Fenstersturz

Doherty in Todesfall verwickelt – SPIEGEL ONLINE:
„Es soll ein handgreiflicher Streit gewesen sein, in den Pete Doherty mit dem Amateurschauspieler Mark Blanco auf der privaten Party geriet, berichtet die ‚Sun‘. Wenig später sei der 30-Jährige vom Balkon der im zweiten Stock gelegenen Wohnung im Londoner Stadtteil Whitechapel gestürzt und dabei ums Leben gekommen.
Der Babyshambles-Sänger habe die Feier verlassen, bevor die Polizei eingetroffen war…
Blanco hätte kommende Woche in einer Inszenierung von Dario Fos ‚Zufälliger Tod eines Anarchisten‘ auf der Bühne stehen sollen.“

Und dieses Theaterstück dreht sich darum, dass jemand aus dem Fenster gefallen ist! Das ist an Tragik nicht mehr zu überbieten: Ein junger Amateurschauspieler gibt alles für die Produktion, opfert sich im wahrsten Sinne des Wortes für seine Truppe auf, und dann klaut ihm der zugekokste Doherty die ganze Publicity. Es gibt keine Gerechtigkeit auf dieser Welt.

Zu hohe Ziele

ProSieben plant Filmklassiker-Parodien: SPIEGEL ONLINE:
Das kann heiter werden: Pro Sieben plant, Blockbuster der Filmgeschichte im Fernsehen zu parodieren. Auf dem Zettel stehen unter anderem „Dirty Dancing“ oder „Die Hard“.

Oh je, ob sich da unser sympathischer Kommerz-Sender nicht etwas verhoben hat? Gerade als Autor, der weiß, dass man letztlich nur das parodieren kann, was man liebt, frage ich mich, wie ProSieben ein solches Vorhaben stemmen will. Ich glaube nicht, dass in einem Sender, der Formate wie „Die Burg“ ausstrahlt und – von Talent und Persönlichkeit her stark herausgeforderte – Menschen wie Elton vor eine Kamera lässt, überhaupt jemand arbeitet, der fähig ist, so etwas wie Liebe zu empfinden.

Santa ohne Credibility?

Presseportal: Hochschule startet Studie zur Werbefigur „Weihnachtsmann“:
„Die Mediadesign Hochschule stellt die Werbefigur des Weihnachtsmannes jetzt auf den Prüfstand: Wie Erfolg versprechend ist die Nutzung des Weihnachtsmannes als Werbeträger heute noch? Die Vermutung der Wissenschaftler: Da zahlreiche Produkte und Unternehmen mit dem Weihnachtsmann werben, hat er seine Glaubwürdigkeit als Werbe-Botschafter stark eingebüßt … ‚Der Weihnachtsmann hat aber ein ähnliches Problem wie Franz Beckenbauer: Wenn eine Person nacheinander für konkurrierende Marken wirbt, verliert er seine Glaubwürdigkeit‘, so Professor Dreiskämper. Seine Empfehlung: ‚Der Weihnachtsmann sollte als Werbefigur mit seinen 75 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand entlassen werden.‘

Äh… Herr Professor… auch wenn das jetzt wie ein Schock für sie kommt: Ein vierjähriges Kind, das seine Eltern auf einen ca. zweistündigen vorweihnachtlichen Shoppingbummel durch die Innenstadt einer deutschen Großstadt begleitet, wird in diesem Zeitraum ca. 50 Weihnachtsmännern begegnen, deren Bärte erkennbar falsch sind, deren zum Teil stark zerschlissene Kostüme stark nach Mottenkugeln und deren Atem gelegentlich deutlich nach Glühwein duften. Wollen Sie wirklich, ganz wirklich in diesem Zusammenhang „Glaubwürdigkeit“ zum Thema einer Studie machen?

(Bei Medienrauschen entdeckt)

Der nächste Suchbegriff…

Sie! Ja, genau Sie meine ich! Sie wurden doch von Fa. Google hierher geschickt, ja? Weil Sie bei Firma Google in das kleine Feld die Frage „Wie sehen Kartoffeln aus?“ getippt haben, ja? Hören Sie, das war ein Irrtum von Fa. Google. Ja doch, Sie sind hier irrtümlich hingeschickt worden, hier sagt Ihnen niemand, wie Kartoffeln aussehen. Vielleicht schauen Sie mal in den Spiegel?

