Splitterbrötchen (CCXXVIII)

Beim Anschauen der Captain-America-DVD: „Man kann gegen die Nazis sagen, was man will, aber Schuheputzen konnten sie.“

Was mich beim Nachdenken über die Wulff-Affäre nachhaltig irritiert: alle reden von günstigen Krediten, Erster-Klasse-Flügen und Urlauben, die der Präsident aus der Wirtschaft erhalten hat. Niemand redet von den Gegenleistungen. Wie hat Wulff sich erkenntlich gezeigt? Oder sind unsere Unternehmer tatsächlich so bescheuert, einen Politiker zu schmieren, ohne etwas dafür zu verlangen?

Endlich angesehen: „Midnight in Paris“, ein wundervoller Film. Und: Hemingway hockt im Polidor, wo es die geduldigste Gemahlin von allen und mich auch immer hinzieht. Kennt sich aus, der Hemingway!

 

Splitterbrötchen (CCXXVII)

Den Vogel Das Rindvieh schoss diese Woche Fa. eatsmarter.de ab, die ein Rezept für „Beef Wellington“ veröffentlichten, in dem weder Trüffelsauce noch Blätterteig noch eine Duxelles und schon gar keine Foie Gras vorkamen. Vom eigentlichen „Wellington“ war nur das Filet übriggeblieben. Was daran „smarter“ sein soll, entgeht mir komplett. Kollege Carsten Sohn aus dem Mitzwinkel taufte die Kreation geistesgegenwärtig und treffend wie immer in „Filet Guttenberg“ um.

Apropos „nicht smart“: Jeder Missetäter glaubt, nicht erwischt zu werden. Aber nur wirklich clevere Gangster entgehen der Entdeckung. Nuja, ein Bundespräsident muss wohl nicht clever sein. Augenscheinlich genügen andere Qualitäten.

Den Satz der Woche prägte der frischgebackene FDP-Generalsekretär Döring: „In einer verantwortungsvollen politischen  Position ist ein Außenspiegel nicht einfach ein Außenspiegel.“ Ich warte mit angehaltenem Atem auf seine Expertise zum Thema Innenspiegel.

Apropos FDP: je höher der Unterhaltungswert einer Partei wird, desto bedeutungsloser wird sie im Gegenzug. „Wichtig“ ist wohl nicht witzig.

 

 

Splitterbrötchen (CCXXVI)

Mittwochabend verkündete Jens Riewa in der Tagesschau beunruhigende Neuigkeiten über steigende Rüstunsgexporte, da assoziierte ich natürlich sofort und ausschließlich seinen berüchtigten „Granatensex mit Michele“. Ich sollte mich für meine geistige Eindimensionalität schämen, tue es aber nicht.

Nun ist Niersbach designierter DFB-Vorsitzender. Da Zwanziger wohl dagegen war, scheint Niersbach mir eine gute Wahl zu sein.

Je einfacher ein Weltbild ist, desto leichter ist es den Mitmenschen zu vermitteln.

Zum Berliner Justizsenator Braun, der einer übel beleumundeten Immobilienfirma, vor der u.a. die Stiftung Warentest gewarnt hat,  beim Verkauf sogenannter Schrott-Immobilien notariell assistiert haben soll: Entweder, er hat gewusst, was er da tut, dann ist er ein Gangster, der als Senator nicht taugt. Oder er hat sich ahnungslos instrumentalisieren lassen, dann ist er zu doof, um als Senator zu taugen. Und jemand, dem die christliche Nächstenliebe offenbar ganz weit am Arsch vorbeigeht, hat in einer Partei, die nach wie vor das „C“ im Namen führt, nix zu suchen. Es sei denn, er ist dort unter Gleichgesinnten, die sich bisher nur nicht haben erwischen lassen.

Und vom Adventskalendertürchenaufmachen hab ich auch gründlichdieSchnauzevoll.

Doch dann kam Paulsen…

Seit die geduldigste Gemahlin von allen und ich vor dreißig Jahren unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen haben, braten wir pro Jahr mindestens eine Gans. Weil wir gerne Gänsebraten essen, und weil wir liebe Freunde haben, die ebenso gerne Gänsebraten essen. Und manchmal braten wir auch noch die ein oder andere Gans zusätzlich, um mehr lieben Freunden (und uns, natürlich) eine Freude zu machen.
Da hatte sich natürlich  – nach gewissen Startschwierigkeiten – über die Jahre hinweg ein einigermaßen narrensicheres Gänsebratenrezept entwickelt, mit dem wir zahllose Erfolge feierten und das ich vor vier Jahren hier in der Netzecke vorgestellt habe. Gänsemäßig war also alles in Butter Gänseschmalz, wir hätten uns auf den Lorbeeren dieser Rezeptur bis an unser Lebensende ausruhen können…

