{"id":2250,"date":"2013-07-09T14:27:19","date_gmt":"2013-07-09T12:27:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/?p=2250"},"modified":"2013-07-12T12:03:44","modified_gmt":"2013-07-12T10:03:44","slug":"die-swap-datei-oder-sowas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/die-swap-datei-oder-sowas\/","title":{"rendered":"Die Swap-Datei. Oder sowas."},"content":{"rendered":"<p>&#8222;There ain&#8217;t no such thing like a free lunch&#8220; ist eins dieser Sprichw\u00f6rter, mit denen Eltern ihre Kinder nerven. &#8222;Es gibt nichts umsonst im Leben&#8220; ist die prosaischere deutsche Variante f\u00fcr die englische Erkenntnis, dass man immer zahlen muss, auch wenn das Mittagessen angeblich gratis war.<br \/>\nEine Rechnung wird uns dieser Tage pr\u00e4sentiert, und zwar die Rechnung f\u00fcr unsere Bequemlichkeit. Darf ich kurz an die Anf\u00e4nge der Personal Computer erinnern, an die XTs, ATs und 386er, mit denen man vor f\u00fcnfundzwanzig, drei\u00dfig Jahren die ersten Schritte in Textverarbeitungen, Spreadsheets etc. machte?<br \/>\nWenn man damals so ein Ding gekauft (f\u00fcr ein unsinniges Geld \u00fcbrigens), auf dem Schreibtisch platziert und eingeschaltet hatte &#8230; passierte erst mal gar nix. Weil einen nur ein leerer Bildschirm anguckte, auf dem erhellenderweise nur &#8222;C:\\&#8220; zu lesen war. Ja, genau sowas wie die Windows-Eingabeaufforderung. Die Windows-Eingabeaufforderung hie\u00df damals MS-DOS und war das Betriebssystem, dass man erstmal erlernen musste, denn die PCs wurden mit kryptischen Tastaurk\u00fcrzeln bedient. Mit &#8222;format a:\\&#8220; konnte man eine Diskette in Laufwerk A: formatieren, mit &#8222;cd arbeit&#8220; in einen Ordner namens &#8222;arbeit&#8220; wechseln, sich mit &#8222;dir&#8220; den Verzeichnisinhalt anzeigen lassen und mit &#8222;wp&#8220; Wordperfect starten, die damals (und vielleicht noch heute) beste Textverarbeitung der Welt. Das war am Anfang etwas kompliziert, weil einem die Befehle ungewohnt und willk\u00fcrlich erschienen. Was sie aber gar nicht waren. Wenn man sich einmal mit der Funktionsweise eines solchen PCs auseinander gesetzt hatte, und gerafft hatte, dass &#8222;cd&#8220; die Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;change directory&#8220; und &#8222;format&#8220; die Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;format&#8220; war, ging einem das GeDosse ganz flott von der Hand.<br \/>\nUnd man wusste haargenau, warum der Rechner was tat. Wenn das Diskettenlaufwerk oder die Festplatte ansprang, dann nur aus dem Grund, weil ich dem Rechenknecht gesagt hatte, dass er etwas speichern oder laden sollte. Auch wenn man mit einer Textverarbeitung oder einer Tabellenkalkulation arbeitete, wusste man eigentlich immer genau, was der Rechner tat.<br \/>\nDas war nicht schwer, aber die meisten Menschen, die anfingen, mit Computern zu arbeiten st\u00f6hnten, wie schwer und unbegreiflich doch diese PCs w\u00e4ren.<br \/>\nUnd dann kam Windows (bzw. dieses Mac-Zeugs). Einfach mit der Maus draufzeigen und klicken. Ist heute Standard, war damals sowas wie die erste Mondlandung. Kein Mensch musste mehr Tastaurbefehle auswendig lernen oder die Funktionsweise des Dingenskirchen verstehen, den er da bediente.<br \/>\nMir war das unheimlich. Wenn Windows lief, ratterte pl\u00f6tzlich meine Festplatte los, ohne dass ich ihr das Losrattern erlaubt hatte. &#8222;Ist die Swap-Datei. Oder sowas&#8220;, erkl\u00e4rten einem die Windows-Experten. Auf die Frage, was denn &#8222;oder sowas&#8220; sein k\u00f6nnte, kam nur ein Achselzucken.<br \/>\nIch hab mich an DOS geklammert, bis es nicht mehr ging. Ich wollte die Kontrolle \u00fcber meinen Rechner nicht aufgeben. Aber 1996 oder 97 war es soweit, ich warf den letzten Rechner, dessen Funktionsweise ich hundertprozentig verstanden hatte, auf den M\u00fcll und kaufte einen mit Windows 95. Die Auftraggeber bestanden darauf, dass ich meine Texte mit einer hundertprozentig kompatiblen Windows-Textverarbeitung lieferte, und soweit ging mein Starrsinn dann doch nicht, dass ich gutes Geld ablehnte.<br \/>\nUnd bald war auch mein Unbehagen wegen der dauernden Festplattenzugriffe und anderer Merkw\u00fcrdigkeiten in Windows 95 (davon gab es viele!) verschwunden. War ja wirklich bequemer, und was dieses Betriebssystem nun ganz genau auf meinem Rechner veranstaltete, musste ich ja nun wirklich nicht wissen, solange er die Texte ausspuckte, die ich vorher eingetippt hatte. War eben die Swap-Datei. Oder sowas.<br \/>\nUnd heute sitzen wir alle an Kisten, die alle irgendwie mit dem Internet und untereinander vernetzt sind, und au\u00dfer ein paar tausendprozentigen Geeks und Nerds wei\u00df eigentlich keiner, was die Kiste, an der er sitzt, tats\u00e4chlich macht. K\u00f6nnte die Swap-Datei sein. Oder sowas. Wobei &#8222;sowas&#8220; ein Virus sein kann. Oder die NSA. Oder die Briten, die Chinesen, die br\u00e4sigen Onkels in Strickjacken vom WDR-Computerclub oder eine Kombination aus allem. Wir wissen&#8217;s nicht, und wir werden&#8217;s nicht mehr herausbekommen. Wir wollten&#8217;s ja unbedingt einfach und bequem haben.<br \/>\nEs hat zwar ein paar Jahrzehnte gedauert, aber jetzt ist der Kellner mit der Rechnung f\u00fcr den Gratis-Lunch gekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;There ain&#8217;t no such thing like a free lunch&#8220; ist eins dieser Sprichw\u00f6rter, mit denen Eltern ihre Kinder nerven. &#8222;Es gibt nichts umsonst im Leben&#8220; ist die prosaischere deutsche Variante f\u00fcr die englische Erkenntnis, dass man immer zahlen muss, auch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/die-swap-datei-oder-sowas\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[627],"tags":[629,630,628,631],"class_list":["post-2250","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-auf-die-sechzich-zu","tag-alter-sack-gelaber","tag-besserwisserei","tag-erinnerungen","tag-ichhabsjagleichgesagt"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2250","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2250"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2250\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chris-kurbjuhn.de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}