Splitterbrötchen (DCCCLXX)

Wenn die Stadt voll ist, schimpft man gern über die vielen Touristen. Wenn sie nicht da sind, ist es erst recht nicht recht: ein freitagabendlicher Gang durchs Corona-bedingt leergefegte Nikolai-Viertel in Mitte war geradezu deprimierend.

Wie sieht das eigentlich mit rechtsextremen Impfgegner-Aufmärschen und Holocaustrelativierungen in anderen Ländern aus?

Wenn nicht so viele Menschen gestorben oder schwer erkrankt wären, müsste man dem Virus für die Augenöffnung geradezu dankbar sein: Dank Covid-19 wissen wir jetzt, dass wir in einer heruntergewirschaftete Bananenrepublik leben, und dass ein erschreckend großer Anteil der Bevölkerung massive Defizite in den Bereichen Demokratieverständnis, Anstand und Intelligenz hat.

Kultureller Wochenhöhepunkt war das freitägliche Durchbingen der dritten und letzten Staffel von Ricky Gervais‘ „After Life“. Große Bewunderung für diese (scheinbar) lässig aus dem Ärmel geschüttelte Dialog-Handwerk voller fallengelassener Pointen mit Nachbrenner. Okay, die erste Folge kommt ein bisschen schwer in die Gänge, und in der letzten übertreibt er’s mit dem Sentiment (ein bisschen mehr Bösartigkeit hätte er Tony durchaus lassen können), aber Schwamm drüber. Ganz großes Tennis!

Von dem gedanklichen Modell, dass etwas nicht stattfindet, wenn ich nicht daran teilnehme, musste ich mich schon im Kindergarten verabschieden. War nicht mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen.

Warum macht man sich in Sachen Parlamentspoetin nur über Frau Göring-Eckardt lustig? Warum nimmt niemand diese beiden liebedienerischen Flachpfeifen aufs Korn, die sie auf diese absonderliche Idee gebracht haben?

Dessert im Balthazar: Zweierlei (Mousse und Törtchen) von der Valrhona-Schokolade mit Himbeersorbet

Kulinarischer Wochenhöhepunkt und die Restaurant-Entdeckung des Jahres fanden gleichzeitig statt: die beste, geduldigste Gemahlin von allen hatte einen Groupon-Gutschein für einen Dreigang im „Balthazar“ erstanden. Um 18 Uhr haben wir den Laden zum ersten Mal betreten. „Hier bist du richtig“, dachte ich, als ich sah, dass der Laden geradezu verschwenderisch mit geleerten, namensgebenden Balthazars dekoriert war, und der erste Eindruck trog nicht: zwei Stunden später gingen wir als Fans. Hervorragende Küche (Tässchen Rosenkohlsuppe als Amuse Geule, dann gebratenem Zander mit Sesam-Krautsalat, Flanksteak mit Parmesan-Gnocchi und Tomatengedöns, Mousse au Chocolat und Schokoladentörtchen mit Himbeersorbet zum Dessert), gute offene Weine, hochkompetenter, humorvoller Service und dann sitzt man auch noch sehr angenehm… ein Restaurant zum Wohlfühlen!

Maximaler Belastungstest für italienische Gastronomen: „Kann ich die Pizza Bolognese auch mit Ananas bekommen?“

Warum Menschen denken, ihrem Anliegen durch möglichst schlechtes Benehmen Nachdruck verleihen zu können, entgeht mir komplett.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXIX)

Weltidee: Deutscher Western über den Sohn eines Großgrundbesitzers, der die Ländereien seines drakonischen Vaters übernimmt und sich gegen Angriffe von Banditen, neidische Nachbarn etc. durchsetzen muss. Titel: „Die Weiden des jungen Lerther“ Hammer, wa?

Ein Blick auf die Titelseiten französischer, englischer, spanischer und amerikanischer Zeitungen erstaunt: da findet sich jeweils maximal ein Artikel über Covid-19, meist unten auf der Seite.

Wer sich selbst zum alleinigen Maßstab aller Dinge macht, führt ein begrenztes, ödes Leben.

