Splitterbrötchen (DCCXC)

Sich über ein Stückchen Stoff aufzuregen, das man aus Rücksichtnahme beim Einkaufen und im ÖPNV vor Mund und Nase trägt, ist übelste Ressourcenverschwendung.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Essen bei Stelzeneder, zu dem die beste, geduldigste Gemahlin von allen die liebe Facebook-Freundin Thea und mich eingeladen hatte. Letztlich ist Stelzeneder ein vollkommen unspektakuläres Wirtshaus, aber die Freundlichkeit der Bedienung und der perfekte Umgang der Küche mit angenehmen Deftigkeiten wie meinem Schafskäse-Omelette machen es zu einer kleinen gastronomischen Sensation.

Rassistische Werbung bei VW? In der Tat kann man den Clip als rassistisch verstehen, aber Werbung? Wie soll mich derart wirrer Scheißdreck dazu bringen, ein Auto zu kaufen?

Sollten wir nicht gelegentlich über die unkontrollierte Macht der Versicherungsgesellschaften reden?

Vermutlich der wildromantischste Ort Berlins: der Biergarten auf der Marienhöhe. Nicht zuletzt, weil man der wilden Romantik mit Urquell vom Fass auf die Sprünge helfen kann. Ja, Urquell, nach wie vor eins meiner Lieblingsbiere. Geht mir mit dem bitteren Craft-Zeugs weg, ich hatte noch keins im Glas, das mir wirklich geschmeckt hätte.

Warum steh ich eigentlich nicht in der Zeitung, wenn ich grausamen Unfug von mir gebe? Weil ich Fleisch esse und damit koche? Werde ich diskriminiert?

Wenn man Meinungsäußerungen, die nur auf Selbstdarstellung und Rechthaberei abzielen und keine Hilfestellung bei der Krisenbewältigung anbieten, einfach ignoriert, lebt man entspannter und hat wieder ausreichend Zeit für wertvolle Lektüre.

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXXIX)

Wie kann man es nicht spannend finden, Wissenschaftlern beim Lernen zuschauen zu dürfen?

Fußball ohne am Spielfeldrand schimpfende Menschen ist wertlos.

Der Freitag war ein Feiertag: das Hochfahren der Gastronomie begann und bescherte mir zwei kulinarische Höhepunkte. Zuerst Bier vom Fass im Amarcord

…nach einem flinken Lokalwechsel dann wunderbares Filetto Gorgonzola beim Lieblingsitaliener

…und beides gezapft, zubereitet und serviert mit der liebevollen Zugewandheit geschätzter Gastronomen, die ich in den vergangenen zwei Monaten wirklich schmerzlich vermisst habe. Das war nicht nur Labsal für den Gaumen, das war Futter für die Seele. Es kann so weitergehen.

Hier soll vermutlich eine Pop-Up-Konzerthalle für die Toten Hosen entstehen.

Wann, wenn nicht jetzt wäre endlich die Stunde der Theaterwissenschaft gekommen? Jetzt, mitten in der Corona-Krise, könnten die Theaterwissenschaftler doch erklären, warum Theater via youtube oder Podcast oder Zoom nicht funktioniert. Warum Fußball ohne Publikum ein emotionsfreies Rumgerenne auf dem Rasen ist. Was dieses Spannungsfeld ausmacht, das entsteht, wenn Akteure und Menschen, die ihnen zuschauen, gemeinsam Zeit gestalten und sich gegenseitig auf eine ansonsten nicht erreichbare Wahrnehmungsebene bringen. Darum geht’s doch bei der Theaterwissenschaft. Wo bleiben die Wortmeldungen? Eigentlich müssten sie jetzt doch Wichtiges zu sagen haben, die Theaterwissenschaftler. Und nicht den anderen Scharlatanen kampflos das Feld überlassen.

Wer nur sich selbst als Maßstab kennt, ist natürlich häufig überfordert.

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXXVIII)

Irgendeinem Medizingeschwurbel entnommen, dass jedes Glas Bier oder Wein angeblich das Leben um 6 Minuten verkürzt. Bin also – über den Daumen gepeilt – irgendwann vor 1930 gestorben.

Eine Verschwörung, die von geistigen Kanalratten wie Soost oder Hildmann aufgedeckt werden kann? Ernsthaft?

