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Texte aus meinem Papierkorb

Mißglückte Romananfänge

Ein spannender Unterhaltungsroman muß drei Dinge haben: Tempo, Tempo und nochmals Tempo. Der Plot muß rasen, der Leser darf nicht zum Atemholen kommen, und dabei kann es nur allzu leicht passieren, daß der Autor nicht mehr zum Nachdenken kommt und dann…

…greift beispielsweise das “Jack-Higgins-Syndrom”. Zur Erklärung: Jack Higgins ist ein irischer Thriller-Autor, der mit Schmökern über angebliche, meist total abgefahrene Nazi-Verschwörungen im 2. Weltkrieg stinkreich geworden ist. Könnte man doch auch mal probieren…

Die Taube steigt auf

Ein Thriller

1.

Ungläubig starrte Admiral Canaris auf seinen Adjutanten.

“Ist Ihnen eigentlich klar, von Falkenbrunn, daß diese Information den Verlauf des Krieges dramatisch verändern kann? Wenn es wirklich stimmt, daß Winston Churchill in 6 Wochen unter strikter Geheimhaltung das St. Mary’s-Hospital aufsuchen wird, um eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen

Manchmal ist es ein einziger Satz, der aus einer schwungvollen Eröffnung explosionsartig die Luft raus läßt:

Angriffsziel Erde

Ein utopischer Roman

1. Kapitel

Laserblitze durchzuckten das nachtschwarze Dunkel des Weltalls. Die Flotte der Sauronier war aus dem Nichts gekommen und attackierte den Sternenkreuzer “Invincible” mit größter Feuerkraft. Die ersten Schutzschilde brachen zusammen, Alarmsirenen heulten und wurden alsbald von den Schreien der Verwundeten übertönt. Langsam, allzu langsam brachten die Photonen-Kanoniere der “Invincible” ihre schweren Geschütze in Stellung und begannen, das Feuer zu erwidern, während die Sauronier mit ihren kleinen, beweglichen Kreuzern Angriffswelle auf Angriffswelle flogen. In den Korridoren der “Invincible” herrschte bereits nach wenigen Minuten das Chaos. In Panik geratene, ziellos hin und her rennende Raumkadetten behinderten die Rettungstrupps in ihrer Arbeit, während ein lebenserhaltendes System nach dem anderen ausfiel. Einzig und allein die Kommandobrücke des Flaggschiffs der terrestrischen Verteidigungsflotte war eine Insel der Ruhe und Entschlossenheit in einem Meer aus Zerstörung und Angst. Admiral Jameson überflog die Anzeigen der Plasma-Schirme und wußte, daß ihm nur noch Minuten wenn nicht gar Sekunden blieben, um das Schlachtenglück zu wenden und das Schiff zu retten. Er mußte dem übermächtig scheinenden Gegner die Intiative entreißen, das Gesetz des Handelns an sich bringen. Entschlossen drückte er einen Knopf.

Der beliebte Kunstgriff des Spannungsromans, den Helden am Anfang in eine scheinbar ausweglose Situation zu bringen, aus der es nach menschlichem Ermessen kein Entrinnen geben kann, birgt noch weitere Gefahren.

Das Gold der Azteken

Ein Abenteuer-Roman

1. Kapitel

Schweißüberströmt bahnte Mike Porter sich mit wuchtigen Schlägen seiner Machete einen Weg durch das verwachsene Geäst des südamerikanischen Dschungels. Er wußte, daß er keine Zeit mehr verlieren durfte. Die sich rasch nähernden, wütenden Schreie der Eingeborenen sagten ihm, daß sie seine Spur aufgenommen hatten. Dank ihrer Kenntnis des Terrains war es nur eine Frage der Zeit, bis sie ihn eingeholt und überwältigt haben würden. Trotzdem zwang er sich zur Ruhe. Ein einziger unbedachter Fehltritt konnte in diesem tödlichen Dickicht bereits sein letzter sein. Und Mikes Geduld schien belohnt zu werden. Kaum merklich begannen die Sonnenstrahlen, das dichte Blattwerk der Vegetation heller zu durchdringen, das Unterholz begann, sich zu lichten. Nur noch wenige Schritte, wenige Machetenhiebe trennten ihn vom freien Gelände, als plötzlich der Boden unter ihm nachgab. Mit dem Mut der Verzweiflung schnellte Mike in die Höhe und griff nach dem nächstbesten Ast, um den Sturz in die heimtückisch getarnte Fallgruppe zu verhindern.

Mit beiden Händen den bedrohlich knirschenden Ast umklammern hing Mike über der Fallgrube, in deren Boden zahlreiche Speere gerammt waren, deren giftgetränkten Spitzen nach oben zeigten. Langsam Zentimeter um Zentimeter gewinnend, begann Mike den Ast entlang in Richtung des rettenden Baumstamms zu hangeln. Plötzlich erstarrte er in seinen Bewegungen. Aus dem dichten Blattwerk des Baumes wand sich eine schwarze Mamba auf ihn zu. Ein Biß von ihr würde ihn binnen Sekundenfrist einen qualvollen Tod sterben lassen.

