Splitterbrötchen (DCCCI)

Der Lentsch ist ein perfider Mensch. Jetzt hat er mich auch noch zum Etikettentrinker gemacht.

Wer Lisa Eckhart Antisemitismus unterstellt, wird auch Helmut Qualtinger für einen Nazi halten.

Ich muss Fa. Google dankbar sein für diese Dokumentation des aktuellen geistigen Volksvermögens. Da Christian Drosten angesichts einer möglichen zweiten Corona-Welle die Bevölkerung zum Mitdenken aufgefordert hat, sind wir wohl verloren.

Kulinarischer und gesellschaftlicher Wochenhöhepunkt war ein schöner Abend mit Freunden im Friedenauer „Miteinander„. Speise- und Weinkarte hätten zwar ruhig ein paar österreichische Positionen mehr vertragen, aber mein Hauptgericht (ZIegenkäseschnitzel mit Beilagenänderung) hat ausgezeichnet geschmeckt, der Blaufränkisch stand gut im Glas und der Service hatte soviel Humor, dass ich meinen Spaß hatte. Mehr braucht’s doch nicht, um mir einen schönen Abend zu bereiten.

Verblüffende Erkenntnis: Ich muss heilfroh sein, dass ich seit Jahren nicht mehr für Theater und Kabarett schreibe und dass meine alten Sachen nicht mehr gespielt werden. Ich käme vermutlich aus dem Shitstorm gar nicht mehr heraus.

 

Podersdorf 2020

Jetzt gibt’s wieder – wie jedes Jahr – ein paar Bilder aus Podersdorf, dem weltweit einzigen Ort, an dem ich mich so wohl fühle wie in Berlin. Und ein wenig entspannter.

Ein besonderes Vergnügen: Nach langen Monaten mal wieder an der Bar sitzen dürfen.

Seit bald zwanzig Jahren lassen wir uns einmal im Jahr in Podersdorf blicken, aber diesmal hab ich zum ersten Mal das Wahrzeichen des Ortes fotografiert, die Windmühle.

Meiner erfolgreichen Bilderserie „Die geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“ konnte ich um ein Prachtexemplar erweitern. Diesmal fotografiert sie einen Corona-Abstandhalter.

Wie jedes Jahr haben wir bei Julius Steiner die neuen Weine probiert. Dabei durften wir schon den neuen Rohrwolf kosten, der erst in ein paar Wochen auf Flaschen gezogen wird. Der Rohrwolf ist ein „sur lie“ (auf der Hefe) ausgebauter, im Barrique gelagerter Chardonnay, ein in jeder Hinsicht kraftvolles, mächtiges Gewächs. Jetzt schon ein Lieblingswein der nächsten Jahre.

Müssen wir uns um unsere Rennrodel-Nationalmannschaft Sorgen machen? Was wollen die bei 35 Grad im topfebenen Seewinkel? Warum werden unsere wackeren Wintersportler nicht mit aktuellen Kalendern und funktionierenden Navis ausgestattet?

Der Lieblingsort im Lieblingsort: der Garten der Podersdorfer Weinstuben. Geöffnet jeweils von Mittwoch bis Sonntag. Also waren wir regelmäßig von Mittwoch bis Sonntag da.

Unter solche Fotos schrieb man früher immer „ohne Worte“. Das lass ich lieber. Es stehen ja schon welche drauf.

Ich bin kein Kirchgänger. Aber in der alten Dorfkirche sitz ich jedes Jahr ein Weilchen.

Unser Mittwochs-Ritual: Admiral Knoll bittet ans Glas, Weinverkostung auf dem Schlammloch.

Man kennt mich in Podersdorf.

Erste Amtshandlung nach Rückkehr: Anbringen des amtlichen burgenländischen Kühlschrank-Magneten.

Podersdorfer Mahlzeiten 2020

Was gab’s denn dieses Jahr in Podersdorf zu essen?

