Granatendepp

Würde der Granatendepp, der ständig bei uns im Büro anruft, dessen Nummer mit 018052145210 im Display unserer Telefone erscheint und der sofort auflegt, wenn sich jemand meldet, dass bitte endlich unterlassen? Nein, wir werden nicht zurückrufen. Wir sind nicht so blöd wie die Menschen, die sich eine solche Masche ausdenken.

Anstecker?

Langsam wird’s unheimlich. In den letzten zwei Tagen habe ich in der U-Bahn-Linie 7 dreimal den gleichen, fürchterlich erkälteten Mann getroffen. Der Kerl hustete, schniefte und schnob ausdauernd in zahllose Papiertaschentücher, dass er einem fürchterlich leid tat. „Geh ins Bett, Mann Gottes, und kurier dich aus!“, wollte man ihm zurufen.
Das Verhalten dieses Mannes wirft natürlich Fragen auf. Warum fährt der Typ trotz seines Zustandes ausdauernd U-Bahn? Und warum immer mit der Linie 7?
Dass er sich auf diese Linie beschränkt, legt den Schluss nahe, dass diese Linie ihm als Territorium zugeteilt wurde. Und da die geduldigste Gemahlin von allen bereits mit einer gewaltigen Erkältung geschlagen ist und auch ich bereits ein Kratzen in den Atemwegen verspüre, bleibt eigentlich nur eine Erklärung übrig: der Mann ist im Auftrag eines Grippemittel produzierenden Pharma-Unternehmens unterwegs und geht dem neuartigen Beruf des „Ansteckers“ nach.
So weit, so gut. Was ich jetzt noch wissen möchte: Ist er fest angestellt oder Freelancer? Bekommt er Stundenlohn, Provision, Tantiemen oder Kopfgeld? Braucht man eine entsprechende Ausbildung oder genügt Talent?

Enthüllt

Mensch, Effjott,
da ist Ihnen nach Jahren, Quatsch, nach Jahrzehnten endlich mal wieder ein richtiger Scoop gelungen! Während alle Welt von A-Z, von Polizei bis Presse, sich noch fragt, wie der Althaus-Ski-Unfall überhaupt passieren konnte (Pistenrand, erfahrene Skifahrer, beste Sichtverhältnisse) sind Sie ganz allein hinter des Rätsels Lösung gekommen und teilen sie –   Maupassant wie immer – den Lesern ihrer Kolumne mit:

Um diese Zeit begab sich eine 41-Jährige Frau, die vor einem Jahr ein Kind bekommen hat, auf die Piste. Sie ist eine großartige Frau. Sie ist eine Slowakin, die in Amerika lebt. Sie hat nur eine Mütze auf.

Klar, dass Althaus vollkommen baff war, als er sie sah, alles um sich herum vergaß und volle Kanne Susanne in die Nackerte hineinbretterte. Danke, dass Sie mit all den haltlosen Spekulationen Schluss gemacht haben!

Splitterbrötchen (LXXX)

Das Telefongespräch der Woche belauschte ich am 31. 12. 08 zur Mittagsstunde im Coffeeshop im Bahnhof Göttingen. Ein mit am Tisch sitzender, in eleganteste Freizeitkleiidung gehüllter junger Mann hatte einige Minuten an seinem Netbook herumgefummelt, dann griff er zum Blueberry und wählte eine Nummer aus dem Speicher. Als sich jemand meldete, verlangte er „eine abgesicherte Leitung“ und wurde mit jemandem – vermutlich einem Vorgesetzten – verbunden, den er „Sire“ (englisch ausgesprochen) titulierte. Einer seiner nächsten Sätze war „Meine eigene Vernichtung habe ich für kommenden April geplant.“ Solchen Leuten hört man doch gern beim Telefonieren zu.

Wenig später im Zug demonstrierte ein junger Mann, wie man mit einem einzigen Satz eine an sich banale Situation mit dramatischer Spannung aufladen kann. Ca. drei Minuten vor der Einfahrt  in den Berliner Hauptbahnhof sagte er: „Ich würd jetzt gern raus, ich muss dringend furzen.“ Da ging ein Ruck durch die Menschen, die ihm zuhörten.