Splitterbrötchen (CLXXXV) – Prof. Oliver Lepsius-Special

Prof. Oliver Lepsius   von der Universität Bayreuth hat den Durchblick, rückt die Dinge in Position und stellt Relationen her. Das kann er besser als ich, er ist eben Wissenschaftler. Deshalb und aus gegebenem Anlass bestehen die dieswöchigen Splitterbrötchen ausschließlich aus Zitaten aus diesem schönen Interview.

„Wie kann jemand etwas tun und nicht wissen, was er tut? Das ist eine große Frage, die am Ende dieser Woche offen bleibt.“

„Mir ist völlig schleierhaft, wie er diesen Vorsatz bestreiten kann. Mich würde – darf ich ehrlich sein? – die Einschätzung eines Psychologen interessieren. Was ein Psychologe zu einem solchen Fall von Wirklichkeitsverdrängung meint.“

„Das politische Berlin muss sich schon die Frage stellen, ob jemand das Amt eines Bundesministers ausüben kann, der X tut, aber in Abrede stellt, dass er X getan hat. Wer solch eine Selbsteinlassung vornimmt, den muss man fragen, wenn er in diese Fall nicht wusste, wass er tut, weiss er es dann in anderen Fällen?“

„Als Staatsbürger freilich möchte ich doch schon sagen: ich wünsche mir Minister, die wissen, was sie tun und ein Verantwortungsfühl für ihre eigenen   Handlungen haben. Und die Art und Weise, wie der Minister letzte Woche mit der Causa umgegangen ist, lässt bei mir als Staatsbürger erhebliche Zweifel an seinen charakterlichen Fähigkeiten zur Selbsteinschätzung seiner Handlungen erkennen.“

Splitterbrötchen (CLXXXIV)

Der eigentliche Skandal ist nicht, dass zu Guttenberg abgeschrieben hat. Der Skandal ist die Dummdreistigkeit der Ausführung. Mit einem minimalen Arbeitsaufwand und ein wenig Intelligenz hätte er die ganzen Probleme vermeiden können. Wer so faul und blöd ist, taugt nicht zum Minister.

Und, wo wir beim Thema sind: Die Spekulationen, er habe einen Ghostwriter beschäftigt, sind ebenso dämlich wie der Verteidigungsminister selbst. Ein Profi hätte so geklaut, dass es niemand merkt.

Okay, aller guten Dinge sind drei: Jetzt wissen wir, wie Stefanie zu Guttenberg auf den Titel „Tatort Internet“ gekommen ist.

Last Commander Standin‘

Den Berliner Netzecken-Besuchern ans Herz gelegt: „Last Commander Standin'“, die Rock-Revue aus Berlin läuft ab heute, Mittwoch den 16.2. bis Sonnabend, den 19.2., jeweils Uhr in der UFA-Fabrik in Berlin Tempelhof.

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Commander Jack Chickenhunter bringt den Rock’n Roll nach Berlin, fängt ein Verhältnis mit der goldenen Frau auf der Siegessäule an und lässt es gewaltig krachen. Straighter, überlauter Gitarrenrock bis der Arzt kommt. Ich hab das Buch für die Revue geschrieben und Regie geführt.

Splitterbrötchen (CLXXXIII)

Ich schreibe seit Jahrzehnten Leserbriefe an sämtliche seriösen Tageszeitungen, in denen ich Verdachtsmomente für die Manipulation der Lottozahlen fundiert begründe. Abgedruckt wurde bisher kein einziger. Das dürfte Beweis genug für eine globale Verschwörung sein.

In der Besetzungsliste des RTL-Films „Hindenburg“ entdeckte ich einen Schauspieler namens Wotan Wilke Möhring. Augenscheinlich gibt es Leute, die um jeden Preis Florian Henckel von Donnersmarck auf sich aufmerksam machen wollen.

Man muss den gerade verstorbenen Peter Alexander oder die Art Unterhaltung, die er machte, wirklich nicht mögen. Aber seine konsequent umgesetzte Entscheidung,   nicht vor den Augen seines Publikums zu vergreisen, verdient allerhöchsten Respekt.

Klassisch auf die Rübe

Eins der sympathischsten Gemüse überhaupt sind die Teltower Rübchen (auch Mairübchen oder Navets geheißen). Denn je weniger man mit den Dingelchen anstellt, umso besser schmecken sie. Es soll sogar Leute geben, die die Rübchen roh verzehren, aber dass ist mir schon fast zu sympathisch. Ein bißchen Zubereitung darf schon sein. Meistens karamelisier ich sie mit Zucker und Butter und dünste sie mit ganz wenig Flüssigkeit, bis sie gar sind (10 bis 15 Minuten maximal). Diese simple Zubereitung zu toppen ist gar nicht so einfach, aber es geht.
Dazu braucht man ca. einen halben Liter Béchamelsauce auf 1 Kilo Rübchen (brutto), also ganz feingeschnittene Zwiebel in Butter andünsten, Mehl dazu und durchschwitzen, ohne Farbe annehmen zu lassen, unter heftigem Rühren (Klümpchen!) mit dem Schneebesen Milch einrühren, aufkochen, zwanzig Minuten lang kochen lassen, dass der Mehlgeschmack vergeht, Salz, Pfeffer (Perfektionisten nehmen weissen), Schuss Zitronensaft. Ich nehm oft halb Milch, halb Brüh, dann ist die Béchamel eine weniger wuchtige Angelegenheit, was besser zu der Eleganz der Rübchen passt.
Separat hat man die Rübchen geschält und in etwas Butter mit ganz wenig Knoblauch halb gar gedünstet, dann werden sie in die Béchamel transferiert. Jetzt hat man zwei Möglichkeiten.

Entweder man geht in die klassisch französische Richtung, kocht die Rübchen in der Béchamel richtig weich und püriert die Chose im Mixer. Die Pampe streicht man in eine gebutterte, flache Gratinform und schiebt das Zeugs für 15 bis 20 Minuten in den Ofen, sodass das Zeugs eine ganz leichte Kruste bekommt. Ist ein schönes Zwischengericht oder eine Beilage.

Oder man macht es wie ich, lässt die Rübchen ein paar Minuten in der Béchamel ziehen, rührt ein paar Würfelchen gekochten Schinken unter und reicht Bratkartoffeln dazu.

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Mahlzeit!

Splitterbrötchen (CLXXXII)

Schöner Satz in einem Jeffery-Deaver-Thriller: «“Vertrauliche Quelle“ ist in Wahrheit bloß ein Synonym für “rückgratlos“. »

Kulinarisches Highlight der Woche war ein medium gebratenes, mit Blauschimmelkäse überbackenes Entrecôte im La Cocotte in der Vorbergstraße. Tolle Kombination!

Den Vogel im Bereich Kundendienst hat diese Woche Brauerei Störtebeker aus Stralsund abgeschossen. Ich hatte mich via Webformular nach Berliner Bezugsquellen für die (ganz ausgezeichneten) Biersorten erkundigt. Nach nur wenigen Tagen erhielt ich dann eine Mail von einer Frau W. die mir Mailadresse und Handy-Nummer von einer Frau J. schickte, an die ich mich mit meiner Frage wenden könnte. Nuja. Weiß Bescheid.