Splitterbrötchen (DCCXXII)

Fa. Unilever hat das Produkt „Knorr Fix für Sauerbraten“ zurückgerufen, weil dieses Saucen-Imitat auf der Packung als vegan statt als vegetarisch bezeichnet wurde. Kann mir bitte irgendwer erklären, warum jemand auf die Idee kommen könnte, eine vegetarische oder vegane Sauce über ein Stück Fleisch zu kippen?

Am Dienstag wurde ich mit einer dramatischen Morgenröte über Schöneberg beschenkt.

Und wenn man denkt „Mehr als Nudelwassergewürzsalz geht nicht“, kommt der Fonsä, sagt „Halt mal kurz mein Bier“ und produziert ein Döschen mit „Gewürzzubereitung für Butterbrot“.

Daniel Craigs letzter Bond-Film läuft bald an. Es wird Zeit, sich über die Nachfolge Gedanken zu machen. Ich bin für Cillian Murphy.

Der Tweet der Woche von anne victoria Clark: „Wenn irgendjemand das Recht hat, auf Harry und Meghan sauer zu sein, dann sind es die Einwohner von Sussex, die nun ohne ihren Herzog führerlos feindlichen Übergriffen aus Hampshire und Kent ausgesetzt sind.“

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Feine, delikate Doraden-Filets, wie Saltimbocca zubereitet, beim Lieblingsitaliener.

Außen am 187er Bus steht, dass er einen „Nothahn“ mitführt. Frage mich, was für ein Tier das ist bzw. wie und warum es in einem Linienbus eingesetzt wird.

Splitterbrötchen (DCCXXI)

Empörung ist optional.

Das Wort der Woche entnahm ich dem Checkpoint vom Tagesspiegel: „Brunch-Aktivist“.

Selbstverständlich richte ich mich bei der Toilettenpapier-Auswahl ganz nach der Jahreszeit.

Fonsä Schuhbeck ist endlich vollkommen schmerzfrei. Er vertickt allen Ernstes „Nudelwasser-Gewürzsalz“1.

Es ist fast immer sehr hilfreich, sich – bevor man etwas tut – zu fragen, welche Auswirkungen das haben könnte.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Nordhessische Nostalgie mit der „Dicken Rippe“, dem Lieblingsessen meiner Kindheit.

Seit gestern liege ich in der Disziplin „Den bizarrsten Produktnamen auf amazon finden“ uneinholbar weit vorn.

Auf Twitter wurde ich an die düsteren Wein-Zeiten der 70er Jahre erinnert. Als man im Lokal noch die Schutzfrage „Haben Sie auch trockenen Wein?“ stellen musste.

Die Windsors haben mit Amerikanerinnen einfach kein Glück.

Splitterbrötchen (DCCXX)

Fassungsloses Entsetzen vor dem Gewürzregal im Supermarkt: Es gibt tatsächlich Menschen, die Hilfe beim Würzen von Rühreiern benötigen?

Ich kann mir nicht helfen. Als ich Deutschlands derzeitigen Skandal-Song Nr. 1 zum ersten Mal ansah/hörte, dachte ich: „Ganz nett, wie da der rigide Absolutheitsanspruch von FFF auf die Schippe genommen wird.“ Ich hab mir das Lied jetzt noch zweimal angehört, und ich denke das immer noch. Ich käme trotz meines großväterlichen Alters nie auf die Idee, mich durch so eine Alberei angegriffen zu fühlen.

Politiker, die den Bürgern grundsätzlich misstrauen, dürfen sich nicht wundern, wenn das auf Gegenseitigkeit beruht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Dreigang im Zehlendorfer Arcimboldo. Lauwarme Gemüse zur Vorspeise, Dorade zum Hauptgang und Creme brulée zum Dessert. Das waren im Prinzip einfache Gerichte, aber küchentechnisch auf sehr hohem Niveau,  das kriegt nicht jeder so perfekt hin. Der Service war zuvorkommend, das Ambiente lässig-elegant, da kann man’s aushalten.

Man muss Kindern die Möglichkeit geben, sich über Erwachsene lustig zu machen. Man muss Regierten die Möglichkeit geben, die Regierenden zu beschimpfen. Oder würde irgendjemand einen Druck-Kochtopf ohne Ventil betreiben?

Die sicherste Methode, um Interesse für eine Sache zu wecken, ist sie zu verbieten.

Und zu den Umweltsau-Kritikern, die meinen, es wäre ein Skandal, Kinder derart zu instrumentalisieren: d’accord. Sie haben voll-kom-men recht! Verbieten wir sofort die satirische Instrumentalisierung von Kinderchören. Da könnte allerdings einiges auf uns zukommen. Fangen wir am Besten mit Monty Python an:

 

 

 

Splitterbrötchen (DCCXIX)

Satire, die beim Zielsubjekt Empörung auslöst, ist gute Satire.

