Splitterbrötchen (CMVI)

Mehrfach in den sozialen Netzwerken gesehen: Menschen, die allen Ernstes fragen, ob es okay ist, „jetzt schon“ die Heizung aufzudrehen. Liebe Leute, man macht die Heizung an, wenn einem kalt ist. Nicht, wenn irgendwelche Twitter-Kumpel das für richtig halten.

Macht Konservatismus süchtig? Ich muss Jan Fleischhauer schon wieder zustimmen. Das wird langsam zur bedenklichen Gewohnheit.

Hm, das ist wirklich eine knifflige Frage, liebe SpOn-Redakteure. Wäre „Ihre Kinder sind zu laut!“ vielleicht eine Möglichkeit?

Man trifft doch immer wieder auf Leute, die glauben, dass man automatisch den Inhalt eines Buchs kennt, wenn man es gekauft hat.

Den kulinarischen Wochenhöhepunkt teilen sich diesmal zwei Gerichte, beide nicht wirklich perfekt, aber doch von bestem Geschmack. Zum einen…

…selbstgeklöppelte Kabeljaufilets in Senfbutter auf dreimal aufgewärmtem Wirsingkohl, eine Spezialität für Kenner, zum anderen …

… Bratkartoffeln mit Pfifferlingen in der Heimat der Skatrunde, dem Hoppegarten. Ziemlich lieblos angerichtet, aber sehr schmackhaft.

Was nicht jeder weiß: Man muss ein Word-Dokument nicht ausdrucken und einscannen, um ein PDF daraus zu machen. Man kann es auch einfach vom Bildschirm abfotografiren, und die JPG in eine PDF umwandeln. Das spart Papier.

Marcel Peithmann hat hundertprozentig recht. Das einzige Ziel im Leben, das ich noch habe, ist zu verhindern, dass mir dieser Satz entfleucht.

Peter Glasers erster Computer. Und meiner auch.

Menschen, die aus allem eine moralische Frage machen, haben meist mit Moral gar nichts am Hut.

 

 

Splitterbrötchen (CMV)

Ich kann auch mit Alkohol lustig sein!

Ich bitte um Beachtung für diese kleine Liste über das Älterwerden, die mir aus dem Maschinenraum übermittelt wurde. Bei mir trifft alles zu, außer das mit dem Schnaps. Okay, ich hab Schnaps da, aber der verdunstet eher, als dass er getrunken wird. Ich hab’s nicht mehr so mit den Spirituosen, es sei denn, ich bekomm beim Italiener oder Griechen was aufs Haus, dann heißt’s natürlich: „Lieber die Leber verrenkt, als dem Wirt was geschenkt.“

Gut zu wissen:

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine Zeitreise in Form einer Pizza, bei Daniele im Sicilia: Scampi, Unmengen von Knoblauch… wie damals in den 70ern. Ich hätte beinahe aus Nostalgiegründen einen Frascati dazu getrunken, aber gottseidank hat Daniele den nicht auf der Karte.

Mail von meiner Versicherung erhalten: Man bot mir Tickets für die NFL an. Ich denke, jetzt brauche ich eine mentale Schadensregulierung.

Am Donnerstag machten sich Bauarbeiter am Hauptleitungsstrang der nördlichen Beckerstraße zu schaffen. Um 17 Uhr fiel das Internet aus, um 17:45 der Strom. Um 18 Uhr dozierte ich in einem Onlinekurs via Handy-Hotspot und Laptop im Batterie-Betrieb, mit einer Taschenlampe als Schreibtischlampenersatz. Wenn die Blackouts im Winter nicht schlimmer werden, komme ich also klar.

Wer versucht, alle Ungleichheiten einer Gesellschaft zu beseitigen, nimmt ihr den Motor.

Es gibt wenig schöneres als schlagfertige Service-Kräfte! „Sambuca, ist das nicht dieser mexikanische Hut?“ – „Nein, das ist Tequila!“

Als ich las, dass die ARD für gestern Abend den Fernsehfilm „Hartwig Seeler – Im Labyrinth der Rache“ ankündigte, hoffte ich auf ein packendes Doku-Drama über Uwe Seelers vergessenen Bruder, der von ihm aus der Mannschaft intrigiert wurde und einen blutigen Rachefeldzug startet, in dem ein Mannschaftsmitglied nach dem anderen abgeknipst wird und zahlreiche HSV-Interna genüsslich breitgewalzt werden. Ich wurde enttäuscht.

