Splitterbrötchen (DCCCXXIX)

Dieser wunderbare Artikel über die schönsten Kinos der Welt wurde mir in meine Facebook-Timeline gespült. Leider hab ich nur wenige der dort gelisteten Kinos besucht. Unvergesslich ist mir mein erster Besuch im Londoner „Casino Cinerama“, da sah ich 1967 „Grand Prix“. Die Handlung des Films fand ich wirr und langweilig, aber die faszinierenden Bilder auf der riesigen gewölbte Leinwand haben sich unauslöschlich in mein damals zehnjähriges Gehirn gebrannt. Vielleicht rührt daher mein Faible für große Leinwände, wegen dem ich u.a. immer noch dem Berliner „Royal Palast1 hinterher trauere. Da hab ich zum ersten Mal „Krieg der Sterne“ gesehen. Ich saß in der ersten Reihe, und als dieser riesige, nicht enden wollende Sternenkreuzer über meinen Kopf hinwegrauschte, wusste ich, dass ich diesen Augenblick nie vergessen würde. Filmstudios, die mit der Idee liebäugeln, ihre Filme nur noch über Streaming zu verwerten, berauben sich ihrer eigentlichen Stärke. Filmjournalisten, die zur Zeit vom Ende der Kinos daher schwadronieren, sind schlicht verrückt.

Ich verstehe die Aufregung um das Outing der queeren Schauspielerinnen und Schauspieler nicht. Natürlich haben diese Künstler damit recht, dass queere Lebensentwürfe in hierzulande produzierten Filmen und Serien viel zu wenig stattfinden. In anderen Ländern ist es mittlerweile Gang und Gäbe, in Geschichten auch diese Seite menschlichen Lebens mitzudenken und mit einzubauen. Zur Zeit schauen die beste, geduldigste Gemahlin von allen und ich mit großer Begeisterung die französische Serie „Call my Agent“ an. Eine Protagonistin dieser Serie ist eine frauenmordende Lesbierin, und aus den daraus folgenden Konstellationen werden zum Teil brillante erzählerische und komödiantische Funken geschlagen. Was ist dagegen einzuwenden? Warum machen wir das hierzulande nicht auch schon längst?

Als Angela Merkel am 22. Februar verkündete, dass sie nun eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung einer Lockerungsstrategie eingesetzt habe, erinnerte ich mich sofort an das „Ministerium für gesamtdeutsche Fragen“. Bei dem haben wir auch gedacht, dass die sich da die ganze Zeit mit Konzepten befassen, wie die Vereinigung beider Staaten zu bewerkstelligen sei, damit man, wenn’s denn mal soweit ist, sorgfältig ausgearbeitete Strategien anwenden konnte. Hatten Sie aber nicht gemacht, wie sich 1989 herausstellte. Hatten wohl zu viel mit der Produktion heißer Luft zu tun.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren Sellerie-Steaks mit Cafè-de-Paris-Butter und Linsengemüse, fotografiert von der besten, geduldigsten Gemahlin von allen.

Relativ kurz nachdem Euro Disney 1993 eröffnet worden war, haben wir – neugierige Kindsköppe, die wir nun mal sind – da mal vorbeigeschaut, um uns sachkundig zu machen. Was mich damals nachhaltig beeindruckt hat, war die Art und Weise, wie man da die Warteschlangen an den Eingängen der besonders beliebten Attraktionen gemanaget hat. Statt – wie wir Deutschen das gewohnt waren – stur, gelangweilt und schlecht gelaunt in einer endlosen, schnurgeraden Schlange herumzustehen, folgte man dort einem gewundenen Pfad, der dafür sorgte, dass man ständig in Bewegung war, und die Attraktion, auf die man wartete, immer wieder aus einem neuen Blickwinkel sah. Das hat die Wartezeit subjektiv deutlich verkürzt, man hatte ja Abwechslung und jederzeit das Gefühl, dass es voran geht. Vielleicht sollten die Herrschaften vom deutschen Impf-Management mal eine entsprechende Schulung bei Disney machen.

Ex-Assistenz-Trainer Hansi Flick wurde diese Woche 56. Das sind mehr Lebensjahre als Titel. Kann ein Bayern-Trainer sich das erlauben?

