Splitterbrötchen (CCCIV)

Katastrophe von kosmischen Ausmaßen: Lieblings-Griechen-Wirt Fitos hört auf. Ein festgefügtes Universum aus Grillfleisch, rohen Zwiebeln und Ouzo verliert sein Zentrum und gerät ins Wanken. Was soll nun werden?

Nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder eine Lammkeule ausgebeint (es gab Lammkeule nach Dieter Kaldewey). Obwohl vollkommen aus der Übung hielt ich in Minutenschnelle den Knochen in der Hand. Warum rollen einige Fleischer mit den Augen, wenn man sie um diese paar simplen Handgriffe bittet?

Das Bekenntnis der Woche gelang Markus Babbel: „Ich habe kein Internet.“

Was ich beklagenswert finde: Dass sich immer mehr Menschen aus meinem erweiterten Bekanntenkreis andauernd über irgendwas beklagen.

 

Splitterbrötchen (CCCIII)

Was nicht jeder weiß: Weißweinflecken kann man unkompliziert durch einfaches Drübergießen in Rotweinflecken verwandeln.

Eins der wunderbarsten Privilegien der Jugend: Der felsenfeste Glaube, Probleme einfach mit einer korrekten Attitüde lösen zu können.

Was auch nicht jeder weiß: man kann den Verzehr eines vegetarischen Gerichts elegant vermeiden, in dem man stattdessen eine Portion Sauerbraten oder ein Schnitzel bestellt.

Es war nicht alles schlecht in der DDR. Immerhin haben Walter und Erich die Transitstrecken gebaut.

Schiebe-Ramsch als Spiegel des Lebens: Die Gegner dazu bringen, solange zu tauchen, bis der Durchmarsch unaufhaltsam ist.

Mein derzeitiger Schleuderküchen-Favorit: türkisches Sandwich. Vollkornbrötchen aufgeschnitten leicht antoasten, mit Quark-Chili-Paste bestreichen, darauf längs in Scheiben geschnittene angebratene Parmak-Sucuk und Scheiben von Tomate und roter Zwiebel. Dazu noch so ’ne lange, schmale hellgrüne Pfefferschote… Hammer.

Dass ich Frau Peitz vom Tagesspiegel mal loben würde, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Aber der Satz „‚Unsere Mütter, unsere Väter‘ macht aus Schweinen arme Schweine.“ bringt Serie und Sachverhalt beispielhaft auf den Punkt.

Die hierzulande beliebteste Endlos-Schleife: Sowie jemand etwas geleistet hat, das ihn aus der Masse Mensch heraushebt, kommt die Masse brüllend angegurkt, um zu fordern, dass die- oder derjenige sich gefälligst anzupassen habe.

Und was die wenigsten wissen: alkoholfreie Getränke schmecken oft banal und sorgen für trübe Stimmung. Diese Mängel kann man durch Zugabe von Spirituosen unkompliziert beheben. Bei der Spirituosenauswahl kann Mut zum Experiment Wunder wirken.

 

 

Splitterbrötchen (CCCII)

Was nicht jeder weiß: Man kann bei der Teezubereitung durchaus auf Teeblätter verzichten, erhält dann jedoch lediglich heißes Wasser.

Verwirrendes Bad Bevensen! Nirgendwo findet man Informationen über den größten Sohn der Stadt, Jod Sole. Dabei muss der Mann Großes geleistet haben, sonst hätte man ja nicht die Therme nach ihm benannt.

Findige Berliner Immobiliengesellschaften bieten jetzt „Highspeed Gewerberäume“ an. Träume werden war: im Bürostuhl durch die Schallmauer.

Am Hochzeitstag den bisherigen kulinarischen Höhepunkt des Jahres erlebt: Stint, gebraten. Riesen-Delikatesse. Muss ab jetzt wohl zur Saison eine Stint-Reise an die Elbe in die Jahresplanung aufnehmen.

Und den Sommerurlaub gebucht. Regelmäßige Netzecken-Besucher und Splitterwörtchen-Leser werden überrascht sein: nach langem, intensiven und durchaus schmerzhaftem Ringen haben die geduldigste Gemahlin von allen und ich uns schwersten Herzens entschlossen, in diesem Jahr etwas vollkommen neues zu wagen. Wir werden erst im August nach Podersdorf fahren.

 

Splitterbrötchen (CCCI)

Wir wurden Zeuge einer Jahrhundert-Headline, die niemand anders als die BILD kreieren konnte: „Totilas bei Sex mit Phantom-Stute verletzt“.

Wer von „Furor“ auf „Furie“ schließt, hat einen sehr großen Willen, beleidigt zu werden.

Eigentlich hab ich ja was  gegen Allgemeinplätze wie „Die Deutschen können dies nicht…“ und „Die Deutschen können das nicht…“ Aber Gelassenheit fällt den Deutschen wirklich schwer.

Freigiebigkeit mit Süßigkeiten ist ein probates Mittel, sich ins Langzeitgedächtnis junger Menschen zu schmuggeln. Ich zum Beispiel denke immer noch mit Dankbarkeit an meine liebe Großtante Emma. Und an die rote Blechschachtel.

Was am Älterwerden mit Abstand am meisten nervt: Die stetig wachsende Zahl von Leuten, die einem eine Krankheit einreden wollen.

Natürlich will sich niemand auf seinen Lorbeeren ausruhen, nicht wahr, Herr Diekmann? Wir warten auf: „Neues von der Totilas-Affäre: Jetzt spricht die Phantom-Stute!“

Splitterbrötchen (CCC)

Diese Jubiläumsausgabe der Splitterbrötchen ist aus naheliegenden Gründen dem Berliner Filmproduzenten Artur Brauner gewidmet.

Ich selbst hatte übrigens einmal einen Drehtag bei einer Brauner-Produktion. Dabei konnte ich seinen berüchtigten Geiz sein außerordentliches Genie bei der Kostenkontrolle kennenlernen. Dreimal rief  Brauner am Drehort an und verlangte den Regisseur zu sprechen, um sicherzustellen, dass zwei Kollegen und ich bis 11 Uhr 30 abgedreht waren. Damit er uns nicht das Mittagessen bezahlen musste.

Ansonsten sind die geduldigste Gemahlin von allen und ich ganz schlecht mit Jubiläen. Deshalb haben wir’s auch diese Woche verpasst, unser Einjähriges in Friedenau zu feiern. Doch, ist schon ein Jahr her, dass wir Kreuzberg verlassen haben.

Ein Jahr hatte ich also Zeit, um zum dicken (ha!) Freund meines Induktionsherds zu werden. Hätte nie gedacht, dass ich Gas überhaupt nicht mehr vermissen würde.

Diese Woche dann noch die erste Einheit Reha-Sport. Nee, Gymnastik ist nicht meins und wird’s nie werden. Ich brauch frische Luft, Ball und Gegner. Ersatzweise ein Fahrrad.

Zum Schluss noch meine liebste Atze-Brauner-Anekdote, keine Ahnung, ob sie wahr ist. In den Sechzigern soll die BZ eine Umfrage unter Prominentenkindern veröffentlicht haben: „Was würdest du machen, wenn Papi dir hundert Mark schenkt?“ Das Brauner-Kind hob sich wohltuend vom Promi-Einheitsbrei (Fahrrad kaufen, Eis essen gehen) ab. Auf die Frage, was es mit den von Papi geschenkten hundert Mark machen würde, antwortete es freimütig: „Nachzählen!“