Es ist nicht Aufgabe von Politikern und Journalisten, die Bürger zu erziehen. Auch wenn beide Berufsgruppen das nicht wahrhaben wollen.

 

Splitterbrötchen (CMIV)

Keine coolen Hüte mehr. Danke, Charles!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!1111

Letztlich wird eine Mülltüte erst zur Mülltüte, wenn man Müll hineintut.

Fa. Microsoft ist unübertrefflich. Gestern entdeckte ich zufällig im Cloudspeicher dieses trefflichen Unternehmens einen „Tresor“, den ich natürlich sofort knackte und untersuchte. Die pfiffigen Softwareingenieure dieses Weltkonzerns wollen, aus welchen Gründen auch immer, dass ich Scans wichtiger Dokumente ständig mit mir herumtrage, aber natürlich – weil es wichtige Dokumente sind – mit allerlei Security-Gedöns gesichert, dafür ist dieser „Tresor“ da. Zuvorkommend machte man mir gleich Vorschläge, welche Dokumente ich so – perfekt gesichert – mit mir herumtragen soll: Führerschein, Personalausweis, Reisepass etc. Natürlich klickte ich auf „alle Vorschläge anzeigen“ und da kam dann der Vorschlag, der mich endlich vom „Tresor“ überzeugte: Sterbeurkunde. Natürlich! Das ist sehr praktisch, die immer dabei zu haben. Jetzt muss ich sie nur noch finden, dann scan ich sie gleich ein.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein wirklich perfekt medium rare gegrilltes Filetto mit Pfifferlingen, Ergänzungsgemüsen und Salat in der „Trattoria Romana„. Perfektes Handwerk, sehr, sehr lecker, besonders in Kombination mit dem dazu empfohlenen, schön muskulösen Primitivo. Wir waren zum ersten Mal da, sicher nicht zum letzten Mal.

Was nicht jeder weiß: „The Rocky Horror Picture Show“ war der einzige Film der Serie, in dem Sylvester Stallone nicht mitgespielt hat.

Wenn jemand mit unterdrückter Telefonnummer anruft, einfach mit erstickter Stimme „Ich hab’s erledigt, wie verabredet, aber jetzt ist alles voller Blut…“ sagen und wieder auflegen1.

Tränen lachte ich, als ich von einer möglicherweise sogar waren Anekdote über den englischen Fliegerhelden Sir Douglas Bader hörte. Der Mann hat einen Vortrag an einer Mädchenschule der vornehmeren Sorte gehalten und über seine Erlebnisse im 2. Weltkrieg geplaudert: „So there were two of the f***ers behind me, three f***ckers to my right, another f*** on the left…“ Die Schuldirektorin wandte sich – kurz vor der Schnappatmung – an ihre Schülerinnen: „Ladies, the Fokker was a German aircraft.“ – „That may be, madam“, antwortete Sir Bader, „but these f***ers were in Messerschmitts!“

Ein Leben lang kämpf ich mit meinen inneren Limonen.

Perle der Dialogkunst: „Sie erkennen einen Scherz nicht mal, wenn er aufsteht und Ihnen in die Nase beißt.“ (The Oxford Murders)

 

 

Splitterbrötchen (CMIII)

Meine Versicherung hat mir eine Mail mit dem Betreff „Nachlassplanung: Jetzt Klarheit für die Zukunft schaffen“ geschickt. Sollte ich mir Sorgen machen?

Obwohl ich mit seiner Partei nichts am Hut hatte und habe, hab ich Herrn Ströbele immer als Direktkandidaten gewählt, solange ich in seinem Wahlkreis gewohnt habe. Der hat sich wirklich um die Bürger gekümmert und ihre Interessen vertreten. Gefühlt jedes Mal, wenn ich sonnabends in die Marheinekehalle zum Einkaufen gegangen bin, stand da der Ströbele und hat die Leute gefragt, wie’s ihnen geht. Ein vorbildlicher Abgeordneter, solche Leute fehlen.

Das Konzept der Woche:

Im Forum Steglitz hat ein riesengroßer Edeka eröffnet. Die Fleischabteilung lässt aufmerken, exzellente Dry-aged-Auswahl, Zuschnitte für den Kenner usw. Ein kurzer Plausch mit den Fachverkäufern bestätigte den ersten Eindruck: brandgefährliche  Location. Das wird teuer.

In Sachen Kopfhörer weiß ich mich mit Peter Breuer einig:

Es gibt Schauspieler, die können Pickelhaube tragen, und es gibt Schauspieler, die können das nicht. Jürgens und Fröbe zum Beispieöl, diese Meister-Outranten, waren sensationelle Pickhelhaubenträger.

