Körzdörfers Gesellschaft – Bild.T-Online.de: Ich war 4 Stunden Gast der Filmlegende Arthur Cohn. 4 Stunden Wissen: 24 Oscars und 99 % richtige Prognosen. Faszinierend: „Es gibt keine kleinen und großen Filme, es gibt nur schlechte und gute.“
Ich stehe zwischen Clint Eastwood (76) und Steven Spielberg (60). Und beide staunen: „Ein großer Film!“
Den 26. 2. 07 kann man ab sofort getrost als historisches Datum bezeichnen. Nicht wegen des Academy Award für „Das Leben der anderen“. Nein. Als Tag, an dem es Norbert Körzdörfer gelang, den Selbstwiderspruch zur Kunstform zu erheben.
Gestern habe ich Hühnerbrühe gekocht. „Woher nimmst du nur immer die Zeit?“ kreischt der halbe erweiterte Bekanntenkreis. Natürlich hab ich keine Zeit zum Brühe kochen.
Arbeitsplan:
Minute 1: Wasser im Wasserkocher aufsetzen, Suppenhuhn aus dem Kühlschrank und Topf aus dem Topfschrank holen
Minute 2-4: Ins Huhn gucken, ob unerwünschte Kleinteile dringeblieben sind (nein), Fett NICHT entfernen (gibt Geschmack), Huhn waschen, Huhn in den Topf werfen.
Minute 4-6: Suppengrün putzen: Zwiebel, Möhren und Sellerie schälen, Porree zurechtschneiden, alles waschen und in den Topf werfen.
Minute 7: Gewürzbehalter (keine Ahnung wie man das nennt, so ein überdimensioniertes Tee-Ei eben) mit Knoblauch, Lorbeer, Petersilie und Piment laden und in den Topf hängen.
Minute 8: Große Flamme an, Topf drauf, heißes Wasser und ein großes Tässchen Wein dazu.
ca. Minute 11 bis 13: Das Zeugs kocht. Wenn nötig, abschäumen. Salzen, pfeffern. Hitze runter. Das war’s.
Natürlich braucht die Brühe noch zweieinhalb Stunden oder so, bis sie fertig ist. Aber da muss ich ja nicht dabei sein.
Etwas mehr als zehn Minuten Arbeit (okay, hinterher muss ich noch 1 Topf, 1 Messer und 1 Schneidbrett abwaschen, Big Deal!). Finanzieller Einsatz weniger als 10 Euro. Und dafür bekomm ich mehr als zwei Liter Hühnerbrühe, die geschmacklich mit dem Fertigzeugs aus dem Supermarkt soviel zu tun hat wie eine Harley mit ’nem Dreirad. Gut, dass ich keine Zeit hab.
Gestern waren die liebe Freunde Monika und Reiner da, und ich hab zur Abwechslung mal 3 Gänge Nordhessenessen gekocht.
Angefangen haben wir mit Spanschlauchsuppe. Spanschlauch ist das nordhessische Wort für Porree, und das weiße und gelbe einer solchen Stange reicht für eine Vorsuppe für vier. Der Porree wird in dünne Ringe geschnitten, gewaschen und in etwas Butter angeschwitzt. Paar Speck- oder Schinkenwürfel dazu können nicht schaden. Dann mit einem Glas Weißwein ablöschen, etwas einkochen lassen, ein dreiviertel Liter Hühnerbrühe und einen Becher Schmand dazu, salzen, pfeffern, bißchen Muskat reinreiben, zehn Minuten ein- und weichköcheln lassen.
Das kann man so servieren, man kann aber auch beim Benser vorbeigehen, zwei Blutwürste holen, in Scheiben schneiden, braten und in die Suppe werfen. Die Nordhessen machen das nicht, die haben’s auch zu weit zum Benser. Aber ich mach das immer so.
Als Hauptgang gab’s Dippenickel. Wenn der Koch Dippehase machen will und für gescheite Hasenkeulen durch die halbe Stadt fahren müßte, richtig gute Kaninchenkeulen aber ums Eck zu haben sind, dann macht man eben Dippenickel. Wird ab sofort öfters gemacht. Die Sauce mit Kaninchen kommt viel besser. Und weil die Gäste selber ganz ausverschämt gut kochen können, hab ich die Küchenfolklore mit dem Topfdeckel-mit-Brotteig-Festpappen weggelassen. Wenn man einen gescheiten Bräter mit schwerem Deckel hat, genügt es, ein Stück Alufolie zwischen Topf und Deckel zu klemmen. Dazu gab’s Rotkohl und Klöße und hinterher einen Schlag vor die Stirn, weil ich vergessen hatte, das Dippenickel zu fotografieren, bevor wir es aufgegessen haben.
Zum Nachtisch hab ich mich dann an Fusion-Küche versucht und mit Tirami-Appelbrei einen deutsch-italienischen Crossover hergestellt. Schüssel mit Löffelbiskuits auslegen, mit Espresso und evtl. Amaretto (oder Calvados. Calvados!) beträufeln, darauf eine Schicht selbstgemachten Appelbrei mit Rosinen, und obendrauf die übliche Tiramisu-Creme (500g Mascarpone, 3 Eigelb, 3 steifgeschlagene Eiweiß, bißchen Zucker). Weil ich vergessen hatte, Kakaopulver zu kaufen, habe ich kurzerhand erklärt, dass Kakao und Appelbrei nicht miteinander harmonieren und die Deko weggelassen. War gut.
Zur Zeit hab ich das Gefühl, dass ich jeden Tag mehr Leute sehe, die mit einem Headset im Ohr herumlaufen. Prinzipiell ist dagegen ja nix zu sagen, sicherlich gibt es einen Haufen Situationen, in denen so ein Ding ganz praktisch ist. Nur scheint mir diese Headset-Trägerei langsam aber sicher zur Modefrage zu werden, und das irritiert mich. Warum glauben so viele Leute, dass sie wichtig werden, wenn ihnen was aus dem Ohr hängt?
Wie ein Sprecher des Buckingham Palastes jetzt bestätigte, geht der Irak-Einsatz von Prinz Harry auf eine Initiative seines Großvaters, Prinz Philip, zurück: „Der Duke of Edinburg war der Ansicht, dass sein Enkel sich im Irak am Besten auf sein demnächst anstehendes Praktikum in der Kundenbetreuung eines führenden deutschen Telekommunikationsanbieters vorbereiten kann.“ Prinz Philip selbst formulierte es gewohnt drastisch: „Wenn der Rotzlöffel den Irak überlebt, hat er bei der Telekom vielleicht eine kleine Chance. Wenn die Kunden nicht allzu sauer sind.“
Weiß man eigentlich schon, wie die ARD die Sonntagabend-Talkshow nennen will, wenn Anne Will für Sabine Christiansen übernimmt? Und wie die TV-Spielfilm die Sendung ankündigen wird?
Vom Nachkriegsdeutschland bis weit in die siebziger Jahre hinein dominierte auf Deutschlands Bühnen und vor den Film- und Fernsehkameras ein ganz bestimmter Komik-Stil, für den ein augenzwinkerndes „Fünf-Zentimeter-neben-der-Rolle-Stehen“ kennzeichnend war. Der 1. Grundsatz der Komik lautet ja bekanntermaßen „Something must go wrong“ – Komiker spielen also meistens geschundene, vom Leben stark gebeutelte Charaktere, und so scheint es logisch, dass die Komiker, die in den 50er und 60er Jahren Karriere machten, ihrem Publikum mit einem Augenzwinkern signalisierten, dass ja in Wirklichkeit „alles nicht so schlimm“ war. Komiker schufen sich ihre Kunstfiguren, deren Eigenschaften und Eigenheiten sie jeder Rolle aufzwangen, die sie zu spielen hatten. Die Karriere eines grandiosen, nichtsdestoweniger darstellerisch stark limitierten Komikers wie Heinz Erhardt wurde durch diese Konvention überhaupt erst möglich.
Warum jedoch ein ganz ausgezeichneter Schauspieler wie Dieter Hallervorden im Jahre des Herren 2007 auf diesem mittlerweile vollkommen verschnarchten Mittel beharrt, entgeht mir vollkommen. Noch dazu, wenn er darauf insistiert, es in einem Stück wie „Die Nervensäge“ anzuwenden, in dem er einen Menschen in einer existenziellen Notlage zu spielen hat: Einen Mann, der sich wegen der Trennung von seiner Frau in einem Hotelzimmer umzubringen versucht, und dabei einen im Nachbarzimmer residierenden Auftragskiller vollkommen aus dem Konzept bringt. Wenn man das existenzielle aus der Notlage dieses Menschen heraus nimmt und es durch „Alles halb so schlimm, ich bin’s doch, euer Dieter!“ ersetzt, entzieht man dem Geschehen auf der Bühne nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern auch die Komik.
Schade um das Stück. Schade um die tollen Kollegen, die sich am beharrlich an ihnen vorbei spielenden Hallervorden entlang im Schweiße ihres Angesichts um Schadensbegrenzung bemühten. Schade um den ausverkauften Zuschauerraum, in dem sich die Begeisterung in Grenzen hielt: „Früher war er aber besser…“
Nein. Früher war er genauso. Er könnte auch anders. Das ist das Problem.
Heute war das Belegexemplar der Viva in der Post. Diese ab sofort höchst geschätzte Zeitschrift war so freundlich, in ihrer Märzausgabe unseren Ratgeber für den faulen Haushalt kurz, knapp, knackig und vor allen Dingen lobend zu erwähnen.
Es gibt Situationen, in denen man nur verlieren kann. Zum Beispiel wenn man in einer relativ langen Schlange an der Supermarktkasse angestanden ist und gerade eben den Kassentisch erreicht hat. Und dann von einer jungen, meist hübschen Frau angesprochen wird: „Würden Sie mich wohl vorlassen? Ich hab doch nur die drei Nappos, eine Flasche Chantré und ein Päckchen Kondome…“ Was soll ich machen? Wenn ich Sie nicht vorlasse, hält sie mich für einen unhöflichen, pedantischen Kleingeist. Wenn ich sie vorbeilasse, beschimpfen mich die hinter mir Anstehenden und bringen mich mit gar nicht mal so unlogischen Sätzen wie „Denn könn‘ Se mir ooch vorlassen!“ in Verlegenheit. Was also tun? Eben hab ich’s mit „Wenn die hinter mir Stehenden auch einverstanden sind, lass ich Sie selbstverständlich gern vor.“ probiert. Rohrkrepierer. „Wie? Ich soll die alle fragen? Dann kann ich mich ja gleich hinten anstellen!“ Wie man’s macht ist’s falsch.