Die Wortkreation der Woche ist natürlich „infektionsschutzfeindlich“.

Auf Twitter brachte mich Ringo Trutschke mit dieser 1350 geführten Lockerungsdiskussion zum Lachen: „Die Pest ist auch nicht schlimmer als Fleckfieber“ „Warum dürfen Steinmetze öffnen, Hufschmiede aber nicht?“ „Hexenverbrennungen können ja ohne Zuschauer stattfinden“ „Trinkstuben sind systemrelevant“ „Viele Erkrankte über 30 wären eh bald gestorben“

Wein und Etikett brachten Podersdorfer Sonne in den Corona-Alltag.

Der Drang des Menschen zur Freiheit ist größer als der zur Vernunft. Die Entscheidung, ob das gut oder schlecht ist, überfordert mich.

Herausgefunden, warum Neil Dudgeon als Barnaby niemals an John Nettles heranreichen wird: Er vergisst immer wieder, „von der CID Causton“ zu sagen. Geht gar nicht!

Immer wieder erstaunlich, wie viel Aufmerksamkeit man mit offensiv vorgetragener Idiotie generieren kann. Beinahe könnte man glauben, die Medien hätten auf dieser Basis ein Geschäftsmodell entwickelt.

Am 15.5. beginnt man, die Berliner Gastronomie wieder hochzufahren. Wir haben für 18 Uhr beim Lieblingsitaliener reserviert. Ich zähle die Stunden.

 

Splitterbrötchen (DCCXXXVII)

Bei „Masked Singer“ hatte ich u.a. auf Meryl Streep als Hasen, Axel Schulz als Faultier und Wolfgang Overath als Drachen getippt. Da ich wirklich nur knapp daneben lag, werte ich das als persönlichen Erfolg.

Eigentlich müsste das doch einfach zu begreifen sein, liebe Knalldeppen vom Kommentariat, die ihr die Kontakteinschränkungen für „überzogen“ haltet: Wenn wir die Kontakte nicht einschränken, passiert das.

Was nicht jeder weiß: Egal, wie doof dein Gegenüber ist, gegenüber von Calais ist Dover.(Quelle: Internet)

Verwunderung über den Claim einer Online-Sprachschule: „Sprechen Sie Englisch, als wäre es Deutsch.“ That is hairexact what you should not do. A speakly tohoowabohoo would be the episode!

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: das erste Bier vom Fass seit 6 Wochen (im Golgatha am Kreuzberg „to go“ geholt).

Wie konnte ich nur die „Beatoons“ jahrelang verpassen? Wunderbare Beatles-Cartoons…

…die, wie der Kenner sofort merkt, ziemlich hart an der Wirklichkeit entlang erfunden wurden:

Warum schenken die sogenannten Leitmedien immer wieder dem Tübinger Bürgermeister solche Aufmerksamkeit? Die Bürgermeister anderer Universitätsstädte sollten doch auch in der Lage sein, zitablen Unfug zu produzieren.

Sehr große Verwunderung über Social-Media-Teilnehmer, die Christian Drosten der „Panikmache“ bezichtigen. Der Mann macht doch das genaue Gegenteil!

The Masked Brummer.

Splitterbrötchen (DCCXXXVI)

Jeder ist systemrelevant.

Arbeitsminister Heil lehnt Fußballspiele mit Maske ab“ ist das noch Binsenweisheit oder schon glasharte Idiotie? Natürlich hat ein Ex-Boxer wie Henry Maske auf dem Fußballplatz nix verloren, das versteht sich doch von selbst!

Was nicht jeder weiß: In Frankreich wird eine Komödien-Schauspielerin als „Farcette“ bezeichnet.

War die Absage des Oktoberfests1 vielleicht doch vorschnell? Hätte man dieses Volksvergnügen nicht ins Internet verlagern können? Mit einer „Geistersaufen“-App, in der ich mir ein Festzelt aussuchen und dort einen Platz reservieren darf? Mehrere Wochen später darf ich die App dann wieder starten, meinen virtuellen Platz aufsuchen, mich von einer gestressten Servicekraft anpampen und mir von ihr ein schlecht eingeschenktes Bier (In-App-Kauf, eigentliche Bierlieferung durch amazon prime) bringen lassen. Anschließend kann ich mit diversen Hot-Buttons schunkeln, prosten und raufen. Gastdirigieren der Blasmusik ginge auch: einfach: aufstehen und neben dem Takt rumfuchteln, genau wie im Festzelt. Wo wäre das Problem?

Ein weiteres Detail, das die Privatisierer und Optimierer für zweitrangig gehalten haben. Je mehr ein System auf Effizienz getrimmt ist, desto anfälliger wird es für Störungen, auch für kleine. Wenn’s kein Backup für das defekte Rädchen (mehr) gibt, steht eben die ganze Maschine still. Auch doof.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war eine Entdeckung: Zum ersten Mal hatte ich „Melsunger Rübenwurst„, eine bratbare geräucherte Blutwurst mit Rübenanteil, auf dem Teller: eine geniale Deftigkeit! Ich hatte von dieser nordhessischen Spezialität noch nie etwas gehört, obwohl ich wenige Kilometer von Melsungen entfernt aufgewachsen bin. Was nicht weiter verwundert, wenn man gewisse futterneidische Eigenheiten des dort beheimateten Menschenschlags kennt. Der typische Eschweger hat ja bis vor wenigen Jahren (einige tun es noch heute), gegenüber Touristen2 die Existenz lokaler Spezialitäten grundsätzlich verneint, um sich zuhause dann freudig über eine Riesenportion Krautshäuptchen herzumachen.

Auf Twitter brachte mich FrankB zum Lachen:
„Oh, Sternchen-Nudeln?“
„Nein, meine Buchstabensuppe ist passwortgeschützt.“

Die Bundesliga muss den Spielbetrieb SOFORT wieder aufnehmen. Damit die ganzen selbsternannten, neunmalklugen Virologie-Experten sich wieder dem Fußball zuwenden können. Da richten sie weniger Schaden an.

Begeisterung über die 2. Staffel von Ricky Gervais‘ „After Life“, die ich auf Netflix bei Erscheinen durchgebinget habe. Stellenweise trägt der arg dick auf, was das Sentiment angeht, aber die brüllkomischen Nebenfiguren (der durchgeknallte Psychiater!) reißen’s raus. Großes Serien-Kino!

Immer, wenn Micha Preetz im „Doppelpass“ versucht, Zuversicht zu verbreiten, beginnt zuverlässig eine sportliche Talfahrt bei Hertha BSC. Diesmal wird der Abstieg nicht zu vermeiden sein.

Und vergessen Sie eins nicht: Wer jetzt „Lockerungsdiskussionen“ führt, ist ein Schattenboxer, der von den tatsächlichen Problemen ablenken wil.

Splitterbrötchen (DCCXXXV)

Der Tweet der Woche kam von Conny Chaosqueen: „Und plötzlich sind wir alle wieder 16. Die Haare sind lang, das Benzin ist billig und wir haben alle Hausarrest!!!!“

„Aktuell, fachlich, kritisch“ – der „kicker“ ist dieser Tage hundert Jahre alt geworden. Ich habe das Fachorgan jahrzehntelang gelesen1, meistens wegen der verlässliche kalauernden Headlines. Obwohl die stark vorhersehbar waren. Als beispielsweise der HSV vor einigen vielen Jahren Gerd-Volker Schock anstelle Willi Reimanns zum Cheftrainer berief,  hatte ich vollkommen richtig prophezeit, dass der „kicker“ das mit der Headline „Schock für Reimann!“ vermelden würde. Anschließend versuchte ich, mit Fußballinteressierten Wetten abzuschließen, dass das Fachblatt Schocks unvermeidliche Demise mit der Schlagzeile „Schock: Schwere Not!“ einläuten würde. Es wollte niemand dagegen halten. Zu Recht, natürlich.

Die eigentliche Krise wird erst nach der Krise kommen.

Es ist sicher eine gute Idee, sich aufzuschreiben, was zur Zeit gemacht wird, wer zur Zeit was macht, wer nichts macht und wer welche Position bezieht. Wenn der ganze Spuk vorbei ist2 werden alle versuchen, die Corona-Geschichte umzuschreiben. Da werden Heldenepen und, Schurkenstücke erdacht werden, von denen zur Zeit nichts zu sehen ist. Ratlosigkeit wird in Tatkraft umgedichtet werden, verdutztes Schweigen in Besonnenheit. Die Wirklichkeit, die wir jetzt erleben, wird nicht mehr auftauchen.