Auch für den, der glaubt, schon alles gesehen zu haben, ist ein Video, in dem Lukaschenko für Steven Seagal ein Möhrchen schrappt und ihm nach kennerischer Klopfprobe eine Wassermelone schenkt, vielleicht ein wenig verstörend.

Beim Versuch, eins dieser Impflichter, die jetzt in aller Munde sind, zu bestellen, gescheitert. Amazon war nicht hilfreich.

Große Spaß-Entdeckung: Wordle. also Mastermind mit englischen Wörtern, leider bzw. Gottseidank nur eine Aufgabe pro Tag. Heute war ich eher schwer von Begriff.

Wordle 204 6/6

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Kulinarischer Wochenhöhepunkt war der Erstbesuch des Atlantik Fischrestaurants am Innsbrucker Platz, zu dem die beste, geduldigste Gemahlin von allen eingeladen hatte. Zur Vorspeise hatten wir uns frittierte Miesmuscheln – sehr reichliche Portion, wäre mit Beilagensalat auch als Hauptgang für eine Person durchgegangen – geteilt, zum Hauptgang genoss ich exzellenten Oktopus vom Grill mit Knoblauchmayo. Der Service war außergewöhnlich herzlich, als ich beim Wein die italienische Kreszenz verschmähte und ein türkisches Gewächs orderte, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Und Live-Musik gab’s auch. Toller Laden.

Runner-Up war ein küchentechnisch perfektes, auf den Punkt medium-rare gebratenes Pfeffersteak im Zehlendorfer Hof 1, das sich auf der Ziellinie selbst um den Sieg brachte, nämlich durch das kulinarische Lowlight der Woche, einen Salat mit einem Dressing, das Maßstäbe in Sachen Gaumen-Ödnis setzte.

Vielleicht versucht man’s bei ProSieben mal mit „The Masked Pantomime“, ganz ohne Ton. Dieser dauernd wiederholte Jingle nervt ohne Ende.

Während Djokovic versucht, seinen Vornamen in „Novax“ ändern zu lassen, verfolgt Australien eine Zero-Kovic-Politik.

Der SPIEGEL-Titel der Woche, die meinem Geburtstag folgte. Eine Woche später hätte ich Sartre gehabt, zwei Wochen später sogar Elvis. Hmmpf.

Worauf ich wirklich gespannt bin: Wie die Polizei reagieren wird, wenn die Linken  demnächst mal „Spaziergänge“ nach Art der Querdullis veranstalten werden. Ob man dann ähnlich verständnisvoll reagiert, oder ob nicht doch zufällig der Schlüssel zur Garage mit den Wasserwerfern wieder auftaucht.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXVIII)

In letzter Zeit lese ich öfter von Menschen, die sich nicht impfen lassen, weil sie Angst vor der Nadel haben. Herrschaften, Angst vor der Nadel ist kein Grund, sich nicht impfen zu lassen. Mein Vater hatte panische Angst vor der Nadel, der Mann (1,92 m, Modellathelt) ist ohnmächtig umgekippt, wenn er eine Spritze nur gesehen hat. Er wusste aber ein Gegenmittel, das hundertprozentig funktioniert: einfach in die andere Richtung schauen. Das ist einer seiner wenigen Ratschläge, dich ich angenommen habe. Ich bin mittlerweile mehrfach gegen alles geimpft, wogegen man sich impfen lassen kann, ich habe aber nie zugeschaut bzw. Angst gehabt.

Ich verstehe das mit dieser neuartigen Präsenspflicht in der Schule nicht. Sollen Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und II wirklich abgeschafft werden? Mit welcher Begründung?

Mein Steuerberater gratuliert mir seit über zwanzig Jahren im April statt im November zum Geburtstag. Ich denke nicht im Traum daran, das zu korrigieren. Ich will doch beim Finanzamt keine schlafenden Hunde wecken!

