Splitterbrötchen (CCXCIV)

Traut ihr euren Kindern wirklich so wenig zu, dass ihr fürchtet, sie würden zu Rassisten, wenn Sie das Wort „Neger“ lesen? Ist es euch wirklich peinlich, dem Kind erklären zu müssen, dass mit „Wichsen“ auch mal Schuheputzen gemeint war? Ist es euch anderen wiederum nicht peinlich, euch  über derartige Nichtigkeiten aufzuregen?

In diesem Zusammenhang reden jetzt alle von Astrid Lindgren und Otfried Preußler. Niemand redet von Immanuel Kant. Und der hat- unter anderem – geschrieben: „Einige Merkwürdigkeiten von der schwarzen Farbe der Menschen. 1. Die Neger werden weiß gebohren, außer ihren  Zeugungsgliedern und einem Ringe um den  Nabel, die schwarz sind. Von diesen Theilen aus ziehet sich die Schwärze im ersten Monate über den ganzen Körper. – 2. Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiß. Auch lange anhaltende Krankheiten machen die Neger ziemlich weiß; aber ein solcher, durch Krankheit weißgewordener Körper, wird nach dem Tode noch viel schwärzer, als er es ehedeß war. – 3. Die Europäer, die in dem heißen Erdgürtel wohnen, werden nach vielen Generationen nicht Neger, sondern behalten ihre europäische Gestalt und Farbe. Die Portugiesen am Capo Verde, die in 200 Jahren in Neger verwandelt seyn sollen, sind Mulatten. – 4. Die Neger, wenn sie sich nur nicht mit weißfarbigen Menschen vermischen, bleiben selbst in Virginien durch viele Generationen Neger … – 8. Die Mohren, ingleichen alle Einwohner der heißen Zone, haben eine dicke Haut, wie man sie denn auch nicht mit Ruthen, sondern gespaltenen Rohren peitschet, wenn man sie züchtiget, damit das Blut einen Ausgang finde, und nicht unter der dicken Haut eitere.“
Wie man das jetzt nach PC übersetzen könnte, weiß ich nun wirklich nicht. Bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als Kant auf den Index zu setzen? Wäre doch schade, eigentlich.

Und wenn jetzt wieder jemand ankommt und meint, es dürfe nicht sein, dass Wörter oder Sätze in einem Buch andere Menschen beleidigen: Doch, das darf. Das muss manchmal sogar. Ich zitiere erneut Rowan Atkinson: “Das Recht, zu beleidigen, ist wesentlich wichtiger als jegliches Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Der Chuck der Woche: Chuck Norris hat die Flughafenleitung in Berlin-Schönefeld übernommen. #BER wird morgen früh, 6 Uhr 30, eröffnet.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCXCIII)

Immer, wenn man denkt, dass einen nichts mehr überraschen kann… Laut SpOn glaubt Ramsauer nicht mehr an eine Flughafeneröffnung vor 2015 und schlägt daher vor, das Projekt zu erweitern. Ja, Herrschaftszeiten, mit was für abgefahrenen Drogen experimentiert man denn im Verkehrsministerium?

Immer wieder gelesen, Wowereit könne gar nicht zurücktreten, da es in der Berliner SPD keine Alternative zu ihm gäbe. Mit der gleichen Begründung hat sich Ludwig XVI. im Amt zu halten versucht.

Das Event der Woche fand ich bei Xing, wo jemand ein Event namens „Am Fuße des Fernsehturms hier nun dieses herausragende Event“ veranstaltete. Eventiger geht wirklich nicht.

Den Tweet der Woche setzte FDP-Staatssekretär Otto ab:  „Tragisch: Die Vorgänge, die #Christian_Wulff sein Amt gekostet haben,hat er nur getan, um Bettina zu imponieren ! So sind (manche) Frauen…“ Wenn ein Kerl Scheiß baut, um einer Frau zu imponieren, ist die Frau schuld. Immer wieder schön, den Ansichten eines Liberalen zum Thema „Verantwortung“ zu lauschen.

Die erste Dschungelcamp-Folge der neuen Staffel war hochkomisch und furios, Sonja Zietlows Einleitung und die abschließende Hommage an Dirk Bach waren anrührend. Großes Unterhaltungs-Fernsehen.

 

 

Splitterbrötchen (CCXCII)

Kulinarische Leistung der Woche: das Aufbohren des ursprünglich als langweilige Beilage zu Königsberger Klopsen gedachten Rote-Bete-Salats mit gebratenen Speckwürfeln, rohen Champignonscheiben, Apfelwürfelchen. Kommt so ins Repertoire.

