Massenkorruption

173.000 Mitarbeiter soll die Bahn auf Korruption hin überprüft haben. Da fragt man sich, wie das funktionieren konnte, ohne einen vollkommen idiotischen Aufwand betreiben zu müssen. Um jeden einzelnen auch nur 10 Minuten lang zu überprüfen, würde man über 28.000 Arbeitsstunden benötigen, und während dieser Zeit mussten ja auch noch ein paar Züge durch die Gegend gefahren werden… Wie hat die Bahn das gemacht?
Mir fällt als hundertprozentig effiziente Lösung nur ein Multiple-Choice-Fragebogen ein, der die Überprüfungsdauer auf wenige Sekunden pro Person reduziert:

Sind Sie korrupt?

  1. Ja
  2. Nein
  3. Wieviel wäre Ihnen eine ehrliche Antwort denn wert?

Splitterbrötchen (LXXXIII)

Nach dem ich gelesen habe, dass es im Cockpit der im Hudson notgelandeten Maschine nach verbrannten Vögeln gerochen hat, werde ich nie wieder an einer Hähnchenbraterei vorbeigehen können, ohne an eine Notwasserung denken zu müssen.

Kann mir irgendjemand schlüssig erklären, warum der Ziegenbart wieder in Mode gekommen ist?

Weiß Frau Siegel eigentlich, was sie angerichtet hat? Wenn man mit Rückenproblemen zum Arzt muss, versichert man seit neuestem ungefragt, kein Simulant zu sein.

Die ARD-Rundfunkräte sind in heller Aufregung, weil Oli Pocher am letzten Donnerstag bei „Schmidt & Pocher“ Wehrmachtsuniform und Augenklappe getragen hat. Warum richtet sich der rundfunkrätliche Zorn nicht auch gegen Harald Schmidt, den man ja in dieser Causa mindestens als Mitläufer Mitsitzer bezeichnen muss? Erinnern sich die ARD-Granden daran, dass Schmidt gelegentlich gern den Hitler gibt? Haben sie deshalb Angst vor ihm?

Drei, zwei, eins… Freund!

Gestern abend hat Giulia Siegel das Dschungelcamp verlassen. Nachdem sie relativ kurz zuvor noch eine ziemliche Gelenkigkeit erfordernde Kamasutra-Stellung demonstriert, eine Kollegin nach einem Jubelsprung aufgefangen und sich stundenlang auf dem harten Lehmboden eines sogenannten Dschungeltelefons gesuhlt hatte, klagte Frau Siegel verständlicherweise über Rückenschmerzen und begab sich in medizinische Behandlung.
Bereits während ihres Aufenthalts im Dschungelcamp wurden deutschlandweit Zweifel an der mitmenschlichen Kompetenz von Frau Siegel geäußert. Nur zu verständlich. Wer Greisinnen ihr Obst neidet, kurzerhand erprobte Wortdefinitionen („vegetarisch“) situativ erweitert („Ich bin auch Vegetarier, ich esse nur Huhn. Und Pute. Und manchmal Rind.“) und Zoff mit niedlichen Tamagotchis wie Frau Zambo anfängt, gerät schnell in den Verdacht, sagen wir es freundlich, sozial stark herausgefordert zu sein.
Wie immer ist die Wahrheit wesentlich schlimmer. Die heile Welt des Schlagerkönigreichs, in dem Frau Siegel aufgewachsen ist, scheint nur Fassade gewesen zu sein, eine Fassade, die ein ratloser Ralph Siegel („Ein bisschen Frieden“) mühsam und mit einem beträchtlichen finanziellen Aufwand aufrecht erhalten hat. Die letzte Antwort, die Frau Siegel in einem auf dem Internetportal „Patienten wie ich“ (sic!) veröffentlichen Interview gibt, reißt diese Fassade nieder und gewährt uns einen erschreckenden Einblick in ihr Privatleben.

ebay

Offenkundig war Frau Siegel bereits vor Ihrem Aufenthalt im australischen Dschungel sozial isoliert. Besorgniserregend isoliert. Dermaßen besorgniserregend isoliert, dass ein verzweifelter Ralph Siegel versucht hat, seiner Tochter bei einem Online-Auktionshaus einen Freundeskreis zu ersteigern.

