Aus Fehlern lernen

Vor einem Jahr hat mir die für den Discounter NP zuständige Werbeagentur eine nette Vorlage geliefert. Da hatte irgendein sprachgestörter Vollspaten ein etwas überforderter Mitarbeiter ein Riesen-Bubu gemacht eine kleine sprachliche Unsicherheit (aus dem „Lampion“ einen „Lampignon“ gemacht) in die vieltausendfach gedruckten aktuellen Prospekte und Plakate gemogelt, so dass ich mit einem pfiffigen Kalauer reagieren konnte.
Solche Gelegenheiten hat man nicht oft, denn ein derart grober Fehler unterläuft einem Unternehmen nur einmal. Sicherlich war ich nicht der einzige Kunde, dem das aufgefallen war, auch viele NP-Mitarbeitern werden den Lapsus bemerkt haben und spätestens bei der Manöverkritik hat der Textchef der Agentur Feuer und Asche über den Unglücksraben regnen lassen, der den „Lampignon“ verbrochen hat.
Gottseidank hat NP den Fehler als nicht so gravierend empfunden und die Zusammenarbeit mit der Agentur nicht gekündigt. Und so hatten die Werber ein Jahr später, als erneut ein Lampion im Angebots-Sortiment von NP auftauchte, endlich Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen.
Schon wieder Lampignon

Auch online.

Splitterbrötchen (CXLIX)

Nicht auszudenken, was möglich wäre, wenn Louis van Gaal Lena trainieren würde.

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man bei wirklich bahnbrechenden Erfindungen erst nach ca. 25 Jahren weiß, wofür sie gut sind. Also werden wir im Jahr 2035 endlich wissen, was man mit diesem iPad so alles anfangen kann.

Wenn ich meine masochistischen Anwandlungen bekomme, lese ich die Leserbriefspalten der Tageszeitungen. Den meisten Leserbriefschreibern fällt seit geraumerZeit nichts anderes ein, als ständig neue, strengere Gesetze zu fordern. Als ob ein Staat die Fehler und Versäumnisse seiner Bürger mit Gesetzen wieder gut machen könnte. Sicherlich könnte man das Niveau der Leserbriefe gewaltig steigern, wenn man die Forderung nach neuen Gesetzen gesetzlich verbieten würde.

Splitterbrötchen (CXLVIII – Madrid-Edition)

Der Triumph des Intellekts über die Leidenschaft sollte logisch und daher kein Grund für Traurigkeit sein. Sollte.

Wenn ich nix verpasst habe, hat es in diesem Spiel keinen einzigen Abseitspfiff gegeben. Gab es vorher schon mal ein Finale ohne Abseits-Situation?

Die Erkenntnis aus diesem Finale: Ballbesitz kann nichts, Effizienz alles sein.

„Wenn es eng wird, gewinnt derjenige, der etwas riskiert.“ Das hat mir vor ein paar Jahren Tennis-Trainer Wolfgang in Waging mit auf den Weg gegeben. Trainer Wolfgang ist auch in diesem Finale bestätigt worden: Mourinho hat alles auf eine Karte gesetzt, die Dominanz des van-Gaal-Systems in Kauf genommen und auf die individuelle Klasse seiner Konter-Spieler vertraut. Man braucht sehr, sehr viel Mut, um sich für solch eine Taktik zu entscheiden.

Warum Inter letztlich gewonnen hat: weil die Bayern ihr Spiel nicht umgestellt haben, als Klose eingewechselt wurde. Spieler wie Klose muss man mit Flanken füttern, ansonsten macht ihr Einsatz keinen Sinn.

Schließlich und endlich: Romantiker müssen stur sein. Ein Mensch, der nicht starrsinnig ist, kann kein Romantiker sein. Louis van Gaal ist der letzte fußballerische Romantiker.

Rock on, Louis!

Der süße Hammer: The Rhubarb Eton Mess

Vor ein paar Wochen war bei Spiegel Online ein Artikel über eine neue Kochshow aus England zu lesen. Roald-Dahl-Enkelin Sophie hatte sich für die BBC an den Herd gestellt und war von der TV-Kritik herbe verrissen worden.Nicht nur, dass Frau Dahl küchentechnische Unzulänglichkeiten vorgeworfen wurden („Kann noch nicht mal Brot schneiden“), nein, die Créme de la Créme der britischen Food-Journaille bemängelte, dass die Fernsehköchin Anzüglichkeiten ins Studiomikrofon hauchen und sich ständig über Töpfe und Pfannen beugen würde, um ihr Dekolleté zu präsentieren. Davon musste ich mich natürlich sofort selber überzeugen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=nys4FPRug8A&feature=player_embedded[/youtube]