Speckbrot, natürlich. Hier das beim Großmata, der den urigsten Garten in Podersdorf hat. Und einen guten Welschriesling. Speckbrot und Welschriesling ist eine Kombination, die im Himmel erschaffen wurde. Also im Seewinkel.

Den besten Welschriesling gab’s bei Familie Lentsch, in den Podersdorfer Weinstuben, die aber aus unerfindlichen Gründen kein Speckbrot auf der Karte hat.

Dafür gibt’s da den Schafskäse vom Hautzinger aus Tadten (mit Salat, Birnen und Nüssen). Der Hautzinger macht übrigens den besten Schafskäse der Welt.

Der schmeckt auch warm, zum Beispiel im Zucchini-Mantel, in der Herlinde.

Mit Antipasti aus dem Seewinkel begannen wir beim Seewirt Karner.

Anschließend gab’s dort das beste Cordon Bleu des Jahres.

Nur knapp geschlagen landete das Cordon Bleu aus Jupps Bierstüberl auf Platz 2.

Dafür gab’s beim Jupp das beste Schnitzel, das war natürlich vom Mangalitza-Schwein.

Und einen sensationellen, noch lauwarmen Zwetschgenkuchen nach Rezept der geschätzten Großmutter gab’s beim Jupp ebenfalls.

Bisher war’s ein bisschen fleischlastig, zur Abwechslung haben wir uns natürlich immer mal wieder Fisch auf die Teller packen lassen. Zum Beispiel perfekt gebratene Forelle beim Seewirt…

…oder eins meiner Lieblingsgerichte, das ich mir jedes Jahr wieder gönne, der auf der Haut gebratene Zander mit zitrischem Risotto im Seehof Gisch. Und nein, der Zander wurde nicht zu lange zu heiß gebraten. Das Weiße ist kein ausgetretenes Eiweiß, das ist knoblauchsatt aufgeschäumte Butter.

Burgenländisch üppig:die Fischplatte für 2 in der Herlinde (Teilansicht).

Ein Podersdorfer Klassiker: die gebackenen Zanderstreifen auf Blattsalat im Gasthof Kummer.

Es war wieder ziemlich heiß in Podersdorf. In unserer letzten Urlaubswoche erreichte das Thermometer täglich weit über 30 Grad, da wollte man nicht immer was Warmes essen. Stattdessen gab’s Blunzen1 in Tschistis Holzapfel

Nationalparkwürstel mit Speck in den Podersdorfer Weinstuben…

… wo’s auch Bauchspeck mit Bohnenpüree und fermentiertem, herrlich säuerlichem Kürbis gab.

Und dann war da noch der geräucherte Karpfen im Laterndlkeller, wo sie auch…

… ein herausragendes Speckbrot draufhaben.

Das Beste kommt, wie immer, zum Schluss: die drei Gänge, die ich dieses Jahr in meinem Lieblingsrestaurant, dem Gasthaus zur Dankbarkeit genießen durfte. Als erstes kam ein sensationeller Salat mit gebackenem Kalbskopf aus der Küche.

Es folgte schlicht der beste Rinderschmorbraten meines Lebens (mit Serviettenknödel und Dillbohnen in Sahne).

Zum Schluss gab’s, wie jedes Jahr, Blauschimmelkäse mit einer Beerenauslese, diesmal eine rote von außergewöhnlicher Wucht. Die Vorfreude auf 2021 begann.

 

Splitterbrötchen (DCCC)

Selbst für Insider ist der Ort, an dem die beste geduldigste Gemahlin von allen und ich in diesem Jahr unseren Urlaub verbrachten, praktisch nicht zu erraten.

Okay, einen kleinen Hinweis gebe ich: Have Speckbrot, will travel.

