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Was ist wirklich laut?

Anlässlich eines kleinen Facebook-Austauschs stellte sich mir heute die Frage: „Was ist eigentlich wirklich laut?“ Und bevor die Frage sich mir richtig gestellt hatte, war mir schon die Antwort durch den Kopf gehuscht: The Who. Es gab laute Bands. Es gab sehr laute Bands. Es gab Bands, die die Lautstärke bis zum Anschlag drehten. Und dann waren da The Who.
Pete Townshend Windmill

Das Konzert war – wenn ich mich recht entsinne – 1976. In München, in der Olympiahalle. Ich hatte mich wie immer so weit vorne wie möglich postiert, das Licht ging aus, die Ansage („Ladies and Gentlemen…) kam, das Licht ging an, und die Band stand auf der Bühne. Pete Townsend starrte ins Publikum, wartete ein paar Sekunden, hob den Arm und schlug einen Akkord an.
Das tat beinahe weh. Okay, es tat weh. Es war wirklich sehr, sehr laut. Es war lauter als alles, was ich bisher gehört hatte. Es war so laut, das ich plötzlich begriff, was Schriftsteller mit dem Ausdruck „erschreckt innehalten“ meinten. Denn das tat das Publikum. So laut war Townsends Gitarre..
Er hatte gerade einmal einen Akkord gespielt, und das Publikum hielt erschreckt inne. Das war wohl Weltrekord. Townsend zeigte ein dreckiges, absolut befriedigtes Grinsen und zählte an. Die Band begann zu spielen. Moon, Entwhistle und Daltrey waren so laut, dass man Townsends Gitarre kaum noch hörte. Sie stürmten durch „I can’t explain“.
Dann wurden sie lauter. Von Stück zu Stück. Es war, als wollten die Who ihr Publikum auf die Probe stellen. Ich bin heute noch stolz, dass wir bestanden haben. Nach der letzten Zugabe („Won’t get fooled again“, glaube ich) nickte Townsend uns gnädig zu: „Ihr könnt was ab!“
Ein Wahnsinnskonzert. Und recht laut.

Foto by Center of the Universe (Windmill!) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons