Splitterbrötchen (CXCVIII)

Als ich die Tage an einem 5-Sterne-Hotel vorbeiging, vor dem die gepanzerten Limousinen parkten, musste ich unwillkürlich „Da drinnen jagen jetzt die Banker die Zimmermädchen“ denken. Strauss-Kahn hat meine Weltsicht radikal und dauerhaft verändert.

Das alte Europa versagt angesichts der Gurkenstaaten.

Tweet der Woche (C_Holler): „Wer nichts wird, wird Wirt. Wer mehr auf Koks und Nutten steht, für Ergo ist es nie zu spät.“

Ich muss mich immer öfter bei Wikipedia wegen der richtigen Schreibweise der römischen Ziffern versichern. Das Jubiläum droht.

Splitterbrötchen (CXCVII)

Menschen, die ein „Dating-Portal mit TÜV-Plakette“ nutzen, verlassen vermutlich ein Bordell auch ausschließlich durch den Auspuff.

Möglicher Titel für ein Ratgeber-Buch, das Angela Merkel schreiben könnte: „Regieren ohne nachzudenken“.

Cristiano Ronaldo hat in einem Interview gesagt, dass er vom Toreschießen nicht besessen sei („I’m not obsessed with scoring goals“). Wenn Mourinho cojones hat, dann feuert er ihn wegen dieser Äußerung.

 

Splitterbrötchen (CXCVI)

Bei den Top-Suchbegriffen der Netzecke hat jetzt die Suche nach „Bolognese Rezept“ die Suche nach „Chris Kurbjuhn“ von Platz 1 verdrängt. Wir sind nichts, Kochkunst ist alles.

Man hätte sich doch um einen Job bei Apple bemühen sollen, denn augenscheinlich werden dort die Angestellten derart mit Geld zugeschissen, dass sie ihren Kinder Taschengeld in vierstelliger Höhe geben. Wie anders bitteschön soll ich die Mail mit Betreff „iPad2. Das perfekte Geschenk zum Vatertag“ verstehen, in der es heißt „Schenk Papa zum Vatertag eine neue Möglichkeit, all das zu machen, was er so gerne macht … Kauf das iPad2 in einem Apple Store“?

Und – wo wir beim Thema sind – seit wann gibt es eigentlich Vatertags-Geschenke?

Schöner Satz aus der neuesten „Unter Verdacht“-Folge: „Das ist keine Gerechtigkeit, das ist Rache.“

Splitterbrötchen (CXCV)

Nur etwas googlen, etwas downloaden, etwas uploaden, etwas aktivieren und ich verfüge in der Netzecke über ganz neue Möglichkeiten1. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wir leben in einer großen Zeit!

Diese Woche, im Supermarkt: „Möchten sie die Treueherzen2?“ – „Nein, danke. Aus dem Lego-Alter bin ich raus.“ – „Aber vielleicht für die Enkel…“ Autsch.

Rechtsstaat hat etwas mit dem Festhalten an Grundsätzen zu tun, nicht mit der Freude darüber, dass andere die mal eben schnell über den Haufen werfen.

Irritierende Beobachtung: Professionelle Trauerredner scheinen gern darauf hinzuweisen, dass der oder die Verstorbene gern gebastelt habe. Sollte das nach meinem Ableben jemand von mir behaupten, bitte ich, dem Betreffenden eine runter zu hauen.

 

  1. Fußnoten!
  2. Bei Kaiser’s gibt es pro 5 Euro, die man ausgibt, ein Treueherz. Die Dinger kann man sammeln, und dann rabattiert irgendeinen Ramsch kaufen. Zur Zeit sind’s Legosteine.

Nobody does it better

1977 schrieb ein Göttinger Sponti unter dem Pseudonym „Mescalero“ etwas von einer „klammheimlichen Freude“, die er angesichts der Ermordung Siegfried Bubacks empfunden hatte. Damit löste er einen Sturm der öffentlichen Entrüstung aus, der seinesgleichen in der neueren deutschen Geschichte immer noch sucht.
Kein Satire-Autor hätte jemals auf die Idee kommen können, dass 34 Jahre später ausgerechnet eine CDU-Kanzlerin und ein CSU-Innenminister Mescaleros reichlich schräge Weltsicht salonfähig machen würden.
Schon öfters ist das baldige Ende von Kabarett und Satire als Kunstform prophezeit worden. Diesmal könnte es aber tatsächlich soweit sein. Die eisklare Professionalität, mit der die aktuelle Politikergeneration sich selbst parodiert und desavouiert, nötigt selbst dem Profi Bewunderung ab.
Dagegen anzustinken ist schlichtweg unmöglich.