Wenig Erstaunen über die Corona-Demonstranten in Berlin. Dass Menschen Demonstrationen ausschließlich zur Selbstvergewisserung benutzen ist ja nun nichts neues. „Bürger, lass das glotzen sein, komm zu uns und reih dich ein!“ ist so was von  1970. Aber, wo wir bei 1970 sind: Damals hätte man eine erkleckliche Menge Drogen benötigt, um die Wirklichkeit dermaßen effektiv ausblenden zu können wie die Covidioten gestern.

Unverhoffte Inspiration für eine Grabstein-Inschrift.

Auf Twitter habe ich mich sehr über eine Idee von Judah Friedlander gefreut: „‚Wer wird Millionär‘ wäre eine bessere Show, wenn die Kandidaten ausschließlich Milliardäre wären.“

youtube-Spaß der Woche: Tracey Ullman parodiert Angela Merkel. Die Einstigesdroge:

Okay, etwas hat mich gestern bei der Corona-Demo doch ein wenig in Erstaunen versetzt: Wo waren eigentlich die Wasserwerfer? Bei Demonstrationen mit linken Inhalten stehen die bereits Stunden vor Anfang der Demo mit laufendem Motor an der Strecke und werden bei der geringsten Provokation sofort eingesetzt, Wo war eigentlich gestern das „schwere Gerät“? Hatte der zuständige Polizeiobermeister den Garagenschlüssel verlegt?

Diese Werbung für den trefflichen Heurigen „Fabian“ haben die Inhaber direkt an der Bushaltestelle in Podersdorf platziert, wo man auf den Bus Richtung Heimat warten muss. Sie spiegelte perfekt meine Gemütslage beim Verlassen des Lieblingsorts wieder. Ich wollte da nicht weg.

Und Jubiläen mit runden Zahlen gehen mir immer noch am Arsch vorbei.

Splitterbrötchen (DCCXCIX)

Die Zeit vermeldete diese Woche ein Allzeit-Auflagenhoch. Offenbar gibt es ein riesiges Publikum für rassismuskritische Frühbildung in Groß-Flottbek.

Gestern fiel mir auf, dass jetzt ja irgendwie Olympische Sommerspiele hätten sein sollen oder gewesen sein sollen worden sein oder wie. Hat die irgendjemand vermisst? Ich jedenfalls nicht. Kaum zu glauben, dass das mal ein Sportereignis war, das mich wochenlang vor dem TV festhielt.

Wieso glauben Menschen, die sich politisch links verorten, ihre Ziele mit Humorlosigkeit, Besserwisserei und übergriffigem Moralisieren durchsetzen zu können? Sollte man nicht doch mal wieder versuchen, die Menschen für etwas zu begeistern?

Am Freitagabend voller Entzücken auf arte das 1981er Simon and Garfunkel-Konzert im Central Park angeschaut. Ein Jahr später haben sie den gleichen Set in der Waldbühne gespielt, da haben die beste, geduldigste Gemahlin von allen und ich vor Ort zugehört. Es hat Strippen geregnet, aber davon haben wir nichts gemerkt, was vor allen Dingen an der außerirdischen Stimme von Art Garfunkel lag. Mit diesem Tenor konnte er Menschen auf den Mond schießen. Ganz erstaunlich, wo das Fachblatt  „Rolling Stone“ Garfunkel auf der Liste der „100 besten Sänger aller Zeiten“ platziert…

Das ist also Platz 86. Bob Dylan steht übrigens auf Platz 7. Ich sag dazu mal weiter nix.

Falls sich jemand wundert, warum die Mühlen der Justiz derzeit augenscheinlich viel zu langsam mahlen (Hildmann, NSU 2.0): Auch das ist der Preis, der für Wolfgang Schäubles schwarze Null zu zahlen ist. Wer Polizei und Justiz finanziell nicht so ausstattet, dass sie ihrer Arbeit nachgehen können, spart Rechtsradikalismus herbei.

Das ZEIT-geschichtlich wirklich Erstaunliche ist ja nicht, dass die ZEIT mit den durchgeknallten Sicherungen einer Kita-Leiterin Kasse macht, sondern dass man einen Journalisten beschäftigt, der den Lesern diesen ganzen Schmonzes ohne eine einzige kritische Nachfrage serviert.