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Dreigang im „Le Bon Mori“ in Kreuzberg: Sellerie-Creme mit Trüffeln, Entenbrust mit Karotten-Mousseline, Rosenkohl und weiterem Gedöns, Käse mit Früchtebrot. Das war Handwerk auf ganz hohem Niveau, eine ausgezeichnete Mahlzeit.

Die aktuelle Impfkampagne funktioniert: Das Fitnessstudio, das ich regelmäßig besuche (2G), war in diesem Jahr lotterleer, meist verloren sich nur ein paar Senioren zwischen Laufbändern und Butterfly-Maschinen. Seit verstärkt geboostert und geimpft wird, ist es merklich voller geworden, und der Altersdurchschnitt der Kundschaft ist von 60 auf ca. 35 geschrumpft, was meine Einschätzung bestätigt: die niedrige Impfquote hierzulande lag bzw. liegt in erster Linie nicht an Unfug brabbelnden Impfskeptikern, sondern an jüngeren Menschen, die schwere Corona-Verläufe deutlich weniger fürchten als ältere und deshalb andere Prioritäten gesetzt haben.

Ein Pandemie-Opfer, um das wir uns dringend kümmern müssen: das Wort „Querdenker“. Ein Querdenke zu sein ist ja per se nichts Schlimmes, im Gegenteil: die vorherrschende Meinung zu hinterfragen erweist sich sehr oft als segensreich. Wir sollten nicht zulassen, dass dieses Wort im Besitz von Idioten bleibt.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXVII)

Äh… Fa. Skoobe? „Buchige Weihnachten“? Wirklich euer Ernst? Oder war der Praktikant wieder am Glühwein?

Langsam erschließt sich mir die Weisheit meines Großvaters, der auf Reisen grundsätzlich seine Matratze mitnahm.

Die Vorweihnachtszeit verbrachten wir damit, im Seebad Binz mal nachzuschauen, was an der Ostsee so los ist. Die Antwort: nicht viel.

Andere Menschen suchen jahrzehntelang nach verlorengegangenen Dingen. Ich fahr einfach mal kurz nach Binz und…

Und dann war da diese Spionin, die im 1. Weltkrieg gar nicht hingerichtet worden ist, sondern als Doppelagentin weiter spionierte, getarnt als Seemann, als Maat Ahari.

Neuer, evtl. stilbildender Beitrag für meine populäre Serie „Die geduldigste, beste Gemahlin von allen fotografiert Dinge.“ Diesmal fotografierte sie: Binz.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein perfekt gebratener Kabeljau mit Senfsauce im Restaurant des „Strandhotel zur Promenade“ in Binz. Besser kann man diesen Küchenklassiker nicht machen und auch der – fahrlässigerweise nicht fotografierte – begleitende Schmand-Gurken-Salat war exzeptionell.

Wenn junge Kollegen, mit denen man in der Kneipe mal das ein oder andere Bier sichergestellt hat, plötzlich als exzentrische Alte in Fernsehfilmen auftauchen…

Es war übrigens wirklich sehr, sehr schön in Binz. Wenn’s sich’s irgendwie ausgeht, fahren wir bald wieder hin.

Splitterbrötchen (DCCCLXVI)

Dass knapp unter der Mars-Oberfläche Wasser sein soll, halte ich für Quatsch. In keinem der Mars-Riegel, die ich je gekauft habe, war Wasser.

Die E-Mail der Woche schrieb mir ein gewisser James Bond, der versuchte, mich mit der pfiffig personalisierten Betreffzeile „Kurbjuhn: Sex oder Covid?“ zu ködern. Nice try, Commander!

Mein neues T-Shirt positioniert mich mit großer Genauigkeit in Familie und Gesellschaft.

Ist das eigentlich regelkonform, wenn ein Holländer in einem Wagen ohne Anhängerkupplung Formel-1-Weltmeister wird?

Der Lacher der Woche kam mir bei Facebook entgegen: „One night a viking named Rudolph the Red was looking out of the window and said ‚It’s going to rain.‘ His wife asked: ‚How do you know?‘ ‚Because Rudolph the Red knows rain, dear.‘

Seit Tagen rätsele ich, wohin man eine Sonderfahrt mit dem Aufzug machen kann.