“Wohin so eilig, Monsieur Porter?” Mikes Kopf fuhr herum. “Viraque! Sie hier?!” zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. “Ich bin mir sicher, cher Monsieur Porter, daß sich in ihrem Rucksack ein Artefakt befindet, daß ich nur zu gerne in meinem Besitz wissen würde…” sagte Viraque aufreizend gelassen, während er seinen Revolver zog und auf Mike richtete. “Niemals, Viraque! Die Aztekenkrone gehört der Wissenschaft!” “Nun, der Wissenschaft wird es ziemlich egal sein, ob ich sie einem lebenden oder einem toten Mike Porter abnehme…”

Während Viraque mit aufreizender Gelassenheit auf Mike Porter zielte, begann die schwarze Mamba, sich an Mikes Arm entlang in seinen offenen Hemdkragen zu winden. Mittlerweile waren auch die ersten Eingeborenen an der Fallgrube eingetroffen und richteten ihre Blasrohre auf ihn, als plötzlich ein aus dem Nichts herabstürzender Meteor

Und manchmal schließlich stellt sich bereits nach den ersten Worten heraus, daß man den sprachlichen Anforderungen eines bestimmten Genres nicht gewachsen ist.

Gräber des Grauens

Ein Schauerroman

1. Kapitel

Einsam schrie das Käuzchen auf dem Friedhof von St. Ingbert.

Unverfilmbare Filmidee

SERVE & VOLLEY

Exposé für einen deutschen Schlagerfilm

John Waters gewidmet.

Laumen, eine badische Kleinstadt, irgendwann Anfang der achtziger Jahre. Im Tennisclub Rot-Weiß findet das alljährliche Clubturnier statt. Alle Honoratioren der Stadt sind aufgetaucht, um dem Finale des Herreneinzels zuzusehen, das in diesem Jahr besonders spannend zu werden verspricht. Der langjährigen Nr. 1 der ersten Herrenmannschaft, Dr. FREDER FREDRIKS, steht der neue Shooting Star des badischen Junioren-Tennisverbandes gegenüber: BORIS BÖCKER.

Der siebzehnjährige BORIS hat sein Spiel in den letzten zwölf Monaten entscheidend verbessern können. Seit einem Jahr wird er nämlich von GÜNTHER BUSCH, genannt GÜNTZI, trainiert, einem tennisbesessenen Exilrumänen, der alles daransetzt, aus BORIS einen erfolgreichen Sportler und einen „blitzsauberen, anständigen Kerl mit gutem Charakter“ zu machen.

KAREN SCHOLZ, die Tochter des Platzwartes, verfolgt das Match aufmerksam. Die 21jährige hochbegabte Medizinstudentin, die sich das Geld für ihr Studium als Sängerin in der Laumener Rockband „The Linesmen“ verdient, drückt natürlich Dr. FREDRIKS, ihrem Verlobten, die Daumen, doch BORIS gewinnt im entscheidenden dritten Satz durch sein druckvolles Serve&Volley-Spiel die Oberhand.

Dem ehrgeizigen Dr. FREDRIKS entgeht selbstverständlich nicht, daß KAREN beginnt, BORIS zu bewundern. Eifersucht und Wut beein-trächtigen FREDRIKs Spiel, so daß BORIS ihn förmlich deklassiert.

Beim Stande von 5:2 für BORIS scheint das Spiel bereits gelaufen zu sein, als BORIS plötzlich unter Sehstörungen zu leiden beginnt. Er sieht plötzlich alles unscharf und verschwommen und schlägt an den einfachsten Bällen vorbei. FREDRIKS kann auf 5:4 verkürzen, doch dann verschwindet BORIS‘ Sehstörung ebenso schnell, wie sie gekommen ist, und der sympathische junge Laumener entscheidet das Match mit einem Hechtflugball für sich.

Bei der Siegerehrung überreicht KAREN BORIS den Pokal, und der lange, intensive Blick, den die beiden Dabei tauschen, überzeugt Dr. FREDRIKS davon, daß seine Eifersucht nicht unbegründet ist.

*

Ein anderer Mann hat das Finale ebenfalls interessiert verfolgt: Der ebenso erfolgreiche wie zwielichtige internationale Tennis-Promoter ION CADILLAC, der seine markanten Gesichtszüge hinter Schnauzbart und Sonnenbrille verbirgt. Er sucht BORIS nach der Siegerehrung in der Umkleidekabine auf. GÜNTZI BUSCH und CADILLAC sind alte Bekannte aus dem rumänischen Daviscup-Team. BUSCH hat BORIS schon oft vor den zweifelhaften, charakterschädlichen Machenschaften des internationalen Tennis-Managements gewarnt, und so verwundert es nicht, daß BORIS das Angebot CADILLACs, Tennisprofi zu werden, ausschlägt. BORIS möchte nach dem Abitur Jura studieren, um später als Rechtsanwalt den Entrechteten und schuldlos ins Unglück Geratenen beizustehen. Während GÜNTZI BUSCH beifällig nickt, verabschiedet sich CADILLAC achselzuckend, überreicht BORIS jedoch seine Visitenkarte, falls er es sich doch noch anders überlegt.

