Splitterbrötchen (DCCCLXII)

Die verschnappatmete Empörung über Frau Heidenreich ist nicht nachzuvollziehen. Das Vermischen von sehr klugen und sehr dummen Dingen ist seit Jahren ihr Markenkern. Else Stratmann war niemals eine Kunstfigur, Elke Heidenreich war, ist und bleibt Else Stratmann.

Hätte es in den frühen 70er Jahren soziale Netzwerke und Handys mit Fotofunktion gegeben, würde ich heute mit einer Papiertüte auf dem Kopf in einem fernen Land sitzen, vor Angst geschüttelt, dass mich jemand wiedererkennt.

Eine recht überzeugende Erklärung für die Impfskepsis in kleinen Teilen der Bevölkerung hat Tobias Blanken auf Twitter gepostet: „Da hat man über Jahre Angst vor Gentechnik geschürt, Homöopathie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlen lassen, das Heilpraktiker-Unwesen goutiert und die Kinder auf ’ne Waldorfschule geschickt, aber dann darüber wundern, warum so viele Deutsche Impfen für Teufelszeug halten.“

Ich hätte allerdings eine noch einfachere Erklärung parat: Je unglaubwürdiger Politiker sich machen, desto skeptischer reagieren Menschen, wenn diese verlogenen Pappnasen ihnen die Impfung empfehlen.

Wer effizient diskutieren möchte, klebt dem Gegenüber einfach ein Etikett an. Das spart die Mühe, sich mit dem Gedankengut desjenigen auseinanderzusetzen, und damit wertvolle Zeit. Man kann gleich mit dem Beleidigen beginnen.

Unfotografierter kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein ohne jeden Firlefanz gebratenes Entrecote mit Knoblauch-Bohnen. Zusammen mit Aioli und einem Zweigelt von der Dankbarkeit war das – trotz aller Einfacheit –  ganz großes Kino.

Das „deutsche Küchenwunder“ in den 70er Jahren beruhte auf dem Gegenteil von Einfachheit. Und wurde von dem unsterblichen Wolfram Siebeck, für den ich einmal kochen durfte, vorangetrieben. Eine extrem klickenswerte Online-Schau der Staatsbibliothek Dresden hat mir diese Woche ein paar wunderbare Stunden beschert.

Doch dann hat Sarah-Lee Heinrich versucht, sich gegen Elke Heidenreichs Vorwürfe zur Wehr zu setzen (gehört einer Generation an, die nicht liest) und natürlich prompt Frau Heidenreich in ihren Vorurteilen bestätigt: „Zuletzt habe ich Die Tribute von Panem gelesen, den neuen Teil. Außerdem engagiere ich mich seit ein paar Jahren politisch. Und dafür verwende ich eigentlich ziemlich viele Worte.“ Einen infantilen Quatsch wie „Panem“ lesen ist bei Heidenreichs ja quasi nicht lesen.

Fackelzüge sind so Frankenstein. Trotzdem: Wer den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr mit Nazi-Aufmärschen gleichsetzt, ist geschichtsvergessen.

Begeisterung über die Wucht von „Keine Zeit zu sterben“. Besonders gelungen: die Sequenz in Kuba. Über das Ende wird zu reden sein (Vorsicht! Am Ende des Links wird gespoilert, dass die Schwarte kracht).

Irgendwer war’s immer.

Paddy Moloney ist gegangen. Ein Gigant wie er brauchte niemals mehr als eine Tin Whistle und ein bisschen Gegend, um zu zaubern..

 

 

Splitterbrötchen (DCCCLXI)

Man hört in letzter Zeit so wenig von den Impfdränglern. Hat sich da was getan?

