Splitterbrötchen (CCLXXII)

In der Rankestr. machte mich ein Schild auf eine „Niemeier-Mietstation“ aufmerksam. Ich bin bis jetzt nicht auf den Gedanken gekommen, mir einen Niemeier zu mieten, aber offenbar scheint ja ein entsprechender Markt vorhanden zu sein. Wofür zum Henker braucht man eigentlich einen Niemeier?

Würde Altmeister FJS noch leben und wirken, hätte er CSU-Sprecher Michael Strepp gezeigt, wie man Journalisten so effektiv bedroht, dass sie Wirkung zeigen. Anschließend hätte er den Jungspund wegen Talentlosigkeit gefeuert. Die heutige CSU ist zu einer Partei unfassbarer Weicheier verkommen.

Staunen angesichts der U-Bahn-Werbung eines Hotelrestaurants in der Friedrichstraße, man möge doch kommen und ihr „Gourment-Menü“ verzehren. Erst wollte ich schlau fragen, ob hier jemand verzweifelt kreativ sein oder seine totale gastronomische Inkompetenz demonstrieren will, dann hab ich aber noch zur Sicherheit gegooglet, ob es „Gourment“ nicht doch gibt. In der Tat, das Urban Dicitionary liefert eine Definition. Bin mir allerdings nicht sicher, ob die für Freude in der Friedrichstraße sorgen wird.

Schließlich schickte Fa. Groupon eine Mail mit dem Betreff „Deine Xmas-Geschenke“, verlangte aber in der gleichen Mail verwirrenderweise, dass ich für meine Geschenke bezahle. Man assoziiert bei Groupon offensichtlich „Geschenke“ mit „großen, hölzernen Pferden“.

Splitterbrötchen (CCLXXI)

Die schlechte Nachricht: Ich bin genau der Gewohnheitsmensch geworden, der ich niemals werden wollte. Die gute: Das schlechte Gewissen deswegen schwindet rapide.

In einem SPOn-Artikel über Hygienemängel in einer Großmetzgerei entdeckte ich den Satz: „Außerdem entdeckten die Kontrolleure Leber, ‚die stellenweise deutlich grünlich verfärbt war, alt, faulig und deutlich ranzig roch sowie faulig schmeckte‘.“
Sind Kontrolleure irgendwie gesetzlich verpflichtet, wirklich alles in den Mund zu schieben, was ihnen unterkommt, oder warum wollten die noch ganz genau wissen, ob eine alt, faulig und deutlich ranzige riechende Leber auch noch faulig schmeckt?

Fa. Facebook danke ich für folgende wertvolle Information:  „XYZ hat an deine posted on your timeline gepostet.“ Gut zu wissen!

Grandiose Fehlleistung von Spammer Ugg Sale:  statt unverlangter Werbung schickte er (sie?) mir versehentlich die  Outline zu einem großen amerikanischen Gegenwartsroman. „Is that why you don’t want to go home? She is a composer for the harp. What’s your trouble? Why don’t I pick you up at your house? Did you enter the contest? Where is your office? Where is your office? Your life is your own affair. This way we are all in favor of this plan.“

Immer wieder gut: diese langen, schmalen, dunkelgrünen Peperoni, die’s frisch beim Türken gib. Ob roh, gegrillt oder in der Pfanne gebraten – tolles Zeugs.

Beste Grabsteininschrift aller Zeiten: „He died reloading.“

 

Splitterbrötchen (CCLXX)

Wie kommt man nur auf Zeilen wie „Es war die Nachtigall und nicht der Kärcher!“? Genie Shakespeare!

Für anhaltende Irritation sorgte Fa. Ergo mit dem Satz „Fehlende Zähne sind mitversichert.“ Gelegentlich versteh ich die Zeit nicht mehr, in der ich lebe.

Diese Woche zum erstenmal Attenboroughs „Chaplin“ gesehen und Downey jr. bewundert. Der Mann ist ein schauspielerisches Schwergewicht der de-Niro-Klasse. Entdeckt, dass er 2006 in einer anscheinend höchst gelungenen Philip-K.-Dick(!)-Verfilmung (A Scanner Darkly!) mitgewirkt hat, die schockierenderweise nicht in die deutschen Kinos kam. Unfassbar.

