Splitterbrötchen CCXX

Das Zitat der Woche stammt von Vince Ebert:  „Das (Homöopathie) ist, als ob man in Frankfurt einen Autoschlüssel in den Main wirft und dann in Würzburg versucht, mit dem Mainwasser das Fahrzeug zu starten.“

Neuheit bei Facebook: Man kann jetzt jemand inviten, um eine Seite zu liken. Ganz groß.

Ganz plötzlich fiel mir gestern Abend ein sympathischer Claim für meine nordhessische Heimatstadt ein. Auch heute morgen finde ich ihn noch gelungen und vor allen Dingen äußerst treffend. Ich veröffentliche ihn daher gerne hier und stelle ihn der Stadt und ihrem Tourismus-Management ausdrücklich gratis zur Verfügung: „Eschwege – Home is where the Worscht is!“

Es ist wirklich schade um ein dem Französischen entlehntes Wort, das einmal Bestandteil der deutschen Sprache war. Wir benutzen es nicht mehr, sicherlich weil es die Menschen nicht mehr gibt, die man mit diesem Wort in Verbindung bringen konnte. Grandeur.

 

Man lernt wirklich nie aus

Als ich dieses Video zum ersten Mal gesehen habe, hab ich Mund und Nase aufgesperrt. Kann das Schälen von Knoblauch wirklich so einfach sein? Über den Trick hätte ich doch in dreißig Jahren Kochpraxis mal stolpern müssen, das hätte doch in einem meiner Kochbücher stehen müssen…
Ist bestimmt ein Fake, die wollen mir irgendwas verkaufen… Nur was? Blechschüsseln? Ein Knoblauch-Schäl-Abo?

[vimeo]http://vimeo.com/29605182[/vimeo]

Ich hab’s eben ausprobiert, mit einer einzelnen Zehe, in einem kleinen Schüsselchen. Kurz mit dem Handballen angeknackt, ein paar Sekunden geshaked, fertig. Funktioniert wie Sau. Ich mach diese Woche endlich mal wieder das Vierzig-Zehen-Huhn. Aber diesmal nehm ich sechzig Zehen. Quatsch, achtzig! Oder doch gleich hundert?

 

Splitterbrötchen (CCXIX)

Kaum zu glauben, aber diese Woche war ich zum ersten Mal – dank einer großzügigen Einladung der geduldigsten Gemahlin von allen – Eishockey-Gucken in der Berliner O2-World. Beeindruckende Kulisse, tolle Atmosphäre, und Hardcore-Fans, die in dieser Hightech-Arena „Ost-, Ost-, Ost-Berlin“ skandieren,  sorgen sogar für beinahe theatrale Verfremdungseffekte.

Auf youtube nach Jahrzehnten wiedergehört: die Titelmelodie von „Am Fuß der blauen Berge“ („Laramie“ im Original). Zaubert immer noch zuverlässig ein vorfreudiges Grinsen in mein Gesicht.

Die Welt der Facebook-Spiele ist groß und bunt. Da ist sogar Platz für Angebote mit erschütternd aussagekräftigen Titeln wie „Schieß Panzer! Boom!“

Den Verriss der Woche schuf der höchst geschätzte Denis Scheck, der einen Thriller Autor in einem einzigen, wunderbaren Satz vernichtete: „Hätte Jussi Adler-Olsen die Aufgabe, einen Notausgang zu beschriften, keiner käme lebend raus.“1

Ärgerlich wie immer das Gehabe der UEFA und ihres willfährigen Nickdackels Theo Zwanziger. Rauchverbot in den EM-Stadien, kein Biersponsor mehr für die Nationalmannschaft… Herrgottsack, Fußball ist unterhaltsamer Sport, mehr nicht. Für die Heilung der Gesellschaft sind andere zuständig.

  1. Dabei les ich die Adler-Olsen-Romane ganz gerne…

Splitterbrötchen (CCXVIII)

Was mir mit zunehmendem Alter immer mehr auf den Senkel geht: Leute, die Professionalität mit Wurschtigkeit verwechseln.

Der Unterschied zwischen „wichtig sein“ und „sich wichtig machen“ ist vor allen Dingen für Menschen, die sich gern wichtig machen, praktisch nicht zu erkennen.

Das Verbot ist der Zufluchtsort des Hilflosen.

Im Falle von „Mad Men“ habe ich schlappe vier Wochen von „Was soll der Scheiß?“ bis zu „Darf keine Folge mehr verpassen.“ gebraucht.

