Der BRAZ

Den BRAZ, also den Besten Romananfang Aller Zeiten habe ich vorgestern beim Stöbern in der Buchhandlung entdeckt. Buch gegriffen, aufgeschlagen, erstes Kapitel, erster Absatz:

„Sackerment“, rief Goethe, als ihm hinterrücks eine verkorkte Flasche Burgunder so heftig über dem Schädel zerschmettert wurde, dass ihm der Schlag in alle Glieder ging. Er hatte nicht einmal mehr die Zeit gehabt, seinen Daumen aus dem Mund der Frau zu nehmen. Benommen lehnte er sich an den Tisch, um nicht in die Knie zu gehen, aber schon hatte der andere ihn am Kragen gepackt und herumgewirbelt, bereit, ihn mit einem Fausthieb niederzustrecken. Schiller hatte indes das Geweih samt Schädel und Trophäenbrett gegriffen und ließ es nun auf den Rücken des Angreifers niedersausen. Als der Mann ohnmächtig zu Boden ging, knirschten die Scherben unter seinem Leib. Während Schiller das Geweih nicht aus der einen Hand gab, stütze er mit der anderen seinen Freund, bis der seine fünf Sinne wieder zurechtgesetzt hatte.

Buch zugeklappt, bezahlt, nach Hause getragen, durchgelesen. Robert Löhr: Das Erlkönig Manöver. Die deutschen Klassiker suchen und finden das ganz große Abenteuer. Hinreißender Schmöker.
Und – wie gesagt – für mich der beste Romananfang aller Zeiten. Mag wer dagegen halten?
[tags]Roman, Anfang, Schreiben[/tags]

4 thoughts on “Der BRAZ”

  1. „Schwede“, begrüßte er mich in der Tür stehend. „Alter Schwede!“

    Er wusste, dass ich es hasste, wenn er mich so begrüßte, aber das kümmerte ihn nicht. Er drückte mich an seinen Wanst und führte mich in sein Büro.

    „Bitte, komm herein.“

    Ich setzte mich aufs Sofa, im Zimmer billiger Zigarettenrauch.

    „Und, wie sieht’s aus?“

    Ich zuckte mit den Schultern. Winfried Welz fingerte sich eine Zigarette aus der Schachtel, zündete sie mit einem gelben Plastikfeuerzeug an und hustete, dass ihm sein roter Kopf zu platzen drohte.

    „Junge, ist das ein Qualm hier herinnen. Schwede, ich werde kurz mal die Balkontür öffnen. Schön, dich zu sehen. Kann ich was für dich tun?“

    „Winfried, ein Glas Wasser?“

    „Sag Freddy zu mir. Winfried ist so förmlich. Ich hab nichts dagegen, wenn du Freddy zu mir sagst. Ich bin da nicht so.“

    Anfang eines von mir im Januar 2006 verfaßten unveröffentlichten Romans.

  2. Achim, deinen Roman würde ich gern mal lesen. Schick ihn mir bitte, wenn du magst.
    Und der Cotton-Anfang ist natürlich genial. Überhaupt, Cotton. Ich muss mal was über die Cotton-Filme machen, das waren die reinsten Trash-Perlen. Wenn ich mich nicht sehr irre, kommt in „Dynamit in grüner Seide“ einer der beknacktesten Stunts der Filmgeschichte vor… Thnx for the memories!

  3. Chris, ich überarbeite diesen gerade. Einzig vielleicht ein Kapitel über eine italienische Hochzeit, an der ich 2003 teilnahm, kann noch meinem kritischen Gefühl stand halten. Ich werde mir das alles nochmals anschauen. Schlecht ist die Arbeit nicht. Es ist verdammt viel Material.

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