Das Wirtschaftsevangelium nach SpOn

Unbemerkt von einer Weltöffentlichkeit, die sicherlich gestaunt hätte, haben Wirtschaftsexperten von SPIEGEL ONLINE soeben die Volks- und Betriebswirtschaft vom Kopf auf die Fuße gestellt. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall revolutioniert.

Tatsächlich hätten sich über das Wochenende eine halbe Million Käufer für das edle iPhone gefunden. Einige davon hatten sich bereits Tage zuvor in die Schlangen der Wartenden eingereiht, um an eines der begehrten Geräte zu kommen.
Stimmt die Piper-Jaffray-Zahl, hätte das Mobiltelefon Apple bereits am ersten Verkaufswochenende einen Gewinn von rund 40 Millionen Dollar eingebracht, denn Schätzungen zufolge verdient Apple etwa 80 Dollar pro iPhone.

Entwicklungskosten? Stonk! Overhead? Stonk! Abschreibungen, Steuern, Verluste, Verbindlichkeiten, die üblichen Nebengeräusche? Geh mir doch mit dem Weicheierkram für Schattenparker! Umsatz= Gewinn, und wer das anders sieht, schickt eine Beschwerdemail an milchmaedchen@spiegel.de!

Nachtrag: Einen Tag später steht der Quatsch immer noch so da. Schafft er’s nach Print? Die Netzecke hält Daumen drückend den Atem an.

Zurück in die Zukunft

Um Himmelswillen, Effjott, wann waren Sie zum letzten Mal bei Dr. Sauerbruch Ihrem Hausarzt? Machen Sie möglichst umgehend einen Termin, und bringen Sie Ihre letzte Kolumne mit ins Sprechzimmer!

Vielleicht hätte Diana Bob Geldof, Bono, wahrscheinlich aber George Clooney geheiratet. Was für schöne Fotos mit Clooney, in Afrika Kondome zu verteilen und Landminen zu entschärfen. Und wenn ein Reporter nach Camilla fragte, dann drückt Diana ein einbeiniges Minen-Opfer-Mädchen an ihr Herz. Das war Diana. Heute, befürchte ich, mit 46 hätte sie einen dicken Po, Falten. Sie wäre nicht mehr die Kerze im Wind. Die Rose Englands. Sie wäre eine drei Mal, vier Mal geschiedene Frau. Sie würde Gin trinken mit Pfefferminzblättern. Sie würden in den Klatschspalten als Königin der Verzweiflung auftauchen.

Ohne Ihrem Medizinmann vorgreifen zu wollen, aber die Lektüre Ihrer letzten Sätze lässt nur einen Schluss zu. Derart fahrige Gedankensprünge zwischen bemühtem Gutmenschentum und brachialem Sexdrang, die Unfähigkeit, zwischen großer Politik und niedersten Instinkten zu unterscheiden, das zwanghafte In-den-Mittelpunkt-Stellen der eigenen Weltsicht… derartiges kennt man sonst nur von Menschen, die von ihnen bisher unbekannten Hormonschüben durchs Leben gepeitscht werden. Die nichts mehr im Griff haben außer ihrem primären Geschlechtsmerkmal, das dafür aber ständig. Die Symptome sind eindeutig: Sie, Effjott, sind mit Ihren 64 Lenzen irgendwie zurück in die Pubertät geraten.
Wie das nun gekommen ist (Vielleicht haben Sie in Ihrer Stammkneipe zu oft dem infantilen Geschwafel von Udo Waltz zugehört?), kann nur der Fachmann klären. Ob Sie eine Therapie machen oder sich in diesem Zustand einrichten möchten, ist letztlich Ihre Entscheidung. Wenn Sie die zweite Alternative wählen (worauf ich wetten möchte) dann stehen Sie aber in Zukunft zu Ihrer „Süßen Krankheit Jugend“ und den damit verbundenen Phantasien! Diana hätte doch niemals Clooney geheiratet. Wenn die Königin der Herzen zwischen einer seichten Hollywood-Größe und einem charmanten Groß-Kolumnisten alter Schule zu wählen gehabt hätte… Wir wissen doch, für wen sie sich entschieden hätte, Effjott!

Die Nerds greifen an

Die Nerds blasen zum Großangriff auf „Life as we know it“, und ihr Waffenmeister heißt Steve Jobs. Der „Q“ von Apple hat sie mit einer Allzweckwaffe ausgestattet, die nicht nur den Markt für schnurlose Telefone umwälzen, sondern gleich gar eine Kulturrevolution auslösen soll. Das iPhone.

Wenn Olaf Kolbrück dieses Gerät zum Statussymbol heraufsterilisiert heraufstilisiert

Fest steht: Wer den Hype um das iPhone nicht nur übertrieben, sondern gleich völlig überflüssig findet, hat die gesellschaftlichen Veränderungen seit dem Ende der Wählscheibe nicht registriert. Technische Gadgets sind längst Statussymbole für die eigene gesellschaftliche Verortung und Bedeutung. Sie haben damit die gleiche öffentliche Relevanz wie der neue Golf oder die neue S-Klasse.