Zum ersten Mal Wedels „Gier“ gesehen. Schrecklich, aber exquisit. Ein Gruselkabinett auf luxuriösem Betriebsausflug.

Immer mehr Menschen verwechseln Rezession und Rezension. Bin ich elitär, wenn ich das zum Kotzen finde?

Ich muss mich doch sehr wundern, dass andere Menschen sich über Depardieus russische Eskapaden wundern. Herrschaften, der Mann ist Schauspieler. Der ist aufgeschmissen, wenn ihm niemand den Text schreibt.

Ein paar Berufsempörte haben sich erstaunlich zurückgehalten, deshalb gebührt wohl einem SpOn-Kommentator der Lorbeer, Wolfgang Thierse wegen seines lahmen Schwaben-Schrippen-Weckle-Bashings zuerst als Rassist bezeichnet zu haben.

Die unerträglichen Unregelmäßigkeiten, die seit Wochen bei der Zustellung der „EInkauf aktuell“ auftreten, tragen nun wahrlich nicht zur Stabilisierung meines Nervenkostüms bei. Geht doch nicht, das!

 

Splitterbrötchen (CCXCI)

Den weihnachtlichen Vogel (keine Gans!) schoss Fa. Sim-Buy ab, die mir am Heiligabend um 19 Uhr 44 via Mail preisreduzierte Lichterketten offerierte.

Zu geradezu sensationellen Erkenntnissen kamen Meike Laaf und Johannes Gernert von der taz, als sie superkritisch hinter Fa. amazon herrecherchierten: “  Amazon sammelt automatisch Daten von Wettbewerbern – Preise etwa – und  unterbietet sie.“ Unglaublicher Skandal!

Kulinarischer Höhepunkt der Weihnachtswoche war das elsässische Linsenragout nach Petra Hildebrandt. Das gabs an Heiligabend zu Mittag und hat uns so gut geschmeckt, dass wirs jetzt jedes Jahr an Heiligmittag essen wollen.

Und dabei fiel mir ein: viel zu selten elsässisch gekocht im letzten Jahr. Muss ich ändern. Könnte sehr zeitnah endlich mal wieder Coq au Riesling geben.

Die Entdeckung des Jahres kurz vor Jahresende: Trevanian. Keine Ahnung, wie ausgerechnet dieser Autor mir jahrzehntelang entgehen konnte. „Shibumi“ – ein ständig auf der Grenze zur Selbstparodie balancierender Thriller – ist ganz großes Tennis.

Und gleich eine Kostprobe der Trevanian-Weisheit: „Ratschläge nützen am meisten denen, die sie erteilen.“

 

Splitterbrötchen (CCXC)

Diese Woche ist’s passiert: eine CSU-Justizministerin lobte die „objektive“ Berichterstattung des SPIEGEL. Rudolf Augstein hätte daraufhin die halbe Redaktion gefeuert.

Allen Gesundheitsfanatikern ins Stammbuch, die angesichts von 30% Fett im Gänsefleisch cholesterinfreien Schaum vor dem Mund bekommen: schon mal die helle Flüssigkeit unten im Gänsebräter gesehen? Das ist das rausgebratene Fett. Das muss gar nicht auf dem Teller landen.

Zwei Super-Verleser an einem Tag: „Justizbeschädigte“ statt „Justizbeschäftigte“ und „Kulturwürste“ statt „Kulturwüste“. Facebook-Freundin Christina Striewski mutmaßte, ich hätte mich gar nicht verlesen sondern hätte etwas über den Streit um Suhrkamp gelesen.

Apropos Suhrkamp: Eigentlich erstaunlich, wie ein Verlag mit einer derartig bestückten Backlist nicht profitabel arbeiten kann.

Die Anschaffung der Woche tätigte die geduldigste, beste Gemahlin von allen und brachte einen Wasserfilter in die Beckerstraße. Hätte nicht gedacht, dass so ein Ding einen dermaßenen geschmacklichen Unterschied ausmachen kann.

Splitterbrötchen (CCLXXXIX)

Die römischen Ziffern für „289“ sehen nur beknackt und fehlerhaft aus, sind aber korrekt.

