Schilder

Es gibt einige Dinge, die wir in Deutschland ziemlich gut können: die sog. „deutschen Tugenden“ pflegen, einen kampfbetonten Fußball spielen und positive Menschen und Dinge kleinreden, um nur ein paar zu nennen.
Dem stehen einige Dinge entgegen, die wir in Deutschland weniger gut können: die Dinge etwas leichter nehmen, sich zu körperlichen Genüssen bekennen und nicht immer gleich grundsätzlich werden, um nur ein paar zu nennen.
Und es gibt etwas, das wir hierzulande überhaupt nicht können: Schilder beschriften. Augenscheinlich setzt der geringe Raum, den ein Schild bietet, und der damit verbundene Zwang, sich möglichst kurz zu fassen, uns Deutsche in einen unerträglichen Formulierungsstress. Wie anders lassen sich Rohrkrepierer wie

„Aus Sicherheitsgründen muss das Garagentor nach Gebrauch geschlossen gehalten werden!“

(statt: „Bitte Garagentor zumachen!“, gesehen in der Charlottenburger Halmstraße) erklären?
Die Beschränkung auf das Wesentliche scheint für uns eine absolut unüberwindliche Hürde zu sein. Selbst wenn Sie gelingt… gelingt sie wiederum nicht. Diesen Haiku unter den mißratenen Schildern fand ich vor einem Autoteilezubehörladen in der Urbanstraße in Kreuzberg:

„Alle Verschleißteile am Lager!“

Das Schild des heutigen Tages erblickte ich soeben auf dem Weg zur Arbeit vor dem Ladengeschäft eines Mobilfunkbetreibers.

Liebe Funkfritzen! Wenn ihr mir schon irgendeinen Quatsch verscheuern wollt, dann muss ich wenigstens eine kleine Chance haben, zu verstehen, um was für einen Quatsch es sich eigentlich handelt. Bitte! Vom Festnetz soll ich wen oder was wohin wechseln? Wie hoch ist die Ablösesumme? Und warum muss man kein Deutsch mehr können, wenn man Telefone verkauft?

Bond ist britisch!

Verwirrenderweise schreibt die Kaltmamsell am heutigen Tage, dass sie Bond-Filme in der deutschen Synchronisation bevorzugt. Hier muß ich energisch widersprechen.
Nur ein Beispiel: Am Anfang von Goldfinger – vor 42 Jahren gedreht und für mich immer noch der beste Bond aller Zeiten – wirft Commander Bond einen bad guy in die Badewanne, der daraufhin eine Pistole zückt. Der waffenlose Bond scheint geliefert, doch es gelingt ihm, in letzter Sekunde eine Lampe (oder war es eine Heizsonne?) in die Badewanne zu werfen, worauf die Opposition unappetitlich verschmurgelt.
Bond auf deutsch: „Widerlich. Einfach widerlich.“ Ist ganz okay.
Bond auf englisch (in Connerys un-nach-ahm-lichen Tonfall): „Shocking! Positively shocking!“ Ein Brüller, der mich aus dem Stuhl katapultiert hat.
Commander Bond was, is and will ever be very british!

Anti-Islamismus

Gerade auf Kabel 1 den Anfang von Mel Brooks Robin-Hood-Parodie gesehen. Ich verstehe nicht, warum sich unsere islamistischen Freunde wegen Papst Benedikt so aufregen. Offenbar sind ihnen die ersten zwanzig Minuten dieses Films aus dem Jahr 1993 komplett entgangen. Schade eigentlich. Der Papst ist lange nicht so komisch wie Mel Brooks. Und bei weitem nicht so anti-islamistisch. In den ersten 20 Minuten. Dann läßt der Film leider nach. Wie jeder Papst.

Damals in Bebra

In einem Gastbeitrag beim Hotelblogger wird sehr anschaulich von einem Hotelgast erzählt, der sich auf der Toilette verirrt hat.
Das erinnert mich an eine Geschichte, die sich vor ca. dreißig Jahren in einem Hotel in Bebra zugetragen hat. Dort übernachteten ein paar junge Tennisspieler, die tierisch stolz darauf waren, zum ersten Mal bei den nordhessischen Jugendmeisterschaften teilnehmen zu können. Einer von ihnen war zeitig schlafen gegangen, weil er am nächsten Morgen ziemlich früh sein erstes Match zu bestreiten hatte. Vor Aufregung konnte er aber trotzdem nicht einschlafen, und so war er noch wach, als es nachts gegen eins an seine Tür klopfte. Er öffnete und sah den Jugendwart seines Clubs vor sich stehen, in durchaus beklagenswertem Zustand. Und besagter Jungendwart richtete das Wort an ihn: „Sach ma, könnte ich heute mal in deinem Zimmer schlafen? Versteh mich bitte nicht falsch, ich würd ja bei mir auf dem Zimmer schlafen, aber… ich versteh das nicht… drei Klos, drei Waschbecken, aber kein Bett!“

