Phantastische Schlagzeile im Montags-Tagesspiegel: „Krude Geschichten pflastern ihren Weg – Die Hollywood-Autorin mit den Klon-Pitbulls soll früher einen Missionar vergewaltigt haben.“ Hollywood, Sex, Tiere, Religion… da wurde nichts vergessen, da stimmt einfach alles.
Im Netz gefunden: „Unsere Hausselektion deutscher Qualitätsweine von XXX, ist so ausgewählt, daß sie perfekt den jeweils typischen Geschmack wiedergibt, so wie man das von derartigen Weinen aus den verschiedenen Regionen auch erwarten darf.“ Genau. Nicht mehr und nicht weniger.
Pfiffig, pfiffig, liebe Gastwirte, die ihr eure Speisekarten ohne Preise ins Internet stellt. „Wenn die Leute sehen, was das kostet, kommen Sie gar nicht erst her!“ denkt ihr euch vermutlich. Nuja. Und weil ich mir denke, dass ihr das denkt, bleib ich erst recht weg.
Eben höre ich die geduldigste Gemahlin von allen sagen: „Die beiden sind ja noch ganz jung, Ende zwanzig…“ Ach.
Okay, ich hab doch mal in eine Olympia-Zusammenfassung vom ZDF reingeguckt. Seitdem bin ich ganz sicher, dass Johannes Baptist Kerner gedopt ist.
Thomas Middelhoff, der Oberpropeller von Arcandor/Karstadt will in Zukunft etwas namens „Aufenthaltskompetenz“ anbieten. Vergesst Karstadt.
Ein bisschen sehr tragisch ist es schon, dass man zuerst an seine monumentalen Fehlleistungen denkt, wenn man sich an Jürgen Hingsen erinnert.
Die drei Fehlstarts über hundert Meter in Seoul, die ihn sofort aus dem Wettbewerb katapultierten… So, als wollte er sich absichtlich und möglichst unelegant aus dem Zehnkampf verabschieden, bevor der eigentlich begonnen hatte. Da hingen wir mit offenen Mündern vor der Glotze und fragten uns: „Kann man wirklich so doof sein wie Jürgen Hingsen?“
Und natürlich das Stabhoch-Drama in Los Angeles. Um Himmelswillen. Der bizarrste Stabhochsprung aller Zeiten. Da hingen wir mit offenen Mündern vor der Glotze und fragten uns: „Kann man wirklich so doof sein wie Jürgen Hingsen?“
Er machte es einem aber auch leicht, ihn doof zu finden. Sein nassforsches Auftreten („Ich bin der größte Athlet aller Zeiten.“) und der dämliche Pornobalken unter der Nase… Jürgen Hingsen wirkte nicht wie ein Ernst zu nehmendes Sportidol, sondern eher wie ein geltungsbedürftiger Krefelder Gebrauchtwagenhändler, der mal ordentlich auf den Putz hauen will.
Aber als ich für diesen kleinen Text ein wenig recherchierte, begann ich, Hingsen mit anderen Augen zu sehen. Um Himmelswillen, der Weltrekord, den er 1984 aufgestellt hat, ist ja noch immer Deutscher Rekord! Seit 24 Jahren war kein deutscher Zehnkämpfer besser als Hingsen. War wohl doch kein ganz schlechter.
Und wenn man sich an den Zehnkampf in Los Angeles vor dem Stabhochspringen erinnert, dann war das eine der spannendsten Sportveranstaltungen, denen ich je zugesehen habe. Daley Thompson (mit ähnlichem Oberlippenzierat wie Hingsen ausgestattet, war damals wohl Mode unter Mehrkämpfern) hat ständig vorgelegt, doch Hingsen hat stoisch gekontert und ist immer näher an ihn heran gerückt. Beim Diskus hatte er ihn beinahe, doch dann hat Thompson im letzten Versuch eine neue persönliche Bestweite aus dem Zylinder gezaubert. Knapp daneben ist auch verfehlt, dachten wir, aber es ist ja noch alles drin, es stehen ja noch drei Disziplinen aus. Was kommt als nächstes? Ach, Stabhochsprung…
Für viele bewegungsbegabte Sportler ist eine Karriere als Schauspieler in körperbetonten Action-Filmen eine logische Konsequenz, und als Hingsen nach den Spielen von Los Angeles eine Hauptrolle in einem neuen Meisterwerk aus der Siggi-Rothemund-Schmiede namens „Drei und eine halbe Portion“ angeboten wurde, griff er beherzt zu. Auch in diesem für ihn ungewohnten Metier verleugnete er sich nicht und drückte dem Wettkampf Film seinen eigenen Stempel auf.
Daley Thompson pflegte seinen Dauerrivalen übrigens gern als „Hollywood Hingsen“ zu bezeichnen. Jetzt wissen wir, warum.
In Zeiten, da ich der Zeitung entnehmen muss (nein, ich gucke immer noch nicht), dass diese Nation sich glücklich preisen darf, wenn ihre Schwimmer den gegenüberliegenden Beckenrand erreichen, ohne zu ertrinken, scheint es unglaublich, dass wir mal einen Mann am Start hatten, der den Amerikanern nicht nur Paroli bieten, sondern sogar davon schwimmen konnte. Der zu den Spielen fuhr, ohne viel Aufhebens sein Ding durchzog und mit ein paar Medaillen zurückkam. Denn das war das eigentlich Sympathische an Michael Groß alias „Der Albatros“: seine Unaufgeregtheit. Während die Reporter am Beckenrand sich ein ums andere Mal überschlugen, peitschte er sich mit seiner enormen Flügelspannweite durchs Wasser, stieg aus dem Becken und ging zur Tagesordnung über. Ein ganz normaler, freundlicher Mensch, der lediglich schneller schwimmen konnte als andere. Mehr war Michael Groß nicht, und mehr wollte er auch nicht sein, auch wenn Jörg Wontorra ihn mit seinem hektisch geröchelten „Flieg, Albatros, flieg!“ in mythische Sphären abzudrängen versuchte. Wie dem auch sei, 84 in Los Angeles sorgte der Albatros für ganz großes Kino:
Eine weitere Goldmedaille hätte Michael Groß für die knochentrockenste Antwort aller Zeiten auf eine dämliche Reporterfrage verdient.
Reporter: „Herr Groß, wie war ihre Taktik über hundert Meter Delphin?“
Groß: „Ich sprang ins Wasser und bin so schnell geschwommen, wie ich konnte.“
Seit Freitag laufen diese dubiosen Spiele, die ich ja nicht gucken mag, aber die ganzen zweieinhalb Wochen ohne Spocht? Geht gar nicht. Deshalb hab ich youtube nach ein paar ollen Olympia-Kamellen abzusuchen, die ich hier in den nächsten Tagen vorzeigen werde. Paar Gänsehaut-Klassiker, aber auch ein paar Sachen, die ich mir selbst erst wieder ins Gedächtnis rufen musste. Den heutigen Moment allerdings nicht, wenn man das einmal gesehen hat, kann man’s nie mehr vergessen.
Stichwort Ringen. Für mich eine etwas gewöhnungsbedürftige Sportart. Männer verschiedener Gewichtsklassen grapschen aneinander herum, bis einer den anderen umgeworfen hat. Big Deal. Nichtsdestoweniger hat die Sportschau in den Sechziger Jahren gern und ausführlich Ringen gesendet, und so war auch ein Ringer-Muffel wie ich vertraut mit Wilfried Dietrich, der in jeder, aber auch wirklich jeder Sportschau als der „Kran von Schifferstadt“ bezeichnet wurde. Vermutlich hatte die ARD seinerzeit diesen Spitznamen-Witz für teuer Geld eingekauft, und deshalb musste er so oft wie möglich verwendet werden. „Und jetzt kommt Wilfried Dietrich, der Kran von Schifferstadt…“ „Wilfried Dietrich, den man ja nicht nur in Schifferstadt den Kran von Schifferstadt nennt…“ „Vielleicht wissen ja einige von Ihnen noch nicht, dass Wilfried Dietrich auch der Kran von Schifferstadt genannt wird…“ Auch wenn es einem physiologischen Wunder gleich kommt, so ein Kran kann einem tatsächlich ganz weit aus den Ohren heraushängen.
Wie dem auch sei, 1972 trat Wilfried Dietrich, der… nein, ich schreib es nicht… also, unser Wilfried Dietrich trat noch mal bei den Spielen in München an, ohne dass ihm irgendjemand allzu viel zutraute. Der… Ringer Wilfried Dietrich hatte seine beste Zeit schon hinter sich, mehr als ein achtbares Abschneiden war wohl nicht drin, und tatsächlich reichte es letztlich nicht zu einer Medaille. Aber wer interessierte sich denn 1972 noch für Wilfried Dietrich? Tagesgespräch war der amerikanische Ringer Chris Taylor, mit fast 200kg der schwerste Olympiateilnehmer aller Zeiten, der im Freistil eine Bronzemedaille errungen (ha!) hatte. Alle Welt rätselte, ob dieser Koloss überhaupt ringen konnte, oder ob er einfach dadurch gewann, dass er sich auf seine Gegner drauflegte und sie unter seinen vier Zentnern begrub. Und als dann unser Kr… Wilfried Dietrich mit seinen damals 39 Jahren in Griechisch-Römisch gegen dieses Riesenbaby antreten musste, war die Frage nicht: „Kann er das gewinnen?“, sondern die Frage war „Kann er das überleben?“ Und dann entkorkte (bitte auf den Kommentator achten, natürlich sagt er es) Wilfried Dietrich diese unglaubliche Nummer:
Buchbeschreibung auf der Homepage eines (angehenden) Autors: „Die Anthologie enthält mehrere Kurzgeschichten, von Horror bis hin zu Dramen, Horror und Schickalsschlägen auch für Kinder ist etwas dabei .“
Eine medizinische Sensation: Offenbar ist deutschen Sportärzten die erste totale Gehirnamputation gelungen. Wie anders lässt sich erklären, was Stabhochtrottel Tim Lobinger zu BILD sagte: „Kein Militär der Welt kann uns Sportler stoppen, wenn wir eine Party machen wollen.“
Wenn man es geschafft hat. halbwegs unfallfrei ins Internet zu kommen, ist man noch lange nicht der Mittelpunkt desselben.
Hm. Heute fangen nun die olympischen Spiele an. Soso. Wenn ich dran denke, was ich früher wegen Olympia für einen Aufriss gemacht habe: Wochenlang vorher den Zeitplan gewälzt, sämtliche Termine auf die sportlichen Events abgestimmt („Freitag abend kann ich auf keinen Fall, da ist Weitsprung!“), sich mit den Regeln obskurer Sportarten auseinander gesetzt („Gibt es beim Synchronschwimmen eigentlich auch Fouls?“) und – wenn’s dann endlich losgegangen ist – bin ich wochenlang vorm Fernseher kleben geblieben und wurde mit unvergesslichen Momenten belohnt, von monumentalen Heldentaten (Baumann in Barcelona!) bis zu zwerchfellerschütternden Fehlleistungen (Immer wieder Jürgen Hingsen!).
Heute geht’s wieder los. Hm. Offengestanden gehen mir die Spiele diesmal sowas von am Arsch vorbei… Warum soll ich irgendwelchen wandelnden Apotheken zugucken, die sich von gewissenlosen Funktionären an ein Unrechts-Regime verschachern ließen, das sein lädiertes Image aufpolieren will? Ja, ich weiß, ganz bestimmt tue ich irgendwem Unrecht, ganz bestimmt kann Politik nicht Sache der Sportler sein, ganz bestimmt ist es vollkommen korrekt und sinnvoll, sich vier Jahre lang auf dem Trainingsplatz den Arsch aufzureißen und sich anschließend einen Dreck drum zu scheren, wo man seine Leistung bringt, weil die geschätzten Funktionäre, die einem ja gern das Denken abnehmen, schon dafür sorgen werden, dass „alles seine Richtigkeit hat“. Und natürlich werden diese ganzen Mollusken, die noch nicht einmal wissen, was das Wort „Rückgrat“ bedeutet, von einer Sportpresse sekundiert, die schon längst den journalistischen Offenbarungseid geleistet hat, und nicht mehr über Sport berichtet, sondern ein Produkt verscheuert, für das ihre Arbeitgeber sehr viel Geld bezahlt haben.
Nee. Diesmal bin ich nicht interessiert. Um den unsterblichen Sam Goldwyn zu zitieren: „Include me out.“
65 Jahre. Eine unglaubliche Zahl. Kleiner als 66, größer als 64, jedoch unfassbar, wenn man vor dem Kondom-Automaten steht und kein Kleingeld hat. Wölfe heulen in der Nacht, wenn Männer wie Sie Geburtstag feiern. Tränenlos, einsam und doch immer wieder Muttchens Plettenpudding.
65 Jahre. Männer und Frauen. Wer kann das sagen, wenn nicht Sie? Und jetzt: Überall Sex! Sex im Fernsehen, Sex in Magazinen, Sex in Ihrer Kolumne. Sogar Udo Walz hat geheiratet. Einsamkeit, Verzweiflung, Nähmaschinenöl. Überall. Nur nicht dort.
65 Jahre. Reden. Schweigen. Nichts weiter. Der Starke ist am einsamsten allein. Auch beim Sex. Wenn, wo nicht da? Zitronensaft hilft gegen Tennisarm, Quacksalber wanken durch die Nacht. Mick Jagger! Wirklich Mick Jagger?
65 Jahre. Dem Trotzdem immer ein Dennoch entgegengesetzt oder vorangestellt. Ich bin verzweifelt, entsetzt, hoch erfreut. Ich bin ein Pickel auf der Kornblume Ihrer Phantasie. Eine Eiterbeule im Wahn der innerstädtischen Olympioniken. Trotz Rauchverbot: Die Tauben stehen auf Ost. Krokodile zwinkern am Donnerstag.
