Wichtig!

Beobachte zur Zeit ein statistisch hochinteressantes Phänomen: Mehr als Zweidrittel aller Emails in meiner Inbox, die im Betreff das Wort „wichtig“ enthalten, beginnen mit der Zeile: „Das Jahr 2006 neigt sich dem Ende zu…“ Find ich gut. Ist wirklich wichtig zu wissen, dass die Verfasser derartiger Mails denken, man wäre genauso dämlich wie sie selbst.

Fenstersturz

Doherty in Todesfall verwickelt – SPIEGEL ONLINE:
„Es soll ein handgreiflicher Streit gewesen sein, in den Pete Doherty mit dem Amateurschauspieler Mark Blanco auf der privaten Party geriet, berichtet die ‚Sun‘. Wenig später sei der 30-Jährige vom Balkon der im zweiten Stock gelegenen Wohnung im Londoner Stadtteil Whitechapel gestürzt und dabei ums Leben gekommen.
Der Babyshambles-Sänger habe die Feier verlassen, bevor die Polizei eingetroffen war…
Blanco hätte kommende Woche in einer Inszenierung von Dario Fos ‚Zufälliger Tod eines Anarchisten‘ auf der Bühne stehen sollen.“

Und dieses Theaterstück dreht sich darum, dass jemand aus dem Fenster gefallen ist! Das ist an Tragik nicht mehr zu überbieten: Ein junger Amateurschauspieler gibt alles für die Produktion, opfert sich im wahrsten Sinne des Wortes für seine Truppe auf, und dann klaut ihm der zugekokste Doherty die ganze Publicity. Es gibt keine Gerechtigkeit auf dieser Welt.

Santa ohne Credibility?

Presseportal: Hochschule startet Studie zur Werbefigur „Weihnachtsmann“:
„Die Mediadesign Hochschule stellt die Werbefigur des Weihnachtsmannes jetzt auf den Prüfstand: Wie Erfolg versprechend ist die Nutzung des Weihnachtsmannes als Werbeträger heute noch? Die Vermutung der Wissenschaftler: Da zahlreiche Produkte und Unternehmen mit dem Weihnachtsmann werben, hat er seine Glaubwürdigkeit als Werbe-Botschafter stark eingebüßt … ‚Der Weihnachtsmann hat aber ein ähnliches Problem wie Franz Beckenbauer: Wenn eine Person nacheinander für konkurrierende Marken wirbt, verliert er seine Glaubwürdigkeit‘, so Professor Dreiskämper. Seine Empfehlung: ‚Der Weihnachtsmann sollte als Werbefigur mit seinen 75 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand entlassen werden.‘

Äh… Herr Professor… auch wenn das jetzt wie ein Schock für sie kommt: Ein vierjähriges Kind, das seine Eltern auf einen ca. zweistündigen vorweihnachtlichen Shoppingbummel durch die Innenstadt einer deutschen Großstadt begleitet, wird in diesem Zeitraum ca. 50 Weihnachtsmännern begegnen, deren Bärte erkennbar falsch sind, deren zum Teil stark zerschlissene Kostüme stark nach Mottenkugeln und deren Atem gelegentlich deutlich nach Glühwein duften. Wollen Sie wirklich, ganz wirklich in diesem Zusammenhang „Glaubwürdigkeit“ zum Thema einer Studie machen?

(Bei Medienrauschen entdeckt)

Der nächste Suchbegriff…

Sie! Ja, genau Sie meine ich! Sie wurden doch von Fa. Google hierher geschickt, ja? Weil Sie bei Firma Google in das kleine Feld die Frage „Wie sehen Kartoffeln aus?“ getippt haben, ja? Hören Sie, das war ein Irrtum von Fa. Google. Ja doch, Sie sind hier irrtümlich hingeschickt worden, hier sagt Ihnen niemand, wie Kartoffeln aussehen. Vielleicht schauen Sie mal in den Spiegel?

Die Chemie stimmt

Kurzpässe – Sport – SPIEGEL ONLINE:
Auf eine Finanzspritze bis zu 50 Millionen Euro in zehn Jahren kann Viertligist Sachsen Leipzig hoffen. Der Energiedrink-Hersteller Red Bull erwägt, die Kontrolle über den Verein zu übernehmen und das Team bis 2011 in die Bundesliga führen.