 

 

 

Drängende Fragen an Effjott

Effjott, mon cher,

eigentlicht hab ich die Rubrik „Effjotts Welt“ hier vor Jahren dicht gemacht, weil es ja doch keinen Sinn macht, an sie ranzuschwallen oder sie auf die Granatenklöpse, die Sie täglich produzieren paar klitzekleinen Fehler, die ihnen hin und wieder unterlaufen  hinzuweisen. Genausogut könnte man versuchen, einem Granitblock gut zuzureden, der Effekt wäre der gleiche, wobei ich die geistige Flexibilität eines Granitblocks einen Tick höher als die Ihre einordnen würde, aber da geht es wirklich um Nuancen…

Warum ich mich wieder an Sie wende? Nun, heute früh hab ich Ihre Kolumne zum Thema dieser neumodischen Elektro-Dingelchen, dieser e-books gelesen (Als hätte ich’s nicht geahnt – Sie sind dagegen!), und da drängten sich mir spontan ein paar Fragen auf, die mich zurück in Ihre Welt katapultierten.

Sie schreiben:

„Ich hasse Bücher auf dem Display.  Ich liebe Bücher, wo ich Hemingway auf seiner Schreibmaschine hacken höre. Das reale Geräusch der Buchstaben, sein papierenes Leben.“

Effjott, seit wann hören Sie Hemingway tippen, wenn Sie ein Buch lesen?
Weiß Ihr Therapeut davon?
Ist es immer Hemingway, der tippt, wenn Sie lesen, oder setzen sich gelegentlich auch andere Autoren an die Maschine?
Was ist, wenn Sie Thomas Mann lesen, der ja bekanntlich mit einem Füllhalter schrieb? Kommen dann die vertrauten Tippgeräusche, oder hören Sie nerviges Federkratzen?
Sind Sie sicher, dass jemand tippt?
Haben Sie überprüft, ob alle Wasserhähne in Ihrer Wohnung zu sind?

Wäre in Ihrem eigenen Interesse, wenn Sie bei Gelegenheit diese Checkliste abarbeiten könnten, old chum. Antworten brauchen Sie wie immer nicht. Granitblock, Sie erinnern sich.

Holdrio.

 

Splitterbrötchen (CCLXIX)

Die einen fahren ganz langsam an Unfall-Schauplätzen vorbei, die anderen lesen Kommentare auf Nachrichtenportalen.

Ewig nicht mehr den Titel „Spammer der Woche“ verliehen. Es fanden sich ja auch keine inspirierenden Namen mehr im Filter. Bis diese Woche Lavada Guadelupe auftauchte.

Produktnamen wie „Schnupfnasentee Bio-Bengelchen“ richten verheerenden wirtschaftlichen Schaden an.

Auch SPIEGELOnline gelang es diese Woche wieder mühelos, sich unmöglich zu machen: Eine en detail nacherzählte Switch-Reloaded-Folge soll Journalismus sein? Wirklich?

Warum Steakhaus Maredo seine Gäste mit etwas wie „Sauce nach Art Béarnaise“ bedroht, ist mit ein Rätsel.

Der Tweet der Woche kam von Ahoi Polloi: „Deutschland ist, wenn alle krampfhaft versuchen, einen relativ unverdächtigen Feiertag lauthals als verdächtig zu verurteilen.“

Stephen Fry twitterte diese Woche seinen Ärger über unvermeidliche Ablagerungen an der Ladestation von elektrischen Zahnbürsten. Bestätigung von allerhöchster Stelle.

Mit Beunruhigung festgestellt, dass mein Magen begonnen hat, sich nach der Uhrzeit zu richten. Um 12 Uhr mittags krieg ich Hunger, egal, wann ich gefrühstückt habe.

Und abschließend noch eine persönliche Nachricht an all diejenigen, die sich in den Kommentaren zu den Nachrufen auf Dirk Bach abschätzig über ihn und/oder seine Lebensleistung geäußert haben: Ich wünsche euch die Pest an den Hals. Ganz unironisch. Mehr so wörtlich. Danke für die Aufmerksamkeit.