Splitterbrötchen (CLXXVI)

Eine der größten schauspielerischen Leistungen des Weltfilms liefert Alec Guinness in “Der kleine Lord“ ab. Wie er es schafft, unzählige Szenen mit dieser unerträglich auf niedlich getrimmten blondierten Kackbratze zu spielen, ohne ein einziges Mal in seinen Zylinder zu reihern, ist bewunderungswürdig.

Auf den eingeschneiten Flughäfen sollen Clowns eingesetzt werden, um die seit mehreren Tagen dort gestrandeten Fluggäste zu beruhigen und zu erheitern. Sollte ich in eine derartige Lage geraten und mit einem Clown konfrontiert werden, der z B. versucht, mir einen Pingpong-Ball aus dem Ohr zu zaubern, würde ich dem Kerl ansatzlos auf die Zwölf geben. Immerhin, möglicherweise wäre ich hinterher tatsächlich etwas ruhiger.

Man merkt, dass man alt wird, wenn einen die Friseurin nicht mehr fragt, ob sie Gel in die Haare schmieren soll.

Helma Fehrmann

Vor ein paar Tagen habe ich mich in einem Splitterbrötchen darüber aufgeregt, wie das deutschsprachige Feuilleton mit dem Tod der Theatermacherin Helma Fehrmann umgegangen ist, nämlich gar nicht. Nun hat sich ihre Tochter mit mir in Verbindung gesetzt und mir mitgeteilt, dass sie dabei ist, eine Website für ihre verstorbene Mutter aufzubauen: http://www.helma-fehrmann.de/
Was ich gern weitergebe.

Splitterbrötchen (CLXXV)

Neulich sah ich auf der Theaterbühne einen Herrn, der dauernd aus einer Rolle fiel, die er gar nicht spielte.

Schon bei „Männer unter sich“ angemerkt: Männer, die ihre Frauen mit in sehr gefährliche Gegenden nehmen, ohne dazu gezwungen zu sein, sind mir höchst unsympathisch.

Seit Helmut Schmidts Auftritt bei Sandra Maischberger muss der Duden das Wort „abmeiern“ durch „abschmidten“ ersetzen.

Immer wieder schön: Italienische Wirte, die dieses possierlich dahergeradebrechte Italo-Gastro-Kauderwelsch kultivieren, obwohl sie seit dreißig Jahren hier leben und vermutlich besser deutsch können als ich.

Splitterbrötchen (CLXXIV)

Ein älterer Spruch, ich hörte ihn aber diese Woche zum ersten Mal: „Ich koche immer mit Wein. Manchmal tu ich ihn sogar ans Essen.“

Zwei kulinarische Sensationen:   Grünkohl mit Chorizo und scharfem Paprikapulver zubereitet ist der Hammer überhaupt, und die Tante-Manni-Gans nach Stevan Paul wird meine neue Standard-Zubereitung. Wenn ich die geduldigste Gemahlin von allen und die jährlichen Gänse-Gäste davon überzeugen kann, dass es zum Gänseglück keine Füllung braucht.

Erschrocken habe ich mich, als ich auf der freitäglichen Nachruf-Seite im Tagesspiegel lesen musste, dass Helma Fehrmann vom Theater Rote Grütze gestorben ist. Als ich dann ein wenig googelte, wurde ich richtig sauer: sie   ist schon vor fast einem halben Jahr gestorben, den einzigen weiteren Nachruf entdeckte ich beim Theaterhaus Stuttgart. Dass der Tod einer Frau, die mit ihrem Werk vermutlich mehr Menschen für das Theater begeistert hat als die derzeit gefeierte Regie-Heroen-Riege zusammen, dem deutschen Feuilleton keine Zeile wert war, ist schlichtweg zum Kotzen.

Splitterbrötchen (CLXXIII)

Mit der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft nach Katar ist das Ende der Satire als Kunstform erreicht. Die bizarre Realität der FIFA ist ihre eigene Parodie geworden, die Wirklichkeit schlägt die Kunst mit souveräner Mühelosigkeit.

Erstaunlich, wie gut Grünkohl mit Paprika harmoniert.

Der eigentliche Wikileaks-Skandal besteht darin, dass der Dilettant Assange nicht in der Lage ist, vorzulegen, was uns wirklich interessiert: FIFA-Interna.

Ich bin auf dem Weg zum dirty old man. Jedesmal, wenn bei Geißlers Schlichterei ein Satz wie „Beide Seiten müssen sich bewegen.“ fiel, assoziierte ich ausschließlich Zweideutiges.

Als ARD-Mann Dexne eine deutsche Biathletin mit „Ich fühle mich sicher am Schießstand, ich brauche mein Gewehr nicht.“ zitierte, wurde mir schlagartig klar, dass unsere durchwachsenen Ergebnisse in dieser Sportart vermutlich auf eine grundlegende Fehleinschätzung zurückzuführen sind.