Die News der Woche: Schamanin verursacht Waldbrand beim Aufkochen von Bären-Urin. Man sollte die ARD-Programmdirektion auf diese Geschichte aufmerksam machen. Das wäre doch ein Stoff für die Ferres (liebenswert-schusselige Schamanin) und Hardy Krüger Jr. (empathischer Ranger, der in letzter Sekunde den Wald rettet und die Schmamanin schließlich – nach mancherlei Wirrungen und einem spirituellen Erlebnis mit seinem verstorbenen Vater, einem hartherzigen Groß-Industriellen – bei der Eröffnung eines Natur-Therapiezentrums in Bad Gastein unterstützt).

Der gesellschaftliche und kulinarische Wochenhöhepunkt fand bei uns Zuhause statt, wir bewirteten Gute Freunde mit Heurigen-Food und Weinen vom Weingut Schaller vom See1. Die geduldigste, beste Gemahlin von allen hatte Speckbrote2 gemacht, ich hatte einen defensiv abgeschmeckten Liptauer und einen Käferbohnen-Salat3 beigesteuert sowie Lardo und geräuchertes Filet vom Mangalitza geschnitten. Star des Abends war der 2019er Patfalu, eine Cuvée aus Cabernet, Zweigelt und St. Laurent.

Da dachte man, die gute, alte antikapitalistischen Parabel wäre total ausgelutscht, und dann kommt „Squid Game“ daher.

Okay, das ganze Unterfangen ist von A bis Z total vorhersehbar und hat so viel Tiefgang wie die Berka bei Niedrigwasser, aber es ist sehr, sehr gut gemacht. Und Folge 6 ist Weltklasse.

Dass manche Leute unterkomplexes Argumentieren für eine intellektuelle Leistung halten, überrascht dann doch.

 

 

 

Splitterbrötchen (DCCCLX)

Diese Splitterbrötchen schreibe ich im Zug zurück von Prag nach Berlin. Drei Tage haben wir in der schönsten Stadt der Welt verbracht.

In den asozialen Medien häufen sich die pathetischen Fragen von Eltern, die wissen möchten, wie sie ihren Kindern diverse Ungerechtigkeiten in der Welt erklären sollen. Herrschaften, es ist nicht eure Aufgabe, euren Kindern Ungerechtigkeiten zu erklären. Eure Aufgabe ist es, eure Kinder darauf vorzubereiten, sich in einer ungerechten Welt behaupten zu können.

Wer gerne Bier trinkt und noch nicht in Tschechien war, kann nicht mitreden. Die Liebe und Sorgfalt, mit denen dort das Bier gepflegt wird, suchen ihresgleichen. Und tatsächlich: Zwischen einem in Deutschland und in Tschechien gezapften Pilsner liegen Welten1.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war dann auch ein Pilsbegleiter: „Tschechischer Teller“ in der „Foodery Czech Slovak„, also geräucherte Wurst, Kassler, Bauchfleisch, Schmorkohl, Knödel. Interessant: die an sich weltmeisterlichen Böhmischen Knödel werden hier oft mit sehr wenig oder gar keiner Sauce serviert. Trotz des wohlschmeckenden Knödels ist das dann eine eher trockene Angelegenheit.

Wenn Schauspieler versuchen, sich zu moralischen oder wissenschaftlichen Instanzen zu erheben, ist immer Vorsicht angesagt. Die Kernkompetenz dieser Menschen vesteht oft im überzeugenden Aufsagen eines Texts und nicht in der geistigen Durchdringung desselben.

Die Schönheit der Architektur in Prag ist in der Tat überwältigend. Entgegen unserer sonstigen Gewohnheit haben wir Museen und Galerien gemieden, um uns an den schönen Häusern, Brücken und Plätzen satt zu sehen.

Eine Ausnahme haben wir allerdings gemacht: das Museum zu Ehren des legendären Trickfilmpioniers Karl Zeman MUSSTEN wir uns anschauen. Die reine Freude.

Die Fehler und Pannen bei der Wahl in Berlin sind eine Schande, für die Stadt und das Land. Der Rücktritt der Landeswahlleiterin genügt nicht. Politik und Verwaltung müssen endlich glaubhaft Schluss mit der unerträglichen Bräsigkeit machen, mit der hier die legitimen Interessen des Bürgers abgetan werden. Wenn das nicht möglich ist, sollte man den Alliierten wieder die Kontrolle über Berlin geben.