Doch dann kam Paulsen. Herr Paulsen – auch als Stevan Paul bekannt – machte sich in seinem Blog „Nutriculinary“ vor drei Jahren auf die Suche nach der perfekten Weihnachtsgans, und setzte mir einen Floh ins Ohr die „Tante-Manni-Gans“ in den Bräter, eine nachgerade tollkühne Zubereitung, nach der die Gans einfach großzügig mit Salz eingerieben und bei 140 Grad im Ofen gebraten wird (1 Stunde pro Kilo). Einfach so, nix weiter. Letztes Jahr hab ich diese Gans fürs Männerblog nachgekocht und war begeistert: einmalige Knusprigkeit, klarer, reiner Gänsegeschmack, Weltklasse!
Aber: keine Füllung. Die Tante-Manni-Gans funktioniert nur, wenn man sie ohne Füllung zubereitet, und das brachte die lieben Freunde auf die Barrikaden, und auch die geduldigste Gemahlin von allen machte mir mit von stählernem Willen durchsetzter Sanftheit klar, dass sie gerne Füllung isst. Sehr gerne. Was tun? Grässliches Dilemma! Und der Termin für die erste Gans dieses Jahres rückte nah und näher…

Doch dann kam der wackere Paulsen wieder! Gerade noch rechtzeitig veröffentlichte er ein Update seiner Weihnachtsgans-Queste mit einer beinahe noch tollkühneren Rezeptur: Gans bei 180 Grad zwei Stunden lang anschieben, dann zweieinhalb Stunden bei 150 Grad fertig braten. Was natürlich Quatsch war. Das Biest sollte genauso lange wie die Tante-Manni-Gans in den Ofen, bei deutlich höherer Temperatur? Furztrockenes Fleisch und verbrannte Haut mussten die logische Folge sein, nicht mit mir!
Aber dieses Rezept sah eine Füllung vor. Und vielleicht war es Paulsen ja irgendwie gelungen, diabolisch die Gesetze von Küchenchemie und -physik außer Kraft zu setzen, und das ganze funktionierte doch? Ich fragte in den Kommentaren zu seinem Beitrag nach, er beschwor mich, Vertrauen zu haben, und ich setzte alles auf eine, seine Karte. Lediglich an der Füllung schrob ich etwas herum, sein Apfel-Zwiebel-Gemisch erschien mir etwas zu vegan und ich griff auf meine erprobte Hackfleischfüllung zurück, ansonsten hielt ich mich sklavisch an seine Rezeptur und hatte vorsichtshalber die Prospekte diverser Pizza-Bringdienste neben das Telefon gelegt, um unsere Gäste anderweitig beköstigen zu können, falls es doch schief ging. Doch dann holte ich das hier aus dem Ofen…

Trotz der langen Garzeit war das Fleisch nicht trocken, im Gegenteil, und die Haut erreichte beinahe die Knusprigkeit der „Tante-Manni-Variante“, ein absolut geniales Essen. „180/150“ bzw. die „Methode Paulsen“ ist hier ab sofort Standard. Wenn Gans mit Füllung gebraten wird. Wenn’s ohne Füllung sein darf, ist „Tante Manni“ vielleicht doch…
Aber ich bin ja schon still.

Ich bedanke mich bei Gabriele Helbig für das Foto.

 

 

Splitterbrötchen (CCXXV)

Sonntagmorgen, kurz nach elf: Wonti begrüßt Fredi und gibt zum Dopafon ab. Nur in dieser Atmosphäre totaler Sinnfreiheit können frische Splitterbrötchen entstehen.

Ereignis der Woche war die erste Gans der Jahres, zubereitet nach Stevan Pauls Vorgehensweise für Gans mit Füllung: bei 180 Grad zwei Stunden angeschoben, dann nochmal zweieinhalb Stunden bei 130 Grad vollendet. Fleisch saftig, Haut beinahe so knusprig wie beim Tante-Manni-Rezept: sensationell! Foto und Details schiebe ich nach.

Eine ganz simple Tatsache, die bei dem ganzen Euro-Krisen-Geschwurbel selten bis nie erwähnt wird: Geld verschwindet nicht, wenn es geschuldet wird. Zu Schulden gehört immer  auch ein Guthaben. Wenn einer 100 Euro oder 100 Billionen Euro Schulden hat, haben andere 100 Euro oder 100 Billionen Euro Guthaben. Warum zum Henker fragt niemand nach denen, die in dieser sogenannten Krise das Geld mit der Kohlenschaufel einfahren?

Das Zitat der Woche stammt von Tim Raue, der Erhellendes von seiner Suche nach dem perfekten Gewürz zu berichten weiss: „Ich hatte sicherlich 50, 60 verschiedene Sorten Sechuan-Pfeffer im Mund, bis ich den jetzigen erwählt habe.“ Ja, das ist der Unterschied: Unsereins sucht aus. Tim Raue erwählt.