Warum hier ab sofort gebloggt wird

Seit 6 Jahren steht die Netzecke als meine private Homepage im Internet. Meistens hatte ich – leider – viel zu wenig Zeit, mich um die Pflege dieser Seite zu kümmern, und deshalb hat sie einige Zeit lang auf den Betrachter einen hoffnungslos veralteten und verwilderten Eindruck gemacht.
Vor gut einem halben Jahr habe ich die Seite verschlankt, optisch etwas aufgemöbelt und versucht, ihr einen etwas „zeitloseren“ Charakter zu geben… keine wirklich befriedigende Lösung, wie ich gern zugebe. In etwa gleichzeitig habe ich die Bloggerei für mich entdeckt. In einem kleinen Spaßblog habe ich ein paar Witze notiert und meiner Obsession für die bizarre Gedankenwelt Effjott Wagners freien Lauf gelassen. Das hat Spaß gemacht, und so habe ich dann angefangen, ein zweites Blog über das Kreative Schreiben zu schreiben, mit dem ich eine kleine, treue Leserschaft gewinnen konnte.
Das alles begann, mir richtig Spaß zu machen. Nur meine Homepage machte mir überhaupt keinen Spaß mehr. Und meinen Besuchern offenbar auch nicht mehr, denn in den letzten paar Monaten haben sogar die Spammer mein Gästebuch ignoriert. Absolut unhaltbarer Zustand!
Okay, der langen Rede kurzer Sinn: Blog macht Spaß, olle Homepage nicht, also mache ich mit sofortiger Wirkung „Ungeheuer!“ zu und blogge hier weiter. Ab sofort gibt es also hier „Das Beste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Wissenschaft“, und wenn es von meiner Arbeit bei den Biographen, dem Autorenbüro meiner lieben Frau Gaby Sikorski, oder vom MyStory Verlag Interessantes oder Skurriles zu berichten gib, werde ich es auch hier zum Besten geben.
Die alten Texte meiner Homepage habe ich als Blogeinträge gespeichert und – auf vielfachen Wunsch – die Kochrezepte, die ich zwischenzeitlich rausgeschmissen hatte – wieder reingenommen. Vielleicht kommt ja demnächst das eine oder andere Rezept dazu.
Wenn sich die ein oder andere rege Diskussion ergeben sollte, würde mich das sehr freuen. Ich entschuldige mich bereits jetzt für die zahllosen Fehler, die einem technischen Depp wie mir mit dem schnaubenden Ungetüm WordPress unterlaufen werden und bin dankbar für jeden Tipp! Ich hoffe, dass wir in Zukunft viel Spaß miteinander haben werden.

Kürschenauflauf

Für 6 Personen benötigen Sie: 6 altbackene Brötchen, 3 Eier, ¼ Liter Milch, 3 Eßlöffel Zucker, 2 Eßlöffel Mehl, 3 Eßlöffel feingemahlene Mandeln, 1 kg Kirschen, Zimt, Butter, Mehl und Zucker (zum Ausstreuen der Form). Die Kirschen entsteinen. Die Milch erhitzen, die in Scheiben geschnittenen Brötchen darin quellen lassen. Die Eier trennen, Eiweß zu steifem Schnee schlagen. Die eingeweichten Brötchen mit den 2 Eßlöffel Zucker, den 2 Eßlöffel Mehl, den Eigelb, den Mandeln und Zimt nach Geschmack gründlich vermischen. Die Kirschen untermischen und schließlich die steifgeschlagenen Eiweiß unterheben. Eine Auflaufform buttern, mit etwas Mehl und Zucker ausstreuen, die Masse hineingeben, mit Butterflocken belegen und bei 140 bis 160 Grad 45 Minuten backen. Selbstverständlich können Sie auch Kirschen aus dem Glas verwenden, diese jedoch gut abtropfen lassen. Und das eine oder andere Gläschen Kirschwasser in der Masse würde zwar bei nordhessischen Traditionalisten entgeistertes Kopfschütteln hervorrufen, den Geschmack des Auflaufs jedoch gewißlich bereichern.