Ich verstehe die aktuelle Debatte um die Vermögenssteuer nicht ganz. Es ist doch ganz einfach: Die, die Vermögen haben, sind dagegen, und die, die keins haben, sind dafür. Jetzt muss die Politik doch nur transparent und gerecht diese Interessen gegeneinander abwägen und entsprechend handeln. Wo ist das Problem?

Ausnahmslos jede bahnrbechende Innovation hat als unliebsame Störung des Konsens angefangen.

Wer seinen Unfug nicht öffentlich zur Debatte stellt, merkt oft nicht, dass es Unfug ist.

Ältere Menschen, die jungen Menschen „Dafür seid ihr noch zu jung“ zurufen, sind genauso wenig ein neues Phänomen wie junge Menschen, die ihnen „Dafür seid ihr schon zu alt“ entgegnen. Bitte gehen Sie einfach weiter. Hier ist nichts geschehen.

Die Erkenntnis der Woche fand ich auf Facebook: „Durch die Gesamtverblödung meiner Umgebung bin ich plötzlich in die intellektuelle Ecke gedrängt worden.“

Es gibt Headlines, die einen einfach nur ratlos zurücklassen. Wie aktuell beim Tagesspiegel: „Ein Wolf soll in Belgien ein Känguru gefressen haben“

Wer sich empört, ohne zu merken, dass er zum Zielsubjekt einer Satire gemacht worden ist, trägt i. d. R. recht große Scheuklappen.

Splitterbrötchen (DCCXVIII)

Vielleicht bin ich ein wenig vernagelt, aber ich scheitere zuverlässig daran, zu verstehen, wie man die Umwelt rettet, indem man damit anfängt, CO² zu verkaufen.

Ich  hab auf Englisch gekalauert! In einer Unterhaltung mit einem Freund aus dem UK kam die Rede auf CLIL (Content and Language Integrated Learning), worauf mir sofort „Klill? Isn’t that what chinese whales eat?“ entfleuchte. Ich bin so stolz.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein wunderbarer Dreigang in der Brasserie Lamazère: Œeufs en Cocotte, Cassoulet und Armagnac-Pflaumen mit Eis. Worauf ich mich im Lamazère schon vor der Vorspeise zu freuen beginne: auf die wunderbaren, warmen Madeleines, die sie zum Abschluss reichen.

Amerikanische Zitierweisen, sicherheitsgelöschte Handys, Verträge ohne sichere rechtliche Basis – die Eliten hierzulande tun alles, um den Menschen, die sie führen wollen, ihre Verachtung zu zeigen. Wie sehr das mittlerweile auf Gegenseitigkeit beruht, haben diese Menschen immer noch nicht gemerkt. Und wie gefährlich das wird.

Kultureller Wochenhöhepunkt: Heute Abend im ZDF die erste Folge der 20. Staffel von „Inspector Barnaby“. Offenbar hat man erneut den Assistenten gewechselt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Man hätte Jason Hughes (Ben Jones) niemals gehen lassen dürfen.

Der Weg in den Abgrund wird mit dem Ausruf „Weiter so!“ angetreten.

Eine deutsche Großstadt im Jahr 2019 zum Notstandsgebiet zu erklären. Dass sie sie nicht schämen.

 

Splitterbrötchen (DCCXVII)

Ich weiß gerade nicht, worüber ich mich mehr ärgern soll: über das Wahlergebnis in Großbritannien oder über die Berichterstattung darüber.

Neue Obsession: „The Crown“ auf Netflix. Derartigen Holzhammer-Kitsch muss man einfach mögen.

Beim Tagesspiegel wettert der mit Gehör gesegnete Hannes Soltau gegen die Blockflöte. Ich schließe mich ihm an. Blockflöten sind keine Musik- sondern Folterinstrumente.

„Der Zwischenhandel ist an allem Schuld!“ jammern kleine Verlage und Buchhändler, die von den ruppigen Methoden von Libri (listet scheinabr wahllos Bücher von Kleinverlagen aus, die so nur noch mit Mühe – wenn überhaupt – über den Buchhandel zu beziehen sind. Das Problem ist nicht allein ein Zwischenhändler, der sein Quasi-Monopol dazu benutzt, sich den Markt zurechtzubiegen. Das Problem ist eine fortschrittsfeindliche Branche, die sich seit Jahren jeglicher Neuerung verweigert.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt blieb unfotografiert: geröstetes frisches Graubrot mit getrüffelter Salami. Den Runner-Up hab ich aber im Bild: Lammhaxe beim Lieblingsitaliener.

Ist es vielleicht doch ganz einfach? Wählen die Menschen zur Zeit Politiker, von denen sie sich versprechen, dass sie es anders machen als die bisherigen? Egal wofür sie stehen? Hauptsache, es geht nicht so weiter wie bisher?

 

 

Splitterbrötchen (DCCXVI)

„Der weltweit beliebteste Hartkäse mit geschützter Ursprungsbezeichnung.“ Mehr Sexiness in einem Claim geht wohl nicht.

