Der Klein-Kriminelle nach Effjott

Post von Wagner- Bild.T-Online.de:
Ein Klein-Krimineller stottert, blickt nach unten, hat einen Pflichtverteidiger, ist schlecht gekleidet, womöglich noch tätowiert.

Na, na, Effjott, wollen wir doch präzise bleiben! Sie haben vergessen zu erwähnen, dass der Klein-Kriminelle außerdem einen roten Pulli mit Nummer vor der Brust, eine blaue Schirmmütze und eine schwarze Maske trägt.

Tastendruck

Capslock via Flickr
Ich könnte mir das Monogramm in den Bauch beißen. In Großbuchstaben. Weil ich erst jetzt darauf gekommen bin, dass man sich das Leben hinter der Computertastatur wesentlich angenehmer und einfacher macht, wenn man die dämliche CapsLock-Taste (das ist die über der linken Shift-Taste, genau, die ALLES AUF GROSSBUCHSTABEN UMSTELLT) deaktiviert.
Seit ca. 20 Jahren tippe ich mit meinen Wurstfingern auf Computertastaturen herum, und alle fünf Minuten bin ich bestimmt an diese dämliche Taste gekommen, UND PLÖTZLICH WAR und plötzlich war wieder alles groß und ich musste die letzten paar Wörter löschen und neu tippen.
Das hab ich brav und blöd und stur die letzten zwanzig Jahre so gemacht, und erst vor ein paar Wochen ist mir aufgefallen, dass ich die CapsLock-Taste noch niemals absichtlich betätigt habe. Ich brauche sie ganz einfach nicht, ich schreibe niemals Texte, die nur aus Großbuchstaben bestehen. Da fiel der Groschen: Einfach das Dreckding ausschalten, und ein für alle Mal ist Schluss mit Großschreiblöschenundnochmaltippen.
Google brachte mich auch schnell zu WinKB, einem netten, kleinen, praktischen Programm, dass die böse Taste auf all meinen Computern zuverlässig abschaltete. Herrlich! Entspanntes Arbeiten, schnelleres Tippen… warum hab ich Vollspaten mich zwanzig Jahre von einer blöden Taste mobben lassen?
Nach ein paar Wochen war WinKB zwar immer noch klein und praktisch, aber nicht mehr nett, denn es wollte 20$ von mir, damit es weiter den Deckel auf der dämlichen Taste hielt. Das war mir ein bisschen zu viel, zumal ich für die weiteren Funktionen von WinKB keine Verwendung habe.
Aber die CapsLock-Taste wollte ich auch nicht zurück. Ein bisschen Googlen brachte mich auf Keytweak, ein Freeware(!)-Progrämmchen, mit dem man die Tastaurbelegung ändern kann. KeyTweak runter geladen, gestartet, die CapsLock-Taste mit einer unschädlichen anderen Taste (linke Control-Taste bietet sich an) belegt, Rechner neu gestartet, CapsLock ist weg. Gratis. Und auf Dauer.

Foto von Ehud.

Rosenthal Miss

Gestern habe ich einen wunderbaren Abend im Kreuzkeller verbracht: Köstner und Kirschneck von der besten Fußballzeitschrift aller Zeiten waren da, haben ein paar Texte vorgelesen (Wer Köstner noch nie eine Günter-Hetzer-Kolumne lesen gehört hat, hat nicht gelebt!) und ein paar atemberaubende Videos vorgeführt. Dazu gab’s lecker Pils und beim Quiz hab ich (10 aus 11!) noch eine 11Freunde-Tasche abgeräumt.
Unter den Videos war eine absolute Perle der Fußballkunst, ein Kleinod aus sportlichem Wollen und Gestalten, dass in wenigen Sekunden erklärt, warum wir alle diesen Sport, den der Brite trefflich „The Beautiful Game“ nennt, so abgöttisch lieben: Der legendäre „Rosenthal Miss“!
[youtube]kiVq5-u7MH0[/youtube]

Alles öffentlich

Eins vorweg: Ich mag Mobiltelefone. Die Dinger sind ungeheuer praktisch, ich benutze sie seit über zehn Jahren, und ich kann mich letztlich überhaupt nicht mehr erinnern, wie ich ohne sie zurechtgekommen bin. Was hat man früher eigentlich gemacht, wenn man an unbekanntem Ort verabredet war und sich verpasst hatte?
Okay, wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Ich habe mich daran gewöhnt, dass meine Welt sich in eine riesengroße Telefonzelle verwandelt hat, und dass 90% aller Telefongespräche mittlerweile mit einer vollkommen überflüssigen Standortbestimmung („Ich bin gerade in der U-Bahn…“) beginnen. Ich ertrage kreuzdämliche Klingeltöne aller Art (Ich selber verwende Zimmermanns Torschrei zu Rahns 3:2) und quittiere die Tatsache, dass manchem Gegenüber sein klingelndes Handy wichtiger ist als die Konversation mit mir, mit einem Achselzucken.
Was jedoch gar nicht geht, ist ein Trend, den ich seit kurzem beobachte, nämlich dass die lieben Mitmenschen immer häufiger ihre privaten Katastrophen und Familiendramen am Handy austragen. In den letzten sieben Tagen wurde ich unfreiwillig Zeuge wie ein junger Mann binnen einer lautstarken Viertelstunde die langjährige Beziehung zu seiner Freundin wegen sexueller Inkompatibilität und mehrfachen Vertrauensbruchs auflöste, eine Tochter ihrer Mutter weinend eine Schwangerschaft (nebst ausführlicher Vor- und Nachbereitung) gestand, und eine treusorgende Ehefrau die tragische Krankheitsgeschichte ihres Mannes in allen medizinischen Details vor ihrer besten Freundin ausbreitete. Dies alles in Lautstärke von Stentor bis Gebrüll und unfehlbar in der Kulisse eines öffentlichen Verkehrsmittels.
Liebe Leute, ich will das alles nicht wissen. Ihr habt in meinem Privatleben nix verloren und ich nix in eurem. Die Trennung von privatem und öffentlichem Raum ist ein Kulturgut, eine Errungenschaft, die wir auf keinen Fall aufgeben sollten, nur weil wir noch so viel von unserem Minutenkontingent übrig haben. Dem oder der nächsten, die das versucht, zerdeppere ich das Handy. Versprochen. Danke für euer Verständnis.

Mein Blutdruck

Seit einigen Monaten unternehme ich – auf Anraten meiner fantastischen Hausärztin Mechthild – etwas gegen meinen hohen Blutdruck. Ich schlucke entsprechende Tabletten, achte auf meine Ernährung, treibe Sport und tue alles mögliche, was man gegen hohen Blutdruck so macht. Mit schönem Erfolg. Heute früh habe ich meinen Blutdruck gemessen, und zum ersten Mal seit ein paar Monaten waren die Werte beinahe normal.
Ich freute mich, und schlug den Tagesspiegel auf, um zu lesen, was unsere Stadtentwicklungssenatorin, Frau Junge-Reyer, denn so alles zum Wiederaufbau des Stadtschlosses zu sagen hatte. Warum man, zum Beispiel, auf das geplante Hotel im Stadtschloss verzichten wolle.

Tagesspiegel Online:
„Was hat letztlich zum Verzicht auf das Hotel geführt – der Protest der Hotel- und Gaststättenverbandes?“
„Nein, eher die Aussicht, den großen zeitlichen Aufwand zu reduzieren, den es bedeuten würde, sich bei einem solchen Neubau mit einem Privaten noch einmal abzustimmen. Das kann die Planungsphase erheblich verlängern.“

Soso. Die Berliner Bürokratie – Frau Junge-Reyer, das sind die Jungs und Mädels, die, um nur ein Beispiel zu nennen, seit bald achtzehn Jahren am Ausbau von Schönefeld rumdoktern – könnte also von einem privaten Investor ausgebremst werden. Aha.
Nach diesem nachgerade tolldreisten Versuch, meine Intelligenz zu beleidigen, wiederholte ich die Messung meines Blutdrucks. Der war wieder so hoch wie vor ein paar Monaten.
Wenn ich nächste Woche zu Mechthild gehe, darf ich vorher auf keinen Fall irgendwelche Äußerungen von Frau Junge-Reyer lesen.

Durchbruch

Post von Wagner – Bild.T-Online.de:
Liebe Prinzessin Caroline, was unterscheidet Sie von Prinzessin Diana? Sie sind am Leben …

Es gibt Erkenntnisse, die gleichzeitig so naheliegend und in ihrer letzten Konsequenz doch so kühn und erdenfern sind, dass man nur zu ihnen kommen kann, wenn man sich von den Gedankengängen des Durchschnitts abwendet und den Wahnsinn als logische Alternative akzeptiert. Dazu gehört Mut. Effjott gehört zu den mutigsten Autoren unserer Zeit!

Wie damals, am Küchentisch…

Im heutigen Tagesspiegel liefert Kritiker Jan Schulz-Ojala eine Begründung dafür, dass die deutsche Kritik im letzten Jahr praktisch unisono auf den eigentlich höchst ansehbaren „Parfum“-Film eingedroschen hat.

Davids und Goliaths:
Dass die Kritik mit diesem Film besonders unbarmherzig und mitunter persönlich ungerecht umgegangen ist, hat mit dem Regisseur zu tun – war doch Tom Tykwer, einst größtes Individualtalent des deutschen Films, in den Augen vieler Rezensenten den Weg allen Mainstreams gegangen.

Es ist auf alle Fälle gut zu wissen, dass man als Filmregisseur nicht mehr frei in der Planung und Durchführung der eigenen Karriere ist. Eine Richtung eingeschlagen, die dem Feuilleton nicht paßt, und schon wird man abgewatscht, unabhängig von der eigentlichen Qualität der geleisteten Arbeit.
Das eigentlich atemberaubende an Schulz-Ojalas Statement ist jedoch die Enthüllung, dass Kulturjournalismus die gleichen gruppendynamischen Rituale abzuarbeiten scheint wie eine Kreuzberger WG in den 70er Jahren: Durch mauschelndes Umhören bei preiswertem Rotwein einen Kleinsten Gemeinsamen Nenner herausfinden, diesen zum einzig politisch und moralisch akzeptablen Mainstream erklären und selbigten mit allen Mitteln (Mobbing? Gerne!) durchsetzen, bis alle auf dem gleichen niedrigen Niveau angekommen sind.
Mit dieser Methode hat man es vor 30 Jahren nicht geschafft, die Herrschaft über die Horizonte zu erringen, und mit der gleichen Methode ist – wie sattsam bekannt – auch die deutsche Filmkritik am „Parfum“ gescheitert: Der Film hatte – m. E. vollkommen zurecht – über 5 Millionen Zuschauer.

Tschullijung…

„… ich will ja weiß Gott nich rückwärts gewandt sein und Verständnis haben für alle möglichen neuartigen Geschichten… aber… WAS IST DENN DAS FÜR EIN ÜBER ZWEI METER GROSSER BOXER, DER EINEN KLEINEN JUNGEN MIT EINER GITARRE VORSCHICKT?“

schoss mir durch den Kopf, als ich diesen grottendämlichen Walk-In (tolles Wort, BTW) von Walujew am Samstagabend im Fernsehen sah.