweiss

„Eyh, ’ne Stadt ins Meer zu bauen, das ist doch Quatsch. Lasst uns ein paar Meter weiter nach links gehen, da haben wir ’nen soliden Untergrund, da kennen wir uns aus. Da ist es billiger. Und sicherer. Und praktischer.“

Fresko

„Diese komischen Verzierungen an den Häusern kann man auch weglassen. Nach ‚er Weile hat man sich dran satt gesehen, und in ein paar hundert Jahren ist der Lack eh ab. Kann man sich die Farbe und die Mühe sparen.“

Schmaler Kanal

„Diese schmalen Kanäle sind doch total unpraktisch und daneben. Warum machen wir nicht einen Plan, nachdem wir die Stadt kontinuierlich und vernünftig erweitern? Da brauchen wir diese dussligen Klein-Kanäle nicht.“

Komische Brücke

„Sie wollen eine Brücke nur für die Straftäter? Vom Dogenpalast zum Gefängnis und zurück? Glauben Sie, wir haben für so einen Quatsch Geld?“

Von oben

„Das mit eurer komischen Stadt im Meer wird nie was. Nach ein paar Jahren kräht kein Hahn mehr nach eurem Venedig.“