Eine kleine Erinnerung an Menschen, die sich so furchtbar aufregen, weil Friedrich Merz CDU-Vorsitzender wird: Solange ihr nicht in der CDU seid, muss er euch nicht gefallen. Da soll er euch gar nicht gefallen, im Gegenteil.

Was nicht jeder weiß: Dixiklos, ein Held der griechischen Mythologie, vollbrachte seine Taten vorwiegend im Sanitärbereich.

Im „Doppelpass“ vom letzten Sonntag hat Max Eberl gefordert, dass die Spieler im Stadion Eier zeigen sollen. Was bringt das? Wenn man im Stadion Eier zeigt, wird man wegen Exhibitionismus verhaftet, das schwächt doch das eigene Team!

Splitterbrötchen (DCCCLXV)

Intelligente Menschen merken schnell, dass sich das Triumphgefühl, dass sich einstellt, wenn man mal recht gehabt hat, relativ schnell abnutzt. Dummen Menschen ist diese Erkenntnis aus mehreren Gründen fremd.

Wetten, das Thema von „Hart aber fair“ am morgigen Montag lautet: „5 Tage Gesundheitsminister Lauterbach – die Bilanz“

„Ranten kann jeder Depp“, rief es aus dem Maschinenraum. Ich widerspreche entschieden. Pöbeln kann in der Tat jeder, aber mit durch Wut geschliffenen Worten beeindrucken können die wenigsten.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Drei-Gang (Velouté vom Kürbis, Maishähnchen, Creme Brulée mit Orange) mit Weinbegleitung im „Le Bon Mori“ neben dem Hebbel-Theater. Sehr gute Küche, herrlich entspannte Atmosphäre, toller Laden!

Wichtig beim Älterwerden: regelmäßig die Geisterfahrer durchzählen. Umkehren, wenn’s plötzlich mehr werden.

Eine konservative Britin kommentiert in „Get Back“ das Rooftop-Konzert der Beatles und fasst die Wirkung der Gruppe auf die damalige ältere Generation ultimativ zusammen: „It woke me up from my sleep and I don’t like it.“

Laut Tagesspiegel Checkpoint sind schätzungsweise 90 Prozent der Mitarbeiter des Bundesnachrichtendiensts geimpft. Sollte das gewissen querdenkenden Bevölkerungskreise nicht zu denken geben? Von wegen „Geheiminformationen“ und so?

Wer sich einen Schuh anzieht, kann ihn auch wieder ausziehen.

Splitterbrötchen (DCCCLXIV)

Für meinen Zapfenstreich wünsche ich mir „Je t‘aime“, „Tiptoe through the Tulips“ und „Revolution No. 9“ vom Weißen Album. Einfach, um mal eine Militärkapelle mit diesen Titeln umgehen zu hören.

Ich wusste es immer: Stephen Fry und ich sind Brüder im Geiste, mit einem ganz, ganz starken Band verbunden.

Ich muss dieser Tage öfters an Sigmar Gabriel denken. Bei Gott nicht alles, was dieser Mann gesagt und getan hat, hat mir gefallen, aber als er Pegida & Co als Pack bezeichnete, hat er mir aus dem Herzen gesprochen: Genau das sind nämlich diese sozial herausgeforderten, rechtsnationalistischen Widerlinge. Und wie ist Sigmar Gabriel für diese Äußerung von seinen Kollegen angefeindet worden. Sowas dürfe man über diese Leute nicht sagen, man müsse doch die Sorgen dieser Bürger ernst nehmen… Jetzt erleben wir, was daraus wird, wenn man so tut, als würde man die Sorgen dieses Packs ernst nehmen.

Endlich kann ich meiner mega-erfolgreichen Serie „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“ eine neue Folge hinzuführen. Diesmal Action-Fotografie: Sie fotografiert „Steak Frites“ beim Lieblingsfranzosen.