Die Chemie stimmt

Kurzpässe – Sport – SPIEGEL ONLINE:
Auf eine Finanzspritze bis zu 50 Millionen Euro in zehn Jahren kann Viertligist Sachsen Leipzig hoffen. Der Energiedrink-Hersteller Red Bull erwägt, die Kontrolle über den Verein zu übernehmen und das Team bis 2011 in die Bundesliga führen.

Bin ich so leicht zu amüsieren, oder ist es wirklich saukomisch, dass die Plörrenfabrikanten ausgerechnet einen Club übernehmen wollen, der an die 40 Jahre unter „BSG Chemie Leipzig“ firmiert hat? Ich schmeiß mich weg…

Der Pirat

Neulich haben wir uns mal wieder über Arnold Marquis unterhalten. Arnold ist jetzt leider schon seit 16 Jahren tot, aber immer noch fast jeden Tag zu hören, wenn im Fernsehen ein Film mit John Wayne läuft. Oder Robert Mitchum. Oder Lino Ventura… Ja, dieses Donnergrollen auf Sparflamme, das ist Arnolds Stimme. Er ist – soweit ich weiß – nach wie vor „Rekordhalter“ im deutschen Synchron. Über 800 Stimmen soll Arnold im Lauf seiner Karriere synchronisiert haben, und da sind die Gefälligkeits-Takes („Arnold, kannst du nicht mal schnell…“) sicherlich nicht mit eingerechnet.
Ich hatte das große Glück, beinahe 200mal mit ihm an der Tribüne in Berlin auf der Bühne stehen zu dürfen, unter anderem in der Berliner Posse „Die Ehrenbürger“. Der 2. Akt dieses Schwanks spielte vor Gericht, und Arnold gab einen prachtvollen Sonderling von Richter, während ich mit der elenden Wurzen eines Verteidigers namens „Dr. Heimchen“ geschlagen war. Dr. Heimchen saß die ganze Zeit in der Ecke, ließ sich ständig von seinem Mandanten über den Mund fahren und durfte – immerhin – am Schluß ein kurzes Plädoyer halten, das gelegentlich mit einem Szenenapplaus aus der Mitleidsabteilung belohnt wurde.
Nach ca. 20 Vorstellungen begann Arnold, sich zu langweilen und nach Ablenkung zu suchen. Und wenn Arnold nach Abwechslung suchte, blieb kein Auge trocken. Dann veränderte er kreativ seinen Text (in Kleists „Die Familie Schroffenstein“ hatte er hartnäckig aus einem Beinhaus ein Reihenhaus gemacht), grimassierte, trieb Unfug mit dem Requisiten, alles mit nur einem Ziel: Einen Kollegen aus der Rolle zu schmeißen. Auf kleingeistige Abmahnungen einer künstlerisch hasenfüßigen Intendanz reagierte er mit der Gelassenheit des unabhängigen Profis („Wollen die mich ernsthaft rausschmeißen?“) Natürlich tat Arnold das nicht in jeder Vorstellung, in 90 Prozent aller Fälle war er ein Muster an Präzision und Professionalität. Aber gelegentlich…
Die Vorstellung, als ein Kleiderbügel auf dem Richtertisch liegen geblieben war, verfolgt mich heute noch in meinen Alpträumen. Als Arnold den Kleiderbügel sah, blitzten seine Augen auf. Sofort ließ er den Kleiderbügel unter dem Richtertisch verschwinden, und begann, mir verheißungsvolle Blicke zuzuwerfen. Mir schwante Übles. Als ich mich schließlich erhob, um zu plädieren, schwappte mir der Angstschweiß in den Schuhen.
Vollkommen zurecht. Arnold hatte sich entschlossen, mein Plädoyer diesmal als Pirat entgegenzunehmen. Er hatte sich aus diversen Akten einen schicken Dreizack gebastelt, ein Taschentuch als Augenklappe umgebunden und aus dem rechten Ärmel seiner Gerichtsratsrobe steckte der Haken des Kleiderbügels.
Ich versuchte, möglichst schnell durch mein Plädoyer zu kommen und Arnold dabei nicht anzusehen, aber dieser Versuch war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Arnold zog die ganze Palette durch, benutzte seinen Richter-Hammer als Fernrohr, um nach Beute Ausschau zu halten, sah mich durch das Fernrohr, erschrak, drohte mir mit dem Haken, verstand nicht, was ich sagte, machte sich mit dem Haken die Ohren sauber, kletterte auf seinen Stuhl, um der Justitia-Statue ein unzüchtiges Angebot ins Ohr zu flüstern… Wer Johnny Depp für einen exaltierten Piraten hält, war nicht in dieser Vorstellung.
Ein Kollege sagte mir nach der Vorstellung, ich hätte bei meinem Plädoyer etwas undeutlich gesprochen. Ja. So kann man das wohl auch nennen.

