Splitterbrötchen (DCCCXCIX)

Auf Facebook, Twitter und Instagram bin ich ja nur zum Blödeln und um gelegentlich ein bisschen Foodporn zu posten. Trotzdem, man bekommt ja mit, wie Leute, die glauben, sie würden ernsthaft diskutieren, sich da total aufgeregt verbal auf die 12 geben. Ich kapier das nicht. Mir macht es keine Freude, von anderen Leuten beschimpft zu werden, und ich habe auch keine Freude daran, andere Leute zu beschimpfen1. Haben die Menschen wirklich so viel Freude an unerfreulichem, unzivilisiertem Verhalten?

Ich weiß nicht, wieso, aber es ist lange her, dass ich mich so auf den Start einer Bundesligasaison gefreut habe wie auf diesen.

Da musste ich dann doch sehr lachen:

In einer idealen Welt sind es nicht Emotionen, sondern Argumente, die Menschen überzeugen. Wir leben sonstwo, aber nicht in einer idealen Welt.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war selbstgeklöppelt: Schwarze Nudeln, Seeteufel, Safransauce. Kann man.

Dass noch nicht allen Journalisten, die sich in Lindners Hochzeit und seine Porsche-Telefonate verbissen haben, langsam dämmert, dass Wirecard und Cum-Ex offenbar doch keine lässlichen Sünden sind, sagt einiges über den Zustand unserer Leitmedien aus.

„Wir spielen weiter nach vorne.“ Warum eigentlich? Warum nicht mal den Gegner düpieren und nach hinten spielen?

Bier. Freude.

Offen gestanden verstehe ich die Beschwerden über Papierstrohhalme nicht. Ich werfe ein solches Utensil grundsätzlich weg und trinke direkt aus dem Becher. Wo ist da ein Problem?

 

 

Splitterbrötchen (DCCCXCVIII)

Zwei Tage Warnstreik auf den Flughäfen: der Weltuntergang wird ausgerufen. Wochenlanger Streik an den Unikliniken in NRW: nonmention. Die Leitmedien kotzen mich derzeit ziemlich an.

Seit letzten Sonntag führt Fa. Groupon im Rennen um den idiotischsten E-Mail-Betreff aller Zeiten deutlich mit „Hurra! Es ist soweit, du kannst endlich 24 Stunden lang sparen!!!“

Die unfassbare Erfolgssaga geht weiter: 1,5 Millionen kritischer User sind vor Begeisterung ausgerastet, als sie mein Käsestullenfoto auf Google Maps angesehen haben. Über meiner Käsestulle ist nur der Himmel!

Warum heißt es in Österreich Polenta und nicht „Kieberer-Pampe“?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine Meisterleistung in Understatement: Als „Fischsemmerl“ steht diese Vorspeise auf der Speisekarte des Lokalaugenschein in Podersdorf, doch der Zusammenklang von warm getoasteter Käsesemmel, mehreren aromatischen Salaten, hausgemachter Knoblauchmayonnaise und geräuchertem Wels war von dermaßen großer Delikatesse, dass ich mir beinahe den Hauptgang geschenkt und eine zweite verdrückt hätte.

Das Leseerlebnis der Woche: David Ensikat ruft seinem Lehrer nach.

Und dann las ich staunend auf Twitter, wie eine freundliche Lehrerin von einer an Long Covid leidenden Schülerin berichtete. Sieben Fehler hatte die in einem einzigen Satz gemacht. Die freundliche Lehrerin hat ihr alles erklärt, aber wegen Long Covid konnte sich das arme Kind nicht alles auf einmal merken, und tauchte immer wieder (insgesamt neunmal) am Lehrerpult auf, bis der Satz endlich richtig war. Meine Frage, warum die freundliche Lehrerin das Kind neunmal zwischen seinem Platz und dem Lehrerpult hat hin und her laufen lassen, blieb unbeantwortet.

Gibt’s auf der documenta eigentlich, außer antisemitischen Linolschnitten, was Bemerkenswertes zu sehen? So Kunst, zum Beispiel? Die einen anrührt, zum Nachdenken bringt, sowas in der Art? Darüber liest man gar nichts.