Das Verkünden des eigenen Standpunkts ist kein Argument, der Austausch von Standpunkten keine Diskussion.

Ein sicheres Zeichen für fortschreitendes Altern: Straßen entlang gehen und rekapitulieren, „was alles früher hier war“.

Das Wort der Woche ist natürlich „Advents-Leasingrate“.

Ein paar Folgen der ersten Staffel von „Gilligan’s Insel“ nach über 50 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen. Schrecklich albern. Aber zum Teil immer noch schrecklich komisch. Handwerklich top. Geniale Figurenkonstellation, makelloses Timing. Wenn soviel bei Laurel & Hardy geklaut wurde, MUSS ja was Gutes dabei rauskommen.

Falls jemand noch ein Weihnachtsgeschenk sucht: „111 Fußballorte, die man im Ruhrgebiet gesehen haben muss“ von Fußball-Blogger Trainer Baade ist ein tolles, mit Herzblut geschriebenes Buch für Freunde des „Beautiful Game“. Wenn man’s beim Trainer direkt bestellt, hilft man ihm aus einer Finanzamts-Klemme.

 

Splitterbrötchen (DCCXV)

Große Aufregung um ein Startup, dass Friday-for-Future-Anhänger nächstes Jahr gegen Eintritt ins Olympiastadion locken will, um dort diversen Rednern zu lauschen, über Petitionen abzustimmen und diese dann zu unterzeichnen. Die Abzocke regt mich gar nicht auf, die find ich in ihrer Unverfrorenheit sogar ein wenig charmant. Aber jungen Menschen zu suggerieren, man könne die Dinge verändern, in dem man irgendwo abhängt und schließlich was unterschreibt, ist fahrlässig.

Für das Erstaunen der Woche sorgte der ansonsten nur eher mittelmäßig geschätzte Jan Böhmermann, der die beste sozialdemokratische Rede der letzten 25 Jahre gehalten hat. Dass Satiriker Sozialdemokratie mittlerweile besser hinkriegen als Genossen sollte der SPD zu denken geben.

Gekalauerte Namen für Friseur-Salons sind grundsätzlich schwer erträglich, aber „CHaarraktHair“ sprengt die Grenzen zivilisierten Umgangs.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war – natürlich – der erste Gänsebraten des Jahres, als Runner-Up ging ein Stück geröstetes Graubrot mit Knochenmark 1 und grobem Salz durchs Ziel.

An alle Kommentatoren, die gerade den SPD-Mitgliedern vorwerfen. falsch gewählt zu haben: Auch wer Mehrheitsentscheidungen nicht respektiert, beschädigt die Demokratie.

Es gibt diese Witze, über die ich mich tagelang vor Lachen ausschütten kann, außer mir aber buchstäblich niemand. Diese Woche kam wieder so ein Teil an:
„Sagt der Barkeeper: ‚Tut mit leid, Zeitreisende werden hier nicht bedient.‘ Da geht die Tür auf und…“ Saukomisch, oder?

Falls irgendwer, der die letzten paar Jahre unter einem Stein verbracht hat, immer noch glaubt, es gäbe eine irgendwie „Gemäßigte“ AfD: Nein. Es sind Nazis. Belegbar.

Nur ganz wenige Menschen können mit ihrer Unterschrift die Dinge verändern. Und die haben sich alle keine Eintrittskarte gekauft.

 

Splitterbrötchen (DCCXIV)

Einen einsamen Gipfel des durch Dummheit induzierten Wahnsinns erklomm ein Edeka-Mitarbeiter, bei dem ich mich (mal wieder) über die „Edeka“-Aufkleberchen auf diversen Gemüsen beschwerte. „Aber die müssen sie nicht abmachen, die sind essbar“, entgegnete mir der unrettbar idiotierte Mann. Sehr aufschlussreich. Ich soll also Papier fressen, um die Marke „Edeka“ zu stärken. Warum? Warum?

Meinem lieben Freund Harald Effenberg bin ich zu großem Dank verpflichtet, denn er hat mich auf Adrian McKinty aufmerksam gemacht. Freunden der Spannungsliteratur mit politischem Hintergrund möchte ich besonders die Sean-Duffy-Reihe ans Herz legen, die im Nordirland der 80er Jahre spielt. Duffy ist ein faszinierender Protagonist. Ansonsten zähle ich die Stunden, bis in einer Woche der neue Pendergast erscheint.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war die unfotografierte Eröffnung der Raclette-Saison. Den Runner-Up hab ich allerdings im Bild. Ein selbstgeklöppeltes, ziemlich gelungenes Lammkarree.

Thema Idiotie: Twitter. Haben die üblichen Verdächtigen wirklich niemanden, der ihnen sagt, wie lächerlich diese Einfältigkeit wirkt, mit der den immer gleichen Provokationen die immer gleichen Empörungs-Rituale folgen? Macht ein gruppengesteuerter Beißreflex wirklich so viel mehr Spaß als selbstständiges Denken und Debattieren?