Bin ich so leicht zu amüsieren, oder ist es wirklich saukomisch, dass die Plörrenfabrikanten ausgerechnet einen Club übernehmen wollen, der an die 40 Jahre unter „BSG Chemie Leipzig“ firmiert hat? Ich schmeiß mich weg…

kicker-Überschriften

Warum ich seit an die 40 Jahren den kicker lese? Naja, sicherlich wegen Sätzen wie „Steil stieg das Leder in den Nachthimmel von Glasgow.“ Wegen „Karl-Heinz Heimann dreht den Scheinwerfer“, dem Non-Plus-Ultra der Tutigkeit im Sportjournalismus. Und wegen dem bizarren Namenszwang in den Artikelüberschriften. Zur Kostprobe mal nur die Überschriften der Artikel über die Spiele der 1. Bundesliga der heutigen Ausgabe:
Bordon gesperrt – und dennoch im Glück
Ernst: Bewerbung für Dortmund
Beauchamp hat noch Schwächen
Bader: „Wir geben keinen ab“
Schlaudraff: Auch Bayern mischt nun mit
Takahara läßt Bruchhagen staunen
Stroh-Engel erhält die Freigabe
Hoeneß vermisst ein Ungeheuer
Deisler: Keine Wunder – aber eine gute Entwicklung
Delura: Tor ohne schmutzige Tricks
Jupp Heynckes im Aufwind, aber der Druck bleibt hoch.
Van Marwijk: Darum muss er 2007 gehen
Sahin wie einst in Wolfsburg?
Van der Heyden hat die Nase vorn
Augenthalers Nacht-Ansprache: „Bitter für die Moral“
Klose krönt seine Glanzleistung mit einem Jubiläum
Torschütze Simunic der Pechvogel
Rückkehrer Pantelic und Bastürk als Hoffnungsträger
Heldt: Attacke gegen Rafati
Osorio zwischen Schwäche- und Kälteeinbruch
Wach(e)-Ablösung: Wetklo nutzt seine Chance im Tor
Otto Addo sucht nach neuem Verein
Riesengeschenk zu da Silvas Rückkehr
Doll wirkt ratlos: Suche nach dem Retter
Bechmann: „Minimum 18 Punkte“
Marcel Maltritz: „Misimovic macht den Unterschied“
Dabrowskis passende Antwort auf die Kritik
McKenna: „So geht es nicht weiter“
Trotz Platzverweis Lob für 18jährigen Feick: Mit Arne ist zu rechnen“
„Verkehrte Welt“ für Cherundolo
Hecking rückt von Notkäufen ab: „Kein zwingender Handlungsbedarf“
Von Heesen: Das Dementi bleibt aus
Bollmann und die Chance zur Serie
Keine Einsatzgarantie für Kießling
Die Artikel selbst lese ich übrigens in den seltesten Fällen. Sie fallen gegenüber den Überschriften stark ab.

Welt-Tournee

Unfall bei Renz-Reptilienshow: Krokodil schnappt zu, Zirkusdirektor verliert Daumen – SPIEGEL ONLINE:
„Der Zirkus, der im hessischen Friedberg beheimatet ist, ist zur Zeit auf einer Tournee durch Frankfurt.“

Auch wenn das mit hundertzehnprozentiger Wahrscheinlichkeit ein Druckfehler (Heißt das im Internet eigentlich auch so?) ist, ist die Tournee durch Frankfurt zu schön, um sie nicht zu bloggen.

Die Cottbuser Oma

Soeben in der Dezember-Ausgabe der 11 Freunde ein Interview mit Energie-Cottbus-Übungsleiter Petrik Sander gelesen, in dem es heißt:
11 Freunde: Sie sind ein Kontrollfreak.
Sander: Meine Oma hat immer gesagt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
Wladimir Iljitsch Lenin war also Petrik Sanders Oma. Zugegeben, das kommt zunächst überraschend, erscheint aber bei weiterem Nachdenken eher logisch zwingend: Vermutlich kann man nur mit einem derartigen verwandschaftlichen Background in Cottbus bestehen.

The Mehdorn Code

Mehdorn zürnt: „Egotrip kostet bis zu 40 Millionen Euro“ – SPIEGEL ONLINE:
Bei der Deutschen Bahn wird der drohende Umbau in düsteren Farben geschildert: „Auf dem Berliner Hauptbahnhof verkehren täglich 300.000 Reisende in 1100 Zügen“, sagte Sprecher Norbert Giersdorff…

Natürlich habe ich sofort den Taschenrechner gezückt, um herauszufinden, wie viel Menschen in den Hauptbahnhof-Zügen verkehren, also dreihunderttausend durch eintausendeinhundert macht 272,72727272727272727272727272727 auf den Hau! Also bitte: Kann eine solche Zahl Zufall sein? Auf gar keinen Fall. Jetzt muss nur noch die Frage beantwortet werden, welcher Geheimorganisation Hartmut Mehdorn angehört und welche Botschaft er mit 272,72727272727272727272727272727 weiterverbreiten will. Wäre schön, wenn ein Hohepriester Pressesprecher der Bahn mal Stellung nehmen würde.