Auch wenn Twitter derzeit vorwiegend ein Treffpunkt für auf Bestätigung angewiesene geistige Minderleister ist, ein paar Accounts, die für gute Unterhaltung sorgen, gibt’s ja doch, zum Beispiel den von Jaythechou, der Paddington in bekannte Film- und Fernsehszenen photoshopt. Diese Woche hat der Überbär endlich ein Gastspiel in meiner Lieblings-Serie gegeben.

Thema Wahlrecht für Kinder und Jugendliche: Hätte ich vor meinem 18. Geburtstag wählen dürfen, hätte ich sicherlich die Wahlentscheidung getroffen, die meinen Vater maximal geärgert hätte. Mit demokratischer Willensbildung hätte das wirklich nichts zu tun gehabt.

Gestern sind wir aus unserem wundervollen Podersdorf-Urlaub zurückgekommen. Heute hat die Vorfreude auf Podersdorf 2023 begonnen.

 

 

The Year of Drinking Blaufränkischly – Podersdorf 2022

Jeder Wein hat seine Zeit, auch zeitlos gute Weine wie die, die im Seewinkel angebaut werden. Auch wenn die Qualität dieser berauschenden Gaumenschmeichler mittlerweile konstant hoch ist, gibt’s doch jedes Jahr eine Weinsorte, die besonders hervorsticht. Oft ist das der Zweigelt, die DAC des Seewinkels. Letztes Jahr war es der St. Laurent. Und dieses Jahr schmeckte der ansonsten eher unauffällige Blaufränkisch (Lemberger) so gut, dass ich mir von dem immer wieder nachschenken ließ.

Obwohl ich ihn bisher nur als Ergänzungsrebsorte eingeordnet hatte, mit der schwäbische Profitrinker (vergeblich) versuchen, ihr merkwürdiges Trollinger-Gewächs irgendwie näher an eine gewisse Trinkbarkeit zu rücken. Aber dieses Jahr in Podersdorf gehörte dem Blaufränkisch …

… und härteren Getränken, wie sie in der Mosquito Bar vom Seehotel Herlinde gereicht werden, wo wir unseren Nightcap zu nehmen pflegten…

… nachdem wir verzauberte Abende am Podersdorfer Strand erlebt hatten. Für dramatische Abendstimmungen ist der Neusiedler See bekanntermaßen immer gut.

Wie man an der Reling sieht, hab ich diese an Bord aufgenommen, während einer „Sonnenuntergangsfahrt mit Weinverkostung“, einem Fixpunkt unserer Podersdorfer Urlaube.

Kapitän Knoll von der „Knoll Schifffahrt“ schippert bei diesen Fahrten 2 Winzer und einen Haufen durstiger Urlauber durchs Schlammloch auf den Sonnenuntergang zu, der meist pünktlich nach der Verkostung des fünften Weins erfolgt. Da die Winzer die Proben großzügig einschenken, können wir bestätigen, dass jede dieser Seefahrten ausgesprochen lustig ist. Wenn besagter fünfter Wein das Glas verlassen hat, schlägt die Stunde der besten, geduldigsten Gehmalin von allen, denn dann fotografiert sie den Sonnenuntergang, und ich fotografiere sie…

… für meine mega-erfolgreiche Fotoserie: „Die geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“.

Hier vereint sie Sonnenuntergang, Leuchtturm, Mole und die Terrasse der Sunset-Bar zu einem meisterhaften Stimmungsbild, gegen das mein Foto des gleichen Motivs …

… natürlich total abstinkt, weil Kapitän Knoll sein Arbeitsgerät noch ins Bild gedrängelt hatte. Derweil eilte die beste, geduldigste Gemahlin zu weiteren fotografischen Triumphen und…

… fotografierte den Leuchtturm Pik-Solo. Da muss man erstmal drauf kommen! Ich habe mich dann auf …

… idyllische Blumenwiesen verlegt, doch ich fürchte, man merkt diesem Bild mein komplettes Desinteresse an der Botanik stark an.

Die Podersdorfer Weinstuben von außen gelangen schon besser, und bei einer Weinprobe im Weinlaubenhof Kracher in Illmitz ist mir dann der Einstieg in die Actionfotografie gelungen.