So langsam müssen Frau Baerbock und Herr Habeck liefern. Haltungspunkte werden nur von der wohlwollenden Presse und den Fans auf Twitter verteilt. Die Mehrheit der Menschen möchte eine Verbesserung der Situation.

Die kulinarische Woche fand ihren Höhepunkt in der selbstgeklöppelten, klassischen Schmorgurke. Als Beilage dazu habe ich grüne Heringe gereicht.

Wer bei Duolingo einen „Dr.“ im Usernamen hat, hat’s wohl nötig.

BREAKING: Wie gewöhnlich gut unterrichtete Kreise in Erfahrung gebracht haben wollen, hat ein Booking.com-User namens „Brazzo_der_Checker“ für drei Wochen die Präsidentensuite eines bekannten Luxushotels am Tegernsee gebucht. Für den gleichen Zeitraum wurde in einer nahegelegenen Kurklinik eine Frischzellenkur für einen Patienten namens „Jupp Machts“ gebucht.

Die Weisheit der Woche prägte ein kenntnisreicher, lebenserfahrener Fleischermeister aus Kiel: „Von den leichten Landweinen ist mir der Cognac doch am liebsten“

Jeder Gefängniswärter kann einem in wenigen Sätzen erklären, wie eine Zelle funktioniert. Und Biologen forschen da jahrzehntelang dran rum? Ernsthaft?

Es gibt übrigens keinen Grund, „Imam Bayildi“ nicht mit Käse zu überbacken. Für Sie getestet.

Seit wann ist es eigentlich üblich, eigentlich eindeutige Begriffe in Nebelkerzen zu verwandeln? Nehmen wir die Bezeichnung „Strompreisbörse“. Man sollte doch meinen, dass das ein Handelsplatz ist, an dem – wie an einer Börse eben üblich – der Strompreis durch Angebot und Nachfrage ermittelt wird. Das dachte auch ich, bis ich diese Woche erst staunenden, dann hervorquellenden Auges las, dass dort ein sogenanntes „Merit-Order-System“ verwendet wird, dass dafür sorgt, dass der Strompreis sich am teuersten Anbieter orientiert. Mit „Börse“ hat das derzeit nichts mehr zu tun, sondern allein mit Profitmaximierung. Vielleicht sollte jemand mal den Wirtschaftsminister (s.o.) auf diesen Missstand aufmerksam machen.

 

Splitterbrötchen (CMII)

Ein Nachbar verschenkt über nebenan.de drei Ikea-Spiegel. Ich nehme an, dass das, was im Produkt zu sehen war, den Erwartungen nicht entsprochen hat.

Immer wenn man denkt, dass es eine idiotischere Debatte nicht geben kann, kommt sie prompt daher. Diese Woche: Winnetou. Zounds, Meschurs, das liest doch wirklich keiner mehr. Jeder junge Leser, der noch alle Henry-Stutzen im Waffenschrank hat, greift doch zu zeitgemäßeren, spannenderen Büchern mit mehr Tempo und weniger Pathos. Karl May ist von vorgestern, das muss man doch nicht debattieren. Was allerdings gar nicht geht: May als Rassisten und Verharmloser der Eroberungskriege gegen die nordamerikanischen Ureinwohner hinzustellen. Das Gegenteil ist der Fall. Wer anderes behauptet, hat Mays Bücher nicht gelesen und/oder er ist ein bösartiger Mensch.

Gottseidank findet man auf Twitter nicht nur Stuss, sondern auch fundierte Überlegungen:

Da wir die Woche auf einer Fortbildung am Wannsee verbracht haben, haben wir abends ein paar mal auf der Terrasse vom „Bootshaus Bolle“ gehockt. Schade, dass es dort derzeit nicht das Weltklasse-Eisbein, sondern nur Imbissgerichte in Selbstbedienung gibt. Schön, dass der Laden bisher über die Runden gekommen ist, so dass man da immer noch herrlich sitzen und über den Wannsee kieken kann.

In Selbstbedienungsläden vergesse ich immer wieder, mir selber Trinkgeld zu geben.

Klima-Aktivisten, die sich kulturbarbarischer Mittel bedienen, sind inakzeptabel. Man kann sich nicht wie die Taliban aufführen, nur weil man auf der „richtigen Seite“ steht.

Eigentlich sollte man doch verbilligte Karten für „Die Ärzte“ bekommen, wenn man gesetzlich versichert ist. Oder?