übersieht er eins: Es sind letztlich Nerds, die ein Symbol brauchen, um ihren Status zu dokumentieren. Wenn ich einen dicken Daimler fahre, werf ich dann bei einem Meeting einen Mercedes-Stern vor mich auf den Tisch? Genausowenig wie ich ein Telefon vor mich hinpacken würde.
Aber genau damit haben die Nerds vor mehr als zehn Jahren, als Mobiltelefone aufkamen, angefangen: Ihre Nokias und Motorolas und Ericssons vor sich auf den Tisch gepackt um zu zeigen: „Guck mal, Welt! Ich kann ohne Schnur telefonieren! Ganz weit weg von zuhause!“ Erst als der Vibrationsalarm zum „Statussmbol“ wurde, durften, ja mussten die Nervtöter in den Hosentaschen bleiben. Nicht ohne zu betonen, dass sie „gerade auf Vibra geschaltet“ hätten. Wie aufregend.
Menschen, die ich Ernst nehme, verwenden grundsätzlich keine Gadgets in der Öffentlichkeit. Wieso sollte ich jemanden, dem ein Stöpsel aus dem Ohr hängt, während er hektisch mit einem Plastikstift oder – wie jetzt im Falle iPhone mit dem Finger – auf einem Plastikkästchen herumtippert, für vertrauenerweckend, kompetent und/oder wichtig halten? An dem Tag, an dem ich meinen Status über ein Telefon signalisieren muss, kann ich mich genauso gut gleich aus dem gesellschaftlichen Leben verabschieden.
Wenn ich mit Menschen kommuniziere, die sich im gleichen Zimmer befinden wie ich, hat meine gesamte Aufmerksamkeit den Menschen zu gehören, und nicht einem kleinen, an eine geschrumpfte Wurlitzer erinnernden Kästchen, dem ich mit hastigen Fingerstreichen meine Termine zu entlocken versuche.
Das iPhone ist der Versuch der Nerds, uns ihr Fachidiotenweltbild als das richtige, erstrebenswerte nahe zu bringen. Nur wenn wir uns darauf besinnen, dass ein Telefon letztlich nur ein Telefon ist, haben wir eine Chance gegen die eigene Vernerdung. Oder, um einmal mehr Horst Schroth zu zitieren: „Jemand, der immer und überall erreichbar sein muss, gehört bestimmt zum Personal.“
Das bringt mich auf eine Idee. Ich könnte meinem Butler ein iPhone kaufen. Staussymbol, anyone?

Splitterbrötchen (V)

Diesmal hatte der Newsletter von Laser-Line wirklich einen sehr coolen Betreff:
„Test des Newsletter KW26 – Der richtige Newsletter wird am Donnerstag ab 11.00 Uhr versendet – die neuen News sind ab Do. 9.00 Uhr auf der Website.“

Interessant, darüber nachzudenken, was gewesen wäre, wenn ich vor fünf oder zehn Jahren schon gebloggt hätte. Einige Projekte wären – wenn es diese Form der Öffentlichkeit bereits gegeben hätte – radikal anders und – da bin ich mir sehr sicher – radikal besser gelaufen, weil ich einiges beinahe alles der Sache abträgliche Gemauschel aus der Kantine ins Schweinwerferlicht hätte zerren können. Einerseits schade, dass es damals noch keine Blogs gab, andererseits schön: Nicht früher war alles besser, es gibt durchaus Dinge, die mit fortschreitender Zeit besser werden. Viel besser. Fortschritt ist schön.

Beim Anhören alter Platten und Angucken neuer DVDs: Stephen Stills ist ein grandioser Gitarrenspieler. Unterschätzt, sogar dieser Mann, gelegentlich unterschätzt.

Ich verstehe nicht, wieso es andauernd regnet. Mir ist eine vollfette Klimakatastrophe versprochen worden, inkl. tropischer Temperaturen in der Uckermark und der weitgehenden Versteppung innereuropäischer Regionen. Von diesen Regenfällen war nirgendwo die Rede. Woran liegt’s? Haben die Kühe zuviel oder zuwenig gefurzt?

Die Treue des ZDF zu Claus-Theo Gärtner ist erstaunlich. Einen mittlerweile physisch dermaßen überforderten Action-Helden wie Matulla in die Drehbücher reinschreiben zu lassen ist wahrlich keine kleine redaktionelle Leistung.

Entsetzen: Ich habe kurz gezweifelt, ob Balkohn oder Balkong richtig ist.

In einem TV-Krimi: „Die weiß mehr, als sie uns sagt.“ Die Erben Herbert Reineckers.

Regel für die Regie: Nichtraucher nicht rauchen lassen. Man sieht sofort, dass sie nur so tun.

Vor ca. 20 Jahren habe ich aufgehört, regelmäßig den Stern zu lesen. Deshalb verstehe ich nicht, warum sich die Kolleginnen und Kollegen über einen Redakteur dieses Blattes dermaßen echauffieren. Sowas von unwichtig.

Ein Wissenschaftler teilte mir im WDR mit, dass eine Kartoffel vermehrt Alkaloide produziert, wenn ich sie schäle. Ich bedanke mich für diese wertvolle Information. Ich wusste gar nicht, wieviel Stress ich in der Küche auslöse.