Splitterbrötchen (CXXIII)

Erstaunlich, was für große Hallen Atze Schröder ohne jegliches Timing füllen kann.

Das Weinerlebnis der Woche: Ein an der Mosel abgefüllter Riesling aus der Pfalz, der noch nicht mal entfernt nach Riesling geschmeckt hat. Eine önologische Meisterleistung.

Alles, was vom „Baader-Meinhof-Komplex“ hängenbleibt: Unglaublich, was damals gequalmt wurde.

Den Slogan der Woche schuf RTL II: „„Wunschkinder – die Dokusoap über Paare, deren Wille stärker ist als die Natur“

Verbrecher und Politiker haben eines gemeinsam: Sie glauben fest daran, dass sie nicht erwischt werden.

Splitterbrötchen (CXXII)

Wer zwingt Wettbüros eigentlich, bizarre, unkontrollierbare Wetten – z. B. auf den Zeitpunkt von Freistößen, die in Sechstliga-Spielen in einem fernen Land verhängt werden – überhaupt anzunehmen?

Beim Wiederansehen von „Deutschland im Herbst“: Einen Menschen wie Rainer Werner Faßbinder würde man heutzutage keinen einzigen Film mehr drehen lassen. Sogar für einen Container-Auftritt wäre er den zuständigen Redakteuren zu mutig.

Heidi Klum hat also Seals Namen angenommen. Ab sofort heißt sie dann wohl Seal Klum.

Nochmal 1977:   die   „klammheimliche Freude“ haben damals m. E. nur Idioten empfinden können. Ich erinnere mich nur an ohnmächtige Wut und Hilflosigkeit.

Der Schlagschattenmann

Ist das außer mit noch niemandem aufgefallen? Seit zu Guttenberg Verteidigungsminister ist, lässt er sich auf offiziellen Bildern immer so ablichten, dass auf seiner linken Gesichtshälfte so ein stylisher, unglaublich dramatischer Schlagschatten zu sehen ist. Damit man sieht, dass Verteidigungsminister irrsinnig cool sind. Hat Bogart nicht auch immer mit ’ner Wumme rumgefuchtelt? Und so ein Verteidigungsminister hat viel mehr Feuerkraft als ein Hollywoodstar, der schon über fünfzig Jahre tot ist. Ja, Baby Guttenberg, gib mir Drama!
Ich weiß, ich bin ein unerträglicher alter Sack, der tatsächlich an dem Punkt angekommen ist, an dem er beinahe glaubt, dass früher alles besser war. Als Politik noch von Menschen gemacht wurde, denen wurscht war, wie sie aussahen. Dicke Männer mit fettigen Haaren und Saucenflecken auf dem Schlips.Und mit Ideen, über die man streiten konnte.
Wenn Politiker mittlerweile Imageberater und Stylisten beschäftigen, dann befinden sie sich zweifelsohne in einem Zustand geordneter geistiger Insolvenz.
So, das musste nur mal raus.

Splitterbrötchen (CXX)

Nach zwei magenverstimmten Tagen mit Weißbrot und Kamillentee riechen altes Frittenfett und versalzene Pommes wie das reine Manna.

Der Satz „Mir ist egal, was die anderen sagen“ wird immer von der Ursache des Problems ausgesprochen.

Auffällig 20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Wie groß und allgegenwärtig ausgerechnet in diesem Land die Angst vor Veränderung ist.

Am Limit

Ja, bin ich denn wirklich der einzige, dem heute bei der Tagesspiegel-Lektüre der Kaffee aus dem Mund gesaust ist? Als ich in einem Artikel zur Versorgung der Arztpraxen mit dem Schweinegrippen-Impfstoff folgendes las:

Von der Verwaltung hieß es dazu, man habe Ende Oktober etwa 2000 Verträge an niedergelassene Mediziner verschickt, die als Impfärzte in Frage kommen. 400 positiv beschiedene Verträge seien bisher zurückgekommen. Die Bearbeitung des Rücklaufs sei ein „Riesenaufwand“. Schneller gehe es nicht.

Wie meinen? Eine Verwaltung (!) gerät mit dem   Versand von 2000 und dem Empfang von 400 Briefen (übrigens eine Dienstleistung, die man für relativ kleines Geld bei jedem Sekretariatsservice einkaufen kann), ans Limit? 2000 Briefe zur Post bringen und 400 Antworten sortieren und zuordnen ist ein „Riesenaufwand“?
Woher nimmt dieser Senats-Fuzzi die Chuzpe, die Faulheit und Unfähigkeit seiner Behörde ganz arglos in die weite Welt hinauszutrompeten? Und warum nehmen das Journalisten und Leserbriefschreiber (die sonst wegen jedem Scheißdreck lautstark die Barrikaden erklimmen) einfach so hin?
Bürger, macht kaputt, was euch kaputt macht! Greift zur Waffe, entert die Ämter und zwingt die Sesselpupser mit vorgehaltener Pistole zur Arbeit! Es scheint die einzige Möglichkeit zu sein.

Splitterbrötchen (CXIX)

Das Produkt der Woche entdeckte ich in einem Netto-Supermarkt: „Frische Kräuter aus der Tube“. Ist es die Größe einer solchen Erfindung, die mich sprachlos macht, oder die Chuzpe der Behauptung, dass sich in einer versiegelten Tube in einem Supermarkt-Regal etwas Frisches befindet?

Spam-Betreff der Woche war „Herr Kurbjuhn, Ihre Ausreise wurde bewilligt“

Der Facebook-Kleinanzeigen-Text des Monats war „Brausen Sie Heiße Mädchen online!“

„Cisco Pike“ könnte man sich mal wieder angucken. Wenn es ihn denn hierzulande auf DVD gäbe.