Splitterbrötchen (CMI)

Die Faust auf dem Auge erspart den Zimmermann.

Politiker, die Spartipps zur Körperhygiene geben, sind genau wie ihre Ratschläge: einfach nur eklig.

Hängt es mit dem sprachlichen Wandel zusammen, dass in Bayern die Betonschwellen ausgetauscht werden müssen?

Kulinarischer und gesellschaftlicher Wochenhöhepunkt war ein fantastisches Menü in der „Peking Ente„, das Peter Jebsen organisiert hatte. 13 seiner Freunde und Bekannte – darunter einige höchst geschätzte Ex-Qyper – verdrückten gemeinsam diese durchweg sensationellen Gerichte:

Da wir uns die köstlichen Gerichte teilten, ist es mir nur gelungen, eins „unversehrt“ vor die Kamera zu bekommen, die Großgarnelen in Bierteig mit Wasabi-Mayonnaise:

Mein persönlicher Favorit war die Leibspeise des Großen Vorsitzenden, der butterzart in Sojasauce geschmorte Schweinebauch, und die scheinbar simplen gebratenen Auberginen mit Knoblauch und Koriander. Ganz großes Tennis!

Egal wie, der Runner-Up MUSS diese Woche erwähnt werden, weil er in jeder anderen Woche mühelos triumphiert hätte: die „Boudin noir“ mit Äpfeln und Kartoffelstampf im Pastis, wo wir den Geburtstag der besten, geduldigsten Gemahlin von allen feierten. Zusammen mit meinem dortigen Lieblingswein, dem saftigen Chardonnay von Madame Gigi ein perfektes Essen!

„Reden ist Silber, Schweigen ist Scholz.“ (Micky Beisenherz)

Es kann natürlich nicht sein, dass Buhrow und seine Intendatenkollegen sich ganz nonchalant geeinigt haben, den rbb zu opfern, damit bei ihren Sendern nicht nachgehakt wird. Ein Ding der Unmöglichkeit!

Wenn eine Leserin oder ein Leser der Splitterbrötchen eine aktuelle Studie über Reibungsverluste in der Online-Kommunikation kennt, würde ich mich über einen Hinweis in den Kommentaren oder eine Mail freuen. Ich beobachte ein deutliches Ansteigen des Aufmerksamkeits- und Behaltensdefizits in meinen Online-Kursen und würde gern wissen, ob dem tatsächlich so ist und ob es Möglichkeiten gibt, gegenzusteuern.

 

Splitterbrötchen (CM)

Ungewöhnlich, diese römische Ziffer, nicht wahr?

Genauso ist das, passiert mir auch immer wieder.1

Ganz erstaunlich, dass intellektuelles Scheitern nicht nur mittlerweile gesellschaftlich akzeptabel sondern sogar eine Möglichkeit ist, den Lebensunterhalt zu verdienen.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine Pizza mit scharfer Salami, Artischocken und Gorgonzola im „Fellini“ in der Crellestr. Dazu gab’s einen ausgezeichneten Cabernet aus dem Veneto, das war insgesamt ein ganz wunderbares Abendessen in angenehmster Gesellschaft.

Falls jemand nach einem universell einsetzbaren E-Mail-Betreff sucht, bei mir ist diese Woche „What’s happening right now?“ aufgeschlagen.

Die Aufgeregtheit über edle Parkettböden und Pflanzenwände teile ich nur bedingt. Ein Chefbüro muss meines Erachtens Beeindruckungspotenzial haben, nach Möglichkeit mehr als der Chef oder die Chefin selbst. Natürlich geht’s auch mit Linoleum und Resopal, aber will man wirklich die DDR wiederhaben?

Nichts ist gefährlicher als eine Gruppe dummer Menschen, die sich im Recht wähnt.

Microsoft bleibt Microsoft. Word kennt „goutierbar“ nicht und will dann tatsächlich einen Goutierbär ins Rennen schicken.

Mit weichgespülten Lobhudeleien nimmt man das Volk aus dem Volkssport.

Wenn jeder die Gelegenheit hat, sich lächerlich zu machen, müssen auch Politiker keine Angst mehr vor der Lächerlichkeit haben. Die sozialen Netzwerke haben dem Kabarett den Todesstoß versetzt.