Der Triumph des inneren Faulpelzes

Jahrelang, Quatsch, was schreib ich, jahrzehntelang hab ich Gulasch (eigentlich Pörkölt, für die Peniblen) nach immer der gleichen Façon gekocht: Fleisch portionsweise anbraten, raus damit, reichlich Zwiebeln glasig dünsten, mit Paprika durchschwitzen, Fleisch wieder rein, würzen, Flüssigkeit zugeben, langsam fertig schmoren. Bewährtes Standardrezept, xmal gekocht, beliebt bei allen Gästen, bei der geduldigsten, besten Gemahlin von allen und bei mir. Gab also keinen Grund, am Rezept zu drehen.

Doch. Natürlich gab es einen Grund: meine Faulheit. Ich hatte vor ein paar Jahren, als Alfredissimo noch lief, Sarah Wiener da mal ein Saftgulasch ganz ohne Fleischanbraten machen sehen. Müde lächelnd hatte ich abgewinkt: Kann ja nicht schmecken, ohne Anbraten. Keine Röststoffe, keine Maillard-Reaktion: Wie soll denn da Geschmack ans Fleisch kommen? Unfug, diese ganze Saftlhuberei!

Aber mein innerer Faulpelz war geweckt. Was, wenn es nun doch funktioniert? Man spart sich die umständliche Anbraterei, hätte keine Fettspritzer-Sauerei mehr auf dem Herd und die ganze Zubereitung wäre tatsächlich noch einen Tick unkomplizierter.

Denn inneren Faulpelz unter Kontrolle zu halten, wurde zunehmend schwieriger. Anfangs ließ er sich noch durch einen Teller „klassischen“ Gulaschs besänftigen („Würde ohne Anbraten nie so kräftig schmecken…“), aber spätestens seit höchst geschätzte andere Foodies auf den Saftgulasch-Zug aufsprangen, war meine Ruh dahin. „Wir können es doch mal ausprobieren!“, sabberte der Faulpelz mir ins Ohr. „Nur um endgültig den Beweis zu haben, dass es ohne Anbraten nicht funktioniert!“.

Schließlich hatte der Faulpelz mich so weichgekocht wie ein Gustostückerl im Meissl & Schadn: ich gab auf, besorgte Gulaschzutaten1 und legte los. Ich dünstete drei Pfund  grob zerkleinerte Zwiebeln in reichlich Schweineschmalz an, gab, als die Zwiebeln goldgelbglasig waren, zwei oder drei Esslöffel Paprikapulver (edelsüß und scharf) dazu, ließ kurz durchschwitzen und gab mit zitternden Händen drei Pfund in Würfel geschnittene Rinderwade hinzu, OHNE SIE ANGEBRATEN ZU HABEN. Anschließend stürzte ich ein Glas Rotwein hinunter, um diesen Akt küchentechnischer Tollkühnheit gebührend zu feiern.

Ein Schlückchen Rotwein hielt ich natürlich geistesgegenwärtig zurück, um es zusammen mit zwei, drei Tassen Bouillon ans Gulasch zu kippen. Schnell noch gesalzen, ein mit Kümmel, Lorbeer, Zitronenschale und Knoblauch gefülltes Gewürz-Ei hineingehängt, Deckel drauf und drei Stunden bei kleinster Hitze ziehen gelassen. Dann sah das so aus:

Gulasch ohne Anbraten

Optisch war absolut kein Unterschied zum klassischen Gulasch festzustellen. Aber das böse Erwachen musste natürlich kommen, wenn man das Gulasch probierte. War doch Quatsch, das Fleisch nicht anzubraten. Mein Gott, das schöne Fleisch… komplett ruiniert!

Ich verzichtete darauf, das Gulasch abzukühlen, bis zum nächsten Tag kaltzustellen und dann wieder aufzuwärmen 2 und probierte sofort.

Seitdem hab ich schon drei oder viermal wieder Gulasch gekocht. Und bei keinem das Fleisch angebraten. Es macht nämlich keinen Unterschied. Das so zubereitete Gulasch schmeckte genauso wie das Gulasch mit angebratenem Fleisch. Auch externe Gulasch-Experten kamen nach einem ausgiebigen Blindtest zum gleichen Ergebnis: „Kein Unterschied zu sonst.“ Offenbar sorgt ausschließlich das lange, gemächliche Schmoren für den Geschmack, was da drei Stunden vorher bei der Maillard-Reaktion entstanden ist, spielt auf dem Teller keine Geige mehr.

Und die Moral von dieser Küchengeschichte? Ist doch klar: Faulheit siegt. Mahlzeit!