*

Am selben Abend findet im Clubhaus des TC Rot-Weiß der jährliche Vereinsball statt, DAS gesellschaftliche Ereignis überhaupt in Laumen. KAREN spielt mit ihrer Band zum Tanz. Sie singt gerade das Titellied des Films („Serve & Volley“) als BORIS das Clubhaus betritt. Sofort steht er im Mittelpunkt des Geschehens, und auch KAREN scheint ihr Lied nur noch für ihn zu singen, was Dr. FREDRIKS mit höchstem Mißfallen beobachtet.

Eine Stunde später legt KARENs Band eine wohlverdiente Pause ein. KAREN sucht nach BORIS, um ihm nochmals zu seinem phantastischen Spiel zu gratulieren, aber er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Plötzlich hört sie von den Tennisplätzen, das vertraute „Plopp-Plopp“ der Ballmaschine. Sie eilt nach draußen, wo Sie zu ihrer Verblüffung BORIS findet, der (im Smoking) seine Rückhand trainiert. Sie spricht BORIS an, der ihr schüchtern erklärt, trotz seines gefeierten Sieges noch sehr viel lernen zu müssen. Und da ihm die oberflächliche, lärmende Geselligkeit des Tanzvergnügens auf die Nerven ging, habe er gewartet, bis sie nicht mehr gesungen habe und sich dann heimlich verdrückt, um an seiner Rückhand zu feilen.

KAREN ist beeindruckt. Nicht nur von BORIS‘ Zielstrebigkeit und menschlicher Größe, sondern auch von der Tatsache, daß ihr Gesang ihm offensichtlich gefallen hat. Die beiden kommen sich näher, doch sie werden von Herrn SCHOLZ, KARENs Vater, unsanft unterbrochen, der von niemand anders als Dr. FREDRIKS auf das improvisierte tête-a-tête der beiden aufmerksam gemacht wurde.

Herr SCHOLZ zerrt die widerstrebende KAREN zurück ins Clubhaus. Er hat nicht ein Leben lang für das Medizinstudium seiner Tochter geschuftet, um sie an einen „dahergelaufenen Tennisspieler“ zu verlieren. BORIS bleibt allein zurück und hört von draußen, wie KAREN und ihre Band ein neues Lied anstimmen: „Liebe, die nicht sein darf“.

*

Mehrere Wochen sind vergangen. KAREN hat ein Praktikum an der Klinik von Dr. FREDRIKS begonnen. Dort hat sie die wahre Natur ihres Verlobten erkannt. Dem genialen Mediziner FREDRIKS geht es nicht darum, das Leid der Kranken zu lindern und zu heilen, er ist lediglich am Geld interessiert, wobei er sogar vor dem betrügerischen Fälschen von Krankenkassenabrechnungen nicht zurückschreckt. KARENs Versuche, bei BORIS Rat, Trost und Hilfe zu finden, scheiterten jedoch. BORIS geht ihr seit dem Vereinsball aus dem Weg, da er sich der Tatsache bewußt ist, lediglich ein Tennisspieler aus einfachsten Verhältnissen zu sein. „KAREN hat etwas besseres verdient…“ – die Worte von Herrn Scholz gehen ihm nicht aus dem Sinn. Und weil BORIS KAREN aus tiefster Seele liebt, will er natürlich nur ihr Bestes. Und das bekommt sie, glaubt er, nur an der Seite von Dr. FREDRIKS.

Doch, wie der Zufall es will, KAREN und BORIS begegnen sich in der Klinik. BORIS ist von seinem Hausarzt an Dr. FREDRIKS überwiesen worden, um seinem sich stetig verschlimmernden Augenleiden auf den Grund zu gehen. Doch bevor die beiden Liebenden ein klärendes Wort wechseln können, wird BORIS in Dr. FREDRIKS‘ Sprechzimmer gerufen.

Ihre immer stärker werdende Liebe zu BORIS läßt KAREN das Arztgeheimnis verletzen. Sie lauscht an der Tür und hört Dr. FREDRIKS‘ niederschmetternde Diagnose: BORIS wird unweigerlich erblinden, es sei denn, er läßt eine risikoreiche Operation über sich ergehen. Eine Operation, die überhaupt nur ein Spezialist auf der Welt durchzuführen wagt: Dr. FREDRIKS selbst. Und für diese Operation verlangt er die horrende Summe von 500.000 DM.