Splitterbrötchen (DCCCLIX)

Seit ein paar Jahren frühstücke ich einmal pro Woche eine Art Porridge, aus Abwechslungsgründen. Ist mal was anderes als mein ewiges Stullenfrühstück. Da mir aber relativ schnell der langweilige Haferbreigeschmack auf den Zeiger ging, habe ich mittlerweile mein Porridgerezept dermaßen verfeinert, dass ich ständig irgendwelche Zutaten vergesse. Warum bin ich nicht in der Lage, in der Küche nicht zu eskalieren?

Historischer Moment: Bei Anne Will nickt Christian Lindner, als Saskia Esken etwas sagt. Die Zeit ist aus den Fugen!

Auf die Frage, was mich daran hindert, CDU zu wählen, fiel mir nur eine Antwort ein: die letzten 16 Jahre.

Die sozialen Medien gehen mir zurzeit gewaltig auf den Keks. Nicht, dass ich den Austausch mit anderen Menschen nicht schätzen würde, ich finde die ständigen Aufforderungen, bei irgendwas mitzumachen oder sich irgendwo einzuordnen unerträglich. Tucholsky hat das alles mal als das vertraute Muh der warmen Heimat Herde bezeichnet. Er wusste warum. Ich fühle mich im Stall auch nicht wohl.

Warum bekomme ich eine E-Mail zum Thema „Schwangerschaft und Fußbeschwerden . wie orthopädische Einlagen helfen“ Warum? Warum ich?

Angeblich läuft ja eine Impfkampagne. Nur wo?

Wenn Angela Merkel gewollt hätte, dass ihre Partei diese Wahl gewinnt, wäre sie vor zwei Jahren zurückgetreten, damit ihr Nachfolger den Wahlkampf mit dem Kanzlerbonus bestreiten kann. Sie hat es nicht getan. Vielleicht, weil ihr klar war, dass ihre Partei nach 16 Jahren Zeit zur Regenration braucht. Vielleicht, weil ihr klar war, dass die Parteien, die ab jetzt regieren, durch Dinge wie die Pandemiefolgen und die Einleitung unangenehmer Klimaschutzmaßnahmen für längere Zeit beschädigt werden. Vielleicht hat Schäuble deshalb dafür gesorgt, dass Laschet Kanzlerkandidat wird. Vielleicht, weil Angela Merkel und Wolfgang Schäuble diese Wahl gar nicht gewinnen wollten.

Und dann begegnete ich den Friedenauer Vätern, die am Freitag ihre Kinder nicht zur Schule, sondern zur Klima-Demo brachten, und ihnen nicht die Schulranzen, sondern die Demo-Schilder trugen. Tja. So protestiert man heute.

Besonders AfD-Wähler sollten nicht per Brief, sondern vor Ort im Wahllokal wählen. So haben sie wenigstens mal Gelegenheit, ein Gymnasium von innen zu sehen.

Wieder kein Foto vom kulinarischen Wochenhöhepunkt: Ossobuco ist einfach nicht fotogen.

Das wird nicht passieren, dass wir alle heute kurz nach sechs vor den Bildschirmen sitzen und rufen: „Wie? Doch der Idiot?“ Nein, das wird nicht passieren… ja… nein… wird schon nicht… ja… nein…

 

 

 

Splitterbrötchen (DCCCLXIII)

Was m. W. noch nicht thematisiert wurde: Wie idiotisch es letztlich ist, Quellen zu verschweigen, wenn man ein Buch schreibt. Wer seine Quellen zahlreich nennt, dokumentiert Belesenheit, Gründlichkeit und Sachkenntnis. Wer sie verschweigt, zeigt, dass er grottendoof ist und von seriöser Arbeit keine Ahnung hat.

Twitter ist ein segensreicher Ort. Hier können sich Menschen, die nicht in der Lage sind, die einfachsten Zusammenhänge zu begreifen, gemeinsam über komplexe Zusammenhänge aufregen.

Wer Menschen dazu aufruft, für irgendeine andere Gruppe zu wählen oder bei der Wahlentscheidung an die angeblich wichtigeren Interessen einer anderen Gruppe zu denken, hat m. E. das Wesen der parlamentarischen Demokratie nicht verstanden. Der Wähler drückt mit seiner Stimme seinen politischen Willen aus. Es ist nicht Aufgabe des Wählers für den Ausgleich der verschiedenen Interessen zu sorgen, dass erledigen Legislative und Exekutive.

Täglich kommen neue Extremsportarten hinzu. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Da ich zum Wochenende erneut in der kalten Heimat weilte, wäre beinahe zum dritten Mal in Folge eine frische, grobe Bratwurst vom Rost kulinarischer Wochenhöhepunkt geworden. Gestern Abend verhinderte gottseidank der „Goldene Engel“ in Eschwege die Triplette, in dem er mit ein delikates Schnitzel mit Schmandsauce1Wobei die unpanierten Sahneschnitzel, die meine Mutter auf den Tisch zu bringen pflegte, mir immer noch lieber sind. Aber da maule ich auf höchstem Niveau.[/efn-note] und Bratkartoffeln vorsetzte.

Gar nicht mal so wenig Menschen halten die Wahl für bereits entschieden, verschiedentlich macht man sich schon ans Zerteilen des Bärenfells. Das war 2018 in Nordrhein-Westfalen ganz ähnlich.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXII)

Der Mann, der mir das Träumen im Kinosessel beigebracht hat, ist gestorben. Auch wenn er schon viele Jahre lang keine Filme mehr gedreht hat: Ich werde Jean-Paul Belmondo vermissen wie keinen anderen Schauspieler. Und ich bin nicht der einzige …

Frage an die CDU: Warum habt ihr eigentlich den irren Krypto-Kommunisten Scholz, der nur den Steigbügelhalter für die rote Zelle um Eskens, Nowabo und Kühnert macht, zum Vizekanzler ernannt?

„Schlagerstar Sotiria: ‚Mein Zwergpinscher Pink ist depressiv`“ Wenn man plötzlich das Gefühl hat, das eine simple BILD-Headline einem den Verstand raubt.

Sagenhafte 800.000 Menschen haben sich mittlerweile die #IrreKäsestulle angeschaut, die ich vor ein paar Jahren gedankenverloren in einem Imbiss am Montmartre gekauft und fotografiert habe. Wenn die Stulle die Million knackt, poste ich das Rezept.

Wäre ich Snobist, hätte ich niemals diesen Imbiss aufgesucht und so den kulinarischen Wochenhöhepunkt verpasst. Hier1 liegt nämlich eine exzellente Bratwurst2 auf dem Grill, die einen Umweg lohnt.

Was nicht jeder weiß: Als Elvis Presley auf die Welt kam, hatte er keine Zähne und war viele Monate lang völlig unselbstständig.

Vorsicht! Immer, wenn irgendwo auf der Welt jemand „Nicht einmal Laschet wäre eine solche Dummheit zuzutrauen!“ sagt, macht er’s.

Splitterbrötchen (DCCCLXI)

In der S-Bahn unter der Maske heftig gegähnt, ohne mir die Hand vor den Mund zu halten. Ich bleibe der ewige Rebell, der nichts auf Konventionen gibt.

1983, bei der ersten Kohl-Wahl, gab’s in meinem erweiterten Bekanntenkreis jede Menge markige Versprechen: „Wenn der gewählt wird, wandere ich aus.“ Sind alle dageblieben.

