Splitterbrötchen (DLXVIII)

Ich verstehe die Aufregung um die KiKa-Doku „Malvina, Diaa und die Liebe“ nicht. Das Prinzip des Films, die beiden Lebenswelten unkommentiert gegenüber zu stellen, hat doch hervorragend funktioniert. Wer nicht vollkommen bekloppt ist, sieht ein kluges, selbstbewusstes Mädchen, das sich eigene Gedanken macht und sich eben nicht von den Steinzeit-Ansichten ihres Freundes beeinflussen lässt. Wozu braucht es dann noch die fast überall herbeigeforderte „Einordnung“? Von Jugendlichen, die nach dem Anschauen des Beitrags die Türen der Koranschulen einrennen, liest man (natürlich) nichts. Wie so oft: Das Publikum wird für dümmer gehalten als es ist.

Das Schieben von ruhigen Kugeln wird ganz schön anstrengend, wenn man es über einen längeren Zeitraum hin betreibt.

Im Perlentaucher las ich, dass Charlotte Belaich sich in der „Liberation“ zum Aufruf der 100 französischen Frauen, den Männer das „Recht zu belästigen“ (ich würde impuner sinngemäß eher mit „nerven“ oder „zu nahe treten“ übersetzen) äußert und schreibt, dass die „séduction à la française“ in Gefahr sei, und das zurecht:  „Französische Galanterie bestehe darin, die Frau auf ein Podest zu heben und sie zu beschützen, weil man sie als die schwächere ansehe.“ Ach je. Auf die Idee, dass Männer galant sind, weil sie Frauen bewundern, kommt Mme. Belaich anscheinend gar nicht.

Wunderbar, dieser vor Deftigkeit strotzende „Schildkrötenteller“ (Eisbein, Knacker, Boulette, Sauerkohl, Bratkartoffeln), serviert in der „Schildkröte“ (Uhlandstr./Kurfürstendamm), einer unerschütterlich aus dem Zeitstrom herausragenden West-Berliner Gastro-Institution.

Trotzdem, zum kulinarischen Wochenhöhepunkt hat’s nicht gelangt. Das waren…

Mägele in Spätburgunder, nach Meuth/Neuner-Duttenhofer. Boah! Die Brühe, die durch das Kochen der Hähnchenmägen entsteht – und damit die Sauce – hat einen Wumms, der süchtig macht.

Die deutsche Filmkritik ist ziemlich auf den Hund gekommen . Zu dem Schluss muss man kommen, wenn man diese Presseschau zum Golden Globe für Fatih Akin liest.  Aber Akin ist nicht das einzige Opfer fehlgeleiteter Stimmungsmache. Die Kritik, die Andreas Busche zu „Wonder Wheel“, dem neuen Film von Woody Allen, für den Tagesspiegel geschrieben hat, ist schlichtweg infam. Unter anderem heißt es da: „Allen hat in seiner ganzen Karriere noch keine interessante Frauenfigur geschrieben…“>
Herr Busche:
Annie Hall (Der Stadtneurotiker)
Hannah, Holly und Lee (Hannah und ihre Schwestern)
Tina Vitale (Broadway Danny Rose)
Cecilia (The Purple Rose of Cairo)
Marion Post (Eine andere Frau)
Alice Tate (Alice)
Carol LIpton (Manhattan Murder Mystery)
Linda Ash (Geliebte Aphrodite)
Melinda (Melinda und Melinda)
Vicky, Cristina und Maria (Vicky Cristina Barcelona)
Jeanette (Blue Jasmin)
Ich könnte noch ziemlich lange weitermachen. Alle uninteressant? By the way, kennen Sie einen anderen Drehbuchautor/Regisseur, der vergleichbar viele Filme mit weiblichen Hauptrollen geschrieben und gedreht hat?
Und zu den vor 25 Jahren während eines Rosenkriegs aufgetauchten Missbrauchsvorwürfen, mit denen Sie Ihre Kritik beschließen: Warum lassen Sie – und viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen – beharrlich unter den Tisch fallen, dass die Staatsanwaltschaft gegen Allen ermittelt und KEINE Anklage erhoben hat? Warum geben Sie sich für derart plumpe Stimmungsmacherei her?  Und warum tun Sie’s derart dilettantisch?

Im Gegensatz zu Herrn Busche sind in diesem Clip Profis am Werk. Die reine Freude.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.