Und es ist Quatsch, was die Leute da geschrieben haben. Sophie Dahl KANN kochen, und das Dessert-Rezpt, was sie in dem Clip vorstellt, ist schlicht und einfach der Hammer. Ich hab diese „Eton Mess“ jetzt schon mehrfach Gästen vorgesetzt, die vehement versicherten, wirklich keinen Platz mehr für einen Nachtisch zu haben. Dann trug ich die Platte mit der Eton Mess auf, und keine Viertelstunde später konnte ich die sauber leergeputzte Platte wieder abräumen. Sogar ich, der ich sonst nicht gerade das Süßmaul bin, lange hier gern zu.

Rhubarb Eton Mess

4 Eiweiß
1,5 kg Rhabarber
brauner Zucker
Mandelblättchen
½ l Schlagsahne
200g Creme Fraiche
1 Vanilleschote (evtl. Vanillezucker)
Butter, Zucker, Zitronensaft

Die Eiweiß mit 200g Zucker sehr steif schlagen. Ein Back blech mit Backpapier auslegen, das steife Eiweiß in Häufchen darauf geben und 1 Stunde lang im Ofen bei 100 Grad backen. Auskühlen lassen.
Den Rhabarber schälen und in Stücke schneiden. Butter in einem Topf aufschäumen lassen, drei Esslöffel braunen Zucker karamelisieren lassen, den Rhabarber dazu geben und unter die karameli sierende Zuckermasse rühren, gegebenenfalls mit etwas Zitronensaft ablöschen, sowie er Wasser zieht und das aufkocht vom Herd nehmen, abkühlen lassen.
Vanilleschote aufschlitzen, in die Schlagsahne geben, ziehen lassen. Schote entfernen und Schlag sahne durch ein Haarsieb gießen, Sahne mit etwas Zucker (gegebenenfalls Vanillezucker, wenn sie noch nicht vanillig genug ist) steif schlagen, Creme Fraiche unterrühren.
Mandelblättchen in einer Pfanne mit Butter und Zucker leicht bräunen.
Einen Teil des Baiser zerkrümeln, unter die Vanille-Sahne rühren. Eine Platte mit dem restlichen Baiser auslegen, einen Teil der Sahne auf den Baiser löffeln, das Kompott darüber geben, mit der restlichen Sahne vollenden und das noch warme Mandelkrokant darüber streuen. Die Platte servie ren und bei Tisch auf Dessert-Teller verteilen.
Mahlzeit!

Anmerkungen: Sophie Dahl kippt noch Rosenwasser an die Sahne, hab ich weggelassen. Ich mag kein Rosenwasser. Und auch die kandierten Rosenblätter zur Deko hab ich weggelassen. Ich hatte Angst, dass mein Gemüsehändler mir den Vogel zeigt, wenn ich ihn frage, ob er kandierte Rosenblätter hat. „Eton Mess“ selber ist wohl eine traditionsreiche Süßspeise, die normalerweise mit frischen Erdbeeren oder Kompott von roten Beeren hergestellt wird. Müsste man mal probieren, wenn die Rhabarber-Saison vorbei ist. Oder man kocht ordentlich Rhabarber-Kompott auf Vorrat und friert es ein. Wie ich.

Foto: Harald Effenberg

Splitterbrötchen (CXLVII)

Nur weil man etwas nicht verstehen kann oder will, muss man es noch lange nicht abschaffen.

In der U-Bahn sah ich einen Menschen, der ein Paket mit „Premium-Windeln“ unter dem Arm trug. Wenn man dieses faszinierende Konzept zu Ende denkt, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, das es so etwas wie Premium-Scheisse geben muss. Premium-Scheisse. Das ist wirklich groß.

Was Angela Merkel und Guido Westerwelle vollkommen abzugehen scheint: Empathie. Laut wikipedia die Fähigkeit „sich in die Lage ´(eines anderen Menschen) zu versetzen und mit ihm mitzufühlen, sich darüber klar zu werden, was der andere fühlen muss, sowie die eigenen Gefühle zu erkennen und angemessen zu reagieren.“ Nuja, wenn man das so liest… wer das nicht kann, hätte eigentlich nicht Politiker werden sollen.