Das Statement der Woche zum bargeldlosen Zahlungsverkehr kam von StanBuyMe auf Twitter: „Habe vorhin den Kinobesuch mit meiner Apple Watch bezahlt. Toll, dass so etwas heutzutage möglich ist, aber irgendwie auch schade, hatte mich gerade an das neue Armband gewöhnt.“

Selbstverständlich ist es eine Super-Idee, mit dem Genie-Kult in der Kunst Schluss zu machen. Auf das eine oder andere geniale Kunstwerk wird man dann allerdings verzichten müssen.

Überraschung im Briefkasten: Da lag am Dienstag eine Sonderausgabe des FC-Bayern-Magazins über Gerd Müller drin, sehr liebevoll und – natürlich – kenntnisreich gestaltet. Leider ist mir bei der Lektüre dauernd etwas ins Auge geflogen. Ist ja alles lange her, aber irgendwie auch wie gestern. Altern ist komplex.

Zum ersten Mal die Fertigmayonnaise eines umsatzstarken Kühlregal-Befüllers verkostet. Sofort von der markanten Gurkenwasser-Note betört worden.

Tarantino sollte ein Remake von „It‘s a mad, mad, mad World“ machen. Meine Meinung.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine unfotografierte, exzellente Bratwurst vom Grill nebst korrespondierendem Flaschenbier, genossen während eines Sommerfests unter Dozenten in einer Großstadt des Ostens.

Das kulinarische Lowlight der Woche war die letztlich doch ziemlich faszinierende Selbstvernichtung eines überambitionierten Italieners: Freunde, mit denen wir dort aßen, bestellten Schweinefilet vom Grill und fragten nach einer Beilagenänderung, Nudeln statt Kartoffeln. Als für diese Beilagenänderung 4,50 Euro aufgerufen werden sollten, nahm man von den Nudeln Abstand und freute sich auf die Filettos, die wenig später in Schnitzelgröße am Tisch auftauchten. Die Frage, ob das wirklich Filet und nicht doch Schnitzel wäre, verneinte der Kellner entschieden, trug jedoch sofort – ohne dass jemand ihn dazu aufgefordert hätte – den Teller zurück in die Küche. Wenig später tauchte dann der Chef auf, und präsentierte ebenso stolz wie sinnlos einen Teller mit rohem Schweinefilet. Auf die Frage, warum sein Angestellter eigentlich das corpus delicti den Teller wieder mitgenommen hatte, wusste er dann aber keine Antwort mehr.

Seit Jahren einer meiner Lieblingswitze1: Aladin reibt an seiner Wunderlampe, es macht Zischzosch und ein gewaltiger Geist kommt heraus. „Nanu“,. mein Aladin, „warum riecht’s denn hier plötzlich so nach Wacholder?“ – „Weil ich der Dschinn Tonic bin.“

 

Splitterbrötchen (DCCCLX)

Ich bekomme vermehrt Werbung für einen Saugroboter (natürlich mit eigener „Entleerungsstation“), der in den Disziplinen „Sonic Mopping“ und „Mop Lifting“ brilliert. Irgendwie beunruhigt mich dieses Gerät.

Annalena Baerbock (Chairwoman of Alliance 90 / the Greens, Berlin) Foto: Stephan Röhl boellstiftung, CC BY-SA 2.0 , via  Wikimedia Commons

Würden Sie dieser Frau ein gebrauchtes Lastenfahrrad abkaufen?

Jeden Morgen, auf dem Weg zu einem meiner Arbeitgeber, begegnet mir seit ungefähr drei Jahren ein junges Mädchen, das von seiner Mutter zur Schule gebracht wird. Ob sich die junge Dame nicht mittlerweile „Meine Mutter muss mich für eine ziemliche Pfeife halten, dass sie mir immer noch nicht zutraut, allein die Schule zu finden.“ denkt?

Wer von Meinungsumfragen vor den Wahlen auf das endgültige Wahlergebnis schließt, könnte in 4 Wochen überrascht werden.

Gesellschaftlicher und kulinarischer Wochenhöhepunkt fielen in dieser Woche zusammen. Die Skatrunde spielte zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder. In der Spielpause gab’s im „Hugo“ an der Bundesallee amtliche Pfifferlinge in Rahm mit Speck und Petersilienkartoffeln.