Zum Nachdenken hat mich Gabriel Yoran auf Twitter gebracht: „Warum heißt es Eingang zum Besprechungsraum und nicht Konfitüre?“

Über die wahrscheinlich sehr unrühmliche Rolle, die das Job-Center während der Pandemie spielte und spielt, wird zu reden sein. Ich habe im März letzten Jahres selbst miterlebt, wie das Job-Center versucht hat, einen Bildungsträger zum Präsenzunterricht zu zwingen. In den letzten Tagen habe ich von mehreren Fällen erfahren, wo ALGII-Empfänger gezwungen wurden, weite Wege mit dem ÖPNV zurückzulegen, um bei Bildungsträgern an Online-Fortbildungen teilzunehmen, obwohl sie das genauso von Zuhause aus hätten tun können. Der Kontrollwahn dieser Behörde ist mittlerweile anscheinend gesundheitsschädlich.

Es wundert mich immer wieder, dass Menschen meinen, es gäbe Gemeinsamkeiten zwischen Empörungs-Portal Twitter und dem tatsächlichen gesellschaftlichen Diskurs. Wenn dem so wäre, hätten wir an jeder Straßenecke eine Prügelei.

Sollte noch jemand glauben, wir hätten hier bundes- statt bananenrepublikanische Zustände, muss ich ihm diese Illusion nehmen: Der CumEx-Steuer-Skandal kann wohl nicht oder nur unter extremen Schwierigkeiten aufgeklärt werden, weil jemand in ein Gesetz zur Elektro-Mobilität einen Passus reingemogelt hat, der das Informationsfreiheitsgesetz soweit aushebelt, dass die CumEx-Akten unter Verschluss gehalten können. Das ist seit einem Jahr bekannt, das Urteil hat immer noch Bestand und unsere Qualitätsmedien haben es immer noch nicht für nötig gehalten, das Thema aufzunehmen. Obwohl hier ganz offensichtlich auf Seiten der Legislative beträchtliche kriminelle Energie aufgewendet wurde.

 

 

Splitterbrötchen (DCCCXXVIII)

Wer intelligente Menschen über einen längeren Zeitraum wie kleine Kinder behandelt, verliert ihren Respekt.

Auch ein Baum kann mal die Schnauze voll haben.

Jetzt wird es offenbar: Ex-Assistenz-Trainer Flick hat diese ganzen Titel nur gewonnen, um uns arglosen Fans Sand in die Augen zu streuen und seine Erfolglosigkeit zu kaschieren.

Wir sind schon lange nicht mehr das moderne, effiziente Land, für das wir uns halten. Wir sind ein mutloser, in Scheindebatten verliebter Haufen, der allem Neuen grundsätzlich misstraut.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine selbstgeklöppelte klassische Rindsroulade an gefälligem Selleriepüree.

Und endlich ein neuer Beitrag für meine beliebte Serie: „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“. Heute: Schneeglöckchen.

 

Splitterbrötchen (DCCCXXVII)

Die Frage der Woche: Darf man etwas essen, dass in der Lage ist, Emails zu verschicken?

Damit hat die Bahn mal Werbung gemacht. Man hat übrigens damals tatsächlich die Bahn genommen, wenn man bei zweifelhaftem Wetter pünktlich irgendwo ankommen musste.

Zwei kulinarische Wochenhöhepunkte: ein dahinimprovisiertes Mittagessen, in Gänseschmalz langsam gebratene, mit Knoblauch vollendete Bratkartoffeln, also Sarladaises ohne Petersilie. Die Petersilie hab ich nicht vermisst. Außerdem soll man ja Dickmacher weglassen.

Numero 2: Frutti di Mare aus der Trattoria Sicilia mit einem Fläschchen Malamatina aus dem Kühlschrank.

Filmidee: Ein Flugzeug voller linksliberaler Aktivisten stürzt auf dem Weg zu einem internationalen Kongress ab. Ein verrückter Wissenschaftler, der zufällig neben der Absturzstelle lebt, baut in seinem Labor aus den Leichenteilen ein Monster und erweckt es zum Leben. Das Monster kritisiert ihn in einem fort, Fordert ihn auf, seine Privilegien zu checken und will ihn zum Gendern zwingen. Entnervt wirft er das Monster raus, das sich auf den Weg ins benachbarte Dorf macht und dort den Einwohnern so lange auf den Zeiger geht, bis sie es mit Fackeln und Mistgabeln davon jagen. Dass Monster flüchtet zurück ins Schloss, die Dörfler zünden das Schloss an, Wissenschaftler und Monster kommen um und die Dorfbewohner feiern ihren Sieg. Arbeitstitel: „Wokenstein“

Große Sorge um Karl Lauterbach: Der Lockdown wird verlängert und er ist weder bei Maischberger noch bei Markus Lanz- Wurde er am Ende von Corona-Leugnern entführt und mit einer Überdosis Salzletten vergiftet, so dass er nun geistig verwirrt Lockerungen fordert?