Rebootcamp

Einer der PCs in unserem Büro pflegte alle drei bis vier Stunden einen Neustart hinzulegen. Plötzlich, ohne Vorwarnung, hat das Biest einfach neu gestartet und dann die schicke Fehlermeldung „Windows wird nach einem schwerwiegenden Fehler neu ausgeführt“ angezeigt. Wenn man sich dann den Fehlerbericht anzeigen ließ, meldete Windows ein Problem mit der CAPI und empfahl, von der Website des Anlagenherstellers den neuesten Treiber zu laden.
So weit, so gut. Das klang plausibel. Am fraglichen PC hängt tatsächlich die ISDN-Anlage, dann tauschen wir halt die capi20.sys, wenn Windows muckt. Blöd nur, wenn da nix zu tauschen ist, weil der neueste Treiber schon auf dem PC ist. Wenn niemand, wiederhole niemand in der großen weiten Welt von ISDN und Internetz mit diesem Treiber Probleme hat.
Was macht man dann? Nun, man googelt ein wenig herum, sucht nach „IDN-Anlagen-Name Reboot“ und ähnlichem und probiert die dollsten Sachen aus. Anlagensoftware deinstallieren, neuinstallieren, hilft auch nix, mit den IP-Adressen des Routers spielen, undsoweiter, undsofort, so geht fröhlich Stunde um Stunde ins Land, die man eigentlich geldverdienenderweise verbringen sollte, und das Dreckding rebootet immer wieder. Es ist ihm nicht auszutreiben.
Und dann hab ich den USB-Stecker der ISDN-Anlage am PC rausgezogen und drei Millimeter weiter an einen anderen USB-Port gesteckt. Und seitdem rebootet das Ding nicht mehr. Es funktioniert plötzlich, wie es soll.
Kann mir irgendjemand erklären, woran das liegen kann? Kann mir irgendjemand erklären, wie man auf so etwas kommen soll? Kann mir irgendjemand erklären, wo meine vergeudete Lebenszeit geblieben ist?

Splitterbrötchen (LXXXII)

Der „Schlesische Schwan der Woche“ geht an Tanja Buntrock und Sandra Dassler vom Tagesspiegel. In eine Reportage über die Schießerei in Schönfließ den Satz „Acht Kugeln flogen durch die kalte Nacht.“ hineinzuschreiben, zeugt von einem unbeugsamen, geradezu Friederike-Kempner’schen Willen zur Poesie am nicht erwarteten Ort. Weiter so!

Wenn man dem Feuilleton glauben schenken darf, hat Ostermeier an der Schaubühne „John Gabriel Borkman“ als Kommentar zur Wirtschafts- und Finanzkrise inszeniert. Wieso fallen Regisseuren und Kritikern zu aktuellen Themen immer wieder Stücke ein, die über 100 Jahre alt sind?

Nichts ist beliebiger als eine Beschwerde über die Beliebigkeit unserer Zeit.

Skandal: RTL schweigt in beiden Jubiläums-Shows den größten Entertainer tot, den dieser Sender je hervor gebracht hat – Horst Brack, den Bestrafer!


WAU, SPD!