Mein Shopping-Verhalten hat sich verändert.

Beim BR bemängeln sie, dass Söder sich noch nicht zur Kultur in Virus-Zeiten geäußert hat. Ich fürchte, dahinter steckt Kalkül. Irgendwann wird’s an den wirtschaftlichen Wiederaufbau gehen. Und dann können sich Politiker publikumswirksam als „Macher, die keine Tabus kennen“ profilieren, indem sie mit der Axt an die Kulturhaushalte gehen: „Jeder muss Opfer bringen.“ Natürlich nicht um Geld zu sparen, um Himmelswillen, dazu sind die Kultur-Etats viel zu klein, es geht nur ums Ranwanzen an bildungsferne Wähler: „Der zeigt’s den faulen Künstlern!“ Es könnte sehr bitter werden.

Fa. Groupon ist unter dem Virus-Druck mental zusammengebrochen. Sie haben gerade versucht, mir unter dem E-Mail-Betreff „Vermisst du das Nachtleben? Wetten, Du kannst auch vom Sofa Spaß haben?“ ein Disney+-Abo und personalisierte Foto-Tassen zu verkaufen.

Der definitive Song zum Lockdown:

Erst empfahl mir Facebook so hartnäckig, die Seite eines Schützenvereins zu liken, dass ich öffentlich vermutete, Zuckerberg wolle in Europa die Volksbewaffnung vorantreiben. Dann folgte eine überraschende Kehrtwende: Zuckerbergs Schergen forderten mich auf, statt mit den Schützen nun mit  freiwilligen Feuerwehrleuten aus Niederösterreich zu sympathisieren. Kann es sein, dass Facebook zur Zeit ein wenig planlos agiert?

Hefe ist das neue Gold, in einigen Supermärkten ist sie ausverkauft bzw. wird streng rationiert. Beim Edeka in der Körnerstraße war sie merkwürdigerweise im Überfloss vorhanden.

Ich hab aber keine gekauft. Daniele in der „Trattoria Sicila“ hat genug Hefe. Und Spinat. Und Gorgonzola. Und sorgte damit für meinen kulinarischen Wochenhöhepunkt,

Irritation über das Vorpreschen Sachsens in Sachen Maskenpflicht. Hätte das nicht einem Bundesland vorbehalten bleiben sollen, in dem der Karneval stärkere Tradition hat?

Die Absurdität der aktuellen Situation wird mit Abstand am Besten durch die aktuellen „Doppelpass“-Talkshows bei Sport1 versinnbildlich. Da sitzen dann 5 bis 6 Experten in einem leeren Studio und reden über keinen Fußball. Samuel Beckett wäre entzückt.

 

Splitterbrötchen (DCCXXXIV)

Morgen sind es vier Wochen, dass ich zuhause bleibe. Man muss sehr aufpassen, dass man sich durch dieses Corona-Zeugs nicht neurotisieren lässt. Dass man nicht jeden Blick, den man beim Einkaufen einfängt, als feindselig empfindet. Dass man die imaginierte Feindseligkeit nicht erwidert.

Fragen, die die Welt bewegen: Wenn die Corona-Maßnahmen gelockert werden und es dann irgendwo noch Bankfilialen gibt, die öffnen können und eine Maskenpflicht angeordnet wird: Was ist, wenn ich mit Atemschutzmaske eine Bankfiliale betrete? Geht dann der Alarm los, oder nicht? Oder zi

Ich musste von einem kulturellen Fixpunkt meiner Jugend Abschied nehmen. James Dury, der in „Die Leute von der Shiloh Ranch“ den Virginian spielte, ist gestorben.

Menschen, die anderen immer wieder nahelegen, das Positive aus der aktuell wütemdem  Pandemie zu erkennen und daraus zu lernen, setzen sich einer großen, von mir persönlich ausgehenden Gefahr aus.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Antipasti to Go vom Lieblings-Italiener Mare e Monti.

Falls jemand an diesem Facebook-Rätsel mit der Hexe, den Zauberstäben und Besen verzweifelt: ganz genau hingucken! Es ist nicht immer nur ein Besen oder ein Zauberstab. Die Quersumme der richtigen Lösung ist 10.