Meine Selbstradikalisierung nimmt bedenkliche Formen an: Der Wahl-O-Mat zur Berliner Abgeordnetenwahl veortete mich bei Splitterparteien, die ich zuvor noch nicht mal dem Namen nach kannte.

Ich betrachte junge, politisch interessierte Menschen, die sich für strikte Parteidisziplin begeistern können, seit jeher mit einer gewissen Fassungslosigkeit.

 

 

Splitterbrötchen (DCCCLIX)

„In der ersten Sherlock-Holmes-Geschichte (1887) erholt sich Watson von einem Militäreinsatz in Afghanistan. In der modernen TV-Adaption (2010) erholt er sich auch von einem Militäreinsatz in Afghanistan. Sie mussten es nicht aktualisieren.“ YakubinMag auf Twitter

Wer „Sohse“ und „Brohkoli“ sage, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Kultureller Wochenhöhepunkt war ein Kino-Besuch, „Kaiserschmarrndrama“, eine sehr komische, schauspielerisch vollkommen schamlose Darbietung. Simon Schwarz sollte für seine Haschisch-Fleischpflanzerl-Nummer mit einer Oscar-Nominierung belohnt werden. Und der Flötzinger ist tatsächlich der härteste Womanizer von Niederkaltenkirchen.

Die CDU ist unwählbar, solange sie Schlangenölverkäufer wie Paul Ziemiak als Mitglieder und Funktionäre duldet. Ziemiak hat am Freitag „Wer @fdp  wählt, muss in Kauf nehmen, dass er am Ende mit Esken und Kühnert am Kabinettstisch aufwacht.“ getwittert. Wer glaubt, Menschen derart für dumm verkaufen zu können1, hat keinerlei Glaubwürdigkeit.

Wenn man sich ständig versichern lässt, dass das, was man tut, vollkommen normal ist, ist es das vielleicht doch nicht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war das verlässlich großartige „Steak Frites“ im Pastis, wo wir den Geburtstagsabend der großartigsten, geduldigsten Gemahlin von allen in angenehmster atmosphére française verbrachten.

„Suchst du immer noch nach Steakhausteller und Prosecco?“ Die Disziplin „Idiotische Betreffzeilen von E-Mails“ gewann in dieser Woche Fa. Groupon unangefochten. Der Prosecco ist bei mir übrigens im Kühlschrank, Steakhausteller sind in der Anrichte rechts unten.

Ich muss dieser Tage oft an den Wahlabend denken, an dem Kohl zum ersten Mal gewählt wurde. Der galt damals ja als provinzieller Volltrottel, der das Land zugrunde richten würde, ähnlich wie Laschet heute. Das Land hat Kohl überraschenderweise überlebt. Vielleicht gelingt das ja nochmal.

Im „Bella Italia“ im Wedding wird ehrgeizfrei und superpragmatisch gekocht, da drückt man – wie man sieht – die Remoulade direkt aus der Tube in die Sauciere. Verwirrenderweise handelte es sich bei den Calamari nicht um Convenience-Ware, die waren sogar ganz anständig.

Waren das nicht dolle Zeiten, früher, als man noch mehrere hundert Seiten Gebrauchsanweisung ausdruckte, um sie niemals zu lesen?

Nächste Woche werde ich mir mal wieder „The Man who would be King“ anschauen. Könnte sein, dass dieser Film überhaupt nicht gealtert ist.

Splitterbrötchen (DCCCLVIII)

Wenn Sie Zeitungsredakteur und gerade dabei sind, einen Erklärbär-Artikel mit einem „warum“ in der Headline ins Blatt zu hieven oder online zu stellen – lassen Sie’s ganz einfach. Ich les diesen Mumpitz aus Prinzip nicht mehr, und ich bin nicht allein.

