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Kurz vor Olympia: Effjott im Olymp

Das gelingt nur den größten unter den großen Autoren Schriftstellern Welt-Dichtern: Sätze schreiben, an denen sie sofort erkannt werden. Ein paar Worte nur, scheinbar achtlos dahin geworfen, und schon ruft der Leser unwillkürlich „Das ist doch Hemingway! Thomas Mann! Dylan Thomas!“
Seit heute, lieber Effjott, gehören Sie endgültig zu diesen Unsterblichen, mit 12 Wörtern Kleinodien, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur der Sinnlosigkeit, unbeeinträchtigt von Grammatik und Einsicht, poetisch für sich selber stehend, lediglich auf sich selbst und ihren Autor verweisend:

Von Lungenkrebs zerfressene Männer sagten mir, dass die Eckkneipe ihr Schönstes war.

Nobody does it better.

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Anno Dazumal

Meine lieben, kurz vor Turnierbeginn erstaunlich dünnhäutigen italienischen Freunde,

was muss ich da heute im Tagesspiegel lesen? Ihr habt was gegen die Mediamarkt-Spots, in denen Olli Dittrich einen Italiener spielt? Aber warum denn nur?

Dieser „Toni“ ist das Abziehbild eines Italieners: braun gebrannt, Sonnenbrille, Goldkettchen, brusthaarig wie ein Braunbär. „Toni“ wird gespielt vom Comedian Olli Dittrich für die aktuelle Werbung der Elektronik-Kette Media Markt. Die angeblich größten Unterschiede zwischen Deutschen und Italienern bringt „Toni“ in einem einzigen Spruch unter: „Die Deutsche kaufe Lappetoppe, die Italiener kaufe Schiedsrichter.“ Das war zu viel. Mehrere italienische Zeitungen schimpften über die Werbung, die in Italien selbst nicht läuft. „Wenn es darum geht, den typischen Italiener darzustellen, benutzen die Deutschen Stereotype von anno dazumal!“, stellt die „Repubblica“ fest.

Achso, weil es ein Klischee von anno dazumal ist. Wann war noch mal dieser Calcio-Skandal, als Juventus Turin reihenweise Schiris gekauft hat und deswegen in die zweite Liga versetzt wurde? Das war doch 2006, wenn ich mich nicht irre. Dann hat die Squadra Azurra ja ihren letzten WM-Titel auch anno dazumal gewonnen. Hätte ich nicht gedacht, dass das schon so lange her ist. Schön, dass wir das geklärt haben.

Tschö, der Chris

[tags] Fußball, EM, Italien, Denkschwurbel, Ungeheuer![/tags]

Kopfrechnen und Handarbeit

Effjott, alte Nase, war ja ganz schön ruhig um Sie geworden in den letzten Wochen und Monaten, aber heute haben Sie mit einer gewagten Links-Rechts-Kombination ein fulminantes Comeback eingeleitet:

Vor 25 Jahren stellte IBM den ersten Personalcomputer vor und George Lucas faszinierte die Welt mit seiner „Star Wars“-Trilogie. Etwas Erregenderes, Neuartigeres, Unerwarteteres lässt sich heute gar nicht denken. Bei „Star Wars“ ist es die Fantasie zu grenzenlosen, gottartigen Extremen aufzubrechen.

Ähm… kann ja sein, dass Ihnen der mit einem Laserschwert herumfuchtelnde Alec Guinness im Verbund mit einem Raumschiffe lenkenden Menschenaffen als „gottartiges Extrem“ vorkommt (ist wohl gestern mit Udo wieder spät geworden?), aber der erste Star Wars Film erschien vor 31 Jahren, nicht vor 25. Hätten Ihnen die Stinker von der BILD-Redaktion ruhig sagen können. Keine Ahnung, warum die Sie boykottieren und Ihnen Grammatik-Auffahrunfälle wie diesen durchgehen lassen:

Beim Computer ist es, das manuelle Zeitalter zu verlassen.

Aber jetzt hab ich wenigstens endlich kapiert, warum Sie mit Elektronengehirnen nicht zurande kommen. Sie versuchen immer noch, die Dinger wie in einem 50er-Jahre-SF-Film mit der Kraft Ihrer Gedanken zu lenken. Klappt nicht. Schauen Sie doch mal auf Ihren Schreibtisch. Irgendwo vor Ihnen liegt ein flacher, rechteckiger Kasten mit vielen Tasten, auf denen sich Buchstaben, Zahlen und so Zeugs befinden. Das nennt man eine Tastatur. Wenn Sie die manuell bedienen (auch wenn’s Ihnen als Rückschritt erscheinen muss), klappt’s auch mit dem Elektronengehirn. Willkommen im Zeitalter der Maschinenmenschen.
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Die tibetische Fliege

Da stehen wir beide vorm Tibeter und staunen, lieber Effjott, denn so friedliebend wie Sie ihn heute beschreiben

Kein Tibeter schlägt nach einer Fliege, die ihn belästigt, die Fliege könnte seine verstorbene Großmutter sein.

nötigt er uns beiden ein Höchstmaß an Bewunderung ab. Aber eine Frage haben Sie in diesem Satz doch aufgeworfen, die mich nicht zur Ruhe kommen lässt: Was hat der Tibeter seiner armen Großmutter bloß angetan, dass sie ihn auch in ihrer neuen Inkarnation als Fliege nicht in Ruhe lässt?

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