Das WAU ist eins der sympathischsten Gasthäuser Kreuzberg, was zu je einem Drittel dem Getränkeangebot, der freundlichen Bedienung und der SPD geschuldet ist.
Die SPD Kreuzberg-Friedrichshain hatte uns nämlich ins WAU eingeladen, weil sich uns dort ihr Direktkandidat für die Bundestagswahl 2009, Björn Böhning vorstellen wollte. Um 21 Uhr sollten wir uns bitteschön im WAU einfinden, für den Rest würden die SPD und besagter Böhning sorgen.
Pünktlich um 21 Uhr trafen wir ein, betraten eine überraschend leere Kneipe und nahmen an einem leeren Tisch Platz. Eine freundliche Service-Kraft näherte sich uns, um mit düsterer Miene etwas von einer „geschlossenen Gesellschaft“ zu murmeln. Als wir mitteilten, dass die SPD uns eingeladen hätte, hellte sich die Miene der Service-Kraft auf, die uns erfreut mitteilte, dass wir „Urquell, Ayinger und Riesling“ auf Kosten der SPD ordern könnten. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, orderten ein Potpourri des genannten und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Zunächst einmal kamen die Getränke, etwas später dann noch ein paar verwirrte Gäste und gegen 21 Uhr 30 fanden sich dann auch zwei Jusos ein, die erstmal vor dem Herrenklo weltmännisch ein paar Zigaretten wegrauchten und anschließend aufgeregt an einer Mikrofonanlage herum schraubten.
Um kurz vor zehn hatte die Bedienung begonnen, uns unaufgefordert Nachschub zu bringen (der Riesling war wirklich ganz ausgezeichnet), von der SPD (die Jusos hatten wieder Rauchposten vor dem Lokus bezogen) hatte sich immer noch niemand blicken lassen, und ich hatte gerade meinen iPod hervorgekramt, um endlich die ungehörten Podcasts der letzten Wochen abzuhören. Da traf überraschenderweise Sascha Lobo ein. Ich winkte ihm leutselig zu, Lobo grüßte verwirrt zurück (wir kennen uns nicht), ließ sich ein Ayinger bringen und wurde umgehend von ein paar Getreuen umrundet. So verging der weitere Abend wie im Fluge: ich hörte mir Quatsch auf dem iPod an, Lobo schmiedete zwei Tische weiter hochfliegende Pläne und erzählte seinen Fans IT-Schnurren, die geduldigste Gemahlin von allen löste Sudokus im Minutentakt und die konditionsstarke Bedienung des WAU sorgte für reichlichen Getränkenachschub.
Irgendwann gegen elf fiel mir auf, dass die Kreuzberger SPD sich immer noch in lastendes Schweigen hüllte. Keine Begrüßung der mittlerweile doch ziemlich zahlreich vor sich hinbechernden Gäste, keine Erklärung für Böhnings Verspätung, keine Ankündigung, wann er denn endlich eintreffen und uns mit wohlgesetzten Worten für die Sache der Sozialdemokratie einnehmen würde. Ich entschloss mich zu einer Expedition in die Nebelbänke vor dem Herrenklo, wo ich mich mit bereits leicht unsicherer Zunge nach dem Verbleib des Spitzenkandidaten erkundigte. Worte wie „Vorstandssitzung“, „Strategiegespräch“ und „so bald wie möglich“ drangen an mein Ohr, ich zog mich voll der Bewunderung zurück und erreichte unseren Tisch, wo frischer Riesling auf mich wartete. „Prost“, sagte ich, und die geduldigste Gemahlin konterte mit „Kommt er denn irgendwann?“ „Irgendwann bestimmt“, erwiderte ich wolkig, und die geduldigste Gemahlin schloss messerscharf: „Bevor der kommt, sind wir betrunken.“ „Das bin ich jetzt schon!“ gestand ich freimütig, und so entschlossen wir uns zum Aufbruch.
Flehendes Bitten der Bedienung, doch noch „auf ein letztes Gläschen“ zu bleiben, wiesen wir zurück, stattdessen winkte ich abschlingernd dem immer noch dampfplaudernden Lobo zu, der mit der Telefonhörer-Geste andeutete, mit mir telefonieren zu wollen (bis heute nicht geschehen, wir kennen uns und unsere Telefonnummern ja nicht), dann umfing uns die kalte Nachtluft und wir machten uns auf den Nachhauseweg, begeistert vom Getränkeangebot des WAU und der gewandten Freundlichkeit seiner Bedienung, begeistert aber auch von Björn Böhning und der SPD Kreuzberg-Friedrichshain, die durch ihre vornehme Zurückhaltung viel zum Gelingen dieses Abends beigetragen haben.