Hin und wieder muss man mal gute, handwerklich hergestellte Pasta aus Italien essen, um sich in Erinnerung zu rufen, dass der Unterschied zu dem Discounter-Zeugs doch frappierend groß ist.

Den Tweet der Woche schuf die Berliner CDU-Fraktion: „Baustadtrat Schmidt verstrickt sich weiter in Skandale. Seine Mitgliedschaft in der ‚Stadtbodenstiftung‘ ist untragbar. Diese Stiftung überführt Grundstücke dauerhaft in gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung & entzieht deren Verwertung dem Markt.“

Nach dem Erledigen der Ostereinkäufe darüber sinniert, was mir mehr Sorgen bereitet: das Virus oder die zahlreichen geschlossenen Kunden-Toiletten.

Sehr beeindruckt hat mich die Ansprache der Queen. Understatement („increasingly challenging time“) hat sie drauf wie niemand sonst. Allerdings war ich nicht wenig enttäuscht, dass sie den Schluss („We’ll meet again“) nicht musikalisch aufgelöst hat. Die Windsor-Familie ist groß genug, da hätten mehrere Generationen sie mit Backing Vocals und Handclaps supporten können.

Als sich die Beatles vor 50 Jahren getrennt haben, wurde mir eine Wunde zugefügt, die heute noch schmerzt.

Frohe Ostern, soweit das möglich ist.

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXXIII)

Fußball fehlt. Sehr. Nicht nur die Spiele, auch die Geschichten, die der Sport nebenbei schreibt und die einen über Wochen und Monate beschäftigen.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Der zweite weiße Spargel des Jahres1, klassisch serviert mit Schinken, neuen Kartoffeln und zerlassener Butter, dazu einen muskulösen Silvaner vom Gustavshof, da war eine Mahlzeit lang richtig Frühling.

Ich bin von der werbenden Industrie schwer enttäuscht. Warum erfahren wir nicht, wie die ulkigen Schnääpchen-Familien von Check 24 die Corona-Krise meistern?

Lassen Sie sich nicht einreden, dass das Virus an der Wirtschaftskrise schuld ist, durch die wir jetzt durch müssen. Es war nicht das Virus, es waren die Privatisierer und Optimierer, die uns in diese Scheiße geritten haben.

Immerhin, das Eingeschlossensein macht einen auch kreativ. Mir zum Beispiel ist diese Woche ein Serienkonzept eingefallen, das mir einen Platz in der TV-Geschichte sichern wird. Arbeitstitel „The Elvis Files“. Wie wir – nicht erst seit dem Film „Elvis & Nixon“ -wissen, wurde Elvis Presley 1970 von Präsident Nixon zum Agenten der Drogenfahndung gemacht. In den darauffolgenden Jahren feierte Elvis als Undercover-Agent auf diesem Gebiet große Erfolge und führte mehrere vernichtende Schläge gegen die Drogenmafia. Die schlug 1977 zurück und verübte ein Attentat auf Elvis in Graceland, dem jedoch nicht der King sondern eins seiner zahlreichen Doubles zum Opfer fiel. Der King beschloss, dieses Attentat als Chance zu begreifen und inszenierte seinen eigenen Tod, um sich fortan ganz der Tätigkeit als Agent widmen und den Vorteil ausnutzen zu können, dass alle Welt ihn für tot hielt. Die Folgen der Serie erzählen – in jeweils abgeschlossenen Handlungen – von Elvis‘ Abenteuern als Agent. Dabei werden die Folgen thematisch passend mit Elvis-Songs betitelt, z. B. „The Elvis Files: Heartbreak Hotel“ (Elvis entschärft eine „Honigfalle“) „The Elvis Files: Hound Dog“ (Elvis sprengt gemeinsam mit einem Drogenspürhund ein Kokain-Kartell) oder „The Elvis Files: Suspicious Minds“ (Elvis gerät fälschlich unter Verdacht, ein Doppelagent zu ein). Welt-Idee!

Das Virus bringt es an den Tag: Die uralte Feindschaft zwischen Stadt- und Landbevölkerung blüht, wächst und gedeiht auch noch im 21. Jahrhundert. Beim Lesen dieses Artikels standen mir einige Erlebnisse meine Jugendzeit wieder deutlich vor Augen: Dass man als Junge aus der Kleinstadt auf dem Dorf immer auf der Hut sein musste. Wenn gerade kein „Großer“ hinguckte, gab’s Dresche, nicht zu knapp. Und auf den Fußballfeldern fanden zwischen den Jugendmannschaften regelrechte Schlachten statt. In nordhessischen Dörfern wusste man, wie man Stollen scharfkantig schleift.