In diesem Sinne.
froh, bei dem Experiment DDR dabei gewesen zu sein.
Liebe aufgeregte Deutsche, warum regt ihr euch denn so auf? Habt ihr vergessen, dass Frau Thalbach Schauspielerin ist? Die meisten Schauspieler sind doch Schauspieler geworden, damit sie keine eigenen Texte mehr sprechen müssen, sondern sich auf (von Dramaturgen, Deutschlehrern u.ä.) autorisierte Texte verlassen können. Die lernen Sie dann auswendig und sagen sie auf. Wenn Schauspieler eigene Texte aufsagen, wird’s oftmals ganz schnell ganz besonders unfallträchtig. Besonders bei Frau Thalbach. Im besagten Artikel wird sie nämlich noch mit Sätzen wie
Ich hoff‘ immer noch, dass die Sache mit der Mondlandung nur Fake war. Die Vorstellung, Menschen sind auf dem Mond rumgetrampelt, ist furchtbar.
zitiert.
Seht ihr, liebe aufgeregte Deutsche? Sowas passiert eben, wenn Frau Thalbach eigene Texte spricht. Ist kein Grund, sich aufzuregen. Wirklich nicht. Geht ja vorbei. Ist ja auch nur ein Mittelding zwischen Sprache und Geräusch. Hört sich gut an, macht aber keinen Sinn. Kein Grund zur Aufregung. Gehen Sie einfach weiter. Hier gibt es nichts zu sehen. Oder zu hören.
Wenn man etwas über einen längeren Zeitraum hinweg tut, dann fragt man sich früher oder später: „Warum mach ich das eigentlich?“ Ich zum Beispiel schreib seit bald zwei Jahren gelegentlich über das, was ihnen so einfällt durch Unachtsamkeit aus dem Hirnkastl herausfällt, und da fragen früher oder später nicht nur die Freunde, da fragt man sich selbst: „Warum les ich jeden Tag den Quatsch, den der Effjott schreibt?“ Nach sekundenkurzem Nachdenken kann ich die einleuchtende Antwort „Es ist die Freude an der reinen Idiotie gepaart mit der Bewunderung für den mit Könnerschaft herbeigeführten Sprachunfall.“ geben. Wer anders als Sie, chér Effjott, käme z.B. auf den Gedanken, das komplexe Verhältnis zwischen Wolfgang Clement und der nordrheinwestfälischen SPD so auf den Punkt zu bringen:
Er soll seine eigenen Kleider auffressen, mit offenem Mund „Hilfe“ schreien. Das also hat die NRW-SPD für Wolfgang Clement beschlossen.
Wenn ich mit geschlossenem Mund „Bravo!“ schreien könnte, würde ich es jetzt tun, aber da ich das nicht kann, öffne ich ihn zu diesem Behufe (wie Sie es für Wolfgang Clement beschlossen haben) und applaudiere Ihnen mit ganzer Stimme. Und das Tolle an Ihnen und Ihren Kolumnen ist ja, dass Sie das gar nicht Ernst meinen. Sie schreiben diesen Quatsch hin und lachen selber am lautesten über den Unfug, den Sie gerade verzapft haben, wie zum Beispiel über diese bezaubernde Miniatur über die Essgewohnheiten von Sozialdemokraten:
Ich würde ihm meine Tür öffnen. Ich würde dem hungernden Clement Buletten, Fleischwurst, Bier und alles geben, was ein SPDler gerne isst.
Gottseidank, dass Sie das nicht Ernst meinen, Effjott. Oder? Effjott? Effjohott?
Erstaunlich, dass es einen doch immer wieder erstaunt, dass aus dummen, bornierten Kindern dumme, bornierte Erwachsene werden.
Manchmal stelle ich mir vor, wie Amy Winehouse bei Kräutertee und Dinkelkeksen zuhause sitzt und Tränen über die Presse lacht, die ihr all diese Drogengeschichten abkauft. Nichtsdestoweniger begeistert die Lakonie ihres Vaters, wenn er Sätze wie „Sie hat ihre Medikamente durcheinander gebracht.“ sagt.
Die Spam-Versenderin der Woche heißt Concepcion McCracken. Was für ein Name!
Eine Kunst, die nicht jeder beherrscht: Das kontrovers geführte Selbstgespräch.
Das Wort der Woche bei Sebastian gefunden: Dilldolde.
Beim Lesen der Blog-Kommentare und Leserbriefe zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Rauchverbot: Vor 6 Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Ich bin stolz darauf, mich immer noch nicht auf das geistige Niveau eines militanten Nichtrauchers herabgelassen zu haben.