Zum Monatsanfang habe ich das Umwelt-Abo, dass ich seit 30 Jahren bei den Berliner Öffis habe, gegen das Rentnerabo „65plus“ getauscht. Älter werden fühlt sich immer noch komisch an. Krückstockfuchtel, Krückstockfuchtel!

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war der Hauptgang eines Menü im „Pastis„, zu dem die beste, geduldigste Gemahlin von allen eingeladen hatte. Ich hatte mir den „Boris-Johnson-Teller“1 bestellt: Steak Tartar mit Strohkartoffeln.

Runner-Up war „Number One“, die erste Gans des Jahres, die ich kurz nach dem Hochladen der Splitterbrötchen am letzten Sonntag in den Ofen geschoben hatte.

Diese Woche war ich beim Friseur (Barber Shop Berlin in der Rheinstraße, sehr zu empfehlen). Ich bin mir sicher, dass mir da das Phantom die Haare geschnitten hat. Er hatte sich zwar ziemlich gut getarnt (kein Trikot, keine Maske), aber er hatte vergessen, den berühmten Totenkopfring abzulegen. Daran hab ich ihn erkannt.

Der Facebook-Spaß der Woche:
„Ein Pessimist sieht einen dunklen Tunnel.
Ein Optimist sieht das Licht am Ende des Tunnels.
Ein Realist sieht einen Güterzug.
Der Lokomotivführer sieht drei Idioten, die auf den Gleisen stehen.“

Mein Unterbewusstsein versucht verlässlich, mich zu schützen: Immer, wenn ich mich mit anderen Vollidioten auf eine kreuzdämliche Sache einlasse, gaukelt es mir vor, Teil einer kleinen, elitären Minderheiten zu sein.

Wer offene Briefe an Menschen, die er nicht kennt, schreibt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Eine Covid-Variante namens „Mariacron“ würde mir ernsthaft Sorge bereiten.

Letzten Montag war Karl Lauterbach ausnahmsweise mal nicht bei „Hart aber fair“ eingeladen. Und was haben die Gäste gemacht? Sie haben über ihn gesprochen. Mehr Omnipräsenz geht nicht.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXIII)

Die besten Bücher sind die, die einem helfen, Dinge zu verstehen, die man schon glaubte, verstanden zu haben.

Nun hat auch Stephen Sondheim seinen Frieden. Jeder, der in den letzten Jahrzehnten am Musiktheater gearbeitet hat und über zwei Ohren und ein Gehirn verfügt1, ist von ihm beeinflusst worden. Außer gewissen Dramaturgen, die meinten, er hieße „Ach ja“ mit Vornamen und würde einen Doppelnamen führen, weil er mit einer Frau namens „Sowasläufthiernicht“ verheiratet wäre. Ein kleiner Nachruf-Vergleich macht den Unterschied zwischen der Sondheim-Rezeption im englisch- und im deutschsprachigen Raum deutlich:
New York Times:  „Stephen Sondheim, one of Broadway history’s songwriting titans, whose music and lyrics raised and reset the artistic standard for the American stage musical,“
Tagesspiegel Online:  „Im Laufe seiner langen Karriere als Komponist und Texter wirkte er an weiteren Musical-Erfolgen wie ‚Sweeney Todd‘, ‚Gypsy‘ oder ‚Sunday in the Park with George‘ mit.“

Für Impfgegner halte ich eine Reaktionsskala von Kopfschütteln bis Verachtung bereit. Aber wenn Wichtigtuer mit dem bedauernden Kopfschütteln beginnen, weil man ja leider, leider keine andere Wahl habe, als Menschen zu etwas zu zwingen, was sie nicht wollen, schüttelt mich der Brechreiz.

(singt): „It’s the fiiiinaaal Lockdown!“

Wenn im Maschinenraum Ruhe ist, macht man sich Sorgen um den Heizer.

Was ganz erstaunlich ist: Dass der Ministerpräsident eines Landes wie Bayern, in dem das Virus so wütet wie in wenigen anderen, sich immer wieder Zeit nimmt, um verlogenen, depperten Quatsch zu tweeten.