Man stelle sich vor: Irgendwann gestatten die Regierungen uns, wieder hinaus zu gehen. Und dann bleiben wir trotzdem zuhause!

Splitterbrötchen (DCCXXXII)

Es ist deutlich über zwei Wochen her, dass ich das letzte schön kalte Pilsener vom Fass getrunken habe. Erst jetzt begreife ich Kuhns „Es gibt kein Bier auf Hawaii“. Das ist keine populistische Sauf-Schnulze, in diesem Lied werden existenzielle Wahrheiten verhandelt.

Geisterspiele in der Bundesliga oder Champions League sind Unsinn. Geister können nichts am Ball, das will doch keiner sehen!

Falls sich jemand beim ersten Anhören des neuen Dylan-Songs „Murder most foul“ (17 Minuten) so nach 2, 3 Minuten fragt „Kommt da noch was?“, kann ich helfen. Nee, da kommt nix mehr. Er raunt die ganze Zeit monoton ziemlich gute Lyrics runter, mehr ist nicht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein von Daniele zubereiteter  To-Go-Meeresfrüchte-Salat, perfekt begleitet von einem Chardonnay (Ettl, Podersdorf). Wonne. Sonnenstrahl in der Corontäne.

Vor 5 Jahren schrieb ich, dass mein Wunsch nach einer akzeptablen DVD- oder Bluray-Ausgabe des genialen Outlaw-Westerns „Barbarosa1 wohl unerfüllbar bleiben wird. Manchmal muss man ein wenig Geduld haben…

Beim Mitmachen bei einem sehr amüsanten Facebook-Spielchen (man bekommt den Anfangsbuchstaben eines Namens und muss ein Video mit einem entsprechenden Interpreten posten) fand ich dieses schlichtweg geniale Musikvideo.

Ich hatte übrigens „H“.

Ist das außer mir wirklich noch niemandem aufgefallen? Wie verdächtig ähnlich sich Corona-Virus und der Exot von Sergeant Pinback aus „Dark Star“ sehen?

Splitterbrötchen (DCCXXXI)

Ist es nicht ganz erstaunlich, was dieser Staat mit uns Bürgern alles machen darf, einfach so? Warum haben wir uns damals eigentlich wegen der Notstandsgesetze so aufgeregt?

Warum horten die Menschen Mehl, Nudeln und Klopapier? Ich denke, das ist relativ einfach zu erklären. Sie wollen irgendetwas tun, um sich zu schützen. „Hände waschen und Ruhe bewahren“ ist nicht abendfüllend. Also kaufen insbesondere Menschen mit knappem Budget Dinge des täglichen Bedarfs, die wenig kosten und nicht verderben können, auch wenn unmittelbar kein Bedarf besteht. Man hat dann das Gefühl, wenigstens etwas getan zu haben.

Ich verstehe nicht so ganz, warum sich noch niemand von der Bertelsmann-Stiftung zur Corona-Krise geäußert hat. Jetzt könnte man doch einen detaillierten Plan vorlegen, genau welche Kliniken geschlossen werden müssten, um die Infizierten besser versorgen zu können!.

Erkenntnis der Woche: Gastronomie ist extrem wichtig für meine Lebensqualität, ihre plötzliche Abwesenheit macht mir zu schaffen.

PizzaKulinarischer Wochenhöhepunkt war demzufolge die einzige Mahlzeit der Woche, die ich nicht selber gekocht hab. Pizza to Go von Daniele mit scharfer Salami. Hat das gut geschmeckt.

Die Hoffnung, die ich mit diesem Virus-Scheißdreck verbinde: Dass wir nicht möglichst bald zur „Normalität“ zurückkehren, sondern niemals mehr. Dass diese Krise das Aus für das neoliberale Denken bedeutet, das letztlich unser Leben vor die Wand gefahren hat (der Virus war’s nicht). Der Markt kriegt nichts geregelt. Die Menschen müssen die Dinge in die Hand nehmen.