Man soll ja grundsätzlich bargeldlos waschen. Geldwäsche ist verboten.

Wirklich, Fa. Groupon? „Zeig lokalen Anbietern deine Liebe zum Valentinstag“? Was wird meine Frau dazu sagen?

Die allgemeine Konzentration auf die Inzidenz-Zahlen finde ich fatal, „35 ist das neue 50“ geradezu idiotisch. Wir waren schon viel weiter runter als 35 und trotzdem fingen die Infektionen wieder an, exponentiell zu wachsen. Solange nicht analysiert wurde, was da schief gelaufen ist, und keine Maßnahmen getroffen wurden, um eine Wiederholung zu verhindern, können wir die Zahlen drücken, wie wir wollen, ohne die dritte Welle zu vermeiden.

Interessante Info aus einem Tagesspiegel-Interview mit Katja Langen-Müller: „Aufgefallen ist mir, dass die Friedhöfe jetzt übervölkert sind. Das illegale bis halb legale Leben hat sich dahin verlagert. Da werden Sixpacks Bier hingeschleppt, die Junkies haben sich dahin verkrümelt, auf Friedhöfen ist richtig was los! Mehr Lebende als Tote, die attraktivste Location im Moment.“

Splitterbrötchen (DCCCXXVI)

Hartnäckig bietet Fa. Groupon mir seit mehrere Tagen Gratis-Hundefutter an. Ich warte ungeduldig darauf, dass sie endlich versuchen, mir den dazugehörigen Hund anzudrehen.

Was nicht jeder weiß: Cleopatra war zeitlich weiter vom Bau der Pyramiden entfernt als vom Launch des iPhones.

Als die Kanzlerin am Dienstagabend ein Sonder-Interview übertragen ließ, wollte sie nur mal testen, ob wir noch aufpassen.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine bei der Kaltmamsell aufgeschnappte Wirsing-Linsen-Lasagne nach diesem Rezept. Das war eine ganz wunderbare Deftigkeit. Was mich überrascht hat: Wie schön die Ricotta-Kruste aufgegangen ist, obwohl die Eiweiße nicht steifgeschlagen wurden.

Hätte nicht jemandem auffallen müssen, dass „Die Pfeifen nach Brüssel wegloben, wo sie keinen Schaden anrichten können.“ und „Europa stärken.“ zwei Strategien sind, die nicht ganz zueinander passen?

Der Lockdown hinterlässt Spuren. Selbst die größten Schweiger im erweiterten Bekanntenkreis wollen jetzt chatten.

„Gibt es eigentlich eine Bezeichnung für Blitzeis, das sich langsam aufbaut. So normal?“
„Glatteis?“
„Ja, genau, das. Danke.“

Im Tagesspiegel stand ein Interview mit Kulturmensch Peter Raue. Darin brachte er knapp und klar die Bedeutung der Kultur für seinen sinnvollen, geregelten Tagesablauf zum Ausdruck: „Es beginnt normalerweise ja eigentlich schon morgens, wenn ich aufstehe. Da weiß ich, heute Abend gehe ich in die Premiere oder ins Konzert. So gehe ich in den Tag hinein. Der Tag ist für mich spannungsgeladener, weil der Abend ins Haus steht.“

Wie gut das tut, abends etwas vorzuhaben, worauf man sich tagsüber freuen kann, haben wir diese Woche endlich mal wieder erfahren: wir hatten uns ein Ticket für eine via Zoom veranstaltete Show mit Salonzauberer Axel Hecklau geleistet, das war ein Riesenspaß. Und beinahe wie Theater.

Khedira verpflichten? Sensationelle Idee! Hertha BSC besinnt sich auf die Vereinstradition und bringt blitzsauber den legendären 83er Bohnhof-Move. Ich bin be-gei-stert!

In zwei Lanz-Talkshows hintereinander war Karl Lauterbach nicht unter den Gästen. Geht’s ihm nicht gut? Muss ich mir Sorgen machen?

