Zu hohe Ziele

ProSieben plant Filmklassiker-Parodien: SPIEGEL ONLINE:
Das kann heiter werden: Pro Sieben plant, Blockbuster der Filmgeschichte im Fernsehen zu parodieren. Auf dem Zettel stehen unter anderem „Dirty Dancing“ oder „Die Hard“.

Oh je, ob sich da unser sympathischer Kommerz-Sender nicht etwas verhoben hat? Gerade als Autor, der weiß, dass man letztlich nur das parodieren kann, was man liebt, frage ich mich, wie ProSieben ein solches Vorhaben stemmen will. Ich glaube nicht, dass in einem Sender, der Formate wie „Die Burg“ ausstrahlt und – von Talent und Persönlichkeit her stark herausgeforderte – Menschen wie Elton vor eine Kamera lässt, überhaupt jemand arbeitet, der fähig ist, so etwas wie Liebe zu empfinden.

Santa ohne Credibility?

Presseportal: Hochschule startet Studie zur Werbefigur „Weihnachtsmann“:
„Die Mediadesign Hochschule stellt die Werbefigur des Weihnachtsmannes jetzt auf den Prüfstand: Wie Erfolg versprechend ist die Nutzung des Weihnachtsmannes als Werbeträger heute noch? Die Vermutung der Wissenschaftler: Da zahlreiche Produkte und Unternehmen mit dem Weihnachtsmann werben, hat er seine Glaubwürdigkeit als Werbe-Botschafter stark eingebüßt … ‚Der Weihnachtsmann hat aber ein ähnliches Problem wie Franz Beckenbauer: Wenn eine Person nacheinander für konkurrierende Marken wirbt, verliert er seine Glaubwürdigkeit‘, so Professor Dreiskämper. Seine Empfehlung: ‚Der Weihnachtsmann sollte als Werbefigur mit seinen 75 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand entlassen werden.‘

Äh… Herr Professor… auch wenn das jetzt wie ein Schock für sie kommt: Ein vierjähriges Kind, das seine Eltern auf einen ca. zweistündigen vorweihnachtlichen Shoppingbummel durch die Innenstadt einer deutschen Großstadt begleitet, wird in diesem Zeitraum ca. 50 Weihnachtsmännern begegnen, deren Bärte erkennbar falsch sind, deren zum Teil stark zerschlissene Kostüme stark nach Mottenkugeln und deren Atem gelegentlich deutlich nach Glühwein duften. Wollen Sie wirklich, ganz wirklich in diesem Zusammenhang „Glaubwürdigkeit“ zum Thema einer Studie machen?

(Bei Medienrauschen entdeckt)

Der nächste Suchbegriff…

Sie! Ja, genau Sie meine ich! Sie wurden doch von Fa. Google hierher geschickt, ja? Weil Sie bei Firma Google in das kleine Feld die Frage „Wie sehen Kartoffeln aus?“ getippt haben, ja? Hören Sie, das war ein Irrtum von Fa. Google. Ja doch, Sie sind hier irrtümlich hingeschickt worden, hier sagt Ihnen niemand, wie Kartoffeln aussehen. Vielleicht schauen Sie mal in den Spiegel?

Die Chemie stimmt

Kurzpässe – Sport – SPIEGEL ONLINE:
Auf eine Finanzspritze bis zu 50 Millionen Euro in zehn Jahren kann Viertligist Sachsen Leipzig hoffen. Der Energiedrink-Hersteller Red Bull erwägt, die Kontrolle über den Verein zu übernehmen und das Team bis 2011 in die Bundesliga führen.