Wochenhöhepunkt war der hochamüsante Jahresrückblick der 11Freunde-Redaktion im Babylon-Kino. Fußball scheint nach wie vor Männersache zu sein, wie die Schlange eindrucksvoll dokumentierte, die sich zur Pause vor dem Herrenklo bildete.

Highlight des Höhepunkts: Koestners Analyse zu Tom Bartels‘ Kommentar des Schwedenspiels. „Beim 4:4 machte man sich ernsthaft Sorgen, dass Bartels sich mit seiner alten Wehrmachtspistole selbst richtet.“

Beim Anblick der Werbung für „esauvermietung.de“ mannhaft der Versuchung widerstanden, dort anzurufen und nachzufragen, ob man denn ein Auto für ein Linsengericht haben könne.

Am Montag wurde die London Bridge geöffnet, um ein fünfzig Fuß großes Gummi-Entchen durchzulassen. Ich bedanke mich erneut für die Gnade, in Zeiten von solcher Größe leben zu dürfen.

Notgedrungen bei einem Touri-Italiener in Mitte eingekehrt. Das Essen war äußerst durchschnittlich, aber der Service war dermaßen herzlich und gutgelaunt, dass wir tatsächlich erwägen, gelegentlich wieder reinzuschauen. Trotz der Küche.

 

Splitterbrötchen (CCLXXVIII)

Letzte Folge House und ich habe sie – wie viele Folgen der letzten Staffeln – nicht geguckt. Ich wollte nicht sehen, wie Wilson stirbt. Ausgerechnet Wilson! Wie dem auch sei, spätestens seit der Dialogperle „Du bist geheilt. Steh auf und wandle.“ – „Sind Sie geisteskrank?“ – „In der Bibel sagen die Leute schlicht ‚Ja, Herr‘ und verfallen dann ins Lobpreisen.“ gehört House zu den Serien, die ich vermissen werde. Die einzige Arztserie in dieser Auswahl, übrigens.

Mal wieder total peinlich: Ich war mir hundertprozentig sicher, Dave Brubeck bereits betrauert zu haben. Um so unerwarteter traf mich sein Ableben.

Meine telekinetischen Fähigkeiten: Ich brauch eine Bruschetta-Scheiba nur anzugucken, schon fallen die Tomatenbröckchen runter (und mir auf die Hose).

Das Ärgernis der Woche (des Monats, des Jahres) ist natürlich die hemmungslose Lügerei & Stimmungsmache der deutschen Verleger zum Thema Leistungsschutzrecht. Ich habe vor ein paar Wochen aufgehört, Tageszeitungen zu kaufen, weil ich mich zu sehr ärgere, wenn ich den Quatsch lese. Vielleicht sollten die Herrschaften bei Springer mal nach „Schneiden eigenes Fleisch“ googlen.

Bedenkenswerter Kommentar zu Siebecks Weihnachtsmenü in ZEIT-Online:
„Ich habe im Bekanntenkreis mehrere Vegetarier. Die sind beleidigt, wenn sie bei zum Essen eingeladen sind, und sie bekommen kein vegetarisches Extragericht, für das ich zusätzliche Arbeit habe. Die würden aber nie auf die Idee kommen, mir bei einer Einladung Zum Essen ein Schnitzel zu braten.“

Splitterbrötchen (CCLXXVII)

Endlich einen Film via Online-Video angeschaut, den ich schon lange sehen wollte: „Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis“. Was für eine Riesenenttäuschung! Die  wunderbaren Genies des Algonquin Round Tables, denen wir Meisterwerke des Journalismus, der Literatur, des Films und des Theaters (und letztlich die moderne Komödie an sich) verdanken, sind zu einem Haufen alkoholisierter Knallchargen verkommen. Und Dorothy Parker wird deppenhaft auf ihren Alkoholismus und eine unerfüllte Liebe zu Robert Benchley reduziert. Wer Mrs. Parker über diesen Film kennenlernt, wird sich unwillkürlich fragen, wie einer Frau mit derart begrenztem Horizont diese ganzen tollen Geschichten und Gedichte eingefallen sind.
Vom handwerklichen Standpunkt war es jedenfalls interessant zu sehen, wie Jennifer Jason Leigh an der Titelrolle scheitert. Die Darstellung einer Intellektuellen ist mit den eher kruden Mitteln des Method Acting einfach nicht möglich. Wenn man mit Strassberg-Mitteln einen hochintelligenten Menschen darstellen will, muss man mindestens so intelligent sein wie der darzustellende Mensch. Was spätestens in der Parker-Klasse zum Problem wird. Außerdem: wenn ein Schauspieler über ein Mindestmaß an Intelligenz verfügt, erkennt er die Limitierung der Method-Mittel und bedient sich ihrer (wenigstens bei einer solchen Aufgabenstellung) nicht. Q. e. d.