Splitterbrötchen (DCCCXCIX)

Auf Facebook, Twitter und Instagram bin ich ja nur zum Blödeln und um gelegentlich ein bisschen Foodporn zu posten. Trotzdem, man bekommt ja mit, wie Leute, die glauben, sie würden ernsthaft diskutieren, sich da total aufgeregt verbal auf die 12 geben. Ich kapier das nicht. Mir macht es keine Freude, von anderen Leuten beschimpft zu werden, und ich habe auch keine Freude daran, andere Leute zu beschimpfen1. Haben die Menschen wirklich so viel Freude an unerfreulichem, unzivilisiertem Verhalten?

Ich weiß nicht, wieso, aber es ist lange her, dass ich mich so auf den Start einer Bundesligasaison gefreut habe wie auf diesen.

Da musste ich dann doch sehr lachen:

In einer idealen Welt sind es nicht Emotionen, sondern Argumente, die Menschen überzeugen. Wir leben sonstwo, aber nicht in einer idealen Welt.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war selbstgeklöppelt: Schwarze Nudeln, Seeteufel, Safransauce. Kann man.

Dass noch nicht allen Journalisten, die sich in Lindners Hochzeit und seine Porsche-Telefonate verbissen haben, langsam dämmert, dass Wirecard und Cum-Ex offenbar doch keine lässlichen Sünden sind, sagt einiges über den Zustand unserer Leitmedien aus.

„Wir spielen weiter nach vorne.“ Warum eigentlich? Warum nicht mal den Gegner düpieren und nach hinten spielen?

Bier. Freude.

Offen gestanden verstehe ich die Beschwerden über Papierstrohhalme nicht. Ich werfe ein solches Utensil grundsätzlich weg und trinke direkt aus dem Becher. Wo ist da ein Problem?

 

 

Splitterbrötchen (DCCCXCVIII)

Zwei Tage Warnstreik auf den Flughäfen: der Weltuntergang wird ausgerufen. Wochenlanger Streik an den Unikliniken in NRW: nonmention. Die Leitmedien kotzen mich derzeit ziemlich an.

Seit letzten Sonntag führt Fa. Groupon im Rennen um den idiotischsten E-Mail-Betreff aller Zeiten deutlich mit „Hurra! Es ist soweit, du kannst endlich 24 Stunden lang sparen!!!“

Die unfassbare Erfolgssaga geht weiter: 1,5 Millionen kritischer User sind vor Begeisterung ausgerastet, als sie mein Käsestullenfoto auf Google Maps angesehen haben. Über meiner Käsestulle ist nur der Himmel!

Warum heißt es in Österreich Polenta und nicht „Kieberer-Pampe“?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine Meisterleistung in Understatement: Als „Fischsemmerl“ steht diese Vorspeise auf der Speisekarte des Lokalaugenschein in Podersdorf, doch der Zusammenklang von warm getoasteter Käsesemmel, mehreren aromatischen Salaten, hausgemachter Knoblauchmayonnaise und geräuchertem Wels war von dermaßen großer Delikatesse, dass ich mir beinahe den Hauptgang geschenkt und eine zweite verdrückt hätte.

Das Leseerlebnis der Woche: David Ensikat ruft seinem Lehrer nach.

Und dann las ich staunend auf Twitter, wie eine freundliche Lehrerin von einer an Long Covid leidenden Schülerin berichtete. Sieben Fehler hatte die in einem einzigen Satz gemacht. Die freundliche Lehrerin hat ihr alles erklärt, aber wegen Long Covid konnte sich das arme Kind nicht alles auf einmal merken, und tauchte immer wieder (insgesamt neunmal) am Lehrerpult auf, bis der Satz endlich richtig war. Meine Frage, warum die freundliche Lehrerin das Kind neunmal zwischen seinem Platz und dem Lehrerpult hat hin und her laufen lassen, blieb unbeantwortet.

Gibt’s auf der documenta eigentlich, außer antisemitischen Linolschnitten, was Bemerkenswertes zu sehen? So Kunst, zum Beispiel? Die einen anrührt, zum Nachdenken bringt, sowas in der Art? Darüber liest man gar nichts.

Auch wenn Twitter derzeit vorwiegend ein Treffpunkt für auf Bestätigung angewiesene geistige Minderleister ist, ein paar Accounts, die für gute Unterhaltung sorgen, gibt’s ja doch, zum Beispiel den von Jaythechou, der Paddington in bekannte Film- und Fernsehszenen photoshopt. Diese Woche hat der Überbär endlich ein Gastspiel in meiner Lieblings-Serie gegeben.