Auch auf qype veröffentlicht.

Der Tod des Khan

Ricardo Montalbàn ist gestorben. Er hat nicht nur den inspiriertesten Schurken der Star-Trek-Serie gegeben, er war auch einer der wenigen Schauspieler, die William Shatner bei einem Wett-Outrieren die Stirn bieten konnten. Wahrlich keine kleine Leistung.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=s0gk3AXEKUE[/youtube]

Splitterbrötchen (LXXXI)

Immer wieder erstaunlich, nach was die Menschen bei Google suchen:  „Skischuhe angießen“

Wenn man mal dringend einen Scharlatan braucht, sollte man einfach in ein Business-Netzwerk schauen. Da findet man sofort einen.

Viele Menschen mögen das „Dschungelcamp“ für blödsinnig halten. Ich jedenfalls kenne keine andere aktuelle Sendung, die so liebevoll und detailversessen gemacht wird.

Apropos Dschungel: Nobert Schramm scheint in irgendeinem Shaolin-Kloster die Kunst erlernt zu haben, sich unsichtbar zu machen. Cleverer Schachzug für die Zeit nach der Sendung: „Wie? Ich soll im Dschungelcamp gewesen sein?“

Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise hört man immer wieder den Vorschlag, es müsse „alles neu überdacht“ werden. Das ist sicherlich gutgemeint, letztlich aber Quatsch. Wenn alles neu überdacht wird, gibt das zwar einen Schub für die Bauwirtschaft und bei Regen werden weniger Leute nass, aber die strukturellen Probleme bleiben trotzdem ungelöst.

Ein Stück vom Paradies

Im KaDeWe, vor ca. 30 Jahren.

„Hier, probier mal…“
„Nee, danke, ich ess doch nix Süßes.“
„Das MUSST du probieren.“
„Nee, keinen Bock. Ist du ruhig deine Torte, dann gehen wir zur Fischabteilung…“
„Du probierst jetzt!“
„Lass gut sein. Torte ist Kuchen, und Kuchen ist Torte. Ist mir wurscht.“
„Wenn du jetzt nicht sofort ein Stück probierst, mümmel ich solange an der Torte rum, bis die Austern alle sind!“
„Okay, nur damit du Ruhe gibst…“

„Und?“
„Das ist ja wahnsinnig. Wie heißt das?“
„Das ist eine ‚Charlotte Cecile‘.“
„Unglaublich. Einfach unglaublich. Äh, Frollein, ich nehm auch so ein Stück!“
„Ich denke, du magst keinen Kuchen?“
„Das ist kein Kuchen, das ist keine Torte, das ist ein Stück vom Paradies. Frollein, machen Sie gleich zwei Stück für mich!“

Am 8. Januar ist Gaston Lenôtre gestorben.

Rattanbettgeflüster

Sehr geehrte Dame bzw. sehr geehrter Herr!

Das war ein Fehler von Fa. Google, dass Sie hierher geleitet wurden, als Sie nach „Rattanbett   Geräusch“ gesucht haben. Ich hab hier vor Unzeiten mal einen Beitrag geschrieben, in dem meine alte Wohnung in der Skalitzer Straße vorkam, in der stand ein Rattanbett, und da fuhr auch die U-Bahn vorbei, und die machte gewaltig Geräusch.
Tja, dumm gelaufen, aber was fang ich mit Ihnen an, jetzt, wo Sie hier sind? Wissen Sie was? Ich helfe Ihnen. Ich kenn ja diese nervigen Geräusche auch, die so ein Rattanbett macht. Die bekommen Sie aber ganz einfach in den Griff, in dem Sie die Schrauben, die Ihr Rattanbett zusammenhalten, durch sogenannte Feingewindeschrauben ersetzen. Ab sofort macht Ihr Bett keinen Mucks mehr, versprochen. Wenn Sie katholisch sind, können Sie’s natürlich auch mit Enthaltsamkeit probieren.

Tschö, der Chris