Menschen, die durch mein vorstehendes Gefasel vielleicht neugierig auf den „wirklichen“ lasterhaften Kreis der Mrs. Parker (also den Algonquin Round Table) geworden sind und sich auf die Suche nach einer Einstiegsdroge begeben wollen, empfehle ich die wunderbare Autobiographie von Harpo Marx: „Harpo speaks“.  Am besten auf englisch, die deutsche Übersetzung ist nur mit sehr viel Glück im Antiquariat zu finden.

Die Demütigung der Woche verabreichte mir ein Nigeria-Spammer, der glaubte, mich zum Discount-Preis von 127.500 Euro ködern zu können. Und mit Sätzen wie  „Bitte, ich flehe dich an, um zu versuchen und halten alles über mich absondern wegen meiner Sicherheit!“

Um noch einmal zum misslungenen Dorothy-Parker-Film zurückzukommen: der dort als knalldeppischer Goldfisch-Imitator dargestellte Robert Benchley war ein komisches Genie von höchsten Graden. Kostprobe? Immer gern. Benchley kommentierte die Feststellung, dass Alkohol ein schleichendes Gift sei, mit den Worten „Wer hat’s denn eilig?“. Spiel, Satz und Sieg in vier Worten.

Fazit nach vier Wochen mit einem Tablet-Computer (Kindle Fire HD): Ein vollkommen überflüssiges Gerät, ich könnte jederzeit wieder ohne auskommen. Ich möchte es aber nicht.

 

Splitterbrötchen (CCLXXVI)

Sushi-Lieferant Fa. Sucheese konfrontierte mich mit dem verwirrenden Claim: „Würde unser Essen essen, würde es unser Essen essen.“ Das kann nur bedeuten, dass man bei Sucheese Fischfutter serviert.

Früher kaufte man sich eine schnöde Eintrittskarte, heute erwirbt man ein „Fan-Ticket im individuellen Tour-Design“. Sicherlich wird das Konzert dadurch viel besser.

Letzte Woche stand die erste, wohlgelungene Paulsen-Gans des Jahres und des neuen Backofens auf dem Tisch, ein voller Erfolg! Beim dazugehörigen Rotkohl hatte ich diesmal mit einer marinierten Variante experimentiert. Hätte ich mir schenken können: weil ich mit meiner üblichen – leicht geisteskranken – Menge Johannisbeergelee abgeschmeckt hatte, hat man den Unterschied zu meinem sonstigen Rotkohl nicht geschmeckt. Gottseidank auch nicht, dass mir das Koriander-Pulver ausgerutscht war.

Im Kielwasser dieses Gänsebratens tauchte dann diese Woche ein weiterer kulnarischer Höhepunkt zum ersten Mal in diesem Jahr auf: Schwarzbrot mit Gänseschmalz und Kochkäse.

Zur Unterhaltung der Splitterbrötchen-Leser habe ich dann noch einen kleinen wissenschaftlichen Test ausgearbeitet. Teilnahme und Auswertung nimmt weniger als 1 Minute Ihrer Zeit in Anspruch, los geht’s!
Beim Lesen der Worte „Volume Sensation“ denken Sie an
a) Ihre Haare
b) Verstärker
Auswertung:
Sie haben sich für a) entschieden: Sie sind eine Frau.
Sie haben sich für b) entschieden: Sie sind ein Mann.
Verblüffend, nicht wahr?

Nicht nur die sportlichen Leistungen von Mario Gomez sind phänomenal, ebenso einmalig ist die vollkommen idiotische Art und Weise, wie die Sportpresse auf diesem Mann herumhackt. Selbst an seinem sensationellen Comeback-Tor von gestern wird irgendwer von Reif bis BILD wieder was zu meckern finden. Dass er so andauernd ungerechtfertigt in der Kritik steht, hat er übrigens mit Gerd Müller gemeinsam. Dem hat die Journaille während seiner Karriere – man glaubt es heutzutage kaum – ebenfalls ständig mangelnde Laufbereitschaft („steht nur im Strafraum“) und eine fehlerhafte Technik („kann nicht richtig Schießen“) vorgeworfen.