Bin ich so leicht zu amüsieren, oder ist es wirklich saukomisch, dass die Plörrenfabrikanten ausgerechnet einen Club übernehmen wollen, der an die 40 Jahre unter „BSG Chemie Leipzig“ firmiert hat? Ich schmeiß mich weg…

Der Pirat

Neulich haben wir uns mal wieder über Arnold Marquis unterhalten. Arnold ist jetzt leider schon seit 16 Jahren tot, aber immer noch fast jeden Tag zu hören, wenn im Fernsehen ein Film mit John Wayne läuft. Oder Robert Mitchum. Oder Lino Ventura… Ja, dieses Donnergrollen auf Sparflamme, das ist Arnolds Stimme. Er ist – soweit ich weiß – nach wie vor „Rekordhalter“ im deutschen Synchron. Über 800 Stimmen soll Arnold im Lauf seiner Karriere synchronisiert haben, und da sind die Gefälligkeits-Takes („Arnold, kannst du nicht mal schnell…“) sicherlich nicht mit eingerechnet.
Ich hatte das große Glück, beinahe 200mal mit ihm an der Tribüne in Berlin auf der Bühne stehen zu dürfen, unter anderem in der Berliner Posse „Die Ehrenbürger“. Der 2. Akt dieses Schwanks spielte vor Gericht, und Arnold gab einen prachtvollen Sonderling von Richter, während ich mit der elenden Wurzen eines Verteidigers namens „Dr. Heimchen“ geschlagen war. Dr. Heimchen saß die ganze Zeit in der Ecke, ließ sich ständig von seinem Mandanten über den Mund fahren und durfte – immerhin – am Schluß ein kurzes Plädoyer halten, das gelegentlich mit einem Szenenapplaus aus der Mitleidsabteilung belohnt wurde.
Nach ca. 20 Vorstellungen begann Arnold, sich zu langweilen und nach Ablenkung zu suchen. Und wenn Arnold nach Abwechslung suchte, blieb kein Auge trocken. Dann veränderte er kreativ seinen Text (in Kleists „Die Familie Schroffenstein“ hatte er hartnäckig aus einem Beinhaus ein Reihenhaus gemacht), grimassierte, trieb Unfug mit dem Requisiten, alles mit nur einem Ziel: Einen Kollegen aus der Rolle zu schmeißen. Auf kleingeistige Abmahnungen einer künstlerisch hasenfüßigen Intendanz reagierte er mit der Gelassenheit des unabhängigen Profis („Wollen die mich ernsthaft rausschmeißen?“) Natürlich tat Arnold das nicht in jeder Vorstellung, in 90 Prozent aller Fälle war er ein Muster an Präzision und Professionalität. Aber gelegentlich…
Die Vorstellung, als ein Kleiderbügel auf dem Richtertisch liegen geblieben war, verfolgt mich heute noch in meinen Alpträumen. Als Arnold den Kleiderbügel sah, blitzten seine Augen auf. Sofort ließ er den Kleiderbügel unter dem Richtertisch verschwinden, und begann, mir verheißungsvolle Blicke zuzuwerfen. Mir schwante Übles. Als ich mich schließlich erhob, um zu plädieren, schwappte mir der Angstschweiß in den Schuhen.
Vollkommen zurecht. Arnold hatte sich entschlossen, mein Plädoyer diesmal als Pirat entgegenzunehmen. Er hatte sich aus diversen Akten einen schicken Dreizack gebastelt, ein Taschentuch als Augenklappe umgebunden und aus dem rechten Ärmel seiner Gerichtsratsrobe steckte der Haken des Kleiderbügels.
Ich versuchte, möglichst schnell durch mein Plädoyer zu kommen und Arnold dabei nicht anzusehen, aber dieser Versuch war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Arnold zog die ganze Palette durch, benutzte seinen Richter-Hammer als Fernrohr, um nach Beute Ausschau zu halten, sah mich durch das Fernrohr, erschrak, drohte mir mit dem Haken, verstand nicht, was ich sagte, machte sich mit dem Haken die Ohren sauber, kletterte auf seinen Stuhl, um der Justitia-Statue ein unzüchtiges Angebot ins Ohr zu flüstern… Wer Johnny Depp für einen exaltierten Piraten hält, war nicht in dieser Vorstellung.
Ein Kollege sagte mir nach der Vorstellung, ich hätte bei meinem Plädoyer etwas undeutlich gesprochen. Ja. So kann man das wohl auch nennen.

