Sag mir, wo die Raucher sind…

Morgens am Nollendorfplatz steig ich immer vom Bus in die U-Bahn, und wenn ich an der Fußgängerampel stehe, sehe ich die Raucher aus dem U-Bahnhof kommen, die sich hastig eine Zigarette anstecken. Es sind in den letzten Jahren deutlich mehr „Outdoor-Raucher“ geworden, kein Wunder, in diesem ärmlichen Land, wo alles und jedes reglementiert werden muss, gibt es ja kaum noch Orte, wo drinnen geraucht werden darf.
Okay, mich betrifft es nicht mehr, ich hab vor fünf Jahren den Absprung geschafft, aber heute ist mir etwas sehr merkwürdiges aufgefallen: Ich habe kaum noch Raucher in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Ich glaube nicht, dass das an mir liegt, denn ich bin keinesfalls zum militanten Nichtraucher mutiert. Wer möchte, darf mir jederzeit die Bude zuquarzen, hab ich kein Problem mit, man kann ja schließlich lüften. Auch befinde ich mich nicht auf einem Kreuzzug gegen den Nikotingenuss und versuche jeden Raucher, den ich erblicke, zum Aufhören zu bewegen. Ich bin – glaube ich – mehr oder weniger der gleiche, der ich vor fünf Jahren war, nur einfach minus Zigaretten. Tatsächlich haben aber sehr viele, beinahe alle Raucher, die ich vor fünf Jahren noch regelmäßig getroffen habe, peu á peu den Kontakt zu mir einschlafen lassen.
Woran mag das liegen? Hab ich mich doch stark verändert, ohne es zu merken? Ertragen meine rauchenden Freunde es nicht, einem gegenüber zu sitzen, der „vom Glauben“ abgefallen ist? Oder ist es einfach bloß Zufall, und es steckt nix dahinter?
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2 Gedanken zu „Sag mir, wo die Raucher sind…

  1. Nein, kein Zufall. Das ist der post-moderne Bekanntschaftsdarwinismus. Oder auch nur ganz normal. Deine Toleranz ist vielleicht zu freundlich, dein großes Herz verschmäht keine Sünder, die ansonsten keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen. Der getriebene Dauerpaffer würde bestimmt ein paar Anwürfe („Du arme Sau, hast du dich denn so wenig im Griff, dass du immer noch dem Nikotin verfallen bist? Du haltloser Depp – ab in die Raucherheilanstalt. Du vernagelter oraler Zwangscharakter, ich lebe sechseinhalb Minuten länger als du. Und gerade, wenn du erleuchtet werden würdest im Hier und Jetzt, knickt dir ein Herzinfarkt den Lebenshalm“. Raucher mögen so was. Ihr schlechtes Gewissen schreit förmlich nach Dresche. Dass sie dich nicht mehr besuchen kommen hängt nicht an der Lulle. Sie sind deiner schlicht nicht wert. Das hast du während deiner Raucherkarriere nur nicht so gemerkt. Alles Schlampen außer Berti Vogts.

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