Splitterbrötchen (CCCVIII)

Minden, am Samstagabend. Es sind ungefähr 5 Grad und es soll noch regnen. Gleich muss ich eine Vorstellung „Olympia-Express“ spielen, die zum Teil unter freiem Himmel stattfindet. So langsam dämmert mir, warum mir vor mehr als dreißig Jahren so viele Leute vom Theaterberuf abgeraten haben.

Wenigstens hat’s nicht geregnet. Nach Vorstellung und Absacker mit den Kollegen stoße ich auf dem Weg ins Hotelzimmer auf die Restausläufer eines Events. Ich habe vollkommen verpasst, dass vor einiger Zeit Dantes „Inferno“ in „Ü-30-Party“ umbenannt wurde.

Auch wenn ich ich nicht mehr lese: der SPIEGEL kann mich noch verblüffen, Die aktuelle Ausgabe wartet mit einer Titelgeschichte zu Uli Hoeneß auf. In der Vorankündigung erklärt der stellvertretende Chefredakteur, dass Hoeneß den Autoren nicht zur Verfügung stand. Die ermittelnden Behörden dürften wegen Wahrung des Steuergeheimnisses ebenfalls keine Informationen gegeben haben. Fast hätte die Neugier über meinen Widerwillen, die aktuellen Heißluft-Preise zu zahlen, gesiegt. Fast.

Nur noch wenige tausend Treffer bei einer Google-Suche: Müssen wir das Wort „Pennälerhumor“ auf die Liste der bedrohten Arten setzen?

 

 

Splitterbrötchen (CCCVII)

Was nicht jeder weiß: Ärgerliche Rotweinflecken können durch Biertrinken vermieden werden.

Mein Highlight der Woche fand an der Käsetheke im Supermarkt statt. Auf meine Frage nach einer m. E. doch eher bekannten italienischen Käsesorte berlinerte mir die Käsefachverkäuferin donnernd „Fontina-Käse? Was soll’n dat sein? Det hab ick ja noch nie jehört!“ zurück.
Und, ja, es war Reichelt-Edeka. „Wir lieben Lebensmittel.“

Allerdings hätte besagte Käsefachverkäuferin mich mit  „Wejen dem Käse von Tina müssense morjen nochma nachfraren,  Tina is heute in der Berufsschule.“ sehr erfreuen können.

An alle, die glauben, der Rückwärtsgang führe ins Glück: Früher war nichts besser. Nichts, nichts, nichts.

Was auch nicht jeder weiß: Nüchternes Denken lässt sich wirksam mit Alkohol bekämpfen.

 

 

Man ist so alt, wie das ZDF sich fühlt

Oliver Welke, Oliver Kahn und Jochen Breyer sind die Protagonisten  der Champions-League-Übertragungen im ZDF. Ein Trio, „das sowohl für Kompetenz und Seriosität als auch für Leichtigkeit und jugendliche Frische steht“, wie ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz betont.

(hier gelesen)

Oliver Welke ist Jahrgang 1966, Oliver Kahn Jahrgang 1969, immerhin haut der der jahrgangsjüngste (1982) Jungspund Breyer es etwas raus und senkt den Altersdurchschnitt auf knapp über 40. Gut zu wissen, wie Gruschwitz (Jahrgang 54) „jugendliche Frische“ definiert.

 

 

Splitterbrötchen (CCCVI)

Was nicht jeder weiß: In Streitgesprächen behält man öfter das letzte Wort, wenn man es mit einer Drohung untermauert.

Als junger Mann war ich meistens zu aufgeregt, um irgendwie cool zu wirken. Mittlerweile fühle ich mich zu alt und zu müde, um mich über jeden Scheiß aufzuregen. Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand das mit Coolness verwechseln sollte.

Das scharfe Anbraten von Kalbs-, Rinds- und Geflügelleber ist kontraproduktiver Quatsch.

1970 habe ich mir meine Meinung über den italienischen Fußball gebildet. Und sie seitdem nicht revidieren müssen.

Dass u.a. dem SpOn-Chefredakteur gekündigt wurde, überrascht nicht. Wer eine dermaßen offensichtlich von Dr. House inspirierte Serie wie „Ein rätselhafter Patient“ NACH der letzten von 8 Staffeln lanciert, hat unzweifelhaft ein gewisses Aktualitätsproblem.

Die mediale Aufregung um Klopps Haare verstehe ich nicht. Soll er doch, wenn er keine Geheimratsecken mag. Die entsprechende Kalauerei (L’Oreal Madrid) ist albern und niveaulos und wird sich hoffentlich legen, wenn er von Dortmund zum HaarSV wechselt.

Enttäuschung der Woche: Ausgerechnet Sybille Berg, die in ihrer SpOn-Kolumne ins modische Peter-Stein-Bashing einfällt. Wer Stein als „Schreier“ bezeichnet, der f“fest daran glaubte, Kunst ließe sich erzwingen“ hat wohl nie eine Stein-Inszenierung gesehen.

Und, Frau Berg: Natürlich lässt sich Kunst erzwingen. Was machen Sie denn als Künstlerin, wenn Sie mal ’n schlechten Tag haben? Sie nehmen sich frei? Schön für Sie. Das können sich die meisten Künstler nicht leisten.

 

Splitterbrötchen (CCCV)

Immer wieder erstaunlich, dass so wenige Menschen den Unterschied zwischen „Wissen wie’s geht“ und „Können“ kennen.

Ein Laden, bei dem ich vor drei Jahren einmalig was bestellt hab, bedankt sich per E-Mail für meine Treue. Entweder die halten mich für doof, oder der Marketingberater ist extrem beziehungsunerfahren.

Freundlichkeit ist ein Gut, von dem viele Menschen sich nur in kleinsten Mengen trennen. Vermutlich aus Angst, es könnte knapp werden.

Ein gegenteiliges Erlebnis hatte ich in dieser Woche am Bahnhof Wuppertal, wo ich vom vermutlich freundlichsten Döner-Verkäufer der Welt einen Döner erwarb. Nach Hineinbiss war klar, dass es sich bei dieser Freundlichkeit um präventive Notwehr gehandelt hatte. Einem dermaßen zuvorkommenden Menschen wirft man den Döner nicht ins Gesicht, auch wenn er noch so hundsmiserabel schmeckt.

In letzter Zeit zeigen mir die Firmen Amazon und Google beinahe ausschließlich Werbung für Produkte, die ich gerade eben gekauft habe. Will man mir einreden, soeben einen Fehlkauf getätigt zu haben, oder welche Gründe gibt es für dieses bizarre Vorgehen?

Was nicht jeder weiß: Hartnäckige Rotweinflecken lassen sich vermeiden, in dem man den Wein trinkt anstatt ihn zu verschütten.