Als BORIS mit Tränen in den erblindenden Augen das Sprechzimmer verläßt, will KAREN ihn ansprechen, um ihn zu trösten. Doch er läßt sie einfach stehen. Mit seinem Schicksal muß er allein fertig werden, weiß er doch, daß sein Vater, ein gescheiterter Eisdielenbesitzer, niemals das Geld für die Operation wird aufbringen können.

*

Einige Tage später. In der Laumener Discothek „Vulcano-Ranch-Bar“ (vormals Würzburger Hof) spielen KAREN und ihre Band. Auch BORIS ist anwesend, für den KAREN extra ein Lied geschrieben hat, um ihm in seiner scheinbar ausweglosen Lage Mut zu machen: „Wie Stevie Wonder…“.

Als die Band die ersten Takte dieses Songs intoniert, dessen geschmackvoller Text Möglichkeiten aufzeigt, wie Blinde trotz ihrer Behinderung eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen können, wandern BORIS Gedanken zu all den Menschen, die ihm in den letzten Tagen (vergeblich) beizustehen versuchten. Zu seinem Vater, der ihm mit Tränen in den Augen zwei Kugeln seines geliebten Vanille-Eises von der Konkurrenz spendiert hat, was er sonst nur an hohen kirchlichen Feiertagen zu tun pflegt. Zu seiner Mutter, die ihm rührend unbeholfen ein letztes Mal die Alben mit den Familienfotos zeigen wollte. Und zu dem treuen GÜNTZI BUSCH, der mit ihm in die benachbarte Ortschaft Käsloch gefahren ist, wo eine soziale Stiftung ein Internat für blinde Tennisspieler errichtet hat. Dort hat BORIS Blinde gesehen, die – ihrer Behinderung trotzend – Tennis gespielt haben… Er hat gesehen, wie sie an den einfachsten Bällen vorbeischlugen, über das Netz stürzten und gegen den Schiedsrichterstuhl prallten. Doch so sehr er die menschliche Größe und den ungebrochenen Lebensmut dieser Menschen bewundert, BORIS weiß, daß das nicht sein Schicksal sein kann und darf. Und er faßt einen Entschluß.

Als sie das Lied beendet, suchen KARENs Augen in der rasend applaudierenden Menge nach BORIS. Doch der ist verschwunden.

*

Ganz Laumen ist in Aufregung. Wilde Gerüchte ranken sich um das Verschwinden von BORIS. Splendid Isolation? Freitod? Verzweifelter Versuch, in einer zum Scheitern verdammten Affäre mit Martina Navratilova Vergessen zu finden? KAREN ist ratlos.

In Wirklichkeit ist BORIS zu ION CADILLAC gefahren und hat einen Profi-Vertrag unterzeichnet. Sein ebenso risikoreicher wie kühner Plan ist, das ihm verbleibende Augenlicht zu benutzen, um auf Anhieb das traditionsreiche Tennisturnier von Wimbledon zu gewinnen. Mit dem zu erwartenden Preisgeld will BORIS seine Operation bezahlen und eine Ausbildungsversicherung abschließen, um sich ein späteres Jura-Studium zu ermöglichen.

Dabei hat sich gezeigt, daß der wackere GÜNTZI BUSCH sich in ION CADILLAC getäuscht hat. Hinter der rauhen, bärbeißigen Schale des internationalen Profithais hat sich ein goldener Kern offenbart. CADILLAC hat das Risiko nicht gescheut, seine Agentur mit einem möglicherweise zur Invalidität verdammten Sportler zu belasten. Vielmehr hat er seine weitreichenden Beziehungen benutzt, um BORIS eine der begehrten „wildcards“ für Wimbledon zu besorgen, um ihm die Strapazen des Qualifikationsturniers zu ersparen. Und er hat BORIS das Versprechen geben müssen, niemandem

von seinem Plan zu erzählen. Am allerwenigsten GÜNTZI BUSCH, der BORIS‘ Eintritt ins Profi-Geschäft niemals gutheißen würde, wie BORIS glaubt.

*

Wimbledon. Auf einem Nebenplatz bestreitet BORIS sein erstes Match in diesem bedeutungsvollen Turnier. Und seine hochfliegenden Pläne scheinen gleich am ersten Tag der inoffiziellen Tennis-Weltmeisterschaft zu scheitern: Zum ersten Mal verspürt BORIS den unmenschlichen Druck des Siegenmüssens, dem Tennisprofis auf der ganzen Welt Tag für Tag ausgesetzt sind. Und er scheint dem Druck nicht gewachsen. Aussichtslos liegt er bereits zwei Sätze und 0:4 gegen den kaltschnäuzigen PETE PAMPERS zurück, als seine Augen hilfesuchend über die Tribüne irren… und dort sieht er niemanden anderes als GÜNTZI BUSCH, der die Absichten seines Zöglings erraten hat und (auf eigene Kosten) nach Wimbledon gereist ist, um ihn zu unterstützen. GÜNTZI BUSCH nickt BORIS aufmunternd zu, und der geht mit neuem Mut auf den Platz.

