Splitterbrötchen (XXI)

Wenn man sich beim Schreiben des Worts „Genau“ vertippt, kommt „Genua“ heraus. Wie schön.

Seit geraumer Zeit erschrecken mich Leserbriefe grundsätzlich mehr als die Artikel, wegen denen sie geschrieben worden sind.

Selbst Gänseklein sollte nicht zur Hälfte aus Stietz bestehen.

Fernsehen ist ein perfektes Vermeidungs-Medium. Wer einer Kochsendung zuschaut, macht sich nichts zu essen. Wer einem Politiker zuhört, verliert die Lust, sich einzumischen.

Einer der schönsten, wahrsten und klarsten Sätze aller Zeiten stammt vom vielleicht besten Bundespräsidenten, den wir jemals hatten, Gustav Heinemann: „Ich liebe nicht mein Vaterland, ich liebe meine Frau.“

Nur weil ein Reim möglich ist, muss man ihn nicht machen.

Songtext: Blog’n Roll

Time to play music real loud
Time to change.
It’s never to late to freak out
Or to rearrange.
You don’t need a rundown Mofa.
If you can take a ride on the burning sofa.
Time to choose
Between Äppelwoi and Cidre,
You’ve got nothing to lose
But your Nasenhaarschneider.

It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
Groupies at the door
Dogpiss on the floor
Big wheels keeps on turning
While the sofas are burning.
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!

Oh, oh, Achim, oh, oh, weh!
Rock’n Roll is here to stay!
I got no guitar, but I play real loud
And on the Autobahn I don’t pay Maut!
Soon we’ll enjoy weekends in a swiss chalet
That belongs to Impermeabile.
Hoss is mending the Ponderosa’s fence,
This song’s lyrics don’t make sense.

It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
Groupies at the door
Dogpiss on the floor
Big wheels keeps on turning
While the sofas are burning.
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!

Oh, oh, my, my
Please don’t ask why.
Please.
Don’t ask.
Just don’t ask.
Just do.
Thank you.
Olaf and Fressack are not forgotten
They got nothing to do with Johnny Rotten.

It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
Groupies at the door
Dogpiss on the floor
Big wheels keeps on turning
While the sofas are burning.
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!
It’s only Blog’n Roll
But Schorschi likes it!

Olaf, übernehmen Sie!

So, jetzt wo das mit dem Bandnamen klar ist, können wir richtig reinhauen. Um unsere Kräfte und die Beiträge zu bündeln, hab ich auch gleich eine richtig schmucke neue Blog-Kategorie eingerichtet: „C&A Backstage“. Das hat doch Klasse, oder?
Leider gibt es aber – kaum, dass wir uns auf einen Bandnamen geeinigt haben – den ersten Ärger. Ich bin von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht worden, dass ein Bekleidungshaus unter unserem Bandnamen firmiert und ganz flagrant versucht, unsere immer zahlreicher werdenden Fans abzuzocken. Das können wir uns natürlich nicht bieten lassen, hier muss unser Management tätig werden. Olaf, du mailst jetzt bitte deine Konto-Nummer an meine neue Mailadresse hammerbass(at)chris-kurbjuhn.de. Auf keinen Fall deine Konto-Nummer hier in die Kommentare posten, hinterher liest noch wer von diesen Klamottenhanseln mit, hackt deine TAns und dann stehst du da! Also, Konto-Nummer ganz diskret an mich, dann überweise ich dir einen Vorschuss in Höhe von 1,50 Euro. Davon schaffst du bitte 1 Briefmarke, 1 Bogen Briefpapier und 1 preiswertes Briefkuvert an und schreibst an die Rechtsabteilung von den Namenklaus. Nicht nett sein, gleich ganz schweres Geschütz auffahren, am Besten mit Abmahnungen und unserem Justitiar (weiß jetzt nicht, wer das ist, wenn wir keinen haben, besorg einen) drohen. Sie sollen es unterlassen, mit unserem Bandnamen zu werben, sonst knallen wir ihnen Schadensersatzklagen in Millionenhöhe um die Ohren. Keine Kompromisse, keine voreilige Annahme von Vergleichsangeboten, hier müssen wir hart in der Sache bleiben. Wenn Sie allerdings ein millionenschweres Sponsoring unserer ersten Tour anbieten, hören wir uns das Angebot in aller Ruhe an. Stell aber bitte von vornherein klar, dass wir uns nicht mit Peanuts abspeisen lassen wie die Stones. Das wäre ja noch schöner. Sollte vom Vorschuss noch etwas übrig bleiben, dann kannst du das natürlich behalten, aber mach bitte halbehalbe mit Fressack. Nicht, dass sich irgendwer ungerecht behandelt fühlt.
So, ich geh jetzt auch ’n Songtext schreiben. Das Achim hier alleine abräumt, kann ich nicht zulassen. Was mir dabei gerade einfällt: Kann eigentlich irgendwer von uns komponieren?

West-Berlin

Wenn mich jemand fragt, wie das in „West-Berlin“ war, dann erzähl ich gern, wie ich den Fall der Mauer erlebt habe. Also, am 9. November 1989 war ich im Theater, im Freien Schauspiel in der Neuköllner Pflügerstr. Dort wurde „Rotes Koma“ gespielt, ein Musical, zu dem ich das Libretto geschrieben hatte (die Musik hatte der unvergleichliche Ulrich Güldner komponiert) und in dem ich eine kleine Rolle (einen ausgeklinkten Theaterwissenschaftsstudenten im 23. Semester namens Max Reinhardt) spielte. Es war ca. 19 Uhr 15, die Mauer war seit einer Viertelstunde offen, was keiner von uns wusste. Wir schminkten uns und sprachen über die bevorstehende Vorstellung. Was man halt im Theater so redet, eine Viertelstunde bevor der Lappen hochgeht.
Da wurde ich ans Telefon gerufen und ging etwas unwillig ins Büro. Was konnte denn kurz vor der Vorstellung so wichtig sein, dass man mich im Theater anruft? Eine schlechte Nachricht konnte es ja nicht sein, damit werden Schauspieler ja bis nach der Vorstellung verschont, was war denn so dringend? Die geduldigste Gemahlin von allen teilte es mir mit: „Die Mauer ist offen.“
Öha. Rums. Doll. Während Calli Calmund schon auf dem Weg war, um Andreas Thom nach Legokusen zu lotsen, brauchte ich noch ein, zwei Minuten, um das zu begreifen. Nuja, sachte ich dann, wird sich das Leben jetzt wohl grundlegend ändern. Schön, in so spannenden Zeiten zu leben. Ich ging zurück in die Garderobe, hob meine Stimme und verkündete: „Die Mauer ist offen.“
Ich will verdammt sein, wenn auch nur ein Puderquast für einen Sekundenbruchteil still gehalten worden wäre. „Ach ja?“ sagte Jürgen H. wenn ich mich recht entsinne. Stefan N. merkte wohl, dass ich eine andere Reaktion erwartet hatte, sagte dann: „Tolle Sache, Chris, wirklich, aber meinst du nicht, dass meine Pointe in der Rosa-Szene besser kommt, wenn ich ’nur‘ statt ‚Idee‘ betone?“ Bevor ich antworten konnte, wurden wir von Beate P. unterbrochen: „Ich bin sehr unzufrieden mit meinem vorletzten Auftritt. Ich brauche da einfach zwei, drei Sätze mehr…“
Immer wenn ich irritiert bin, habe ich eine gewisse Tendenz, mich zu wiederholen. Ich wandte mich erneut ans Ensemble und rief: „Ich bin mir nicht sicher, ob das jeder mitgekriegt hat, DIE MAUER IST WEG!“
Nikola J. schaltete sich ein. „Jaja, schon gut, sag mal, muss ich heute im Finale unbedingt das hohe C singen? Ich bin etwas belegt, und wenn ich stattdessen eine Terz tiefer… das merkt doch keiner…“
Ja, genauso war West-Berlin. Ein Haufen Schauspieler, die nur die nächste Vorstellung im Sinn hatten. Das hatte natürlich eine gewisse sympathische Unaufgeregtheit was historische Momente anbelangt zur Folge, war andererseits aber durchaus ein bißchen irritierend. Wie dem auch sei,der West Rest ist Geschichte.

