Archiv der Kategorie: Dies und das

Tagebüchliches

Körzdörfers Discounter

Körzdörfers Gesellschaft: Filmpreis Golden Globe 2007 – Bild.T-Online.de:
Ich fühlte mich wie bei Aldi in der Schlange: vor mir Meryl Streep (57, „Der Teufel trägt Prada“), die Tattoo-übersäte Angelina Jolie (31, knisternder Sex), Supermodel Heidi Klum (33, dauerknutschend mit ihrem Mann Seal, 43), neben mir Dustin Hoffman (wird 70), George Clooney (45), Jack Nicholson (69), Tom Hanks (50)…

Jaja, das Gefühl kenn ich auch, wenn einem beim Aldi plötzlich jedes Gesicht bekannt vorkommt. Das vergeht, wenn man für ein paar Tage den allerletzten Absacker an der Bar wegläßt.

Am Schienennetz

Bild.T-Online.de:

Jürgen Trittin (52), Außenexperte der Grünen und Ex-Umweltminister, musste seinen Weihnachtsurlaub auf den Kanarischen Inseln unfreiwillig verlängern.
Der für gestern Vormittag geplante Rückflug von Teneriffa wurde kurzfristig gestrichen.
Sein Pech: Er hatte ursprünglich eine spätere Maschine gebucht, wollte jetzt früher nach Hause.
BILD meint: Wäre er mal lieber mit der Bahn verreist!

Mit der Bahn auf die Kanarischen Inseln? Gaaaanz sicher? Muss ich mir anfangen, Sorgen um die BILD zu machen? Ist Effjotts Zustand doch ansteckend?

Was sind das für Kerle?

Action-Schocker „Apocalypto“: Plagiatsvorwurf gegen Mel Gibson – Kultur – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten:
Ein Detail der Verfolgungsjagd im Film kam den Kritikern besonders bekannt vor. Sie meinten, ähnliches schon 1993 bei „Auf der Flucht“ gesehen zu haben. Harrison Ford als Dr. Richard Kimble entkommt seinen Verfolgern dort auf gleiche Weise wie es Jaguarpfote es in „Apocalypto“ versucht: Beide springen während einer Verfolgungsjagd nach kurzem Zögern einen tosenden Wasserfall hinab.

Vor Dr. Kimble sind aber schon u. a. anno 1969 Butch Cassidy und Sundance Kid gesprungen… Ich bin mir jetzt einen Tick unsicher, wär sich „auf der Flucht mal schnell einen Wasserfall runterspringen“ hat urheberrechtlich schützen lassen. Und was sind das für Kerle, die bei SPON einen derartigen Schwachsinnsartikel online gehen lassen?

Jenseits aller Vernunft

Gestern Abend las der einmalige Eckhard Henscheid in der Bar jeder Vernunft. Liebe Gastronomie jenseits der Vernunft, es ist schlichtweg ein Verbrechen, eine Lesung mit Henscheid zu organisieren und dann dem Publikum ein gescheites Weißbier zu verweigern („Wir haben nur Pils und alkoholfrei auf der Karte…“). Henscheid ohne Weißbier ist wie die Hölle ohne ein gescheites Fegefeuer! Wenn man also einen solchen Titanen des Humors, der mehr für die Popularisierung obergäriger Getränke getan hat als jeder andere lebende Autor, bei sich lesen läßt, dann hat man gefälligst über den Schatten der eigenen Getränkekarte zu springen, und ein gescheites Hefeweizen anzubieten, punktum. Apropos Getränkekarte: 0,75l Mineralwasser für 6,50? Eher flachen Zweigelt für 5? 0,3l plörriges Pils für 3,90? Die Grenzen zwischen Gastronomie und Straßenraub beginnen zu verschwimmen.

Adabei

Gedanken machen – Der Shopblogger:

Mich haben heute zwei Kunden unabhängig voneinander etwa folgendermaßen angesprochen: „Arbeiten Sie hier?“, bzw. „Gehören Sie hier zum Laden?“ Sollte ich anfangen, mir Gedanken zu machen?

Ich bin mal, auf der Premierenfeier eines Musicals, für das ich das Buch schreiben durfte, in folgenden Dialog geraten:
„Waren Sie auch beteiligt?“
„Ich bin der Autor.“
„SIE haben DAS geschrieben?“
„Ich fürchte ja.“
„Das sieht man ihnen nun gar nicht an. Sie werden es schwer haben.“
Auweh. Ich mach mir aber schon lang keine Gedanken mehr deswegen.:)

Zu hohe Ziele

ProSieben plant Filmklassiker-Parodien: SPIEGEL ONLINE:
Das kann heiter werden: Pro Sieben plant, Blockbuster der Filmgeschichte im Fernsehen zu parodieren. Auf dem Zettel stehen unter anderem „Dirty Dancing“ oder „Die Hard“.

Oh je, ob sich da unser sympathischer Kommerz-Sender nicht etwas verhoben hat? Gerade als Autor, der weiß, dass man letztlich nur das parodieren kann, was man liebt, frage ich mich, wie ProSieben ein solches Vorhaben stemmen will. Ich glaube nicht, dass in einem Sender, der Formate wie „Die Burg“ ausstrahlt und – von Talent und Persönlichkeit her stark herausgeforderte – Menschen wie Elton vor eine Kamera lässt, überhaupt jemand arbeitet, der fähig ist, so etwas wie Liebe zu empfinden.

Ice-Cold Call

„Kann ich bei Ihnen mal den Entscheider für Druckerpatronen sprechen?“ – „Servicebüro Müller, wer ist denn bei Ihnen der Inhaber?“ – „Hier ist das Telepower-Team, Vertriebspartner von Voodoofone, was halten Sie denn davon, wenn wir Ihre Telefonrechnung mal schnell halbieren?“
Bisher ist mir dazu nur „Ich hab das gleiche Kaltakquise-Seminar besucht wie Sie. Ihre Eröffnung ist Scheiße.“ eingefallen. Beendet zuverlässig das Gespräch, aber stinkt natürlich monumental ab im Vergleich zu dieser ultimativen Rache an allen merkbefreiten Cold-Callern. Vor dem Anklicken des Links bitte die Kaffetasse absetzen und einen Toilettenbesuch in Erwägung ziehen. Mich hat’s aus dem Stuhl gehauen. Gefunden bei Dings, herzlichen Dank, you made my week!

Expertenmeinung

Kampf gegen Aids: Vatikan hält päpstliche Kondom-Studie unter Verschluss – Wissenschaft – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten:
„‚Gemäß dem Wunsch von Benedikt haben wir den Gebrauch von Kondomen sorgfältig untersucht, sowohl aus wissenschaftlicher wie auch aus moralischer Sicht‘, sagte Baragàn in einer Pressekonferenz. Die Studie solle jedoch nicht veröffentlicht werden. Erst müsse geklärt werden, ob über die Verwendung von Kondomen überhaupt neu entschieden werden müsse. Baràgan erklärte vielsagend, das Gesundheitsministerium des Vatikans habe ‚alle Aspekte‘ in die Untersuchung einbezogen.“

Das würde mich jetzt doch interessieren, wie die vatikanischen Experten (Wie muss ich mir das eigentlich vorstellen? „Seine Heiligkeit Papst Benedikt hat heute Kardinal London aus Paris zum Experten des Heiligen Stuhls für Kondome aller Art ernannt. Kardinal London ist für diese Ausgabe hervorragend qualifiziert, weil er als Jugendlicher in der väterlichen Gaststätte mal einen Präservativ-Automaten von weitem gesehen hat“? Oder nimmt man doch „richtige“ Experten? „Eyh, Luigi, mach mal Pause! Der Chef will dich sprechen. Du sollst ihm noch mal erklären, wie Lümmeltüten funktionieren“ – „Was denn, schon wieder? Das ist jetzt das fünfte Mal diese Woche!“) „alle Aspekte“ in ihre Untersuchung miteinbezogen haben. Die Dinger mit Wasser gefüllt und von der höchsten Zinne von Castel Gandolfo runterplatschen lassen, um dann zu dem Ergebnis zu kommen, das die Dinger nix taugen, weil Gläubige in von Dürrekatastrophen geplagten Gebieten keine Verwendung für sie haben. Oder so. Vermutlich eine ausgesprochen weise Entscheidung, diese hochbrisante Studie unter Verschluß zu halten. Wenn man ein heißes Eisen mit Gummihandschuhen anfasst, dann wird’s ganz schön klebrig.