Nach dem Gewinn des Doubles sollte der FC Bayern München den Vertrag mit den Versicherungsfuzzis auslaufen lassen und die Allianz-Arena in“Louis-van-Gaal-Stadion“ umbenennen. Sollte der Louis in einer Woche tatsächlich noch eine Schippe drauflegen, muss in München zwingend über einen neuen Namen für die Frauenkirche nachgedacht werden.

Splitterbrötchen (CXLVI)

Grandiose Kleinanzeige: „Gratis Millionär werden! Genießen Sie 20 Jahre lang jeden Monat 5555 Euro völlig gratis.“ Nur: Was mach ich, nachdem ich das Geld gratis genossen habe? Und was kostet das?

Vor einer Woche geschah bei Anne Will das Unglaubliche: Man talkte über ungebildete Jugendliche, und in der Runde befand  sich kein Schauspieler, der mal einen Lehrer gespielt hatte.

Die wichtigsten Küchenwerkzeuge: Küchenweinglas und Küchentisch.

Unsere Welt ist bunt

Irgendwie hab ich heute früh beim Einkaufen schon gemerkt, dass das einer von diesen Tagen werden würde, ich hab Olivenöl geholt, und neben dem Ölregal stehen die Tüten mit den Fix-Produkten, und da sah ich „Maggi-Fix für Käsespätzle“, ein ganzganz tolles Produkt, weil man muss nur noch Spätzle und Käse dazugeben, wenn man damit Käsespätzle kochen will, und die Zubereitung dauert auch nur zwanzig Minuten. Da frag ich mich natürlich, wieso das dann Maggi-Fix heißt, weil mit Fertig-Spätzle aus dem Kühlregal braucht man für Käsespätzle ja allerhöchstens ein Drittel der Zeit, und überhaupt, was ist das eigentlich für ein Pulver in dieser Tüte? Außer Käse und Spätzle ist ja eigentlich in Käsespätzle nichts drin, und Käse und Spätzle muss man ja zu diesem Pulver noch hinzugeben.
Da wollte ich im Internet nachschauen, was denn nun in diesem Pulver drin ist, da bin ich nicht mehr dazu gekommen, weil ich in diesem Internet gelesen habe, das die Reifenfirma Schwalbe einen Fahrradhändler abgemahnt hat, weil er ihre Bilder von ihren Fahrradreifen benutzt hat, um ihre Fahrradreifen zu verkaufen. Da hab ich vor lauter Staunen über den Irrsinn dieser Welt das nichtsnutzige Maggipulver vergessen und hab nur kopfschüttelnd vor dem Rechner gesessen, als es plötzlich an der Bürotür geklingelt hat.
Da stand ein netter Herr von Lieferservice Fa. Pizza Avanti, der mir den neuen Prospekt überreicht hat, und da gibt es zwar keine Käsespätzle aber Köstlichkeiten wie „Bufulo Chicken“ oder „Insalata Küchenchef Art“ oder vor allen Dingen …

Fingerfilet

… und damit beende ich für den heutigen Tag alle Versuche, diese Welt zu verstehen. Ich glaub einfach nicht, dass mir das im weiteren Verlauf des Tages gelingen wird.

Splitterbrötchen (CXLV)

Vielleicht ist Korruption manchmal billiger und sinnvoller als Bürokratie.

Das politische Erdbeben der Woche wurde von den Rating-Agenturen ausgelöst. Den gleichen Rating-Agenturen, die gewisse amerikanische Immobilien-Papiere mit Triple-A bewertet haben. Dazu sehr treffend yeahyeahyens auf Twitter: „kein idiot würde seine finanzen nach dem richten, was der besoffene, krankhafte spieler am automaten in der eckkneipe vor sich hin faselt“

Das Zitat der Woche prägte Albert Camus bereits im Jahr 1957: „Alles, was ich schließlich am sichersten über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball.“ Mit aktuellen Statements gemeinsam auf Platz zwo: Oberst Gaddafi mit „Ich rufe deshalb dazu auf, das Staatswesen der Schweiz aufzulösen.“ und Louis van Gaal mit „Ich bin ein Feierbiest.“

Und, um beim Thema Fußball zu bleiben, die aussagekräftigste Kurzanalyse gelang Peter Ahrens von SpOn mit dem Satz: „Trainer Mourinho formte aus der Mannschaft (Inter Mailand) eine Art bewegliche Mauer.“

Und fußball-endlich: Nach dem Labbadia-Rausschmiss muss der HSV schnellstmöglichst zur Seriosität zurückfinden. Sie sollten Lothar Matthäus holen.

Die Kneipen ändern sich nicht, und wir ändern uns nicht in ihnen.