Splitterbrötchen (DCCXXVI)

Am Donnerstag früh eine Scheibe altbackenes Brot weggeworfen und lieber frisches gefrühstückt. Dann den ganzen Tag lang ein schlechtes Gewissen gehabt. Die Erziehungsmethoden der Kriegsgeneration werden heute als archaisch geschmäht, waren aber offensichtlich sehr nachhaltig.

Warum sind ausgerechnet Idioten dermaßen erfinderisch, wenn es um neue Wege geht, einem auf den Zeiger zu gehen?

Das Kommentariat nimmt übel – ganz großes Social-Media-Kino in den Kommentaren bei der hochgeschätzten Frau Kaltmamsell. Wenn jemand nicht auf ungebetene Ratschläge hören möchte 1, wird die Empörungsmaschinerie angeworfen.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt: Nierchen mit Apfel, Champignon und Knoblauch im Restaurant Hugo am Stadtpark Wilmersdorf, ein echter Wohlfühl-Ort.

Wer von anderen verlangt, sich zu ändern, verändert erst mal gar nichts.

Warum regen sich so viele Menschen über die Merz’sche Kandidatur zum CDU-Vorsitzenden auf? Wenn Merz CDU-Vorsitzender wird, werden die linken und linksliberalen Parteien deutlich profitieren. Sehr deutlich.

Zum wichtigsten Ereignis der Woche, der Vorstellung des neuen Bond-Titelsongs: Frau Eilish macht das sehr, sehr gut.

 

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXV)

Es ist ungeheuerlich, die Vorgänge im thüringischen Landtag in die Nähe zum Schmierentheater zu bringen. „Schmierentheater“ waren lt. Wikipedia Wanderbühnen, in denen Schauspieler durch ehrliches Ausüben ihres Handwerks ihren Lebensunterhalt verdienten. Diese ehrbaren Theatermenschen hatten mit den gewissenlosen Karrieristen der politischen Bühne nichts gemein.

Wie man jemanden, der für Faschisten wählbar ist, politisch in der Mitte verorten kann, ist mir ein Rätsel.

Kirk Douglas war wirklich lange dabei. 1949 hat er „Champion“ gedreht, das ultimative Boxer-Drama. Man sehe sich sein Gesicht während der Kämpfe an. Rocky wäre schreiend vor iMidge Kelly geflohen. Noch vor dem >Gong zur ersten Runde.

Ich bin grundsätzlich immer angetan, wenn jemand den notorischen Langeweiler Tellkamp basht. Aber, lieber Gerrit Bartels vom Tagesspiegel,  ist der Move, ihn durch den Verweis auf die Farbe seiner Schuhe („ochsenblutfarben“) in die nicht-vegane Ecke zu stellen, nicht doch einen Tick zu plump?

Im Café Breslau war’s zu dunkel, um ein akzeptables Foto hinzukriegen, deshalb bleibt der kulinarische Wochenhöhepunkt unbebildert: sehr, sehr gute Spare Ribs mit einem Kleckschen Cole Slaw. Man sollte es mit der Beilagenesserei wirklich nicht übertreiben.

Christian Lindner hat das Thrüinger Geschehen präzise zusammengefasst. Es handelte sich um eine „unfallweise zustande gekommene Zusammenarbeit“. Groß. Nur noch groß.

Und der eigentliche Skandal in Thüringen ist natürlich, dass die Akteure bei CDU und FDP sich seit Tagen fragen, was da eigentlich schief gegangen ist. Und die Antwort darauf nicht finden.

Splitterbrötchen (DCCXXIV)

In Augsburg ist ein Polizist mit heißem Nudelwasser angegriffen worden, wie Facebook-Freund Tommy Tulip blitzsauber recherchiert hat, Das wirft Fragen auf: War die Angriffswaffe etwa mit Schuhbecks infamem „Nudelwassergewürzsalz“ gepimpt worden? Wenn ja, ist der Fonsäh jetzt wegen Beihilfe dran?

Bloß weil man etwas nicht versteht, muss es ja noch nicht schlecht sein.

Frischkäse in limitierter Edition? Unbedingt aufheben! In ein paar Jahren ist der tierisch was wert.

Auch wenn Sie sich nicht für Fußball interessieren, dieses Video sollten Sie anschauen:

Der Tweet der Woche stammt vom Kolonialwarenkönig:

Fahrgast: „Sind Sie frei?“ Taxifahrer: „Nein, auch ich bin nur ein Sklave des Systems.“

Gewohnheit verpflichtet nicht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Spaghetti mit Skrei, selbstgeklöppelt.

