Beinah nicht gemerkt…
Archiv des Monats: Juli 2011
Splitterbrötchen (CCVII)
Die Idiotie der Woche gelang dem Bewertungsportal „qype“. Dort kann man jetzt Plätzen „folgen“.
Geniale Facebook-Kleinanzeige: „Vermiete deine Unterkunft an Tennisspieler und lerne nette Leute kennen.“
Blödsinniger, fauler Kompromiss in Schwäbisch Gmünd: Statt dem Tunnel will man nun ein Schwimmbad nach Bud Spencer benennen. Dabei wäre es doch so einfach gewesen: Einfach einen zweiten Tunnel neben den ersten bohren und das Ensemble „Zwei-Himmelhunde-auf-dem-Weg-zur-Hölle-Tunnel“ nennen.
Problem: Gescheibelte Radieschen unfallfrei und unauffällig vom Frühstücksbuffet auf meinen Teller zu bekommen. Wieso hat WMF für diese Herausforderung eigentlich noch kein Spezialwerkzeug auf den Markt gebracht?
Blick in den Kühlschrank
Inspiriert von You are what you eat, einem Rundblick durch mehr als 30 Kühlschränke in den USA, haben mehrere Menschen, deren Beiträge zur Kochkunst und vielerlei anderen Dingen ich sehr schätze, ebenfalls mutig ihre Kühlschränke geöffnet.
Da mache ich natürlich gern mit und präsentiere meinen derzeitigen Kühlschrank, bitte sehr:
Da ich zur Zeit – wie jeden Sommer – in Podersdorf am See bin, ist das der Gästekühlschrank des Landgasthofs zur Goldenen Traube. Das rechts unten sichtbare Kühlelement gehört übrigens nicht mir sondern einem anderen Gast. Weitere Fragen zum Inhalt des Kühlschranks beantworte ich selbstverständlich gern.
Splitterbrötchen (CCVI)
Groß-Gastronomin Melitta T. begrüßt die geduldigste Gemahlin von allen und mich, als wären wir Stammgäste („Wie schön, dass Sie wieder reinschauen…“), komplimentiert uns an einen Tisch… und dann werden wir 15 Minuten lang von ihren Kellnern ignoriert, bis wir woanders hingehen.
Auch ein Zeichen beginnenden Altersstarrsinns: Wenn man Geschäfte mit seltsamen Bezeichnungen wie „Proscutteria“ oder „Wurst-Boutique“ aus Prinzip gar nicht erst betritt.
Und dann wurde ich noch Zeuge einer Brise, die war dermaßen steif, dass die Porzellan-Schiffchen im Ramschladen zu schwanken begannen.
Mann der Woche ist Gurkenzüchter Robert Bergenhenegouwen, der uns in einer ganzseitigen Anzeige der Europäischen Kommission Landwirtschaft und ländliche Entwicklung mit einem klarsichtigen Statement beglückte, das unserer Jugend hoffentlich die Augen öffnen wird: „Es ist schade zu sehen, wie Teenager ihr Geld für Fast Food und Alkohol ausgeben statt für gesundes Essen.“
Der Niedergang des deutschen Theaters ist eng mit dem Niedergang der Kortner-Anekdote verwoben.
Und schließlich hab ich noch ein Geschäft gesehen, wo ich einige Herrschaften gern zum Shopping hinschicken würde.
Splitterbrötchen (CCV)
Nach wie vor gültige Weisheit des grandiosen Kochs Dieter Kalldewey: „Wer Teller bemalen kann, kann noch lange nicht kochen.“
Mancher Wein duftet ganz ausgezeichnet. Bis man ihn trinkt.
In memoriam Heinz Reincke – Wie er mal Marianne Koch bei „III nach Neun“ schwindlig talkte (nach dem Gedächtnis zitiert):
„Sie sind wirklich immer betrunken, wenn Sie Theater spielen?“
„Aber natürlich. Anders halte ich das Lampenfieber nicht aus. Nur neulich, nach 130mal Mephisto, hab ich mir gesagt, das hast du so oft gemacht, das probierst du mal nüchtern. Das war aber auch nichts. Da hab ich die Kollegen so deutlich gesehen.“
Schöne Leistung von Fahrradverleiherin Gloria T., die eine Sektbar vor ihrem Laden aufstellte, ohne jedoch Sekt auszuschenken. Stattdessen las der Durstige ein Schild: „Sektbar zu vermieten“.
Eine zeitig eingenommene Weinprobe bringt den weiteren Tag so angenehm zum Diffundieren.
Typische Reaktion der geduldigsten Gemahlin von allen, wenn ich mal was Lustiges sage:
Bravo, Johann!
Splitterbrötchen (CCIV)
Wann haben Journalisten eigentlich begonnen, recherchierte Berichte grundsätzlich durch Kaffeesatzlesereien zu ersetzen?
In den Dialog der Woche geriet ich bei Fa. Saturn. Ich: „Ich such eine Schutzhülle für einen Netbook, 21 mal 29 Zentimeter.“ – Verkäufer: „Wieviel ist das in Zoll?“ Manchmal möchte man zur Pumpgun greifen.
Es steht nicht gut ums deutsche Tennis. Beim Davis-Cup war die halbe Hütte leer, und Patrick Kühnens Koteletten sahen echt scheiße aus.
Fa. Philips irritiert nachhaltig mit dem Slogan „Die fortschrittlichste Rasur aller Zeiten“. Was kann an „Haare ab“ fortschrittlich sein?
Splitterbrötchen (CCIII)
Schauen sich Supermarkt-Kassiererinnen nach Feierabend wirklich Storno-Filme an?
Den Preis für die couragierteste Information der Woche gebührt natürlich ZDF-Urgestein Claus Lufen, der während einer Frauen-Fußball-Übertragung kolportierte, dass die „Kids“ heute „Netz“ zum Internet sagen würden. Wirklich sehr mutig von Lufen, auf diese außergewöhnlich freche Wortwahl hinzuweisen.
Die wichtigste Information der Woche lieferte uns Trainer Baade via Twitter: „Endlich eine angemessene Würdigung für Zwanziger. Der Wackeldackel im WM-Bus der Frauen ist nach ihm benannt.“
Ein Kreuzberger Steakhaus offeriert auf seiner Karte „Garnelen im Panzer“. Konsequentes Front-Cooking.
Und die Berliner sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Sepp Blatter nicht ausgepfiffen. Tststs. Das hätt’s früher nicht gegeben.