Dippehase

Für 6 Personen benötigen Sie: 1 Wildhasen, in Teile zerlegt (ersatzweise die entsprechende Menge Hasenkeulen oder Schlegel), 750g Schweinenacken, 2 Zwiebeln, 150g Roggenbrot, 2 bis 4 Eßlöffel Johannisbeergelee, 1 Flasche trockenen Rotwein, Nelken, Lorbeer, Salz und Pfeffer sowie Brotteig (vom Bäcker oder Fertigbackmischung) zum Verschließen des Schmortopfes. Den Schweinenacken würfeln, zusammen mit den Hasenteilen portionsweise anbraten, jeweils mit Salz und Pfeffer würzen, mit den in dünne Scheiben geschnittenen Zwiebeln; Lorbeer und Nelken nach Gusto in einen schweren Schmortopf schichten. Den Johannisbeergelee darüber löffeln. Rotwein mit dem feingeriebenen Roggenbrot aufkochen und in den Schmortopf gießen. Deckel auf den Topf, mit Brotteig verschließen und bei 180 Grad –ca. 2 Stunden in den Ofen tun. Dazu Rotkohl, Kartoffelklöße, und ein schöner Rotwein. Und – bitte – machen Sie den Topf erst bei Tisch auf. Die Duftwolke, die einem entgegenkommt, wenn man – mühsam – den Teig weggehebelt hat, ist wirklich einmalig.

Weckewerk

Jetzt wird’s ein wenig rustikal. Für 6 Personen benötigen Sie: 250g altbackenes Weißbrot oder Brötchen, 1 Liter Bouillon, 750g Fleischreste vom Schwein (gekocht, mit Schwarten auch Reste vom Schweinebraten sind möglich, ebenso Gehacktes vom Schwein, jeweils mit gekochten Schwarten), 250g Zwiebeln, Majoran, Kümmel, Salz und Pfeffer. Die Brotreste in der Bouillon quellen lassen, Fleisch nebst Schwarten und Zwiebeln durch den Wolf drehen, alles in die Bouillon geben, mit Kümmel, Majoran, Salz und Pfeffer abschmecken und unter ständigem Rühren zu einer festen Masse verkochen. Entweder so zu Pellkartoffeln reichen, oder im Kühlschrank erkalten lassen, Scheiben von der Masse abschneiden und in der Pfanne braten. In Nordhessen wird das Weckewerk gelegentlich vor dem Braten noch paniert, was angesichts der ohnehin gegebenen Fettigkeit des Gerichts durchaus atemberaubend sein kann. Trinken Sie dazu Bier, ein Wein verbietet sich angesichts des nach wenigen Gabeln dringend benötigten klaren Schnapses. Übrigens: falls Sie den Aufwand scheuen, suchen Sie einen nordhessischen Fleischer auf. Bei ihm gibt’s Weckewerk fertig in Gläsern.

Sauerkrautauflauf mit Blutwurst

Für 4 Personen benötigen Sie: 1 kg Sauerkraut, 1 Zwiebel, 1 kg mehligkochende Kartoffeln, 500g Blutwurst, die sich zum Braten eignet, ¼ Liter Milch, ¼ Liter Schmand, etwas Bouillon, Butter, Wacholderbeeren, Lorbeer, Muskatnuß, Salz, Pfeffer. Die Zwiebel schälen und kleinschneiden, in Butter andünsten, das Sauerkraut hinzugeben, ebenfalls durchdünsten, mit Wacholderbeeren, Lorbeer, Salz und Pfeffer würzen, etwas Bouillon angießen und ca. 20 Minuten dünsten lassen. Die Blutwurst pellen, in Stücke schneiden und in wenig Butter kurz anbraten. Die Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden und in Salzwasser sehr weichkochen. Abgießen, ausdampfen lassen, mit dem Kartoffelstampfer zermusen und erhitzte Milch, Schmand und nicht zuwenig Butter einarbeiten, sodaß ein geschmeidiges Kartoffelpüree entsteht, das mit frisch geriebener Muskatnuß, Salz und Pfeffer abgeschmeckt wird. Eine Auflaufform buttern, das Sauerkraut hineingeben, darauf die gebratenen Blutwurststücke legen –und alles mit dem Kartoffelpüree bedecken. Im Ofen 40 bis 60 Minuten bei 180 Grad backen. Wer dazu einen schönen Riesling aufmacht, weiß, was gut ist.