Splitterbrötchen (DCCXCVIII)

„Sächsischer Verfassungsschutz soll Frühwarnsystem werden. Der neue Präsident Christian sagte MDR AKTUELL, erwiesene Rechtsextremisten versuchten, in Ostdeutschland Fuß zu fassen und ihre Gesinnungsleute unterzubringen. Man müsse frühzeitig erkennen, mit wem man es zu tun habe“ twitterte der MDR diese Woche. Warum haben die mitteldeutschen Journalisten nicht nachgefragt, wo der Sächsische Verfassungsschutz die Zeitmaschine her hatte, mit der er nach 1990 gereist ist?

Was mich an der ganzen Cancelei am meisten nervt: die Entmündigung der Menschen, des Publikums. Ich habe ca. dreißig Jahre lang intensiv mit und für Publikum gearbeitet und mir reichlich Feedback geholt bzw. bekommen. Mir ist praktisch nie ein Mensch untergekommen, der nicht in der Lage war, Fiktion und Wirklichkeit auseinander zu halten.

Liebe Fa. Lexware, dein E-Mail-Betreff „Bringen Sie Ihr Unternehmen ins Internet! Wir zeigen Ihnen, wie!“ fasziniert mich. Ich würde gern mehr erfahren. Was soll das bitte sein, ein „Internet“?

Und Fa. ebay wollte von mir wissen, ob Zyperngras etwas für mich sein könnte. NEIN, IHR VOLLHONKS, ICH WILL NOCH NICHT MAL WISSEN, WAS DAS IST!

„Asteroid nähert sich der Erde: Aufprall schon 2022 möglich – schlimmer als Atomkatastrophe“ titelte merkur.de Um dann im zugehörigen Artikel „Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass der Asteroid tatsächlich mit der Erde kollidiert. Dazu müsste er durch andere Flugkörper oder durch Gravitationslöcher von seinem Kurs gebracht werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 1:4000″ zu schreiben.

Jetzt ist der Unfug mit dem Feindbild „alte, weiße Männer“ auch bei dem Vollspaten angekommen, der für die Bundestagsfraktion der SPD twittert. August Bebel, Erich Ollenhauer, Kurt Schuhmacher, Willy Brandt und Helmut Schmidt (um nur ein paar zu nennen) waren irgendwann mal… na, kommst du von selber drauf, Genosse Tweet?

RTL wird träge. Wo bleibt das richtungsweisende Format „Deutschland sucht den Superspreader?“

Splitterbrötchen (DCCXCVII)

Wer versucht, die Fehler aus der Geschichte zu tilgen, wird nicht aus ihnen lernen können.

Man darf eine U-Bahnstation (und eine Straße) nicht nach dem russischen Komponisten Glinka nennen, weil der ein Antisemit war? Korrekt. Solch eine Benamung sollte wirklich nicht sein. Und jetzt reden wir mal über den Richard-Wagner-Platz.

Gesellschaftlicher und kulinarischer Wochenhöhepunkt fielen zusammen: Die Skatrunde spielte zum ersten Mal seit Februar(!) wieder in Bestbesetzung. In der Spielpause stärkte ich mich im Hugo mit ausgezeichnetem Chili-Huhn, Salat und Knoblauchbrot.

Der Bau einer perfekten Welt muss zwingend am fortlaufenden Aktualisierungsbedarf des Bauplans scheitern.

Da hat sich Robert Habeck aber mal ein schönes Pferdefoto gegönnt! Vielleicht hätte ihm jemand sagen sollen, dass die Fans von „…reitet für Deutschland“ nicht mehr wählen können und die von „Bibi und Tina“ noch nicht wählen dürfen.