kicker-Überschriften

Warum ich seit an die 40 Jahren den kicker lese? Naja, sicherlich wegen Sätzen wie „Steil stieg das Leder in den Nachthimmel von Glasgow.“ Wegen „Karl-Heinz Heimann dreht den Scheinwerfer“, dem Non-Plus-Ultra der Tutigkeit im Sportjournalismus. Und wegen dem bizarren Namenszwang in den Artikelüberschriften. Zur Kostprobe mal nur die Überschriften der Artikel über die Spiele der 1. Bundesliga der heutigen Ausgabe:
Bordon gesperrt – und dennoch im Glück
Ernst: Bewerbung für Dortmund
Beauchamp hat noch Schwächen
Bader: „Wir geben keinen ab“
Schlaudraff: Auch Bayern mischt nun mit
Takahara läßt Bruchhagen staunen
Stroh-Engel erhält die Freigabe
Hoeneß vermisst ein Ungeheuer
Deisler: Keine Wunder – aber eine gute Entwicklung
Delura: Tor ohne schmutzige Tricks
Jupp Heynckes im Aufwind, aber der Druck bleibt hoch.
Van Marwijk: Darum muss er 2007 gehen
Sahin wie einst in Wolfsburg?
Van der Heyden hat die Nase vorn
Augenthalers Nacht-Ansprache: „Bitter für die Moral“
Klose krönt seine Glanzleistung mit einem Jubiläum
Torschütze Simunic der Pechvogel
Rückkehrer Pantelic und Bastürk als Hoffnungsträger
Heldt: Attacke gegen Rafati
Osorio zwischen Schwäche- und Kälteeinbruch
Wach(e)-Ablösung: Wetklo nutzt seine Chance im Tor
Otto Addo sucht nach neuem Verein
Riesengeschenk zu da Silvas Rückkehr
Doll wirkt ratlos: Suche nach dem Retter
Bechmann: „Minimum 18 Punkte“
Marcel Maltritz: „Misimovic macht den Unterschied“
Dabrowskis passende Antwort auf die Kritik
McKenna: „So geht es nicht weiter“
Trotz Platzverweis Lob für 18jährigen Feick: Mit Arne ist zu rechnen“
„Verkehrte Welt“ für Cherundolo
Hecking rückt von Notkäufen ab: „Kein zwingender Handlungsbedarf“
Von Heesen: Das Dementi bleibt aus
Bollmann und die Chance zur Serie
Keine Einsatzgarantie für Kießling
Die Artikel selbst lese ich übrigens in den seltesten Fällen. Sie fallen gegenüber den Überschriften stark ab.

Welt-Tournee

Unfall bei Renz-Reptilienshow: Krokodil schnappt zu, Zirkusdirektor verliert Daumen – SPIEGEL ONLINE:
„Der Zirkus, der im hessischen Friedberg beheimatet ist, ist zur Zeit auf einer Tournee durch Frankfurt.“

Auch wenn das mit hundertzehnprozentiger Wahrscheinlichkeit ein Druckfehler (Heißt das im Internet eigentlich auch so?) ist, ist die Tournee durch Frankfurt zu schön, um sie nicht zu bloggen.

Die Cottbuser Oma

Soeben in der Dezember-Ausgabe der 11 Freunde ein Interview mit Energie-Cottbus-Übungsleiter Petrik Sander gelesen, in dem es heißt:
11 Freunde: Sie sind ein Kontrollfreak.
Sander: Meine Oma hat immer gesagt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
Wladimir Iljitsch Lenin war also Petrik Sanders Oma. Zugegeben, das kommt zunächst überraschend, erscheint aber bei weiterem Nachdenken eher logisch zwingend: Vermutlich kann man nur mit einem derartigen verwandschaftlichen Background in Cottbus bestehen.

