Splitterbrötchen (CCXLVI)

Herrliche österreichische Redewendung gehört1: „Der rüttelt doch die ganze Zeit am Watschenbaum!“

Die Headline der Woche glückte der griechischen Zeitung Ta Nea: „Deutscher Schuldenschnitt – Neuer stoppt die superteuren Spieler von Real. Millionenschwere Profis abgewertet.“

Jetzt geht es nur noch darum zu verhindern, dass Abramowitsch die Champions League gewinnt. Ich bitte alle Besucher meiner Netzecke, den FC Bayern München in seinem antikapitalistischen Kampf zu unterstützen. Venceremos, liebe Genossen!

Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob ich in den allgemeinen Jubel über Mourinhos Sportsmanship (geht zum Gratulieren in die Bayern-Kabine) einstimmen soll. Ich steh auf Schurken, die sich selber treu bleiben.  Nu will ich jetzt nicht sagen, dass er Heynckes nach Schweinis Elfer gegens Schienbein hätte treten sollen, aber…

Und natürlich hat die kicker-Redaktion schmählichst versagt, indem sie am Donnerstag total beliebig „Neuer Held im Elfmeterschießen“ titelte. Was hätte gegen den Instant-Classic „Neuer neuer Held im Elfmeterschießen“ gesprochen?

Gestern Abend, auf der Geburtstagsparty einer befreundeten Musikerin, fiel mir auf, dass ich – kein Wunder – eine erkleckliche Menge kreativ schaffender Menschen im näheren und erweiterten Bekanntenkreis hab. Von denen sympathisiert so gut wie niemand mit piratigem Gedankengut. Wem sollte das jetzt zu Denken geben, den Piraten oder den Kreativen? Oder gar mir selbst?

 

  1. in dem höchst sehenswerten TV-Film „Willkommen in Wien“

Splitterbrötchen (CCXLV)

Seit ich einen „unplattbaren“ Reifen auf meinem Fahrrad hab, hatte ich schon zwei Platten. Langsam nehm ich’s persönlich.

Vor ein paar Wochen hatte ich eine Piratenflagge in der Küche aufgehängt, ein Erinnerungsstück an ein paar wunderschöne Kabinenkreuzer-Fahrten auf Irlands Kanälen. Diese Woche habe ich die Fahne zähneknirschend wieder abgenommen, weil die meisten Gäste, die sie sahen, nicht davon abzubringen waren, dass ich mit der Piratenpartei sympathisiere. Ausgerechnet ich und die Piraten. Unerträglich.

Dem Vernehmen nach soll Bond in seinem nächsten Film („Skyfall“) zur Bierflasche greifen. It’s the end of the world as we know it.

Apropos Bond: der erste bleibt der bei weitem beste Post-Fleming-Bond: „Colonel Sun“ von Kingsley Amis.

Unter den Leserbriefschreibern und Internet-Kommentierern herrscht in Punkto Kultur Einigkeit: Was ich nicht verstehe, darf vom Staat nicht finanziert oder subventioniert werden. Wir können nur hoffen, dass diese Gestalten die Wissenschaften nicht entdecken.

Birnen, Bohnen, Garnelen und Speck

Birnen, Bohnen, Garnelen und SpeckNette kleine Vorspeise. Für 4 Personen braucht man 400g feine grüne Bohnen , 1 Birne, 50 Gramm durchwachsenen Speck, zwei, drei Handvoll Garnelen, 1 Zwiebel, Senf, Olivenöl, Essig, Knoblauch, Salz, Cayennepfeffer, Butter, Weißwein.
Die Birne schälen, Kerngehäuse entfernen und kleinwürfeln. Ca. 1/4 der Birne mit einem Schuss Weisswein sehr weich dünsten, pürieren, das Püree mit Senf, Essig, Salz, Pfeffer und Olivenöl zu einer Vinaigrette rühren, beiseite stellen. Die Bohnen putzen, auf Biss blanchieren, abschrecken.
Die Zwiebel in reichlich Butter andünsten, Birnenwürfel dazu, wenn die weich werden, mit Cayenne würzen, Bohnen dazu, nachsalzen und warmschwenken. In einer zweiten Pfanne den gewürfelten Speck kross ausbraten, Garnelen dazu und fertig braten. Eventuell etwas Zitrone dazu. Anrichten wie auf dem Foto (Birnen/Bohnen unten, Garnelen/Speck oben, Vinaigrette drüberkleckern). Mahlzeit!

Foto: Werner Thies

Splitterbrötchen (CCXLIV)

Ich habe mich bisher für einen durchaus hartgesottenen Thriller-Leser gehalten, den nichts so schnell umhaut. Als ich jedoch am Schluss von „Die Larve“ angelangt war, und lesen musste, was Jo Nesbø diesmal dem armen Harry Hole antut, musste ich doch ein paar mal schlucken. Was für ein grandioses Roman-Ende, aber wirklich nix für zartbesaitete Naturen.