Splitterbrötchen (DCCXCVI)

Manchmal muss man einfach seine verdammte Pflicht und Schludrigkeit tun.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: ein wunderbares, wie immer perfekt gegrilltes Hüftsteak im Hugo an der Bundesallee, einem Wohlfühl-Restaurant der Sternenkreuzer-Klasse. Was hab ich den Laden während der Kontakteinschränkungen1 vermisst!

Runner-Up aus der häuslichen Klöppelei: Ein Orangen-Olivenöl, dass es bei Ullrich in der Schloßstraße zum Selberzapfen gibt. Ein kleiner Schwupp davon auf eine Kugel Eis… sagenhaft.

Twitterspaß 1
Jannis Schakarian stellte die Aufgabe: Beschreibe deinen Lieblingsfilm so langweilig wie möglich.
„Kneipier trifft seine Ex wieder und spannt sie ihrem Neuen aus.“ war meine Antwort
Hat vielleicht wer Lust, in dem Kommentaren mitzuspielen?

Soso, John Wayne, der mit der „Let’s go home, Debbie“-Szene in „The Searchers“ anti-rassistische Filmgeschichte geschrieben hat, ist jetzt also als Rassist anzusehen. Weil er anno 1971 in einem Playboy-Interview irgendwelchen Unfug erzählt hat. Wenn wir anfangen, das Ernst zu nehmen, was in den 60er, 70er Jahren im Playboy erzählt worden ist, dann können wir gleich einen Bulldozzer losschicken, um den Hollywood Walk of Fame zu planieren.

Dass etwas so unsinnig ist, das es gar nicht funktionieren kann, bedeutet noch lange nicht, dass man es nicht ausprobieren sollte.

Irritation bei der Siegerehrung des Pokalfinales: Warum müssen die Spieler den schweren Pokal selber stemmen? Warum gibt es keinen Trophy Assistant?

Wenn ihr, liebe Menschen beim Tagesspiegel, wirklich an einer Antwort auf die in eurer Headline „Warum nicht mal ein veganes Tattoo stechen lassen?“ gestellte Frage interessiert seid: Nein. Wirklich nicht. Aus vielerlei Gründen.

Hubertus Heil zieht mitten in der größten Rezession der Geschichte die Hartz4-Schrauben wieder an, Frau Högl wirbt mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht entschlossen um Jungwähler und der ehemalige Pop-Beauftragte covert Fury in the Slaughterhouse. Ist das jetzt irgendwas mit versteckter Kamera oder doch die SPD?

Herr Heil führt Hartz4-Sanktionen wieder ein, Frau Högl will die Wehrpflicht wieder einführen und Sigmar Gabriel sorgt für Fury in the Slaughterhouse. Ganz ofensichtlich läuft bei der SPD das „Projekt 4,9“.

Twitterspaß 2
Social Media, historisch. 

Ich fange an, Desinfektionsmittel am Geruch unterscheiden zu können. Im Tomasa Lichterfelde nehmen sie das gleiche wie im Superfit Steglitz.

Früher: Besuch kommt an, man steht aus dem Sessel auf, geht zur Tür, wickelt Händeschütteln, evtl. Begrüßungskuss und Beimmantelausziehenundaufhängenbehilflichsein nebst begleitendem Smalltalk ab, geht zurück zum Sessel und nimmt wieder Platz.
Jetzt: Besuch kommt an, man bleibt sitzen, grüßt winkend und wirkt dabei nicht unhöflich sondern verantwortungsvoll.
Ich will jetzt nicht sagen, dass Corona auch gute Seiten hat, aber…

Was vom kulinarischen Wochenhöhepunkt übrig blieb.

Splitterbrötchen (DCCXCV)

Wer dem Menschen das Recht, sich zu irren, abspricht, nimmt ihm jede Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Wir lernen nur durch unsere Fehler.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Drei-Gang, zu dem die beste, geduldigste Gemahlin von allen ins „Le Bon Mori“ eingeladen hatte. Wie man an meiner Speisenfolge (Fischsuppe, Boudin Noir, Orangen-Creme-Brulée) sehen kann, wird dort die klassische Bistro-Küche gepflegt. Man tut das sehr, sehr gut.

