Splitterbrötchen (CCXXXIII)

Wenn halbgare Gedanken sich mit nächstbesten Assoziationen paaren, entstehen gelegentlich ganz fantastische Wortschöpfungen, z. B. die Bezeichnung, die die Kreativ-Genies von BILD für Brigitte Nielsen erfanden: „Brust-Altmeisterin“.

Wäre ich Intendant oder – was Gott verhüten möge! – Dramaturg, dann würde ich mich jetzt an eine Brecht-Erzählung mit dem Titel „Safety First“ erinnern, in der es um einen Kapitän geht, der der Feigheit beschuldigt wird. Zwangsläufig würde ich mich auch daran erinnern, dass das Fernsehen der DDR diese Erzählung unter dem Titel „Die Rache des Kapitäns Mitchell“ ganz exzellent verfilmt hat. Und dann wüsste ich, was ich möglichst zeitnah auf den Spielplan setzen könnte. Aber ich bin ja kein Intendant. Und – gottseidank – kein Dramaturg.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, eine Weile lang einen Bogen um skandinavische Ermittler zu machen. Nach 100 Seiten „Leopard“ musste ich diesen Vorsatz aufgeben und anfangen, mich durch Jo Nesbøs Gesamtwerk zu lesen.

Für den Wehmuts-Moment der Woche sorgten die Woodstock-Fotos bei den Retronauten. „We are stardust, we are golden…“

Splitterbrötchen (CCXXXII)

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wurde heute u. a. behauptet, ich hätte während eines Interviews am Tee genippt. Ich möchte klarstellen, dass ich grundsätzlich nicht nippe, sondern immer trinke.

Das egozentrierte Heulsusen-Geschwader, das sich dieses Jahr im australischen Dschungel eingenistet hat, hat bisher einen ziemlich niedrigen Unterhaltungswert. Und Ailton gehört schlicht und einfach nicht in so eine Veranstaltung.

Noch fünf, sechs Wochen bis zum Umzug und mir schlottern die Knie: Elektro nach mehr als 25 Jahren Gas.

 

Splitterbrötchen (CCXXXI)

Falls es noch jemand nicht mitbekommen hat: Auf der Facebook-Seite des Schlosspark-Theaters tobt ein Shitstorm. Dieter Hallervorden (!) und seinem  Theater wird Rassismus vorgeworfen, weil dort ein weißer Schauspieler mit dunkler Schminke im Gesicht einen Schwarzen spielt. Um mir Klarheit über die Positionen zu verschaffen, postete ich einen Link zu einem Video dorthin, indem Laurence Olivier als Othello1  zu sehen ist, und fragte die Empörten, ob das auch rassistisch sei. Warum war ich nur überrascht, als das umgehend bejaht wurde?

Übrigens ist Oliviers Buch „On Acting“ meines Erachtens immer noch das beste, wahrhaftigste Buch, was über den Theaterberuf geschrieben wurde. Schlägt z. B. den eitlen Quatsch von Stanislawski um Längen.

Vor Menschen, die die Freiheit der Kunst geringschätzen, sollte muss man Angst haben. Meist bleibt es nicht bei bloßen Ideen, die auf dem Altar der Befindlichkeit geopfert werden.

Empörungs-Weltmeister aber bleiben die ZEIT-Online-Lebensart-Diskutanten: Sieben Seiten Kommentarschlacht um ein Rezept für Makkaroni-Auflauf! Das kriegen nur Top-Profis hin.

  1. Franco Zeffirelli nannte Oliviers Othello „eine Anthologie von allem, was in den letzten dreihundert Jahren über Schauspielerei herausgefunden wurde“

Splitterbrötchen (CCXXX)

Neuer Ausdruck für instinktloses Gewäsch: „Sich einen Wulff reden“.

Vollkommen überraschend feiert das Raclette-Gerät bei uns derzeit ein furioses Comeback. Die Bastelei mit den kleinen Pfännchen macht Spaß und schmeckt. Derzeitiger Favorit für die Käse-Unterlage: Lachswürfel und kleingehäckselter Staudensellerie.

Für das Ärgernis der Woche sorgte der NDR, der aus mir vollkommen unerfindlichen Gründen seine brillante, zum Brüllen komische Serie „Tatortreiniger“ so gut versteckt hatte, dass ich sie beinahe nicht gefunden hätte.

Die Ursache für tränende Augen beim Zwiebelschneiden sind definitiv stumpfe Messer. Seit ich meine Küchenmesser mit Vulkanus und Schärfsteinen richtig scharf halte, hab ich diesbezüglich keine einzige Träne mehr vergossen.

Splitterbrötchen (CCXXIX)

First things first: Frohes Neues Jahr!

Den Satz der Woche schuf Eckart Witzigmann vor 21 Jahren. in seinem Buch „Kochen mit der Mikrowelle“ schrieb er bemerkenswert klare Worte: „Lange Zeit konnte deutsches Geflügel dem französischen nicht die Stange halten.“

Auf den allerletzten Drücker ist mir das Buch des Jahres in den Reader gepurzelt: „22/11/63“ (erscheint Mitte Januar als „Der Anschlag“ auf deutsch) von Stephen King. Zeitreisender will die JFK-Ermordung verhindern, aber die Zeit wehrt sich, verändert zu werden. Was sich schon in „Die Arena“ andeutete: King hat wieder zu ganz großer Form gefunden. Hätte ich nach „Der Buick“ nicht mehr für möglich gehalten.

Das neue Jahr bringt Veränderungen. Nach 30 Jahren in Kreuzberg werden die geduldigste Gemahlin von allen und ich unsere Zelte hier abbrechen und in den Süden ziehen, wo es warm ist, eine mediterrane Atmosphäre herrscht und ein lockererer Lebensstil gepflegt wird. Nach Friedenau.