Unter Zuhilfenahme äußerster Geistesgegenwart ist es mir gelungen, eine Beerenauslese zu fotografieren, bevor ich sie ausgetrunken hatte. Bei solchen Motiven kommt es auf die Tausendstelsekunde an. Alles war gut in Podersdorf in diesem Jahr, alles war schön.

Sogar das Fernsehprogramm war aufregender als Zuhause. Auch wenn wir dieses Jahr so lange geblieben sind, dass die Grenze zwischen „Ferien machen“ und „Wohnen“ zu verschwimmen begann, irgendwann mussten wir uns schweren Herzens von den Podersdorfer Freunden verabschieden, die Koffer packen, den letzten Blaufränkisch trinken und den letzten Sonnenuntergang fotografieren.

Ich freu mich schon so auf den Podersdorfer Wein des Jahres 2023.

 

Die Seewinkel-Rituale – Podersdorfer Mahlzeiten 2022

Ach, wie ging’s uns wieder gut, dieses Jahr in Podersdorf. Seit über zwanzig Jahren verbringen wir unseren Urlaub hier, seit ebenso langer Zeit sind wir Stammgäste in den hiesigen Restaurants. Da ist es unausbleiblich, dass Rituale entstehen, Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt hatten, kam gleich das erste: Wir gingen – natürlich, in einen Heurigen, um das erste Speckbrot und den ersten Welschriesling zu genießen…

Weiterlesen

Dankbarkeits-Lieblinge 2022

Ja, die Dankbarkeit. Mein Lieblingsrestaurant. Mehr muss ich nicht mehr sagen, bzw. schreiben. Jedes Jahr, wenn wir Podersdorf verlassen, fangen wir an, uns aufs Wiederkommen im nächsten Jahr zu freuen, und für mich heißt das auch: „Dann gehen wir wieder in die Dankbarkeit!“ Dieses Jahr haben wir uns dieses exquisite, trotzdem bodenständige Vergnügen dreimal gegönnt. Beim ersten Besuch haben wir uns eine Vorspeise geteilt…

… eine Terrine von roter Bete mit Rehfilets. Dass das Teilen ein Fehler war, haben wir sofort eingesehen, wir hätten beide lieber die ganze Portion verdrückt. Deshalb gab’s beim zweiten Besuch für jeden eine eigene Vorspeise.

Bei mir war das ein kräftiges „Konblauchpannacotta mit Graubrot-Chip“.

Und beim dritten Besuch kehrte ich zu einer lieben, alten Bekannten zurück, der Fischsuppe mit Paprika. Bei den Hauptgängen lag, wie immer in diesem Lokal, die Raffinesse in der scheinbaren Einfachheit.

Beim ersten Besuch genoss ich eine in jeder Hinsicht perfekte, rosa gebratene Entenbrust auf aromatischer Gemüsesauce und gebratenen Kartoffeln

Beim zweiten Mal folgte ich der Tagesempfehlung, tatsächlich, weil mich die angekündigte Beilage neugierig gemacht hatte: gebratener Hecht mit gegrilltem(!) Eisbergsalat, und die Beilage hätte dem tadellos gebratenem Hecht beinahe die Schau gestohlen. Durch die hohe Grillhitze hatte der Eisberg ein überraschend deutliches, delikates Aroma bekommen, was ganz ausgezeichnet mit dem darüber und hineingekleckerten, knoblauchlastigen Pesto harmonierte.

Beim dritten Mal, unserem diesjährigen Abschiedsessen ließ ich mir eine Lammhüfte auf Gemüsesauce mit Polenta kommen. Wieder war küchentechnische Perfektion zu bewundern. Besser, zarter kann man eine Lammhüfte nicht hinbekommen, die Polentaschnitten waren perfekt gebraten und eigneten sich wunderbar zum Aufmoppen der herrlichen Sauce.

Die Desserts. Beim ersten Besuch des Jahres gibt es niemals ein Vertun, da wird der Käseklassiker des Lokals bestellt…

… Blauschimmelkäse mit einem Glas der hauseigenen Beerenauslese. Eine Traumkombination. Auch beim zweiten Besuch hatte ich keine Lust auf Süßes und bestellte den kleinen Käseteller…

… Gruyere, Brie, ein Rot- und ein Blauschimmel. Was mir Gelegenheit gab, die nächste Beerenauslese zu ordern. Beim dritten Mal wollte die beste, geduldigste Gemahlin von allen mich dazu bringen, schon wieder Käse zu bestellen, doch dazu war ich nach der Lammhüfte schon zu satt. Zitronensorbet in Frizzante…

… war genau richtig: fein, leicht, erfrischend und nicht zu süß.

Die Vorfreude auf unsere Dankbarkeits-Menüs 2023 hat begonnen!

Splitterbrötchen (DCCCXCVII)

Derzeit bin ich unfassbar schlagfertig. Als irgendwer auf Facebook nach „deutschen Wörtern mit ‚Q'“ gefragt hat, hab ich doch total spontan „Qtips“ geantwortet. „Qtips“! Hahahahaha!

Auf Twitter hat Peter Glaser erneut unter Beweis gestellt, dass er ein Genie ist:

„Jedermann“ ist eine platt dahingekrittelte, anbiederische Dummheit, sonst nichts.

Als ob’s schon Herbst wäre.

Der stete Tropfen höhlt vielleicht Steine, aber Menschen macht das dauernde Getröpfel einfach nur wahnsinnig wütend.

Was in den Nachrufen auf Uwe Seeler nicht genügend herausgestellt worden ist: Was für eine feine Technik er hatte, was für ein außergewöhnlicher FußballSPIELER er war. Betont wurden immer wieder – vollkommen zurecht – sein Wille, seine Kampfkraft, seine Bereitschaft, sich aufzuopfern. Aber solche Tore (Pokalspiel HSV-Westfalia Herne, Tilkowski im Tor) …

… schießt man eben nicht nur mit Willen und Kampfkraft. Dazu braucht es extreme Fitness, Körperbeherrschung und Ballgefühl. Weder Pelé noch Maradona hätten dieses Tor machen können, Beckenbauer schon gar nicht (der wäre nie in eine solche Situation geraten). Messi? Technisch vielleicht, aber dem fehlt diese fast schon turnerische Athletik.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine überraschende Beilage, die beinahe einem saftig gebratenen Hecht die Schau gestohlen hätte: gegrillter, mit knoblauchlastigem Kräuterpesto bekleckerter Eisbergsalat. Durch die Hitze bekommt der üblicherweise vollkommen geschmacklose Eisberg tatsächlich ein angenehm nussiges Latticharoma.

Noch während ich mir einige sehr unangenehme Dinge überlegte, die ich gern mit einer Person machen würde, die ein Wordle-Rätsel mit „aerob“ als Lösungswort in die Welt gesetzt hatte, legte sie mit „Binom“ nach. Da sucht jemand Streit…

Falls noch jemand „Zufälle gibt’s!“ ausrufen möchte…

er

Splitterbrötchen (DCCCXCVI)

Was nicht jeder weiß: Auch wenn man Wein nur in Achteln trinkt, kann man betrunken werden, wenn man eine ausreichende Menge zu sich nimmt.

Der Grünen-Vorstand hat anscheinend nur männliche Gegner.

Weltidee! Biopic über die erste ungarische Kampfpilotin und ihren Wingman, Sendezeit Mittwoch 20 Uhr 15, Besetzungsidee Veronica Ferres und Hardy Krüger jr., Arbeitstitel: „Marika Maverökk“

Schmerzlich vermisst: einen Live-Ticker von der abgeschalteten Gasleitung.

Auf Twitter wurde ich nach 10 Bands, die mein Leben begleitet haben, gefragt. Die waren schnell gelistet:
The Beatles
The Rolling Stones
Jefferson Airplane
Crosby, Stills & Nash
Emerson, Lake & Palmer
Little Feat
The Grateful Dead
The Who
The Pirates
Simon & Garfunkel
Doch dann kam ich ins Grübeln.

Offenbar habe ich soviel nachgesalzen, dass ich bereits 1980 gestorben bin und es nur nicht gemerkt habe.

Herr Kaltenbach analysierte die ersten Ergebnisse des James-Webb-Weltraumteleskops löwensenfscharf:

Kontextwerbung: Ich soll mir Aktien von „Profiteuren der Energiekrise“ ins Depot legen, um meine Verluste durch gestiegene Energiekosten auszugleichen. Doll.

Die nunmehr zwei Wochen andauernde, immer bizarrer werdende Diskussion über die Anzahl der biologischen Geschlechter lässt nur ein Fazit zu: Wir müssen etwas gegen das großflächige Versagen unserer Biologie-Lehrer unternehmen, und zwar schnell.

Ebenfalls auf Twitter bat man mich, meinen Lieblingsfilm möglichst langweilig zu schildern. Nun denn: Gastronom gerät wegen seiner Ex in Turbulenzen.

Stolz darauf sein, etwas nicht zu kennen – gibt es dazu schon eine Studie?

Dank der bereits von Herrn Kaltenbach erwähnten Bilder, die wir vom James-Webb-Weltraumteleskop bekommen („Sternenporno“ hat sie jemand bei der SZ genannt), wissen wir jetzt, dass das Universum aussieht wie ein T-Shirt für Motorradfahrer Mitte 40, die sich in der Midlife-Crisis befinden. Aber warum fehlt der Wolf?

Splitterbrötchen (DCCCXCV)

Eigentlich wäre mit dem Tweet der Woche ja alles gesagt…

… aber ich leg trotzdem noch ein bisschen was nach. Weil Sonntag ist.

Ich kann nicht aufhören, mich über Helikopter-Eltern zu wundern, die ihre Kinder immer nur als Opfer, aber nie als potenzielle Täter imaginieren können. Vollkommen fassungslos las ich auf Twitter den Thread einer Mutter, die von Problemen bei der stundenlangen, erfolglosen „Einschlafbegleitung“ ihres Sohnes berichtete. Wäre mir als Kleinkind ein derartiges Unterhaltungsprogramm (Einschlafbegleitung = statt drögen Solo-Einschlafversuchen bei gelöschtem Licht den Eltern durch Rumgequengel auf den Zeiger gehen zu können) angeboten worden, hätte ich auch beherzt zugegriffen.

Dicke Empfehlung für die neue Netflix-Serie „King of Stonks“, die zwar eine ziemliche schamlose „Wolf of Wallstreet“-Kopie ist, aber dennoch sehr gut unterhält, zuvörderst natürlich durch einen souverän auf die Kacke hauenden Matthias Brandt.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine mit ein wenig Salz auf Butterbrot genossene, wunderbar aromatische San-Marzano-Tomate aus dem Seewinkel.

Tränen lachte ich über eine Pointe aus der österreichischen Kabarettsendung „Pratersterne“: „Der Friedhofsgärtner im amerikanischen Seattle hat mir erzählt, dass er während des MTV-Unplugged-Konzerts von Andreas Gabalier aus dem Grab von Kurt Cobain einen zweiten Schuss gehört hat.“

Menschen, die in den sozialen Medien nach Dingen fragen, die sie problemlos Googlen könnten – gibt es da schon eine Studie?

Den Knalldeppen, der „The Rise of Gru“ mit „Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ übersetzt hat, würde ich gern stundenlang auf ausgesucht grausame Weise foltern. Ansonsten ist der neue Minions-Film beste, mit zahllosen Filmzitaten gespickte Unterhaltung.

Nach einem „deutschen Wort mit ‚i'“ wurde ich auf Facebook gefragt. „Intransitiv“, antwortete ich spontan.

Gute Schauspieler können auch besser Outrieren als schlechte Schauspieler.

Wenn man etwas selbst nicht tun kann oder will, dürfen es die anderen auch nicht. Klar.

Tatsächlich sind Annalena Baerbock und Robert Habeck aktuell die Minister, an denen ich am wenigstens auszusetzen habe. Trotzdem stehen sie wegen ihrer permanenten, durchkalkulierten Selbstinszenierung bei mir weiterhin unter Verdacht.

Kulinarische Entdeckung der Woche war eine Nudelsalat-Sauce: 1/3 Mayonnaise, 1/3 Sauerrahm, 1/3 im Kochwasser pürierte weiße Bohnen. Das gibt einen sehr runden, angenehmen Geschmack, der den Salat ergänzt und nicht dominiert. Wenn man nicht weiß, dass Bohnen drin sind, schmeckt man sie nicht heraus.