Runner-Up waren exzellente Matjes von der Ullrich-Fischtheke, dazu gab’s gebratenen Kohlrabi und Speckstippe.

Hey, ihr Virus-Weicheier und Korona-Quengler! Kurze Info von einem Mann, der seit frühester Kindheit mit diversen Atemwegserkrankungen zu kämpfen hatte und hat: Von einem Stückchen Stoff vor Mund und Nase bekommt man keine Atemnot.

Bei o.g. Franzosen gelang mir – zweifelsohne inspiriert von der Frankophilie des Ladens – der sprachübergreifende Wortwitz: „Un verre de l’eau?“ – „Kenn ick, da hat Napoleon verloren!“

Man verändert Menschen nicht, indem man ihnen ein schlechtes Gewissen macht.

Wirklich, Groupon? Ein Schreibtisch-Modell namens „Heini“? Kann ich davon ausgehen, dass es sich um einen Nachbau des Schreibtischs handelt, an dem Heini Kamke begann, als Volontär für den E.W. zu arbeiten?

Welt-Idee für ein Bollywood-Musical mit einem Hund in der Hauptrolle: „Come Home, Mango-Lassi!“

Ist der Gipfel der Idiotie erreicht, wenn jemand die Abstimmung über die Wiederholung(!) einer TV-Sendung manipuliert? Ich fürchte nicht. In Sachen Idiotie geht immer noch was.

Wer die Beteiligung an einem Diskurs einschränkt, geht immer das Risiko ein, wertvolle Beiträge zum Thema zu verhindern. Betroffene haben weder grundsätzlich recht noch automatisch die besten Ideen.

In den Räumen des „Le Bon Mori“ war übrigens früher mal eine Kreuzberger Bierstampe. In die bin ich vor fast vierzig Jahren gelegentlich in Anwaltstalar nebst Stehkragen und angeklebtem Bart gerannt, um einen Kollegen, der sich zwischen zwei Auftritten im Hebbel-Theater dort ein paar Bierchen gönnte, eilends zur Bühne zu eskortieren.

Überleben ist nicht unbedingt leben.

 

Splitterbrötchen (DCCXCIV)

Wir sind Karstadt.

Über die anlässlich einer missratenen Eierspeise geprägte Redewendung: „Infames Dotterngezücht!“ empfand ich einen gewissen Stolz.

Er kann nicht sagen, was er genau gemacht hat. Er kann nicht genau sagen, was er dafür bekommen hat. Er kann nicht genau sagen, wer Reisen und Speisen bezahlt hat. Doch Philipp ist ein ehrenwerter Mann!

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: die Wiedereröffnung der Taverna Pigasos, unseres Gegenüber-Griechen. Wir feierten traditionell mit Knoblauchbrot, Gyros, Souvlaki und Ouzo aufs Haus. Yamas, Tolli!

Die Corona-Warn-App hatte ich mir ein bisschen spektakulärer vorgestellt. Warum gibt’s keine coolen Sounds (Sirenen o.ä.) und Animationen (Blaulicht, aggressiv herumhopsendes Virus)? Da wäre mehr möglich gewesen.

Für die Zitty habe ich jahrelang geschrieben und ins Radio-Mikrofon gesprochen. Das liegt zwar schon ein Weilchen zurück, aber trotzdem. Seit ich erfahren habe, dass Schluss ist, habe ich einen Trauerkloß im Hals.

Die erschütternde Neuigkeit der Woche: Kant war Rassist! Was soll nun werden? Und was wird erst werden, wenn diejenigen, die Kant nun in die Mülltonne der Geistesgeschichte treten wollen, herausbekommen, dass sie selbst von Rassisten abstammen? Au weh, das wird bitter.

Sir Michael in a nutshell: