Archiv der Kategorie: Dies und das

Tagebüchliches

Gewinnen mit der GEZ

Beim Shopblogger ist gerade die GEZ ein Thema. Zu der merkwürdigen Adress-Sammelei, die die GEZ offenbar bei Gewinnspielteilnehmern betreibt, fällt mir das „hauseigene Gewinnspiel“ ein, mit dem die GEZ mich jahrelang verfolgt hat. Mindestens viermal pro Jahr wurde ich angeschrieben, ob ich nicht am Lastschriftverfahren teilnehmen möchte. Um mir die Entscheidung zu erleichtern, schrieb die GEZ, würde man unter den neuen Lastschriftverfahrensteilnehmern wertvolle Fernsehgeräte verlosen. Ich hätte ja aus Bequemlichkeitsgründen wirklich gern meine GEZ-Gebühren per Lastschrift gezahlt. Ich hab es dann aber doch nicht gemacht. Ich hatte Angst, den Fernseher zu gewinnen.

Pflichtfilm

Eine dringende Empfehlung für jeden Menschen, der – wie ich – mit heißem Herzen die Geschicke der deutschen Fußballnationalmannschaft (die niemand, niemand, wirklich NIEMAND „Nati“ nennen darf) verfolgt, ist „Deutschland – Ein Sommermärchen“ von Sönke Wortmann, der uns bereits „Das Wunder von Bern“ schenkte, einen Film, der mit Peter Lohmeyers einsamem Fallrückzieher von auf der Wäschewiese eine der bewegendsten Kinoszenen überhaupt enthält, ist genau wie die genialen 4 Wochen der WM 2006: Locker. Ironisch. Und gar nicht pathetisch.
Und der Film liefert uns zwei wichtige Erkenntnisse:
1. Mit Frings, diesem coolen Sauhund, hätten wir die Squadra Azzurra locker noch während der regulären Spielzeit zerniert.
2. Jürgen Klinsmanns Rücktritt wird verständlich. Diese Motivationsmasche hätte er keinesfalls weitere zwei oder gar vier Jahre durchgehalten. Seine Kabinennummern sind der eigentliche Brüller des Films. Irgendwie wirkt Klinsmann auf mich wie ein Stuttgarter Kaufhaus-Filialleiter, der die Belegschaft auf den bevorstehenden Schlußverkauf einschwört.
Wie auch immer. Manni Breuckmann sieht es ähnlich: „Wenn du’s auf den Kern reduzierst: Er hat sie heiß gemacht. Macht jeder Kreisligatrainer.“

Rückgratlose Weichtiere

Die Deutsche Oper in Berlin hat Mozarts Oper „Idomeneo“ vom Spielplan genommen. Man befürchtete, dass islamistische Kreise an der Neuenfels-Inszenierung Anstoß nehmen könnten und beruft sich auf eine Analyse des LKA, wonach Zuschauer und Mitarbeiter der Oper akut gefährdet gewesen wären. Im Spiegel ließt sich das etwas anders…

Mozart und Mohammed: Bundesregierung kritisiert Opernabsetzung in Berlin – Kultur – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten
Nach Angaben eines Polizeisprechers ergab die Gefährdungsanalyse, dass bei Aufführungen mit Szenen dieser Art, „Störungen nicht auszuschließen“ sind. Konkrete Hinweise auf drohende Gefahren lägen jedoch nicht vor, fügte der Sprecher hinzu. Der Oper sei auch nicht empfohlen worden, das Stück vom Spielplan zu nehmen.

Um Himmelswillen! Wir müssen das Stück vom Spielplan nehmen. Jemand könnte „Buh“ rufen!

Das ganze erinnert mich fatal an 1977, „Deutschland im Herbst“, als einige Theater „Die Gerechten“ von Camus vom Spielplan strichen, aus Angst, „anecken“ zu können.

Man kann von anderen Menschen weder Rückgrat noch Mut einfordern. Wohl aber – in Maßen – intelligentes Handeln. Das Absetzen von Idomeneo ist – wie damals das Absetzen der „Gerechten“ – einfach nur dumm. Wen interessiert ein Theater, dem die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung, die Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs so wenig gilt, dass es sich in vorauseilendem Gehorsam selber knebelt?

Herr P.

Bei Herrn P. habe ich meinen ersten Versicherungsvertrag abgeschlossen. Das ist mehr als 25 Jahre her. Eines Tages stand Herr P. vor meiner Tür, stellte sich als Vertreter einer großen deutschen Versicherungsgesellschaft vor und fragte mich, ob ich eine Unfallversicherung hätte. Natürlich hatte ich keine, und ich wollte auch keine, aber der Zufall wollte es, das wenige Tage vor Herrn P.s Erscheinen bei mir eingebrochen worden war (Uhr, Marantz-Verstärker, Super-8-Kamera weg). Ein solcher Einbruch führt zu einer schiefen Gemütslage, die sich durch den Abschluß einer Hausratversicherung begradigen läßt. Also kaufte ich Herrn P. eine Hausratversicherung ab, die sich als voller Erfolg erwiesen hat. Seitdem ist bei mir nicht mehr eingebrochen worden.
Von da ab tauchte Herr P. einmal im Jahr bei mir auf. Meistens rief er in der Vorweihnachtszeit an, um sich anzukündigen, und kam dann mit einem kleinen Präsent an, „damit Sie mich nicht vergessen“. Im ersten Jahr brachte er zwei Cinzano-Fläschchen (Rosso und Bianco) mit. Meinen leicht entgeisterten Gesichtsausdruck deutete Herr P. durchaus richtig und brachte von Stund an ein Fläschchen besseren Weines mit, anfangs Cabernet, nachdem wir uns besser kennengelernt hatten mal einen Shiraz oder einen Pinot noir. Die Flasche köpften wir meist umgehend, und wenn meine liebe Frau uns Gesellschaft leistete, mußte meist noch eine aus meinen Beständen dran glauben. Manchmal verkaufte mir Herr P. bei diesen vorweihnachtlichen Treffen en passant noch eine Versicherung (Haftpflicht, Unfall denn doch) oder verbesserte die Deckungssumme einer bestehenden, doch meistens unterhielten wir uns über Gott und die Welt und verstanden uns bestens.
Manchmal tauchte Herr P. außer der Reihe mit einem guten Tropfen auf. Dann wußte ich, dass die große deutsche Versicherungsgesellschaft die Beiträge erhöhen würde, und Herr P. dies seinen Stammkunden schmackhaft machen wollte, damit ihnen nicht böse Worte wie „Sonderkündigungsrecht“ oder „Wechsel zu einer preiswerteren Gesellschaft“ durch die Köpfe zu schwirren begannen.
Es waren immer äußerst angenehme Stunden mit Herrn P., nicht zuletzt, weil sein Horizont nicht bei seinen Policen endete. Herr P. fröhnte dem Reitsport und liebte das Kabarett, sang selber gelegentlich zur Gitarre und hatte eine unersättliche Neugier auf alles, was mit darstellender Kunst zu tun hatte. Wir verstanden uns meist prächtig.
Vor drei Jahren ist Herr P. in Ruhestand gegangen. Sein Nachfolger ist ein Herr L., den ich einmal kurz zu Gesicht bekommen habe, als er bei mir im Büro vorbeischaute und einen halbherzigen Versuch unternahm, mir eine vermögensbildende Maßnahme aufzuschwatzen.
Vor zwei Wochen erhielt ich einen Brief von der großen deutschen Versicherungsgesellschaft, für die Herr P. ein Leben lang tätig war. Sie wollten mir die Beiträge für die erste Versicherung erhöhen, die ich vor mehr als 25 Jahren bei Herrn P. abgeschlossen hatte. Ich machte umgehend von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch und wechselte zu einer preiswerteren Gesellschaft. Eine Woche später erhielt ich ein Schreiben der großen deutschen Versicherungsgesellschaft, in dem man in dürren Worten meine Kündigung akzeptierte.
Herr P. hätte das niemals zugelassen. Herr P. hätte mich mit Anekdoten, Gesangseinlagen und Cinzano-Fläschchen bombardiert, er hätte alles getan, damit ich sein Kunde bleibe. Aber Herr P. ist ja nicht mehr modern. Die große deutsche Versicherungsgesellschaft will Global Player werden. Da interessieren die Menschen und ihre Schicksale nicht mehr, und deshalb hat man auch gleich ein paar tausend Arbeitsplätze gestrichen, nachdem man im letzten Geschäftsjahr einen Profit von mehreren Milliarden Euro eingefahren hat.
Hört mal, ihr Knalldeppen aus den Türmen in Treptow! Hört mal her! Ja, ich weiß, dass ihr für Ansichten wie meine nur ein müdes Lächeln habt. Aber komischerweise… es hat richtig Spaß gemacht, einen Vertrag mit einem miesen, menschenverachtenden Laden wie dem euren zu kündigen. Fühle mich blendend seitdem! Und wenn noch ein paar Menschen drauf kommen, wieviel Spaß es macht, euch Grützköppen mit euren Idiotenwetten kein Geld mehr zu geben… Ihr werdet kein Global Player. Ihr richtet gerade euren Laden zugrunde. Ihr habt Unrecht. Herr P. hat recht: Versicherungen haben was mit Menschen zu tun.

Bond ist britisch!

Verwirrenderweise schreibt die Kaltmamsell am heutigen Tage, dass sie Bond-Filme in der deutschen Synchronisation bevorzugt. Hier muß ich energisch widersprechen.
Nur ein Beispiel: Am Anfang von Goldfinger – vor 42 Jahren gedreht und für mich immer noch der beste Bond aller Zeiten – wirft Commander Bond einen bad guy in die Badewanne, der daraufhin eine Pistole zückt. Der waffenlose Bond scheint geliefert, doch es gelingt ihm, in letzter Sekunde eine Lampe (oder war es eine Heizsonne?) in die Badewanne zu werfen, worauf die Opposition unappetitlich verschmurgelt.
Bond auf deutsch: „Widerlich. Einfach widerlich.“ Ist ganz okay.
Bond auf englisch (in Connerys un-nach-ahm-lichen Tonfall): „Shocking! Positively shocking!“ Ein Brüller, der mich aus dem Stuhl katapultiert hat.
Commander Bond was, is and will ever be very british!

Anti-Islamismus

Gerade auf Kabel 1 den Anfang von Mel Brooks Robin-Hood-Parodie gesehen. Ich verstehe nicht, warum sich unsere islamistischen Freunde wegen Papst Benedikt so aufregen. Offenbar sind ihnen die ersten zwanzig Minuten dieses Films aus dem Jahr 1993 komplett entgangen. Schade eigentlich. Der Papst ist lange nicht so komisch wie Mel Brooks. Und bei weitem nicht so anti-islamistisch. In den ersten 20 Minuten. Dann läßt der Film leider nach. Wie jeder Papst.

Damals in Bebra

In einem Gastbeitrag beim Hotelblogger wird sehr anschaulich von einem Hotelgast erzählt, der sich auf der Toilette verirrt hat.
Das erinnert mich an eine Geschichte, die sich vor ca. dreißig Jahren in einem Hotel in Bebra zugetragen hat. Dort übernachteten ein paar junge Tennisspieler, die tierisch stolz darauf waren, zum ersten Mal bei den nordhessischen Jugendmeisterschaften teilnehmen zu können. Einer von ihnen war zeitig schlafen gegangen, weil er am nächsten Morgen ziemlich früh sein erstes Match zu bestreiten hatte. Vor Aufregung konnte er aber trotzdem nicht einschlafen, und so war er noch wach, als es nachts gegen eins an seine Tür klopfte. Er öffnete und sah den Jugendwart seines Clubs vor sich stehen, in durchaus beklagenswertem Zustand. Und besagter Jungendwart richtete das Wort an ihn: „Sach ma, könnte ich heute mal in deinem Zimmer schlafen? Versteh mich bitte nicht falsch, ich würd ja bei mir auf dem Zimmer schlafen, aber… ich versteh das nicht… drei Klos, drei Waschbecken, aber kein Bett!“