(Anmerkung: Es soll keinesfalls der Eindruck entstehen, als ob BORIS und GÜNTZI BUSCH sich der unsportlichen Taktik des verbotenen „Coaching während des Matchs“ bedienen. So etwas würde den beiden niemals einfallen. Es geht lediglich um den psychologischen Schub, den BORIS durch die Anwesenheit seines treuen Trainers erhält.)

Und es gelingt BORIS tatsächlich, das Match noch zu kippen. Während er sich an einen von KARENs beliebtesten Schlagern erinnert („Du bist ein Sieger!“) ringt er den verzweifelnden PETE PAMPERS mit einem mitreißenden Fünf-Satz-Sieg nieder. Als er nach dem Matchball die Faust triumphierend emporreißt, schütteln sich auf der Tribüne GÜNTZI BUSCH und ION CADILLAC die Hände… Ein Zeichen, daß dank BORIS ihre jahrelange Fehde nun beendet ist.

*

Das Turnier von Wimbledon nimmt seinen Fortgang. BORIS stürmt von Sieg zu Sieg und ringt einen Favoriten nach dem anderen nieder. ANDRE GEHGASSI, STEFAN BEDBERG, JONNY CIMMORS und WALLY RASUR haben dem unbeugsamen Siegeswillen des erblindenden Newcomers nichts entgegenzusetzen. Morgen muß BORIS im Halbfinale gegen JOHN MECKERNROE antreten.

Doch BORIS‘ Siegesgewißheit hat einen entscheidenden Dämpfer erhalten: Sein Augenleiden hat sich schneller verschlimmert, als Dr. FREDRIKS diagnostiziert hatte. Die Phasen, in denen er unscharf und verschwommen sieht, kommen immer öfters und haben begonnen, sein Spiel zu beeinträchtigen. Er wagt es aber nicht, sich ION CADILLAC oder GÜNTZI BUSCH anzuvertrauen, weil er sich (grundlos) fürchtet, daß große Vertrauen zu enttäuschen, daß die beiden in ihn gesetzt haben.

In der Hoffnung, seine Sorgen in einem Glas Mineralwasser erträn-ken zu können und ein wenig Entspannung zu finden, sucht BORIS in der Nacht vor dem Halbfinale ein Londoner Musiklokal auf. Zu seiner großen Überraschung und Freude erscheint KAREN auf der Bühne und singt (nur für ihn) ein Lied: „Du bist nicht allein…“ Sie hat aus der Zeitung von BORIS‘ Erfolgen erfahren, sich nach einer klärenden Aussprache von Dr. FREDRIKS getrennt und ist nach London gereist, um BORIS die Daumen zu drücken.

Im Nu gewinnt KAREN die Herzen des anspruchsvollen englischen Publikums. Während die Menge noch ihren Sangeskünsten applaudiert, liegt sie bereits in BORIS‘ Armen. Die beiden Liebenden haben sich endlich gefunden.

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KARENs Anwesenheit beflügelt BORIS. Trotz zahlreicher Verbalattacken des Tennisrüpels MECKERNROE gewinnt er das Halbfinale überraschend klar in drei Sätzen. BORIS ist der jüngste Finalist in der Geschichte Wimbledons. Der Sieg und die rettende Augenoperation rücken in greifbare Nähe.

*

Finale in Wimbledon! In einer halben Stunde muß BORIS gegen IVAN HENDL antreten. BORIS bereitet sich mit GÜNTZI BUSCH in der Umkleidekabine auf das alles entscheidende Match vor, als die tückische Augenkrankheit erneut und endgültig zuschlägt. Von einer Sekunde auf die andere erblindet BORIS völlig. Resigniert will er den Sieg kampflos dem eiskalten Exil-Tschechoslowaken HENDL zuerkennen, als ION CADILLAC mit einer neuen Hiobsbot-schaft die Kabine stürmt: KAREN ist von einem Unbekannten entführt worden, der sich bereits mit einer Lösegeldforderung an ION CADILLAC gewandt hat: Er verlangt 500.000 DM. Sollte seine Forderung nicht erfüllt werden, so droht KAREN ein Schicksal schlimmer als der Tod.

Durch BORIS geht ein Ruck. Kein Gedanke mehr ans Aufgeben. Er wird auf den Centre Court gehen und versuchen, die Nr. 1 der Weltrangliste, IVAN HENDL niederzuringen. Es geht nicht mehr um sein Augenlicht, es geht um KAREN!