 

Splitterbrötchen (DCCXXIII)

Wer das wabernde Pathos erträgt und sich nicht an Patricks Stewarts Frontalangriff auf die französische Sprache stört, wird an „Star Trek: Picard“ seine Freude haben.

Beim Auschecken im Hotel ein kleines Trinkgeld gegeben. Prompt bekomme ich Kontext-Werbung für die First Class bei Emirates.

Es liebt in der Natur des Menschen, dass er am liebsten über Dinge urteilt, von denen er keine Ahnung hat.

Das Zitat der Woche stammt von Wilhelm Busch (via Peter Glaser):

„Das Trinkgeschirr, sobald es leer,
macht keine rechte Freude mehr.“

Der SPIEGEL hat im letzten Jahr 630.000 Leser verloren. Nicht weiter verwunderlich. Vielleicht sollte man die Besinnungsaufsätze, mit denen man die eigene Haltung fiert, mal weglassen und es wieder mit Journalismus probieren.

Der Tweet der Woche stammt von @TeamRundU: „Vielleicht bezeichnet das Wort ‚Ehering‘ auch einfach einen Fisch mit Elektromotor.“

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXII)

Fa. Unilever hat das Produkt „Knorr Fix für Sauerbraten“ zurückgerufen, weil dieses Saucen-Imitat auf der Packung als vegan statt als vegetarisch bezeichnet wurde. Kann mir bitte irgendwer erklären, warum jemand auf die Idee kommen könnte, eine vegetarische oder vegane Sauce über ein Stück Fleisch zu kippen?

Am Dienstag wurde ich mit einer dramatischen Morgenröte über Schöneberg beschenkt.

Und wenn man denkt „Mehr als Nudelwassergewürzsalz geht nicht“, kommt der Fonsä, sagt „Halt mal kurz mein Bier“ und produziert ein Döschen mit „Gewürzzubereitung für Butterbrot“.

Daniel Craigs letzter Bond-Film läuft bald an. Es wird Zeit, sich über die Nachfolge Gedanken zu machen. Ich bin für Cillian Murphy.

Der Tweet der Woche von anne victoria Clark: „Wenn irgendjemand das Recht hat, auf Harry und Meghan sauer zu sein, dann sind es die Einwohner von Sussex, die nun ohne ihren Herzog führerlos feindlichen Übergriffen aus Hampshire und Kent ausgesetzt sind.“

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Feine, delikate Doraden-Filets, wie Saltimbocca zubereitet, beim Lieblingsitaliener.

Außen am 187er Bus steht, dass er einen „Nothahn“ mitführt. Frage mich, was für ein Tier das ist bzw. wie und warum es in einem Linienbus eingesetzt wird.

Splitterbrötchen (DCCXXI)

Empörung ist optional.

Das Wort der Woche entnahm ich dem Checkpoint vom Tagesspiegel: „Brunch-Aktivist“.

Selbstverständlich richte ich mich bei der Toilettenpapier-Auswahl ganz nach der Jahreszeit.

Fonsä Schuhbeck ist endlich vollkommen schmerzfrei. Er vertickt allen Ernstes „Nudelwasser-Gewürzsalz“1.

Es ist fast immer sehr hilfreich, sich – bevor man etwas tut – zu fragen, welche Auswirkungen das haben könnte.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Nordhessische Nostalgie mit der „Dicken Rippe“, dem Lieblingsessen meiner Kindheit.

Seit gestern liege ich in der Disziplin „Den bizarrsten Produktnamen auf amazon finden“ uneinholbar weit vorn.

Auf Twitter wurde ich an die düsteren Wein-Zeiten der 70er Jahre erinnert. Als man im Lokal noch die Schutzfrage „Haben Sie auch trockenen Wein?“ stellen musste.

Die Windsors haben mit Amerikanerinnen einfach kein Glück.

Splitterbrötchen (DCCXX)

Fassungsloses Entsetzen vor dem Gewürzregal im Supermarkt: Es gibt tatsächlich Menschen, die Hilfe beim Würzen von Rühreiern benötigen?

Ich kann mir nicht helfen. Als ich Deutschlands derzeitigen Skandal-Song Nr. 1 zum ersten Mal ansah/hörte, dachte ich: „Ganz nett, wie da der rigide Absolutheitsanspruch von FFF auf die Schippe genommen wird.“ Ich hab mir das Lied jetzt noch zweimal angehört, und ich denke das immer noch. Ich käme trotz meines großväterlichen Alters nie auf die Idee, mich durch so eine Alberei angegriffen zu fühlen.

