Splitterbrötchen (CCLXXVI)

Sushi-Lieferant Fa. Sucheese konfrontierte mich mit dem verwirrenden Claim: „Würde unser Essen essen, würde es unser Essen essen.“ Das kann nur bedeuten, dass man bei Sucheese Fischfutter serviert.

Früher kaufte man sich eine schnöde Eintrittskarte, heute erwirbt man ein „Fan-Ticket im individuellen Tour-Design“. Sicherlich wird das Konzert dadurch viel besser.

Letzte Woche stand die erste, wohlgelungene Paulsen-Gans des Jahres und des neuen Backofens auf dem Tisch, ein voller Erfolg! Beim dazugehörigen Rotkohl hatte ich diesmal mit einer marinierten Variante experimentiert. Hätte ich mir schenken können: weil ich mit meiner üblichen – leicht geisteskranken – Menge Johannisbeergelee abgeschmeckt hatte, hat man den Unterschied zu meinem sonstigen Rotkohl nicht geschmeckt. Gottseidank auch nicht, dass mir das Koriander-Pulver ausgerutscht war.

Im Kielwasser dieses Gänsebratens tauchte dann diese Woche ein weiterer kulnarischer Höhepunkt zum ersten Mal in diesem Jahr auf: Schwarzbrot mit Gänseschmalz und Kochkäse.

Zur Unterhaltung der Splitterbrötchen-Leser habe ich dann noch einen kleinen wissenschaftlichen Test ausgearbeitet. Teilnahme und Auswertung nimmt weniger als 1 Minute Ihrer Zeit in Anspruch, los geht’s!
Beim Lesen der Worte „Volume Sensation“ denken Sie an
a) Ihre Haare
b) Verstärker
Auswertung:
Sie haben sich für a) entschieden: Sie sind eine Frau.
Sie haben sich für b) entschieden: Sie sind ein Mann.
Verblüffend, nicht wahr?

Nicht nur die sportlichen Leistungen von Mario Gomez sind phänomenal, ebenso einmalig ist die vollkommen idiotische Art und Weise, wie die Sportpresse auf diesem Mann herumhackt. Selbst an seinem sensationellen Comeback-Tor von gestern wird irgendwer von Reif bis BILD wieder was zu meckern finden. Dass er so andauernd ungerechtfertigt in der Kritik steht, hat er übrigens mit Gerd Müller gemeinsam. Dem hat die Journaille während seiner Karriere – man glaubt es heutzutage kaum – ebenfalls ständig mangelnde Laufbereitschaft („steht nur im Strafraum“) und eine fehlerhafte Technik („kann nicht richtig Schießen“) vorgeworfen.

Splitterbrötchen (CCLXXV)

Angesichts der außergewöhnlich hohen Volatilität des Rispentomaten-Preises bei Edeka sollten Anleger wachsam bleiben.

Aus der Rubrik „wunderbar berlinisch“: „Wat hustest’n so?“ – „Ick hab mir verschluckt.“ – „Jib nich so an. Bist ja noch da.“

Das Gänsefett ist ausgelassen: beste Stimmung in der Küche!

Marketing-Idee für ein Restaurant mit Namen „Merlin“: „Wenn es Ihnen gelingt, das Steakmesser aus Ihrem Entrecote zu ziehen, speisen Sie gratis!“

Effjott Wagners Satz der Woche: „Aus seiner Eisernheit öffnet sich eine Tür.“ Mehr Fehlleistung in sieben Wörtern ist wohl nicht machbar.

Im Prinzip ist das Braten einer Gans eine einfache Sache. Es ist die Majestät, die der Vogel ausstrahlt, die für Stress sorgt.

Auf die Tüten mit Reibekäse druckt Fa. Aldi: „Gouda – Gipfel der Finesse“. Über diesen Claim würde ich mit den Verantwortlichen gern einmal ganz sachlich diskutieren.

 

Splitterbrötchen (CCLXXIV)

Wun-der-ba-re Statusmeldung des Libre-Office-Installers: „Migriere Eigenschaftenstatus der verwandten Anwendungen.“ Als wäre man auf einem Familientreffen!

Die traurige Nachricht der Woche: Günter Brombacher, Mitbegründer des stilbildenden Kinder- und Jugendtheaters „Rote Grütze“ ist mit nur 62 Jahren gestorben. Immerhin war dies den Feuilletonredakteuren des Tagesspiegel, die den Tod von Helma Fehrmann  noch ignoriert hatten, diesmal eine Meldung wert.

In diesem Zusammenhang möchte ich allerdings ein herzzerreißend komisches (und gelegentlich herzzerreißendes) Buch erwähnen, das skandalöserweise in Vergessenheit geraten ist: „Ohne mich fehlt mir was“ von Rote-Grütze-Gründer Holger Franke. Wer einen reichen Geschichtenschatz u. a. über Fritz Kortner, die 60er Jahre in Westberlin, die damalige linke Szene und die Geburtsstunden der freien Theater in dieser Stadt heben möchte, sollte versuchen, es antiquarisch zu bekommen (auf ZVAB ist es z. B. zu haben, ebenso bei ein paar amazon-Zulieferern). Ein ganz, ganz wunderbares Buch.

Gemeinsam mit Franke habe ich mich übrigens mal abseits eines Theaterautoren-Kongresses an diversen Grappa-Flaschen vergangen. An das wenige, was ich von diesem Abend noch erinnere, denke ich sehr gern zurück.

Als ich die Werbebeilagen aus der Donnerstags-Ausgabe des Tagesspiegel entfernt hatte, hatte ich praktisch nichts mehr in der Hand.

Und schließlich gab es einen Neuzugang in der Blogroll, bitte dringend ein Auge auf den Kiezneurotiker haben. Der Mann ist sehr, sehr gut.

Splitterbrötchen (CCLXXIII)

Trotz des großzügigen Einsatzes sogenannter Party-Tomaten blieb die Stimmung beim Verzehr des Salats merkwürdig gedämpft.

Fa. Groupon bleibt ebenso dämlich wie hartnäckig. Die babylonische Sprachverschluderung „Italian Cuisine“ wurde diese Woche in die nächste Runde geschickt.

Es ist vollkommen idiotisch, ein Gebäckstück „Farmer-Brötchen“ zu nennen. Ich jedenfalls verstehe immer „Pharma-Brötchen“ und denke: „Nee, so’n Chemie-Scheiß will ich nicht.“