Justizirrtum

Am Dienstag hatte ich bei Gericht zu tun, und bevor man beim Schöneberger Amtsgericht vorstellig werden kann, muss man erstmal durch die Sicherheitskontrolle. Dass man mir dabei mein völlig ungefährliches Multifunktions-Fahrradwerkzeug für die Dauer meines Gerichtsbesuchs abnahm, will ich mal achselzuckend unter „sinnfreiem Aktionismus, immerhin bemühen sie sich ja“ verbuchen, geschenkt.

Darüber, dass Rechtsanwälte den ganzen Sicherheitszinnober durch Vorzeigen eines Ausweises umgehen können, staune ich aber nicht schlecht: Welcher Denk-Kräppel ist denn auf die gloriose Idee gekommen, dass ausgerechnet Anwälte über keine kriminelle Energie verfügen können?

Der Commander kehrt zurück

Im Februar hatte „Last Commander Standing„, eine Rock-Show, deren Buch ich geschrieben habe, in Berlin Premiere. Die Veranstaltung(en) waren recht erfolgreich, so dass Commander Jack Chickenhunter zurückkehrt, um die Wünsche seines Publikums zu erfüllen. Und diesmal ist auf der Bühne auch ein rundlicher, älterer Herr dabei, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Netzecken-Inhaber hat.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=bL__8M_4p9c[/youtube]

Vom 13. bis 15. Oktober läuft die Show jeweils um 20 Uhr im Café Schalotte1 in Charlottenburg. Wer straighten Gitarrenrock mag, Rhythmen jenseits der 4/4 mit Misstrauen begegnet und extreme Lautstärken schätzt, sollte einen Besuch in Erwägung ziehen.

  1. Da hab ich vor dreißig Jahren „Zufälliger Tod eines Anarchisten“ gespielt. Und vor 25 Jahren „Die Kurve“ von Tankred Dorst. Scheiße, bin ich alt.

Splitterbrötchen (CCXVII)

Ungewöhnlich viele Frauen scheinen sich bei der Namenswahl für ihre Kinder total zu verhauen. Und weil sie dann mit den standesamtlich eingetragenen Namen total unzufrieden sind, sagen sie nur noch „Mäuschen“ zu den Kleinen. Ach je.

Der Spam der Woche erfreute mich mit der erhellenden Nachricht: „Sie haben diese Email erhalten, weil Ihre E-Mail-Adresse hat zuvor in dafür entschieden, unsere Updates zu erhalten.“

Scheißtag der Woche war der Donnerstag: Steve Jobs starb und die Stockholmer verweigerten mir erneut den Literaturnobelpreis.

Seit Jobs gestorben ist, weigert sich iTunes, meinen iPod wiederzuerkennen. Ich finde, Apple übertreibt.

 

Splitterbrötchen (CCXVI)

Irgendwann hab ich mir mal geschworen, diesen Alten-Sack-Satz „In meinem Alter muss ich das nicht mehr verstehen!“ nicht bzw. nicht mehr zu sagen. Gestern habe ich den Schwur gebrochen, als ich von den rauschenden Abschiedsparties las, die in der Hamburger U-Bahn gefeiert wurden, bevor Alkoholgenuss dortselbst mit Bußgeld geahndet wird. Kann mir irgendwer erklären, was so toll daran ist, in der U-Bahn lauwarmes Flaschenbier zu trinken?1 Schon als Jugendlicher habe ich Lokale bevorzugt, die sich erst zu bewegen begannen, wenn ich einiges intus hatte.

Apropos alter Sack: An Marcel Reif scheiden sich ja die Geister. Ich hab ihn als Fußballkommentator meistens sehr geschätzt, aber Bayern-ManCity am letzten Dienstag ging gar nicht. Komplett den Wendepunkt der Partie verpasst und mindestens eine halbe Stunde gebraucht, um zu merken, dass das Spiel sich gedreht hatte. Vielleicht doch mal über den Ruhestand anchdenken, Marcel? Fußball gucken ohne ständig mitsprechen zu müssen, wäre doch mal eine schöne Abwechslung.

Die Blogroll um zwei ganz fantastische Links erweitert: Die Retronauten und Pour 15 minutes d’amour. Jeweils eine dicke Empfehlung.

Der schlimmste Holzweg ist der, an dessen Ende man „Und ich hab doch recht gehabt!“ sagen kann.

 

  1. Ja, ich weiß, dass viele Jugendliche das tun, um Geld zu sparen.