kicker-Überschriften

Warum ich seit an die 40 Jahren den kicker lese? Naja, sicherlich wegen Sätzen wie „Steil stieg das Leder in den Nachthimmel von Glasgow.“ Wegen „Karl-Heinz Heimann dreht den Scheinwerfer“, dem Non-Plus-Ultra der Tutigkeit im Sportjournalismus. Und wegen dem bizarren Namenszwang in den Artikelüberschriften. Zur Kostprobe mal nur die Überschriften der Artikel über die Spiele der 1. Bundesliga der heutigen Ausgabe:
Bordon gesperrt – und dennoch im Glück
Ernst: Bewerbung für Dortmund
Beauchamp hat noch Schwächen
Bader: „Wir geben keinen ab“
Schlaudraff: Auch Bayern mischt nun mit
Takahara läßt Bruchhagen staunen
Stroh-Engel erhält die Freigabe
Hoeneß vermisst ein Ungeheuer
Deisler: Keine Wunder – aber eine gute Entwicklung
Delura: Tor ohne schmutzige Tricks
Jupp Heynckes im Aufwind, aber der Druck bleibt hoch.
Van Marwijk: Darum muss er 2007 gehen
Sahin wie einst in Wolfsburg?
Van der Heyden hat die Nase vorn
Augenthalers Nacht-Ansprache: „Bitter für die Moral“
Klose krönt seine Glanzleistung mit einem Jubiläum
Torschütze Simunic der Pechvogel
Rückkehrer Pantelic und Bastürk als Hoffnungsträger
Heldt: Attacke gegen Rafati
Osorio zwischen Schwäche- und Kälteeinbruch
Wach(e)-Ablösung: Wetklo nutzt seine Chance im Tor
Otto Addo sucht nach neuem Verein
Riesengeschenk zu da Silvas Rückkehr
Doll wirkt ratlos: Suche nach dem Retter
Bechmann: „Minimum 18 Punkte“
Marcel Maltritz: „Misimovic macht den Unterschied“
Dabrowskis passende Antwort auf die Kritik
McKenna: „So geht es nicht weiter“
Trotz Platzverweis Lob für 18jährigen Feick: Mit Arne ist zu rechnen“
„Verkehrte Welt“ für Cherundolo
Hecking rückt von Notkäufen ab: „Kein zwingender Handlungsbedarf“
Von Heesen: Das Dementi bleibt aus
Bollmann und die Chance zur Serie
Keine Einsatzgarantie für Kießling
Die Artikel selbst lese ich übrigens in den seltesten Fällen. Sie fallen gegenüber den Überschriften stark ab.

Welt-Tournee

Unfall bei Renz-Reptilienshow: Krokodil schnappt zu, Zirkusdirektor verliert Daumen – SPIEGEL ONLINE:
„Der Zirkus, der im hessischen Friedberg beheimatet ist, ist zur Zeit auf einer Tournee durch Frankfurt.“

Auch wenn das mit hundertzehnprozentiger Wahrscheinlichkeit ein Druckfehler (Heißt das im Internet eigentlich auch so?) ist, ist die Tournee durch Frankfurt zu schön, um sie nicht zu bloggen.

Die Cottbuser Oma

Soeben in der Dezember-Ausgabe der 11 Freunde ein Interview mit Energie-Cottbus-Übungsleiter Petrik Sander gelesen, in dem es heißt:
11 Freunde: Sie sind ein Kontrollfreak.
Sander: Meine Oma hat immer gesagt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
Wladimir Iljitsch Lenin war also Petrik Sanders Oma. Zugegeben, das kommt zunächst überraschend, erscheint aber bei weiterem Nachdenken eher logisch zwingend: Vermutlich kann man nur mit einem derartigen verwandschaftlichen Background in Cottbus bestehen.