Thema Wahlrecht für Kinder und Jugendliche: Hätte ich vor meinem 18. Geburtstag wählen dürfen, hätte ich sicherlich die Wahlentscheidung getroffen, die meinen Vater maximal geärgert hätte. Mit demokratischer Willensbildung hätte das wirklich nichts zu tun gehabt.

Gestern sind wir aus unserem wundervollen Podersdorf-Urlaub zurückgekommen. Heute hat die Vorfreude auf Podersdorf 2023 begonnen.

 

 

The Year of Drinking Blaufränkischly – Podersdorf 2022

Jeder Wein hat seine Zeit, auch zeitlos gute Weine wie die, die im Seewinkel angebaut werden. Auch wenn die Qualität dieser berauschenden Gaumenschmeichler mittlerweile konstant hoch ist, gibt’s doch jedes Jahr eine Weinsorte, die besonders hervorsticht. Oft ist das der Zweigelt, die DAC des Seewinkels. Letztes Jahr war es der St. Laurent. Und dieses Jahr schmeckte der ansonsten eher unauffällige Blaufränkisch (Lemberger) so gut, dass ich mir von dem immer wieder nachschenken ließ.

Obwohl ich ihn bisher nur als Ergänzungsrebsorte eingeordnet hatte, mit der schwäbische Profitrinker (vergeblich) versuchen, ihr merkwürdiges Trollinger-Gewächs irgendwie näher an eine gewisse Trinkbarkeit zu rücken. Aber dieses Jahr in Podersdorf gehörte dem Blaufränkisch …

… und härteren Getränken, wie sie in der Mosquito Bar vom Seehotel Herlinde gereicht werden, wo wir unseren Nightcap zu nehmen pflegten…

… nachdem wir verzauberte Abende am Podersdorfer Strand erlebt hatten. Für dramatische Abendstimmungen ist der Neusiedler See bekanntermaßen immer gut.

Wie man an der Reling sieht, hab ich diese an Bord aufgenommen, während einer „Sonnenuntergangsfahrt mit Weinverkostung“, einem Fixpunkt unserer Podersdorfer Urlaube.

Kapitän Knoll von der „Knoll Schifffahrt“ schippert bei diesen Fahrten 2 Winzer und einen Haufen durstiger Urlauber durchs Schlammloch auf den Sonnenuntergang zu, der meist pünktlich nach der Verkostung des fünften Weins erfolgt. Da die Winzer die Proben großzügig einschenken, können wir bestätigen, dass jede dieser Seefahrten ausgesprochen lustig ist. Wenn besagter fünfter Wein das Glas verlassen hat, schlägt die Stunde der besten, geduldigsten Gehmalin von allen, denn dann fotografiert sie den Sonnenuntergang, und ich fotografiere sie…

… für meine mega-erfolgreiche Fotoserie: „Die geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“.

Hier vereint sie Sonnenuntergang, Leuchtturm, Mole und die Terrasse der Sunset-Bar zu einem meisterhaften Stimmungsbild, gegen das mein Foto des gleichen Motivs …

… natürlich total abstinkt, weil Kapitän Knoll sein Arbeitsgerät noch ins Bild gedrängelt hatte. Derweil eilte die beste, geduldigste Gemahlin zu weiteren fotografischen Triumphen und…

… fotografierte den Leuchtturm Pik-Solo. Da muss man erstmal drauf kommen! Ich habe mich dann auf …

… idyllische Blumenwiesen verlegt, doch ich fürchte, man merkt diesem Bild mein komplettes Desinteresse an der Botanik stark an.

Die Podersdorfer Weinstuben von außen gelangen schon besser, und bei einer Weinprobe im Weinlaubenhof Kracher in Illmitz ist mir dann der Einstieg in die Actionfotografie gelungen.

Unter Zuhilfenahme äußerster Geistesgegenwart ist es mir gelungen, eine Beerenauslese zu fotografieren, bevor ich sie ausgetrunken hatte. Bei solchen Motiven kommt es auf die Tausendstelsekunde an. Alles war gut in Podersdorf in diesem Jahr, alles war schön.

Sogar das Fernsehprogramm war aufregender als Zuhause. Auch wenn wir dieses Jahr so lange geblieben sind, dass die Grenze zwischen „Ferien machen“ und „Wohnen“ zu verschwimmen begann, irgendwann mussten wir uns schweren Herzens von den Podersdorfer Freunden verabschieden, die Koffer packen, den letzten Blaufränkisch trinken und den letzten Sonnenuntergang fotografieren.

Ich freu mich schon so auf den Podersdorfer Wein des Jahres 2023.