Ein anderer Ministerpräsident, der des Landes Thüringen, hat laut SPIEGEL herausgefunden, dass manche seiner Landeskinder es ablehnen, „wenn Kapitalisten zum Impfen aufrufen. Den russischen Sputnik-V-Impfstoff würden sie freilich nehmen. Auch hätten die Gründer des Impfstoff-Unternehmens Biontech ausländische Wurzeln, was manchem nicht passe.“ Es wird immer schwerer, keine Vorurteile zu haben.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein selbstgeklöppeltes Kalbs-Blanquette, bei dem ich statt der üblichen Kalbsbrust Bäckchen verwendet habe. Wirklich tolles Ergebnis, fantastisch saftiges Fleisch, aromatische Sauce.

Jahrelang an den Schalthebeln der Macht gesessen haben und jetzt von einer Regierung, die noch nicht im Amt ist, „schnelle Maßnahmen“ fordern. Genau mein Humor.

 

 

Splitterbrötchen (DCCCLXII)

In meinem letzten Online-Kurs hatte ich insgesamt 11 Teilnehmer, 4 von diesen 11 waren ungeimpft. Keiner dieser Menschen ist Coronaleugner oder Impfskeptiker: Sie hatten die Notwendigkeit einer Impfung bisher nicht als oberste Priorität angesehen und deshalb immer wieder hinausgeschoben. Eine Teilnehmerin erzählte mir, sie habe in den letzten 5 Monaten 4 Impftermine nicht wahrgenommen, weil immer etwas mit ihrem Kind dazwischen kam (musste überraschend von der Schule abholen, Babysitter sagt ab, sowas). In dieser Krise ist die Kommunikation ein fast so großes Problem wie das Virus selbst.
Am Freitagabend half mir die Trattoria Sicilia in der Beckerstraße, ein wissenschaftliches Projekt, das sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt hat, erfolgreich mit einem definitiven Ergebnis abzuschließen. Der beste Pizza-Belag ist Steinpilz-Gorgonzola. Zeitgleich wurde die Frage nach dem kulinarischen Wochenhöhepunkt geklärt.

Diese Woche war es so weit: Der Käsestullen-Irrsinn hat die Schallmauer durchbrochen, über eine Million Menschen haben mein potthässliches, komplett lieblos erstelltes Foto von einem Baguette aus einem Pariser Imbiss angeschaut. Ich danke allen Menschen, die mich auf dieser Erfolgswelle zum Gipfel getragen haben.1

Wenn sich im Hühnerstall alle über ungelegte Eier aufregen würden, gäbe es schon lange keine Eier mehr.

Wenn Gehirne altern: Erst fiel mir der Film ein, wo Eastwood und Burton eine Steilwand hochkraxeln, um irgendwelchen Nazis heimzuleuchten. Nach ein paar Minuten hatte ich den Originaltitel, „Where Eagles Dare“. Nur ein halbes Stündchen später war ich dann beim deutschen Titel angelangt: „Agenten sterben einsam“. Bei meinen cineastischen Erinnerungsversuchen ist mir immerhin noch der Name des Nachbarsjungen eingefallen, den ich ständig vergesse. „Duda Dings“ heißt der vielversprechende junge Mann.

Beim Anschauen von „tick, tick… Boom!“ ist es mir wieder bewusst geworden: die Songs, Lyrics und Stücke von Julian Larson und ich sind inkompatibel, ich finde keinen Zugang zum Werk dieses Mannes. Der Film als solcher ist durchaus grandios, Regie und Hauptdarsteller sollten Nominierungen für Academy Awards sicher haben, aber Larson als Künstler bleibt mir fremd. Ist wohl meine Schuld, nicht die des Films.

Ob jemand Held oder Schurke ist, stellt sich oft erst im Nachhinein heraus.

War komplett schockiert, als ich erfuhr, dass es tatsächlich etwas namens „Webinar“ gibt. Ich dachte bisher immer, dass da jemand „Weinbar“ schreiben wollte und einen Tippfehler gemacht hat.