Schlagwort-Archive: Effjott Wagner

Vierter gewinnt

Effjott, mon chér,
wie soll ich – bitte – ihre jüngste Auslassung

Lieber ADAC, auf die Frage, was Deutschland ist, warst Du immer an erster Stelle. Nach Wurst, Kraut, Angela Merkel.

verstehen?

Ist das schon – im Vorgriff auf Sotschi – die Umdefinition von „erster Stelle“? Wer das Podest verpasst, ist der wahre Sieger? Vierter gewinnt? Nächster Tor entscheidet?

Drängende Fragen an Effjott

Effjott, mon cher,

eigentlicht hab ich die Rubrik „Effjotts Welt“ hier vor Jahren dicht gemacht, weil es ja doch keinen Sinn macht, an sie ranzuschwallen oder sie auf die Granatenklöpse, die Sie täglich produzieren paar klitzekleinen Fehler, die ihnen hin und wieder unterlaufen hinzuweisen. Genausogut könnte man versuchen, einem Granitblock gut zuzureden, der Effekt wäre der gleiche, wobei ich die geistige Flexibilität eines Granitblocks einen Tick höher als die Ihre einordnen würde, aber da geht es wirklich um Nuancen…

Warum ich mich wieder an Sie wende? Nun, heute früh hab ich Ihre Kolumne zum Thema dieser neumodischen Elektro-Dingelchen, dieser e-books gelesen (Als hätte ich’s nicht geahnt – Sie sind dagegen!), und da drängten sich mir spontan ein paar Fragen auf, die mich zurück in Ihre Welt katapultierten.

Sie schreiben:

„Ich hasse Bücher auf dem Display. Ich liebe Bücher, wo ich Hemingway auf seiner Schreibmaschine hacken höre. Das reale Geräusch der Buchstaben, sein papierenes Leben.“

Effjott, seit wann hören Sie Hemingway tippen, wenn Sie ein Buch lesen?
Weiß Ihr Therapeut davon?
Ist es immer Hemingway, der tippt, wenn Sie lesen, oder setzen sich gelegentlich auch andere Autoren an die Maschine?
Was ist, wenn Sie Thomas Mann lesen, der ja bekanntlich mit einem Füllhalter schrieb? Kommen dann die vertrauten Tippgeräusche, oder hören Sie nerviges Federkratzen?
Sind Sie sicher, dass jemand tippt?
Haben Sie überprüft, ob alle Wasserhähne in Ihrer Wohnung zu sind?

Wäre in Ihrem eigenen Interesse, wenn Sie bei Gelegenheit diese Checkliste abarbeiten könnten, old chum. Antworten brauchen Sie wie immer nicht. Granitblock, Sie erinnern sich.

Holdrio.

 

Über Seite 2 hinaus…

Mensch, Effjott,
ich weiss ja, was Sie alles um die Ohren haben, morgens aufstehen, Gitanes anzünden, zwanzig bis dreißig Espresso einpfeifen, damit der Hirnkasten auf Touren kommt, Ihre Kolumne von gestern lesen, Sinnfrage stellen und unbeantwortet lassen, leichter Lunch (Chablis, Gitanes, Espresso), dann ran an die Kolumne, gerade mal sechs Stunden für ’ne halbe Normseite, und kaum haben Sie das geschafft, müssen Sie schon wieder in die Paris-Bar schlappen und aufpassen, dass Udo nicht mit Grappa-Gläsern wirft.
Ich weiss ja selber nicht, wie Sie diesen Mörder-Stress durchstehen, aber wenn ich lese, was Sie heute so geschrieben haben

Lieber Oliver Kahn, Ihre Zukunft kann ich nicht voraussehen. Aber ich hoffe nicht, dass Sie in den Klatschspalten enden. Ich will nicht lesen, dass Sie sich verheiratet haben, geschieden haben, getrennt haben von x, y, z.

dann kann ich Ihnen nur empfehlen, bei Gelegenheit die BILD-Zeitung mal weiter als bis Seite 2 zu lesen. Effjott! Verheiratet, geschieden, getrennt… hat der Olli doch schon alles durch. Steht IMMER in der BILD. Auch heute.

[tags]Effjott Wagner, Gehirnmißbrauch, Uninformiertheitsrekord, Ungeheuer![/tags]

It’s alive! It’s alive!

Ich weiß, lieber Effjott, es ist schon eine ganze Weile her, aber vielleicht erinnern Sie sich ja doch an gewisse Veranstaltungen, die Sie als Jugendlicher gezwungenermaßen besuchen mussten. Die fanden regelmäßig in diesem großen, dunklen Gebäude namens „Schule“ statt… genau, diese ätzenden One-Man-Shows, wo sie von so einem arroganten Lümmel von vorne mit unverständlichem Zeugs zugetextet wurden!
Bin ganz ihrer Meinung, Scheiß-Veranstaltungen waren das. Kein Catering, keine Geschenke, keine Mädels, aber Anwesenheitspflicht. Hat einen total runtergezogen. Und dann noch aufpassen? Nicht mit einem Effjott!
Eine dieser Veranstaltungen hieß „Biologie-Unterricht“… Wie meinen? Bescheuerte Bezeichnung, unter der man sich nichts vorstellen kann. Ja. Ich dachte mir, dass Sie das sagen würden, nach dem, was Sie heute geschrieben haben:

Seltsamerweise denken wir, dass Flugzeuge nicht sterben können (weil sie auch nicht leben). Das Pferd, das erste Verkehrsmittel, durfte sterben, weil es lebte.