Blunzengeröstel

Das Rezept fürs Blunzenparfait war blogtechnisch ein ziemlicher Erfolg, weil es zu nächtlicher Stunde gesprächsstiftend gewirkt und mich mit einigen sehr netten Menschen zusammengebracht hat. Da dies nur an der segenspendenden Wirkung der Blutwurst liegen kann, schiebe ich heute ein weiteres Blutwurstgericht nach, das Blunzengeröstel. Für 4 Personen benötigt man 2 bis 3 Pfund Kartoffeln, zwei bis drei Zwiebeln, ein Stück durchwachsenen Speck, Schweineschmalz, frisch geriebenen Meerrettich und – natürlich – nicht zu knapp Blutwurst. In Berlin kann es durchaus ein Problem sein, Blutwurst zu bekommen, die geschmacklich akzeptabel ist und sich braten lässt. Die meisten Berliner Fleischer bieten ausschließlich die kleinen Blutwürstchen für das Traditionsgericht „Blut- und Leberwurst auf Sauerkohl mit Pürree“ an, und diese kleinen Blutwürste laufen, von der Pelle befreit, in der Pfanne schneller auseinander als am 1. Mai die schwäbischen Krawalltouristen, wenn sie einen Wasserwerfer sehen.
Da hat’s überraschenderweise derjenige gut, der nicht all zu weit von Neukölln wohnt, denn hier, beim Fleischermeister Marcus Benser gibt es die beste Blutwurst Berlins, Deutschlands, Europas, evendöll der Welt. Blutrote Poesie in der Pelle! Nein, ich übertreibe nicht.
In der heimischen Küche werden erstmal die Kartoffeln in der Schale gekocht, die Zwiebeln und der Speck gewürfelt. Eine Pfanne – vorzugsweise aus Eisen – wird auf mittlere Betriebstemperatur gebracht – Schweineschmalz wird erhitzt und die mittlerweile geschälten und in Scheiben geschnitten Kartoffeln werden hineingeworfen und gemeinsam mit dem Speck und den Zwiebeln zu Bratkartoffeln verarbeitet. Die Kartoffeln sollten möglichst alle nebeneinander in der Pfanne Platz haben, damit sie braten und nicht dünsten, und die Hitze sollte nicht zu groß sein. Nach 15 bis 20 Minuten sollten die Kartoffeln außen kross und innen cremig sein, selbstverständlich hat man gesalzen und gepfeffert. Kurz vor der Vollendung der Bratkartoffeln hat man eine zweite Pfanne auf den Herd gesetzt und die Blutwürste gepellt und in dicke Scheiben geschnitten. Die werden jetzt in der Pfanne ratzfatz von beiden Seiten kross gebraten. Da die meisten Blutwürste von sich aus schon recht fettig sind (Fett ist unser Geschmacksträger Nummer 1! Wir sagen ja zu deutschem Fett!), sollte das ohne weitere Fettzugabe funktionieren. Ängstliche Naturen lassen die Blutwurststücke kurz auf Küchenkrepp abtropfen, bevor sie mit den Bratkartoffeln vermischt werden, unerschrockene Lebenskünstler, die wissen, was gut schmeckt, kippen ohne mit der Wimper zu zucken auch noch das aus den Blutwürsten ausgetretene leckere Bratfett zu den Kartoffeln. Über das fertige Blunzengeröstel wird jetzt noch nach Geschmack frisch geriebener Meerrettich gestreut. Wohl dem, der einen richtig scharfen Meerrettich erbeuten konnte (wird immer schwieriger), denn die Schärfe setzt den nötigen Kontrapunkt zu den sanften Bratkartoffeln und der deftigen Gemütlichkeit der gebratenen Blunze. Jetzt kann serviert und die Getränkefrage geklärt werden. Bier ist bei diesem Gericht natürlich immer eine Option. Auch ein Rotwein könnte passen, ein Zweigelt vielleicht… Vielleicht wäre ein Weißwein die beste Option. Ich trink am liebsten einen Welschriesling aus dem Burgenland dazu. Dessen frische Säure, die Schärfe des Meerettichs, das sanfte Blutwurstkartoffelgemisch… Hach.

Neuer „Dirty Tennis-Trick“

Kleine Ergänzung zu meinen schmutzigen Tennis-Tricks. Folgender funktioniert bei Gegnern, die vor dem Aufschlag den Ball mit gesenktem Kopf ein paar mal auftippen lassen, und dann- kurz vor dem Ballwurf – nochmal zum Gegner hinübergucken. Wenn man als Returnspieler in haargenau diesem Moment ungeduldig auf die Uhr guckt… Nun ja, das sollte mich doch sehr wundern, wenn der nächste Aufschlag nicht im Netz oder im Aus landet…