*

Das Finale von Wimbledon ist in vollem Gange. Ein Debakel für BORIS scheint unausweichlich. 6:0, 6:0 hat IVAN HENDL die ersten beiden Sätze für sich entschieden, BORIS‘ Blindheit mit profihafter Kälte ausnutzend. Vor dem dritten Satz stülpt BORIS die Kopfhörer seines Walkmans über, um in der Musik Motivation zu suchen. Und dieses Rezept wirkt. Der Meisterpsychologe GÜNTZI BUSCH hat ihm eine von KAREN besungene Kassette eingelegt: „Liebe ist stärker als die Dunkelheit!“

Von KARENs Gesang nach vorne gepeitscht, beginnt BORIS, nach Gehör zu spielen. Am Schlaggeräusch kann er erkennen, ob der tückische IVAN HENDL eine Topspin-Vorhand oder gar einen Rückhand-Slice wagt. Das satte „Plopp!“ des aufprallenden Balls zeigt ihm die Richtung, in die er laufen muß. BORIS kommt immer besser ins Spiel und entscheidet die nächsten beiden Sätze für sich. Im fünften und entscheidenden Satz gelingt ihm beim Stande von 6:5 ein vorentscheidendes Break.

BORIS hat Matchball! Der auf die Verliererstraße geratene IVAN HENDL setzt sein ganzes Können ein, um seine letzte Chance zu wahren… doch vergeblich. Spiel, Satz und Sieg durch einen bereits zur Legende gewordenen BORIS-BÖCKER-Hechtflugball!

Ungeduldig läßt BORIS die Siegerehrung über sich ergehen. Als ihm die anmutige HERZOGIN VON KENT endlich Pokal und Siegerscheck überreicht hat, stürmt er aus dem Stadion: KAREN muß so schnell wie möglich aus den Klauen des Entführers befreit werden.

*

BORIS sitzt am Steuer eines von ION CADILLAC selbstlos zur Verfügung gestellten Wagens. In seinem Walkman hat er eine Kassette, auf der der Entführer den Weg zum Übergabeort beschrieben hat. Der blinde BORIS steuert den Wagen durch den dichten Londoner Innenstadtverkehr, überfährt rote Ampeln und nimmt Einbahnstraßen in der falschen Richtung. Ein Unfall jagt den nächsten, aber BORIS‘ Auto kommt – wie durch ein Wunder – ohne Schramme aus London heraus und erreicht eine stillgelegte Windmühle, in der der Entführer mit KAREN auf ihn wartet.

*

Als BORIS die Windmühle betritt, wartet ein weiterer Schock auf ihn. Der gemeine Entführer, der neben der gefesselten KAREN auf ihn wartet, ist niemand anderes als Dr. FREDRIKS! Eifersucht und Niedertracht haben ihn zu dieser schändlichen Tat getrieben.

Der gedemütigte BORIS gibt FREDRIKS den Scheck, aber der gewissenlose Schurke ist mit seiner gemeinen Ranküne noch nicht am Ende. Er denkt gar nicht daran, KAREN freizulassen. Er plant, sich mit dem Geld und ihr nach Südamerika abzusetzen, wo er sie mit vorgehaltener Waffe zu Ehe zwingen will. Doch zuerst muß BORIS aus dem Weg geräumt werden.

Als FREDRIKS einen Revolver zieht, fliegt die Tür auf und ION CADILLAC und GÜNTZI BUSCH stürmen herein, die BORIS heimlich gefolgt sind. FREDRIKS drückt ab, doch GÜNTZI BUSCH wirft sich selbstlos vor BORIS und fängt die Kugel mit seinem eigenen Leib ab. ION CADILLAC zieht eine Pistole, die ihm vom britischen Geheimdienst für seine Verdienste geschenkt wurde, und schießt (in Notwehr) auf Dr. FREDRIKS. Der Meisterschütze ION CADILLAC trifft das gefallene medizinische Genie genau zwischen die Augen.GÜNTZI BUSCH haucht in den Armen des fassungslosen BORIS sein Leben aus. Seine letzten Worte sind „Bleib beim Tennis. Hast unserem Sport noch viel zu geben. Mach, was Ion sagt. Gewinn Grand Slam, dann kannst immer noch Anwalt werden. Hast guten Charakter, Boris.“ Dann wird GÜNTZI BUSCH zum großen Schiedsrichter über den Wolken gerufen.

Erschüttert über den scheinbar sinnlosen Tod seines Trainers und Freundes fragt BORIS sich, wie er dessen letzten Auftrag erfüllen kann: Dr. FREDRIKS ist tot, der einzige Arzt, der die rettende Operation hätte durchführen können. Da meldet KAREN sich zu Wort. Während ihres Praktikums hat sie Dr. FREDRIKS des öfteren assistiert, sie traut sich durchaus zu, die Operation durchzuführen. Wenn BORIS gewillt ist, sein Augenlicht einer unerfahrenen Medizinstudentin anzuvertrauen, die gerade erst ihr Physikum bestanden hat…

BORIS zögert keine Sekunde. Er weiß, daß er nirgendwo besser aufgehoben ist als unter KARENs Messer.

*

Wenige Tage später. BORIS liegt auf demOperationstisch. KAREN will das Skalpell zum entscheidenden Schnitt ansetzen, doch ihre Hände beginnen zu zittern. Die Angst, zu versagen und BORIS für immer zur Blindheit zu verdammen, ist zu groß für KAREN. Doch BORIS, der die Operation nur mit örtlicher Betäubung über sich ergehen läßt, motiviert die schwankende KAREN durch seinen ungebrochenen Glauben an sie. Er (der bei dem unvergessenen GÜNTZI BUSCH in die psychologische Schule gegangen ist) schlägt ihr vor, eins ihrer geliebten Lieder zu singen, um sich quasi auf autogenem Wege zu kräftigen. KAREN stimmt ein Lied an („Das Licht am Ende des Tunnels“) und beginnt, zu operieren.

*

Nach Wochen der quälenden Ungewißheit, ob die Operation nun gelungen ist oder nicht, wird BORIS endlich die Augenbinde abgenommen. Die Operation war ein voller Erfolg, er kann wieder sehen! An seinem Krankenbett stehen ein gerührter ION CADILLAC und KAREN und ihre Band, die dem genesenen BORIS ein Ständchen bringen: „Grand Slam!“ Der gerührte BORIS wendet seinen wiedergewonnenen Blick ab, nur um auf dem Nachtisch ein von ION CADILLAC geschmackvoll gerahmtes Foto von GÜNTZI BUSCH zu sehen. Und faßt scheint es BORIS, als würde der treue GÜNTZI BUSCH ihm aufmunternd zublinzeln.

*

Damit endet der Film. In der männlichen Hauptrolle könnte ich mir übrigens durchaus Boris Becker selbst vorstellen, in der weiblichen Hauptrolle jedoch keinesfalls Meryl Streep.

Als Bauer Paul das Erntedankfest erfand

Vor einigen Jahren fand ich eine kreuzdämliche Ausschreibung eines kirchlichen Filminstituts in meinem Briefkasten. Die cinephilen Pfaffen wollten allen heiligen Ernstes ein Drehbuch für einen Kurzfilm haben, der die Entstehung des Erntedankfests zum Thema haben sollte. Da ich absolut keine Ahnung hatte und habe, wie das Erntedankfest entstanden ist, fühlte ich mich sofort berufen, ein entsprechendes Drehbuch zu verfassen. Aber, wie man so schön sagt, der Stoff bestimmt das Genre. Was auch immer ich versuchte, mein Erntedankfest landete nicht beim Film sondern auf der Bühne, in der vollkommen zu recht in Vergessenheit geratenen Gattung des vage verkroetzten Bauerndramas…

Als Bauer Paul das Erntedankfest erfand

Ein Volksstück

Eine düstere Bauernstube im Mittelalter. Um den Eßtisch herum sitzen BAUER PAUL, seine Frau, die BÄUERIN, seine Mutter OMA PAULA, sein Sohn PAULCHEN und RUPPRECHT, der Knecht. Sie essen eine Wassersuppe aus einer großen Schüssel, die in der Mitte des Tisches steht und beißen gierig in große Brocken dunklen Brots. Kerzen erhellen notdürftig ihre vom Wetter gegerbten Gesichter.

BAUER PAUL: Das war’s. Die Ernte ist eingebracht.

RUPPRECHT: Jau. Zefix.

PAULCHEN: Ich will ’nen Walkman!

BÄUERIN: Schweig, Bub. Sowas können wir armen Bauersleut uns net leisten.

BAUER PAUL: Außerdem is noch net erfunden.

RUPPRECHT: Jau. Zefix!

OMA PAULA: Ein hartes Stück Arbeit war’s.

BAUER PAUL: Was?

OMA PAULA: Das Einbringen der Ernte. Dummer Bub!

BÄUERIN: (spitz) Mußt du gerad sagen. Während wir auf dem Feld geackert haben, warst du die ganze Zeit bei der Verwandschaft in Alzheim und hast dummes Zeugs geredet!

RUPPRECHT: Jau. Zefix!

OMA PAULA: Das muß ich mir net sagn lassen. Net, solang des noch mein Hof is!

BAUER PAUL: Hast schon lang versprochen, ihn zu überschreiben!

OMA PAULA: Des geht doch net, dummer Bub. Der Schreiber in der Stadt hat gesagt, ich müßt unterschreiben, wenn ich überschreiben will. Des übersteigt meinen Verstand! Bin doch nur ein altes Bauernweib… (schluchzt)

BÄUERIN: Weils net will. Weils uns den Hof net gönnt, dein Drecksmutterl!

PAULCHEN: Ich will ’n Gameboy!

BAUER PAUL: Schweig, Bub! Wir sind arme Leut, wir müssen zufrieden sein, mit dem was wir haben.

OMA PAULA: Ist außerdem auch noch net erfunden!

RUPPRECHT: Jau! Zefix!

PAULCHEN: Des weiß die Oma, daß es einen Gameboy noch net gibt, aber wie man einen Hof überschreibt, des weiß sie net!

OMA PAULA: Bin doch nur ein altes Bauernweib! (greint)

BÄUERIN: Drecksmutterl!

OMA PAULA: Was hat die schieche Schlampe gesagt?!

BAUER PAUL: Nix hat’s gesagt!

BÄUERIN: Hat dein Drecksmutterl mich schieche Schlampe geheißen?

BAUER PAUL: Hat’s net. Gib a Ruh, Frau.

OMA PAULA: Schieche Schlam…

BAUER PAUL: Und du auch, Dr… Mutterl.

RUPPRECHT: Jau. Zefix.

OMA PAULA: Wenn dein lieber Vater noch wär…

PAULCHEN: Opa ist bei den Englein.

OMA PAULA: Lieber Bub!

PAULCHEN: Oder er ist ein Karnickel auf Sizilien und rammelt in den Tag hinein.

OMA PAULA: Haaaaah! (weint hemmungslos)

BÄUERIN: Was weinst denn so?! Hat er doch schon zu seinen Lebzeiten so gehalten. Kein Rock war sicher vor deinem sauberen Mann, sogar an mir hat er sich vergreifen wolln, an seiner eigenen Schwiegertochter!!

OMA PAULA: Haaaaaaah! (noch hemmungsloser weinend) Und mich hat er nie angrührt!

BÄUERIN: Nie angrührt?! Ha! Und wie bist du dann zu meinem Mann kumma? Dem Schlappschwanz?! Ha?!!

OMA PAULA: (unter Tränen) Der Paul ist doch vom Rupprecht…

Betroffenes Schweigen und Essen.

BAUER PAUL: (zu RUPPRECHT, zögernd) Papa?

RUPPRECHT: Jau. Zefix.

PAULCHEN: Ich will Farbfernseh!

BAUER PAUL: Schweig, Bub! Siehst net, was für ein Unglück über die Familie kumma is?

PAULCHEN: Nö.

BÄUERIN: Is au recht. Außerdem, ein Farbfernseh is au noch net erfunden!

PAULCHEN: Dann erfind ich’s eben!

BAUER PAUL: Nix da. Bauer wirst! Wie wir alle!

PAULCHEN: Nein, Bauer werd ich net. Ich lauf fort von zuhaus und erfind das Farbfernseh!

PAULCHEN springt auf und läuft aus dem Haus.

OMA PAULA: Waaah! Da geht er hin, mein Paulchen, mein Sonnenschein…

BÄUERIN: Vertrieben hast ihn, mit deinem Geiz! Geblieben wär er scho, hättst den Hof überschrieben! Drecksmutterl!

OMA PAULA: Des muß ich mir sagn lassen! Nach einem Leben nur voll Müh und Arbeit! (schluchzt) Ich geh in die Scheuer und häng mich auf, am höchsten Balken!

BAUER PAUL: Vorsicht, Mutterl. Der ist morsch. Dann stürzst und brichst dir ein Haxl.

RUPPRECHT: Jau. Zefix.

OMA PAULA: Waaaaah!

OMA PAULA rennt weinend davon.

BÄUERIN: Bist denn von allen guten Geistern verlassen?! Wenn die Alte sich jetzt erhängt, und sie hat uns den Hof net überschrieben, dann fällt er den Schwestern von der Seligen Frau zu. Und wir enden in der Stadt, im Armenhaus!

BAUER PAUL: Der Herrgott wird’s schon richten…

BÄUERIN: Warum bin ich nur geschlagen mit so einem Schlappschwanz von Mann?! Warum ich? Des trag ich net länger! Ich schnür mein Bündel und such mein Glück in der Stadt! Solang die Brüste noch fest und die Waden stramm sind… Freudenmädchen werden ja immer gebraucht.

BAUER PAUL: Frau, du versündigst dich..

BÄUERIN: Des mag sein. Aber in der Stadt krieg ich ein Geld dafür.

Die BÄUERIN steht auf und verläßt entschlossenen Schritts die Bauernstube.

BAUER PAUL: Jedes Jahr geht das so, wenn die Ernte eingebracht ist. Des macht die harte Arbeit, die setzt uns zu. Des is der Streß.

RUPPRECHT: Jau. Zefix.

BAUER PAUL: Weißt Rupp… Papa, ich denk manchmal, wenn man nach der ganzen Ernterei nicht einfach so dasitzen tät, bei Wassersupp und trocken Brot, wenn man gemeinsam ein Fest feiern tät, um dem Herrgott für die Früchte des Feldes zu danken, dann würd die Mühsal von einem abfallen und es wär eine Ruh bei Tisch. Weißt, nächstes Jahr probieren wir das mal. Gleich morgen geh ich zum Pfaffen und frag ihn, ob er uns eine schöne Rede hält.

RUPPRECHT: Jau. Zefix.

BAUER PAUL: (versonnen) Man könnt‘ es „Erntedankfest“ nennen…

Sie essen. Vorhang.

Ende