[tags]Effjott Wagner, Gehirnmissbrauch, Bildungslückenverherrlichung, grottendoof, Ungeheuer![/tags]

When he’s 65

Lieber Effjott Wagner,

65 Jahre. Eine unglaubliche Zahl. Kleiner als 66, größer als 64, jedoch unfassbar, wenn man vor dem Kondom-Automaten steht und kein Kleingeld hat. Wölfe heulen in der Nacht, wenn Männer wie Sie Geburtstag feiern. Tränenlos, einsam und doch immer wieder Muttchens Plettenpudding.
65 Jahre. Männer und Frauen. Wer kann das sagen, wenn nicht Sie? Und jetzt: Überall Sex! Sex im Fernsehen, Sex in Magazinen, Sex in Ihrer Kolumne. Sogar Udo Walz hat geheiratet. Einsamkeit, Verzweiflung, Nähmaschinenöl. Überall. Nur nicht dort.
65 Jahre. Reden. Schweigen. Nichts weiter. Der Starke ist am einsamsten allein. Auch beim Sex. Wenn, wo nicht da? Zitronensaft hilft gegen Tennisarm, Quacksalber wanken durch die Nacht. Mick Jagger! Wirklich Mick Jagger?
65 Jahre. Dem Trotzdem immer ein Dennoch entgegengesetzt oder vorangestellt. Ich bin verzweifelt, entsetzt, hoch erfreut. Ich bin ein Pickel auf der Kornblume Ihrer Phantasie. Eine Eiterbeule im Wahn der innerstädtischen Olympioniken. Trotz Rauchverbot: Die Tauben stehen auf Ost. Krokodile zwinkern am Donnerstag.
In diesem Sinne.

Herzlichst

Ihr Chris Kurbjuhn

[tags]Effjott Wagner, Gehirnmißbrauch, Jubiliar, Alterstorheit, Ungeheuer![/tags]

Die Welt wie sie Effjott gefällt

„Komm auf den Punkt, Junge!“ war – dem Vernehmen nach – das Credo Peter Boenischs, und ganz in seinem Sinne hauen Sie heute ohne Umschweife auf olle Mehdorn und seine trauerunfähigen Schergen ein:

Liebe Eschede-Hinterbliebene,
ich frage mich, warum gestern um 10.58 Uhr nicht alle Züge in Deutschland hielten – für eine Minute. Kein Zug hielt. Selbst in Eschede hielt kein Zug.

Rätselhafterweise schreiben Ihre eigenen Kollegen nur ein paar Druckspalten später:

Vor der Gedenkfeier versammelten sich Überlebende und Hinterbliebene des ICE-Unglücks genau um 10.58 Uhr – dem Unglückszeitpunkt – an der Gedenkstätte neben der Bahntrasse zu mehreren Schweigeminuten. Der Zugverkehr wurde vorübergehend unterbrochen.

Mensch, Effjott, was ist denn in der BILD los? Läuft da ein Grabenkrieg gegen Sie? Sind Sie – von allen Informationen abgeschnitten – allein in der Redaktion, in einem einsamen Büro ohne Internetz und Telefon und müssen das Weltgeschehen erst erraten, bevor Sie es kommentieren?
Wie? Dass machen Sie seit über 40 Jahren so? Schulldigung. Dann will ich nix gesagt haben.

[tags]Effjott Wagner, Gehirnschwurbel, Denkmissbrauch, Ungeheuer![/tags]

Der kleine Unterschied

Mensch, Effjott, was ist denn nur geschehen? Es lief doch so gut in den letzten Wochen. Da haben Sie ruhig und ausgeglichen kolumniert, den wirklich schlimmen Klöpsen sind sie geradezu meisterhaft ausgewichen, dass sogar Ihr Wärter Kai Diekmann nichts an Ihnen aussetzen konnte. Und dann… Irgendwas muss passiert sein. Hat die Putzfrau Ihre Fluppen stibitzt? Sind Ihnen die Froschpillen ausgegangen? War der Kellner in der Paris-Bar wieder böse zu Ihnen? Wie konnte dieser Satz

Ich denke, dass der König von Deutschland von allen Deutschen gewählt werden sollte.

Ihrer stählernen Feder entfleuchen?
Effjohott! Was war nochmal der Unterschied zwischen Demokratie und Monarchie? Ja, genau, in der einen wird gewählt und in der anderen nicht. Und in welcher wird nicht gewählt? Nein, falsch, es war die andere. Doch, doch. Nein, da hat Udo Walz sie angeschwindelt. Die Queen ist NICHT von den Engländern gewählt worden.

[tags] Effjott Wagner, Gehirnmissbrauch, grober Unfug, Ungeheuer![/tags]