Von neun Projekten scheitern zehn.

Den Ehrenpreis für den Kalauer zündenden Wortwitz der Woche verleihe ich schamlos mir selbst. Weil ich mich nach dem pfeilschnellen Nennen von 10 Synonymen für das Wort „Empfang“ gedankenschnell und höchst humorvoll als „Thesaurus Rex“ bezeichnet habe.

Erstaunen darüber, dass der wegen seiner frühen Lincoln-Rhyme-Romane von mir höchst geschätzte Jeffery Deaver dermaßen krachend an einem James-Bond-Roman („Carte Blanche“) scheitert. Das Buch ist ja gelegentlich nicht unspannend, hat aber mit einem Bond-Roman soviel zu tun wie Pfarrer Fliege mit Rocco Siffredi. Und im technischen Vergleich (Timing! Dreidimensionalität der Orte!) erkennt man, wie gut Ian Fleming war und immer noch ist. Ich kenne keinen besseren.

Fa. Vodafone scheint ihre Kunden als Beute zu betrachten, für die man jede Menge Fallen aufstellen muss, um sie zur Strecke zu bringen.

Den Dialog der Woche entnahm ich dem dankenswerterweise von Tele5 ausgestrahlten Trash-Meisterwerk „Hebt die Titanic!“ von 1980: „Ich habe mir überlegt, dass ich die Sache dadurch beschleunige, dass ich alle wichtigen Daten in meinen Computer eingebe.“ – „Ach, das klingt ja interessant!“

Splitterbrötchen (CCXLIII)

Diese Woche markiert einen Meilenstein in der Geschichte der Literatur-Rezeption. Das oft gehörte Statement, Lyrik sei out und kein Mensch würde mehr Gedichte lesen, ist endgültig als Ammenmärchen entlarvt worden.

Und das nächste Ammenmärchen: das eingestanzte „Edelstahl rostfrei“ in unserem vor ca. 15 Jahren bei einem Kaffeeröster erstandenen Spargeltopf. Der Induktionsherd mag ihn nicht erhitzen. Ist wohl doch kein Edelstahl.

Bei „Falsch-Etikettierung“ sind wir dann auch schon bei der gegenwärtigen Urheberrechtsdebatte. Die ist gar keine, hier wird nicht über das Urheberrecht debattiert (was auch nicht notwendig ist, das bestehende Urheberrecht funktioniert auch in Internet-Zeiten ganz ausgezeichnet), sondern über das Verwertungsrecht bzw. die Geschäftsmodelle der Verwertungsindustrie. Und darüber muss man nicht debattieren. Was mit Leuten geschieht, die in Zeiten des Umbruchs am Status Quo festhalten wollen, zeigt die Geschichte (Ha! Super-elegant ausgeleiertes Gorbatschow-Zitat vermieden!).

Heute vor zehn Jahren hab ich die letzte Zigarette ausgemacht.

Für das Lern-Erlebnis der Woche danke ich Fa. amazon. Aus einer ihrer Buch-Anpreisungen habe ich erst erfahren, dass es ihn gibt, diesen „heutigen hochkompetitiven Post-Crash-Bewerbermarkt“.

Und dann kommen wir zum Ausgangspunkt zurück und fragen: Ist das wirklich ein Gedicht, was Grass da geschrieben hat? Die Antwort finden wir im Zitat der Woche, für das wir Sibylle Lewitscharoff zu danken haben, die der FAZ sagte:    „Wenn der Grass-Text ein Gedicht sein soll, dann habe ich gerade nach Verzehr einer Forelle mit Hilfe von zwei, drei melodischen Fürzen eine neue Matthäus-Passion komponiert.“

Frohe Ostern!

 

Splitterbrötchen (CCXLII)

Dem Untergang geweiht: das schöne Wort „Kneisteisen“ (für Brille oder Fernglas) wird von Fa. Google nur noch 504mal gefunden.

Wunderbar berlinische Fehlleistung, an der Supermarktkasse gehört: „Jetzt haben Sie mich ganz aus dem Konzert gebracht.“

Mir ist unbegreiflich, dass Fußballspieler ständig ans Aussennetz schießen. „Innennetz, Innennetz, Innenetz“, predigt doch jeder Trainer, der sein Geld halbwegs wert ist.

Und soeben erfahre ich, dass Bettina und Christian Wulff an Erinnerungsbänden über ihre Zeiten im Schloss Bellevue schreiben. Erste Empörung über erneute „Abzockversuche“ brechen sich in den sozialen Netzwerken Bahn. Ich rate  zur Mäßigung. Vermutlich haben gute Freunde des Ehepaars die Memoiren in Auftrag gegeben und mal wieder vergessen, die Wulffs darüber zu informieren.