Du erträgst keine abweichenden Meinungen, hast Probleme beim Herstellen eigentlich einfacher Zusammenhänge, definierst dich über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und hast eine Lunte so kurz wie ein Fliegen-Schnurrhaar? Dann hast du vermutlich einige tausend Follower auf Twitter.

Einen Vogel in Archäopteryx-Größe hat diese Woche der Tagesspiegel abgeschossen: „Janine Kunze ist der Beweis dafür, dass auch Frauen alte weiße Männer sein können.“

Christopher Plummer ist gestorben. Er war mitverantwortlich für eine schlimme kulturelle Traumatisierung meinerseits. In Star Trek VI hat er aber alles wieder gut gemacht.

Ein Politiker muss um Himmelswillen nicht „volksnah“ sein. Aber die maximale Distanz zum regierten Bürger einnehmen, das kann nicht gutgehen.

Interessante Frage: Kann man ein ganzes Volk retten? Vor einem Virus? Vor sich selbst? Ich habe Zweifel, dass das geht.

Folgen der Pandemie: Unser Chili- und Knoblauchverbrauch ist – wg. Kontaktbeschränkungen – exponentiell angestiegen. Das wird ein harter Entzug, wenn wir wieder unter Menschen dürfen. Aber Durchblutungsstörungen dürften auf Jahrzehnte hinaus kein Thema mehr sein.

Ich bin immer wieder sehr dankbar, wenn jemand mich nicht auffordert, ihm beim Einrennen offener Türen zuzusehen.

 

Splitterbrötchen (DCCCXXV)

Und wieder haben wir vom Drecks-Virus ein Stück Zivilisation zurückerobert: Die beste, geduldigste Gemahlin von allen hat mir die Haare geschnitten. Ich bin ein neuer Mensch!

Wenn jemand die aktuellen Einschränkungen (kein Shopping, kein Kino, kein Theater, keine Reisen, meistens Zuhause bleiben, keine Perspektive) als unzumutbar empfindet: Genau das mutet dieser Staat Menschen in Not zu. Man nennt es Hartz IV.

Was nicht jeder weiß: Die nordhessische Sensationsspezialität „Weckewerk1 kann „nach Bürgermeisterart“ zubereitet werden, d.h. bis zu starker Knusprigkeit gebraten (oder „angebrannt“ wie übersensible Nicht-Nordhessen sagen würden). Die Bezeichnung „Bürgermeisterart“ geht auf einen ehemaligen Oberbürgermeister Kassels zurück, der diese Zubereitungsart schätzte. Sein Name war Philipp Scheidemann.

Menschen in Gruppen einteilen, diese gegeneinander ausspielen und davon profitieren – das ist das typische Handlungsmuster der Antagonisten in Karl-May-Romanen. Lagerdenken ausnutzen ist heutzutage immer noch ein funktionierendes Geschäftsmodell. Es lesen zu wenig Menschen Karl May.

Wir Verbrecher gehen eben mit der Zeit.

Wenn jemand „den Staat“ oder „die Gesellschaft“ für etwas verantwortlich macht, muss er sich fragen lassen, ob er den Sachverhalt wirklich ganz zu Ende gedacht hat.

Ein Feinkost-Versand bescherte mir die Leseherausforderung der Woche: Porzellansenflöffel. Für norddeutsche Mitleser besonders schwer zu decodieren.

Der WDR will „Mord mit Aussicht“ mit neuen Hauptdarstellern fortsetzen. Ich habe Zweifel. Fremde in Hengasch, wie soll das gehen? Mann, Mann, Mann…

Im Wettbewerb „bester Käsebegleiter“ ist Quittenmarmelade nebst Quittengelee diese Woche knapp an Feigensenf vorbeigezogen. Bin gespannt, ob die Quitte2 diese Position halten kann.

Kathrin Passig hat den Satz „Je Türenknall, desto wiederkomm“ geprägt, der mich an einen der ersten Theaterkräche (von vielen) meines Lebens erinnert: „Ich gehe! Du lässt mir ja keine andere Wahl, ich gehe! Am ersten Probentag GEHE ICH!“ – „Bring mir eine Leberkäs-Semmel mit.“

Der kulinarische Wochenhöhepunkt stand schon kurz nach Erscheinen der letzten Splitterbrötchen auf dem Tisch: butterzarter, aromatischer Tafelspitz (Danke, Herr Benser!) mit Spinat und Meerrettichsauce.

