Splitterbrötchen (CCLXXVIII)

Letzte Folge House und ich habe sie – wie viele Folgen der letzten Staffeln – nicht geguckt. Ich wollte nicht sehen, wie Wilson stirbt. Ausgerechnet Wilson! Wie dem auch sei, spätestens seit der Dialogperle „Du bist geheilt. Steh auf und wandle.“ – „Sind Sie geisteskrank?“ – „In der Bibel sagen die Leute schlicht ‚Ja, Herr‘ und verfallen dann ins Lobpreisen.“ gehört House zu den Serien, die ich vermissen werde. Die einzige Arztserie in dieser Auswahl, übrigens.

Mal wieder total peinlich: Ich war mir hundertprozentig sicher, Dave Brubeck bereits betrauert zu haben. Um so unerwarteter traf mich sein Ableben.

Meine telekinetischen Fähigkeiten: Ich brauch eine Bruschetta-Scheiba nur anzugucken, schon fallen die Tomatenbröckchen runter (und mir auf die Hose).

Das Ärgernis der Woche (des Monats, des Jahres) ist natürlich die hemmungslose Lügerei & Stimmungsmache der deutschen Verleger zum Thema Leistungsschutzrecht. Ich habe vor ein paar Wochen aufgehört, Tageszeitungen zu kaufen, weil ich mich zu sehr ärgere, wenn ich den Quatsch lese. Vielleicht sollten die Herrschaften bei Springer mal nach „Schneiden eigenes Fleisch“ googlen.

Bedenkenswerter Kommentar zu Siebecks Weihnachtsmenü in ZEIT-Online:
„Ich habe im Bekanntenkreis mehrere Vegetarier. Die sind beleidigt, wenn sie bei zum Essen eingeladen sind, und sie bekommen kein vegetarisches Extragericht, für das ich zusätzliche Arbeit habe. Die würden aber nie auf die Idee kommen, mir bei einer Einladung Zum Essen ein Schnitzel zu braten.“

Splitterbrötchen (CCLXXVII)

Endlich einen Film via Online-Video angeschaut, den ich schon lange sehen wollte: „Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis“. Was für eine Riesenenttäuschung! Die  wunderbaren Genies des Algonquin Round Tables, denen wir Meisterwerke des Journalismus, der Literatur, des Films und des Theaters (und letztlich die moderne Komödie an sich) verdanken, sind zu einem Haufen alkoholisierter Knallchargen verkommen. Und Dorothy Parker wird deppenhaft auf ihren Alkoholismus und eine unerfüllte Liebe zu Robert Benchley reduziert. Wer Mrs. Parker über diesen Film kennenlernt, wird sich unwillkürlich fragen, wie einer Frau mit derart begrenztem Horizont diese ganzen tollen Geschichten und Gedichte eingefallen sind.
Vom handwerklichen Standpunkt war es jedenfalls interessant zu sehen, wie Jennifer Jason Leigh an der Titelrolle scheitert. Die Darstellung einer Intellektuellen ist mit den eher kruden Mitteln des Method Acting einfach nicht möglich. Wenn man mit Strassberg-Mitteln einen hochintelligenten Menschen darstellen will, muss man mindestens so intelligent sein wie der darzustellende Mensch. Was spätestens in der Parker-Klasse zum Problem wird. Außerdem: wenn ein Schauspieler über ein Mindestmaß an Intelligenz verfügt, erkennt er die Limitierung der Method-Mittel und bedient sich ihrer (wenigstens bei einer solchen Aufgabenstellung) nicht. Q. e. d.

Menschen, die durch mein vorstehendes Gefasel vielleicht neugierig auf den „wirklichen“ lasterhaften Kreis der Mrs. Parker (also den Algonquin Round Table) geworden sind und sich auf die Suche nach einer Einstiegsdroge begeben wollen, empfehle ich die wunderbare Autobiographie von Harpo Marx: „Harpo speaks“.  Am besten auf englisch, die deutsche Übersetzung ist nur mit sehr viel Glück im Antiquariat zu finden.

Die Demütigung der Woche verabreichte mir ein Nigeria-Spammer, der glaubte, mich zum Discount-Preis von 127.500 Euro ködern zu können. Und mit Sätzen wie  „Bitte, ich flehe dich an, um zu versuchen und halten alles über mich absondern wegen meiner Sicherheit!“

Um noch einmal zum misslungenen Dorothy-Parker-Film zurückzukommen: der dort als knalldeppischer Goldfisch-Imitator dargestellte Robert Benchley war ein komisches Genie von höchsten Graden. Kostprobe? Immer gern. Benchley kommentierte die Feststellung, dass Alkohol ein schleichendes Gift sei, mit den Worten „Wer hat’s denn eilig?“. Spiel, Satz und Sieg in vier Worten.

Fazit nach vier Wochen mit einem Tablet-Computer (Kindle Fire HD): Ein vollkommen überflüssiges Gerät, ich könnte jederzeit wieder ohne auskommen. Ich möchte es aber nicht.