Chris Kurbjuhn ist im März nach schwerer Krankheit verstorben. Dieses Blog wird nicht mehr weitergeführt, bleibt aber als Erinnerung an ihn und sein Schaffen bestehen.
Der betonflüsterer, ein langjähriger Weggefährte im Blog-Universum, hat Worte gefunden, die Chris wunderbar beschreiben. Auch Johanna Jackie Baier erinnert sich. Mit freundlichen Genehmigung veröffentlichen wir diese Nachrufe hier an zentraler Stelle. Darunter haben wir weitere Trauerbekundungen verlinkt.
Der Text von betonflüsterer:
Der Tod ist und bleibt ein dummes Arschloch. Chris Kurbjuhn ist gestorben. Verleger. Theatermann. Blogger. Väterlicher Freund.
Er riet mir 2012, mit bloggen anzufangen, als ein Bewertungsportal namens Qype, auf dem wir uns Restaurants rezensierend gegenseitig kommentierten, mir immer wieder wegen der Beschwerden die Beiträge verstümmelte.
Er hat mich nicht nur einmal auf seinem erfolgreichen, nie toxischen Blog Männer unter sich schreiben lassen, bevor ich überhaupt an einen eigenen Blog gedacht hatte.
Ich habe oft Texte mit der Frage im Kopf geschrieben, was Chris wohl nach dem Upload von ihnen halten wird.
Er schlug mir mal ein Buch vor und bot Unterstützung an, was ich abgelehnt habe, um anonym bleiben zu können.
Chris konnte mit dem derzeitigen Ungeist wenig anfangen. Er hat abweichende Standpunkte ausgehalten, ohne je einen Nervenzusammenbruch zu erleiden, wenn jemand nicht seiner Meinung war. Chris war noch ganz alte Schule. Leben. Leben lassen. Jeder darf was sagen, wenn er was sagen will. Das Ausmaß seiner Gelassenheit und seiner Resilienz hätte ich gerne gehabt.
Er hat den von ihm gerne und regelmäßig bewitzelten Chuck Norris um wenige Tage überlebt, woraus er in den nächsten Splitterbrötchen sicher einen Kalauer gebastelt hätte.
// Chris Kurbjuhn hat Chuck Norris um ein paar Tage überlebt. Er wollte Chuck Zeit geben, die Lounge vorzubereiten. //
Chris hätte den Kalauer besser hingekriegt als ich.
Er wird mir fehlen. Ich wünschte, ich hätte ihn mal persönlich getroffen. Die Nachricht von seinem Tod trifft mich sehr.
Da ich weder an Himmel, Engel, Harfen noch Wolken glaube, auf denen er jetzt sitzt und weise nickend gütig zu uns herunter schaut, sage ich nur danke. Dein Weiterleben geschieht für mich durch das, was du geschrieben hast, die kulinarischen Ratschläge, deine Freundlichkeit und deine Integrität. Danke für alles und der besten und geduldigsten Gemahlin der Welt, der er jetzt nicht mehr die fotografierenden Hände fotografieren kann, wünsche ich viel Kraft.
Ich bin mir sicher, er hätte vehement verlangt, dass wir weitermachen, also machen wir weiter.
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Der ursprüngliche Beitrag erschien auf: https://betonfluesterer.wordpress.com/2026/03/25/splitterbroetchen-mlxiii/
Der Text von Johanna Jackie Baier:
Wenn ich an die Anfangszeit meines transsexuellen Coming-out zurückdenke, so bleibt mir immer die Großzügigkeit und – ja: Herzenswärme vor Augen, mit der mich seinerzeit Gaby Sikorski und Chris Kurbjuhn in ihren *Salon* (wenn man so sagen darf) einluden. Ob in privaten Angelegenheiten oder in beruflichen Schwierigkeiten – von denen es (eben wegen der vertrackten Transsexualität) mehr als genug gab: in ihrer Wohnung an der Staßenecke mit der Haltestelle des 19er Busses hatte ich immer eine Anlaufstelle für emotionale und kreative Belange; mit der Ausnahme vielleicht, wenn große Ereignisse wie eine Fußball-Europameisterschaft es erforderten, daß der Sikorski-Kurbjuhn‘sche Salon zur Tribüne für die Fernsehübertragungen der Spiele der Nationalmannschaft ummöbliert wurde, die man oft von Chris Kurbjuhn aus dem off kundig kommentiert bekam.
Später, als sie dann aus der Wohnung an der Haltestelle des 19er Busses wegzogen, haben wir uns leider aus den Augen verloren, was nicht zuletzt auch mit dem unaufhaltsamen Siegeszug der „sozialen Medien“ seit den Nullerjahren zu tun hat, die den persönlichen Kontakt zugunsten der Online-Verfügbarkeit immer weiter in den Hintergrund drängten.
Ich habe Chris und Gaby vieles zu verdanken. Nicht nur halfen sie mir, meine kreativen Arbeiten und Ziele nicht aus den Augen zu verlieren; wir versuchten sogar, gemeinsam ein paar Projekte anzustoßen – die freilich meist im Frühstadium, aber nie an uns! – scheiterten.
Was ich ihnen vor allem anderen danke, ist, daß ich in dem und durch den persönlichen Kontakt, den wir pflegten, ein Gefühl für mein damals noch „neues Selbst“ entwickeln konnte; dafür, daß es sich lohnen könnte, überhaupt da zu sein. Man mag dies für ein bißchen wenig halten. Aber ohne dies wäre alles nichts gewesen.
Jetzt ist Chris Kurbjuhn gestorben.
Ich vermisse ihn.
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Der ursprüngliche Beitrag erschien auf:
https://www.facebook.com/kurbjuhn/posts/10242063232737747
Weitere Nachrufe und Erwähnungen finden sich hier (meldet uns gern weitere):
- „Paar Worte“ auf Fliegende Bretter
- „Neulich im Web“ auf Christian Buggischs Blog
- „Örtliche Graupelgewitter/Blogstuff 1299“ beim kiezschreiber
- „Angewandert im Ampertal“ bei der Vorspeisenplatte
- User „don martin“ im NASSRASUR.DE-Forum
- „Linkwerk zum Wochenende“ bei Buddenbohm & Söhne
- viele weitere Worte der Anteilnahme auf Chris‘ Facebook-Seite
- …
- und viele Kommentare unter „Splitterbrötchen (MLXII)“ hier im Blog