Bei Maybritt Illner stimmten am Donnerstagabend der deutsche Wirtschaftsminister und der FDP-Vorsitzende Daniel-Cohn-Bendit mehrfach ausdrücklich zu und betonten, mit ihm vollkommen einer Meinung zu sein. Gottseidank hat mir das niemand in den 70er Jahren vorausgesagt. Ich hätte meine ganze Lebensplanung auf den Sieg einer sozialistischen Revolution ausgerichtet.

Sublimes Vergnügen: Bei einer Online-Weinprobe den Ton abstellen.

Heribert Prantl hat mit diesem Text sehr, sehr recht: Nur die Grundrechte sind alternativlos. 

So viele kreative Menschen sind doch eher produktiv.

Splitterbrötchen (DCCCXXIV)

Die Forderung, der Staat müsse Social Media kontrollieren, ist einigermaßen kühn. Wie sollen Politiker, die im Dezember 2020 allen Ernstes ein „Pilotprojekt“, Lehrer mit E-Mail-Adressen auszustatten gestartet haben, Facebook und Twitter kontrollieren? Da wird doch nicht getrommelt.

Unangenehme Nebenwirkung der Pandemie: Durch die Kontakteinschränkungen dauert das Einlatschen neuer Schuhe deutlich länger als gewohnt. So sad!

Jetzt hab ich’s amtlich vom Senat: Ich bin nicht systemrelevant. Alles andere hätte mich auch sehr überrascht.

Soso, in Aschaffenburg sind also Masken zurückgerufen worden, und keiner fragt nach! Das bedeutet doch, dass Bill Gates jetzt offenbar auch Masken mit G5-Chips ausstattet. Sonst könnte man sie ja nicht zurückrufen. Warum bin ich immer der einzige, dem so etwas auffällt?

Krisen meistert man nicht mit der Mentalität eines schwäbischen Sparvereins-Vorsitzenden. Piefige Kleinkariertheit gefährdet Menschenleben. Jeder halbwegs weltgewandte Zocker hätte gewusst, dass, wenn man gleich zeitig auf Schwarz und Rot setzt, die Chance, zu verlieren verschwindend gering ist und beim Impstoff-Ankauf entsprechend gehandelt. Es ist die gleiche volkswirtschaftlich extrem fragwürdige Idee von der „schwarzen Null“, mit der schon die Infrastruktur dieses Landes heruntergerockt worden ist.

Sucht jemand zufällig ein Thema für eine Magisterarbeit im Bereich Film? Wie wäre es mit „Die Essgewohnheiten des Rudi Birkenberger und ihre filmische Umsetzung“?

Ich verstehe nicht, warum Lars Stindl im defensiven Mittelfeld spielt und nicht ganz hinten in der Abwehr. Allein die Möglichkeit, eine Autobiographie mit dem Titel „Last Man Stindl“ veröffentlichen zu können…

Zum xten Male: Wer versucht, ihm unliebsame Meinungen zu unterdrücken, stärkt sie auf lange Sicht. Geschichtsbücher helfen sehr.

Rege Reisetätigkeit: Ich war in Neukölln, um beim Benser den kulinarischen Wochenhöhepunkt einzukaufen: seine göttliche Blutwurst mit den üblichen Verdächtigen als Beilage.

Der Benser ist ja nicht nur Blutwurst-Weltmeister. Der Benser ist einer der herausragenden Fleischer Berlins. Wenn man in diesem einmaligen Old-School-Laden war, lässt man automatisch den Discounter-Dreck wochenlang links liegen. Ich hab außer Blutwurst auch noch frische, grobe Bratwurst und einen Tafelspitz mitgenommen, sensationelle Qualität.

Trotzdem kam die Nummer 2 der kulinarischen Wochenrangliste aus der Gemüse-Ecke: Rosenkohl in Chilibutter, nach Petra Holzapfels Blumenkohl-Rezept. Boah, eyh. Das wird schwierig, Rosenkohl in Zukunft anders zuzubereiten.

Den unteren Einzug der Spülmaschine mit neuen Rollen ausgestattet und auf Vordermann gebracht, läuft! Dieser Lockdown ist der reinste Segen. Endlich kriegt man im Haushalt was gebacken!

Dieses Land hat die Monarchie immer noch nicht überwunden. Der Kaiser hielt seine Untertanen für dumm, faul und frech, und unsere Eliten folgen immer noch seinem Beispiel. Führung wird hierzulande immer noch gern mit Kontrolle verwechselt. Schade, eigentlich.

Der hochgeschätzte Facebook-Freund Tommy Tulip hat es auf den Punkt gebracht: „Mir geht es wie der Weimarer Republik: Meine Verfassung könnte besser sein.“

Und das mit den Mailadressen für Lehrer, das MUSS schiefgehen. Blinder Fortschrittsglaube! Das gleiche Debakel hatten wir schon mit dem pferdelosen Wagen.

 

 

Splitterbrötchen (DCCCXXIII)

Was nicht jeder weiß: Donald Trump ist der einzige Schauspieler aus „Kevin allein in New York“, gegen den zweimal ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet wurde.

Endlich ist die Situation bereinigt.

Der Tweet der Woche gelang Herr Kaltenbach1 vor mehr als einem halben Jahr2: „Aus Respekt und Selbstachtung sieze ich mich bereits seit mehr als zehn Jahren und habe damit durchweg positive Erfahrungen gemacht. Selbstgespräche verlaufen meist sehr diszipliniert und man bleibt professionell distanziert, auch und gerade in schwierigen Situationen.“

Immer, wenn Saurons Döpfners Springer-Horden mit einer Kampagne scheitern, freu ich mich wie ein kleines Kind.

Im dritten Anlauf hab ich’s unfallfrei lesen können: Startelfeinsatz.

Was mich im Superwahljahr wundert: dass m. W. noch keine Partei und kein Politiker die Ausweitung und bessere Finanzierung des Gesundheitswesens zum Programm gemacht hat. Geld für die Gesundheit kommt beim Wähler an. Das Brexit-Referendum war u.a. deshalb erfolgreich, weil man den Wählern vorlog, man würde durch den Austritt Milliarden sparen, die man dann ins Gesundheitswesen stecken würde.

Ich bin so alt, mir wurden noch „Heftchen“ verboten und keine Comics.

Diese Woche hatte zwei kulinarische Höhepunkte: Einmal ein Blumenkohl in Chilibutter, den ich spontan nach einem Rezept von Petra Holzapfel nachkochte, der obwohl ganz ausverschämt lecker …

… nur den zweiten Rang erreichte. Den ersten musste er der besten, geduldigsten Gemahlin von alle überlassen, die bei einem ihrer seltenen Gastspiele in der Küche mit einem toskanischen „Peposo“ triumphierte.

Immer öfter bekomme ich Werbung für irgendwelchen Schreibkram in den Browser gespült, die Stockphotos mit Schreibmaschinen benutzt, vermutlich um mit irgendeinem nostalgischen Touch zu punkten. Diese Art der Werbung ist abschreckend. Wer sich nach Schreibmaschinen zurücksehnt, ist total irre.

Was auch nicht jeder weiß: Dummköpfe erkennt man daran, dass sie ihre Nasenlöcher zeigen.

 

 

Gegen die Angst

„Liebe Jungs, herzlich willkommen auf der Friedrich-Wilhelm-Schule! Damit wir uns gleich richtig verstehen: in drei Jahren ist die Hälfte von euch weg, und Abitur machen höchstens 10 Prozent.“ Mit diesen Worten wurde ich – zehn Jahre war ich damals jung – von meinem ersten Klassenlehrer auf dem Gymnasium meiner Heimatstadt begrüßt. Damit war dann auch die Marschroute für die nächsten neun Jahre vorgegeben: Uns wurde Angst eingejagt, ordentlich Druck gemacht. Damit wir gehorchten und ackerten. Und die Nummer funktionierte sehr gut. Wir bekamen solchen Schiss, dass wir gehorchten und ackerten wie die Weltmeister. Eine Weile lang. Irgendwann hält man den durch dauerndes Angst Machen ausgelösten Druck nicht mehr aus und sucht sich ein Ventil. Wir fingen damals an zu bescheißen. Spickzettel, Vorsagen, Abschreiben, das war nur der Anfang. Und das machten auch die Besten von uns, obwohl sie es eigentlich nicht nötig hatten. Man beschiss nicht nur, um bessere Noten zu bekommen. Das Gefühl, den damals allmächtigen Lehrer übers Ohr hauen zu können, war wunderbar. Man spürte eine große Erleichterung, wenn man es einmal getan hatte. Und tat es dann immer wieder. Weil es Spaß machte. Ungefähr achtzig Prozent meiner Abiturnoten – ja, ich gehörte zu den zehn Prozent – sind durch zum Teil ausgefeilte Betrugsmethoden zustande gekommen. Ich hab sogar im Sport-Abi beschissen. Weil ich es konnte.

Die Parallelen zur aktuellen pandemischen Lage sind unübersehbar, nicht wahr?

Splitterbrötchen (DCCCXXII)

10. Januar, und man hat schon begonnen, sich nach dem wunderbar entspannten Jahr 2020 zurückzusehnen.

Die Headline der Woche gelang spektakulär dem Fachblatt Buchreport mit „Das Thema Fasten gewinnt an Gewicht“.

Kulinarischer Wochenhöhepunkte waren eine unfotogene Online-Weinprobe, vom Weingut Moosmann (sensationeller Grauburgunder, sehr guter Spätburgunder) veranstaltete Online-Weinprobe, und eine selbstgeklöppelte Kalbszunge in Rotweinsauce.

Wer das Tragen von Verantwortung als Privileg und nicht als Bürde empfindet, sollte auf keinen Fall Verantwortung tragen.

Kulturelles Ereignis der Woche: Der Typus des Gentleman-Ganoven kehrte triumphierend in die Populär-Kultur zurück. „Lupin“ ist wunderbare Unterhaltung.

Solange man sich von jedem Vollidioten, der auf Facebook oder Twitter Schwachsinn postet, persönlich angegriffen fühlt, darauf antwortet und stundelang schmollt, wenn man den Knalldeppen nicht von seinen Irrwegen abbringt, wird man im eigenen Leben naturgemäß nur noch sehr wenig zustande bringen.

Wurst-Uli entrückt? Rotbäckchen altersmilde? Brazzo befangen? Olli zu grün? Warum feuert niemand Flick wegen Erfolglosigkeit?

Wenn ein Politiker an die Vernunft der Menschen appelliert, gesteht er seine komplette Ratlosigkeit ein.

Mein Bedarf an historischen Stunden ist für den Rest des Jahres bereits gedeckt.

 

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Splitterbrötchen (DCCCXXI)

Kluge Ideen können in den Gehirnen dummer Menschen zu furchtbaren Waffen werden.

Erwachsensein bedeutet auch, irgendwann einmal mit den guten und den schlechten Seiten der eigenen Kindheit abgeschlossen zu haben.

Am 27.12. ist eine logistisch ein- und erstmalige Aktion – die zweimalige Verabreichung eines Impfstoffs1 an die gesamte Bevölkerung – angelaufen, und weil nicht alles auf Anhieb hundertprozentig klappt, fangen wir an wutentbrannt zu schimpfen. Ich liebe dieses Land. Wir sind Rohrspatz.

Einmal pro Woche werde ich in einer Suche auf LinkedIn gefunden. Wer ist der Idiot?

„Veganismus, Schutzgebiete und Blühwiesen“ – ob Leitmedien wie der Tagesspiegel sich mit solchen Headlines erfolgreich gegen den Abonnentenschwund stemmen können, scheint mir fraglich.

Unfotografierter kulinarischer Wochenhöhepunkt war das unprätentiöse Reste-Essen nach der letzten Gans: aufgebratene Knödel, Reste von Keule und Brust, Salat vom übrig gebliebenem Rotkohl, dazu ein St. Laurent aus Podersdorf. Das ging. Das ging gut.

Ist „Einschlafen mit Hörbüchern“ wirklich ein guter Claim?

Es ist nicht leicht, kultisch verehrt zu werden. Nur wer über eine gefestigte Persönlichkeit verfügt, wird das unbeschadet überstehen. Kinder haben eine solche Persönlichkeit meist nicht.

Ich möchte bitte ein „u“ kaufen.

Mit einer gewissen Genugtuung habe ich zur Kenntnis genommen, dass der höchst geschätzte Bjarne Mädel derzeit verstärkt dramatische statt komischer Rollen annimmt und spielt. Auch an ihm scheint die Zeit nicht spurlos vorüber zu gehen. Komödie spielen ist Schwerarbeit, das will man sich ab einem gewissen Alter nur noch wohldosiert zumuten.

Der Verband deutscher Augenärzte gibt bekannt: Ab sofort wird der Grad einer Kurzsichtigkeit nicht mehr umständlich in Dioptrin angegeben. Die neue, leichter verständliche Maßeinheit ist „Laschet“. Die Umrechnung ist einfach: ein Laschet ist doppelt so kurzsichtig wie angenommen.