In Sachen Bass

Also irgendwie hab ich ein bisschen Pech mit den Abstimmungen in der Netzecke. Erst wollte ich wissen, ob ich nun Bassspielen lernen soll oder nicht, da gab’s ein unentschieden. Um eine Entscheidung dieser Frage zu erzwingen, habe ich wieder abstimmen lassen und wieder ist ein unentschieden dabei rausgekommen. Totes Rennen zwischen „Münze werfen“ und „machen was mir durch den Kopp schießt“. Was nu?
Okay, ich hab mir gesagt: Wirf eine Münze und mach, was dir durch den Kopp schießt, hab die Münze geworfen, und die ist mir in den Gully gefallen und schon hatte ich nicht mehr genug Geld, um mir einen Bass zu kaufen (von den Vorschüssen für Management und Catering ganz zu schweigen, das geht ins Geld, dieses Musikdingens).
Aber in der Stunde schwärzester Verzweiflung strahlt das Licht der Verheißung am hellsten, oder so ähnlich, jedenfalls hat mich die geduldigste Gemahlin von allen (Genau! Die, die nur eine Stimme bekommen hat. Da verzweifelt man doch an der Demokratie!) aus diesem finanziellen Dilemma befreit, in dem sie mir großzügig einen Gutschein für eine Bassgitarre zum Geburtstag geschenkt hat. Also, wir können jetzt Nägel mit Köppen bzw. Griffbretter mit Bünden machen.
Sowie wir endgültig über einen Bandnamen entschieden haben, heb ich den Gullydeckel hoch und hol den Euro raus, von dem ich dann die Vorschüsse an Olaf und Fressack zahle. Das muss reichen. Und mit dem Gutschein schieß ich mir dann eine Bassgitarre. Bloß: Was für eine? Voll elektrisch? Akustisch? Semi-akustisch? Eigentlich müsste ich jetzt ja eine neue Abstimmung machen, aber ich trau mich nicht. Wer weiß, was dann in den Gully fliegt.

Splitterbrötchen (XX)

Fantastische Titelidee für einen in der Wirtschwaftswunder-Ära angesiedelten, hochsensiblen Frauenroman: Die Schwarzgeld-Ausgeberin.

Wenn man einem Theatermenschen das Theater wegnimmt, bleibt ihm nur noch eine ganze Menge heiße Luft. Als ob das wenig wäre.

Ist es nicht ganz entsetzlich, dass das Adjektiv, dass das neue Album der Eagles am treffendsten kennzeichnet, „gediegen“ ist?

Nach „49“ und „Fuffzich“ ist „51“ ein banales, langweiliges Alter.

Wie sensibel sich ZDF-Mann Norbert Galeske geben kann, wenn er Frauenfußball kommentiert: „Deutliches Trikot-Zupfen! Das war schon kein Zupfen mehr, das war ein klares Festhalten!“

Professionell abgehen

Zur Zeit ist es Mode, Talksshows vorzeitig zu verlassen. Aber die derzeitigen Abgänge ließen für meinen Geschmack doch einiges zu Wünschen übrig. Da wurde weich aus dem Studio rausgeeiert, statt profimäßig einen Höhepunkt zu setzen. Wäre es vielleicht eine lukrative Geschäftsidee, Seminare für Prominente anzubieten, die sich stilgerecht aus Sendungen entfernen möchten? Um den Markt zu testen, möchte ich ein kleines Schulungsvideo vorführen, in dem ein Meister seines Fachs, quasi der Erfinder des zornigen Raus-Rauschens sein Handwerk bzw. seine Kunst vorführt. Frau Herman, Herr Bublath, schauen Sie sich das bitte gut an, damit das beim nächsten Mal besser klappt!

[youtube]1aNkWjeFWZM&rel[/youtube]

Bitte beachten, wie präzise Klaus seine Pointen setzt, und wie er trotz höchster Erregung Perlen der Dialogkunst improvisiert:
„Sowas kann doch nur jemand fragen, der vollkommen ahnungslos ist. Oder jemand, der bösartig ist.“
„Sie halten mich für bösartig?“
„Nein!“
Ganz großes Tennis.

Houston, wir haben einen Effjott…

Und es begab sich, dass Effjott gleichzeitig in eine erdnahe Umlaufbahn und eine große Verwirrung geriet:

Die Frage, ob wir allein sind im Universum, macht Gänsehaut. Nach welchen Sonnen, wenn wir im All sind, sollen wir unsere Uhren stellen? Oder spielt die Zeit keine Rolle mehr? Beschützen uns im All die Engel mit ihren großen Flügeln – und wie werden wir fertig mit der Trauer, unsere Erde verloren zu haben? Hören wir Bach oder Mozart im Universum? Überlebt der Mensch im Universum oder retten ihn die grünen Männchen?

Immer schön der Reihe nach, Effjott. Vergessen Sie die Sonnen, was die Zeitmessung angeht. Wenn sie wissen wollen, wie spät es ist, lassen Sie – wie immer – einen Redakteur bei der Zeitansage anrufen, sich das Ergebnis durchsagen und übertragen Sie es auf ihre Armbanduhr. Bei den Engeln haben Sie etwas missverstanden, die spielen nicht auf großen Flügeln sondern auf eher kleinen Posaunen. Was Sie im Universum hören, bleibt nach wie vor Ihnen überlassen, es kommt nur darauf an, welchen Sender Sie einstellen, und die kleinen grünen Männchen sind nicht im Universum sondern in der Paris-Bar zu sehen, wenn Udo und Sie es mal wieder übertrieben haben. Sonst alles frisch?