Was gerade Autoren weltweit tun: Sie holen sich „Billy Summers“, das neue Buch von Stephen King, lesen kurz rein, so dreißig bis vierzig Seiten, dann lesen sie den Rest in einem Rutsch durch, murmeln „Ist doch Scheiße, dass ich sowas nie hinkriegen werde!“, betrinken sich, und, wenn der Kater nachlässt, freuen sie sich, dass ihr brillanter Kollege, der beste Unterhaltungs-Schriftsteller seit Charles Dickens, so ein tolles Buch geschrieben hat.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine wunderbar zart geschmorte, anschließend aufgeknusperte Ente im „Marjellchen“ in der Mommsenstraße. Dort hat’s einen Betreiberwechsel gegeben mit einer angeblich „behutsamen“ Überarbeitung der Speisekarte, der jedoch meine Lieblingsgerichte beinahe komplett zum Opfer gefallen sind: Flecksuppe, Pannfisch, Spick-Aal und vor allen Dingen der wunderbare Schmandschinken können nicht mehr bestellt werden. Letztlich ist außer Betenbarsch, Königsberger Klopsen und Mohnpielen nichts wirklich Ostpreußisches mehr auf der Speisekarte. Es lässt sich wohl mit diesen Gerichten kein Geld mehr verdienen. Schade.

Kein Take ist so dumm, dass nicht irgendwer mal darauf reinfallen würde. Sogar das kreuzdämliche Märchen vom „antifaschistischen Schutzwall“ verfängt immer noch, oder warum sonst wurde diese Woche die Mauer – unter anderem von einer vom Völkerrecht kommenden Kanzlerkandidatin – als „Ergebnis des Kalten Krieges“ bezeichnet. Schämt euch, ihr geschichtsvergessenen Idioten.

Alle Welt hat Armin Laschet bereits abgeschrieben. Ich würde das auch gern tun, aber der Mann ist mit haargenau der gleichen Masche NRW-Ministerpräsident, CDU-Vorsitzender und Kanzlerkandidat geworden. Ich fürchte nach wie vor, dass der nächste Kanzler von Opus Dei beraten wird.

Vermutlich könnte man die Impfquote drastisch erhöhen, wenn man in jedes Testcenter einen Impfarzt stellt: „Wirklich immer wieder in der Nase bohren lassen? Einmal impfen, und in 14 Tagen ist die Testerei Geschichte.“

Ausgiebig regte man sich diese Woche öffentlich darüber auf, dass Fa. Volkswagen die Currywurst aus dem Kantinenprogramm gestrichen hat. Mal ganz davon abgesehen, dass die Currywurst ein vollkommen überschätztes Essen ist1, in der Original-Meldung liest sich die ganze Sache so, dass Volkswagen in einer(!) seiner Kantinen die dubiosen Würste gestrichen hat, in allen anderen sind sie nach wie vor erhältlich. Für diese Nicht-News inszenieren unsere Qualitätsmedien eine tagelange Clickbait-Orge und halten sogar unseren brontosaurischen Ex-Kanzler Schröder davon ab, im Schrebergarten seiner Frau nach russischem Erdgas zu graben, damit er für die blöde Wurst Partei ergreift. Gleichzeitig beschwert man sich in den gleichen Qualitätsmedien über einen substanzlosen Wahlkampf.

Unsere Verteidigungsministerin hat in den letzten Wochen eine Antonow anmietet, um die Restbestände von Sekt und Bier der in Afghanistan stationierten Soldaten auszufliegen, ein „Weltraumkommando“ gegründet und die wackere Fregatte „Bayern“ in den Pazifischen Ozean geschickt, um die Chinesen zu bedrohen oder sowas. Derweil stehen die Taliban vor Kabul. Wie war das nochmal mit „Fluchtursachen in den Ausgangsländern bekämpfen“?

„Konjunktive haben in einer Zeitung nichts zu suchen.“ hörte ich immer wieder, als ich als Volontär Artikel für unsere Heimatzeitung schrieb. Tja, das ist lange her.