Politiker, die den Bürgern grundsätzlich misstrauen, dürfen sich nicht wundern, wenn das auf Gegenseitigkeit beruht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Dreigang im Zehlendorfer Arcimboldo. Lauwarme Gemüse zur Vorspeise, Dorade zum Hauptgang und Creme brulée zum Dessert. Das waren im Prinzip einfache Gerichte, aber küchentechnisch auf sehr hohem Niveau,  das kriegt nicht jeder so perfekt hin. Der Service war zuvorkommend, das Ambiente lässig-elegant, da kann man’s aushalten.

Man muss Kindern die Möglichkeit geben, sich über Erwachsene lustig zu machen. Man muss Regierten die Möglichkeit geben, die Regierenden zu beschimpfen. Oder würde irgendjemand einen Druck-Kochtopf ohne Ventil betreiben?

Die sicherste Methode, um Interesse für eine Sache zu wecken, ist sie zu verbieten.

Und zu den Umweltsau-Kritikern, die meinen, es wäre ein Skandal, Kinder derart zu instrumentalisieren: d’accord. Sie haben voll-kom-men recht! Verbieten wir sofort die satirische Instrumentalisierung von Kinderchören. Da könnte allerdings einiges auf uns zukommen. Fangen wir am Besten mit Monty Python an:

 

 

 

Splitterbrötchen (DCCXIX)

Satire, die beim Zielsubjekt Empörung auslöst, ist gute Satire.

Ich verstehe die aktuelle Debatte um die Vermögenssteuer nicht ganz. Es ist doch ganz einfach: Die, die Vermögen haben, sind dagegen, und die, die keins haben, sind dafür. Jetzt muss die Politik doch nur transparent und gerecht diese Interessen gegeneinander abwägen und entsprechend handeln. Wo ist das Problem?

Ausnahmslos jede bahnrbechende Innovation hat als unliebsame Störung des Konsens angefangen.

Wer seinen Unfug nicht öffentlich zur Debatte stellt, merkt oft nicht, dass es Unfug ist.

Ältere Menschen, die jungen Menschen „Dafür seid ihr noch zu jung“ zurufen, sind genauso wenig ein neues Phänomen wie junge Menschen, die ihnen „Dafür seid ihr schon zu alt“ entgegnen. Bitte gehen Sie einfach weiter. Hier ist nichts geschehen.

Die Erkenntnis der Woche fand ich auf Facebook: „Durch die Gesamtverblödung meiner Umgebung bin ich plötzlich in die intellektuelle Ecke gedrängt worden.“

Es gibt Headlines, die einen einfach nur ratlos zurücklassen. Wie aktuell beim Tagesspiegel: „Ein Wolf soll in Belgien ein Känguru gefressen haben“

Wer sich empört, ohne zu merken, dass er zum Zielsubjekt einer Satire gemacht worden ist, trägt i. d. R. recht große Scheuklappen.

Splitterbrötchen (DCCXVIII)

Vielleicht bin ich ein wenig vernagelt, aber ich scheitere zuverlässig daran, zu verstehen, wie man die Umwelt rettet, indem man damit anfängt, CO² zu verkaufen.

Ich  hab auf Englisch gekalauert! In einer Unterhaltung mit einem Freund aus dem UK kam die Rede auf CLIL (Content and Language Integrated Learning), worauf mir sofort „Klill? Isn’t that what chinese whales eat?“ entfleuchte. Ich bin so stolz.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein wunderbarer Dreigang in der Brasserie Lamazère: Œeufs en Cocotte, Cassoulet und Armagnac-Pflaumen mit Eis. Worauf ich mich im Lamazère schon vor der Vorspeise zu freuen beginne: auf die wunderbaren, warmen Madeleines, die sie zum Abschluss reichen.

Amerikanische Zitierweisen, sicherheitsgelöschte Handys, Verträge ohne sichere rechtliche Basis – die Eliten hierzulande tun alles, um den Menschen, die sie führen wollen, ihre Verachtung zu zeigen. Wie sehr das mittlerweile auf Gegenseitigkeit beruht, haben diese Menschen immer noch nicht gemerkt. Und wie gefährlich das wird.

Kultureller Wochenhöhepunkt: Heute Abend im ZDF die erste Folge der 20. Staffel von „Inspector Barnaby“. Offenbar hat man erneut den Assistenten gewechselt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Man hätte Jason Hughes (Ben Jones) niemals gehen lassen dürfen.

Der Weg in den Abgrund wird mit dem Ausruf „Weiter so!“ angetreten.

Eine deutsche Großstadt im Jahr 2019 zum Notstandsgebiet zu erklären. Dass sie sie nicht schämen.