Informationsübermittlung war nie das Geschäftsmodell der Medien. Das bestand durchaus darin, das Niveau des öffentlichen Diskurses durch ständiges Skandalisieren von Bagatellen so weit abzusenken, dass immer mehr Menschen bei den Medien Orientierung suchten. Durch Social Media hat sich das gravierend geändert, leider nicht zum Besseren. Vielleicht versucht man’s doch mal mit Informationsübermittlung? Das – statt des umpfzichtausendsten Tik-Tok-Kanals oder eines kreuzdämlichen Leistungsschutzrechts – wäre mal echt innovativ.

 

Splitterbrötchen (DCCCXCIV)

Wer Olaf Scholz für arrogant hält, hat Helmut Schmidt nicht erlebt.

Werbung für ein Hundekissen gesehen, dass den Viechern die „täglichen Ängste“ nehmen soll. Das Ende der Zivilisation dürfte unmittelbar bevorstehen.

Der Twitter-Lacher der Woche:

Die Hölle, das sind die hilfsbereit Säuselnden.

Auf Facebook habe ich eine sehr, sehr charmante Paul-Newman-Anekdote entdeckt.

Der Mindset des Kleinbürgers ist an Einfachheit nicht zu überbieten, deshalb ist er auch so erfolgreich. Logisch, dass Social Media mittlerweile „Spießers Paradise“ ist.

Den kulinarischen Wochenhöhepunkt musste ich nicht erneut fotografieren, das hab ich schon oft genug getan: die im Paradies erfundene Kombination aus Speckbrot und eiskaltem Welschriesling.

Für ein Lead-In wie „Janine D. ist Kleiderschrankberaterin.“ ist die Tagesspiegel-Redaktion allein wegen ihres Muts zu loben. Als ich im Folgenden allerdings erfuhr, dass Frau D. nicht nur Aufbewahrungsmöbel coacht, sondern sich auch als „Sinnfluencerin“ und „Aktivistin gegen ‚Fast Fashion'“ begreift, habe ich ermattet zu lesen aufgehört.

Ich bin nach der ersten Woche Grundschule nie mehr von meinen Eltern zur Schule gebracht oder von dort abgeholt worden. Eine derartige Begleitung hätte ich als unerwünschten Eingriff in meine Privatsphäre abgelehnt. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass „Der Junge muss möglichst bald selbständig werden“ das wichtigste Ziel meiner Erziehung war.

Ich bin sehr gespannt, wie die Berliner Humboldt-Universität sicherstellen wird, dass in Zukunft die dort studierenden Menschen die Grundlagen akademischen Arbeitens beherrschen. Ganz offensichtlich wissen die autoritären Knalldeppen, die dort gestern einen Vortrag verhindert haben, noch nicht mal ansatzweise, was Wissenschaft ist. Es ist Aufgabe der Humboldt-Universität, zu verhindern, dass die Professoren und Dozenten dieser Menschen weiterhin bei der Vermittlung akademischer Grundlagen derart eklatant versagen.

Splitterbrötchen (DCCCXCIII)

Beim Anschauen von „San Andreas“: „Wenn ein Darsteller Dwayne ‚The Rock‘ Johnson heißt, ist es schwer, zwischen Vor- und Tsunami zu unterscheiden.“ Ist das nun ein extrem cooler Wortwitz oder nicht?

Und wie ist es mit „Wenn tektonische Platten nicht sofort aufgepumpt werden, kann das echt böse enden.“?

Werbung wirkt bedrohlich, wenn Claims wie „Gemüsesaft in Lachgummis“ und „Mümmelbande“ verwendet werden.

Der Tweet der Woche:

Besonders begeistert bin ich über Bewertungsportale – insbesondere solche, in denen ich seit Jahren nicht mehr aktiv bin – die mir Erklärbär-Mails schicken, wie ich gute Bewertungen schreibe.

Können Oktopusse eigentlich in eine Krakenkasse einzahlen, falls mal was ist?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine kompromisslos klassische Pizza mit kompromisslos scharfer Salami beim Lieblingsitaliener.

Seit Anfang Mai streiken die Unikliniken in Nordrhein-Westfalen, Julian Assange soll an die USA ausgeliefert werden. Warum lese ich über diese Themen so wenig in den Leit- und Qualitätsmedien? Warum befasst man sich da lieber mit Social-Media-Befindlichkeiten und der Besetzung drittrangiger Ämter? Warum lassen Journalisten Menschen, die für ein besseres Leben für uns alle kämpfen, derart im Stich?