Das Telefonbänkchen im Flur

Vorgestern sah ich in der Kreuzbergstraße eine junge Frau, die telefonierte. Gleichzeitig versuchte sie, sich ihre Jeansjacke anzuziehen, ein Bonbon aus dem Papier zu wickeln und irgendwie ihre Umhängetasche irgendwo abzustellen, um noch eine Hand frei zu bekommen. Sah aus wie der Versuch, die Laokoongruppe als Solo-Performance nachzustellen. Großes Kino. Multi-Tasking am Telefon.
Da musste ich plötzlich an das Telefonbänkchen meiner lieben Mutter denken. Ja, meine Mutter hatte ein Telefonbänkchen. Das stand bei uns im Flur. Nicht im Wohnzimmer, denn im Wohnzimmer hat man miteinander geredet, gelacht, getrunken, das Wohnzimmer gehörte der Familie und den Freunden, der Rest der Welt und die Kommunikation mit ihm fanden außerhalb des Wohnzimmers statt, und deshalb standen das Telefon und sein Bänkchen im Flur.
Wenn ich meine Mutter angerufen habe, dann wusste ich, dass sie auf dem Bänkchen im Flur sitzen würde, wenn sie mit mir sprach. Ein Päckchen ihrer Zigaretten und ein Feuerzeug lagen immer griffbereit neben dem Telefon, so dass sie stets auch auf ein längeres Gespräch vorbereitet war. Und das wirklich schöne daran war, war, dass meine Mutter, wenn sie mit mir telefonierte, nichts anderes machte, als mit mir zu telefonieren. Sie führte ein Gespräch mit mir, sonst nichts. Nicht zuletzt deshalb waren das fast immer sehr gute Gespräche, die ich heute, über 16 Jahre nach ihrem Tod, immer noch sehr vermisse.
Wenn ich heute mit anderen Menschen telefoniere, machen sie alles mögliche, während ich mit ihnen spreche. Sie laufen durch Büro und Wohnung, räumen das Geschirr ein, kümmern sich um ihre Kinder, schlagen irgendwas im Internet nach, fragen mich, was ich gerade gesagt habe, weil sie mir nicht richtig zugehört haben… Ich will mich nicht beschweren. Ich mach ja das gleiche.
Aber ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob das so richtig ist mit dieser Multitasking-Kommunikation. Vielleicht wäre so ein Telefonbänkchen eine vernünftige Anschaffung.
[tags]Telekommunikation, Menschenwürde[/tags]

Splitterbrötchen (XIII)

„Maximal 90 Sekunden dauert so eine Kür am Balken“, sagte der Kommentator bei der Turnweltmeisterschaft. Das kommt einem gelegentlich deutlich länger vor.

Das Adjektiv der Woche entnehme ich der Berliner Zeitung: „ostfriesenteedunkel“.

Ich verstehe die Aufregung um Kardinal Meisner nicht. Solange Eminenz belieben, die Bezeichnung „entartete Kunst“ im eigenen Wortschatz zu führen, solange bezeichnet unsereins die römisch-katholische Kirche eben als „entartete Religion“. Dann passt’s doch wieder.

Trollinger ist und bleibt ein weinähnliches Getränk. Punkt.

„Sicherheitsexperten warnen schon seit langem, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis es zu einem Terroranschlag mit nuklearem Material komme.“ schreibt Spiegel-Online. Das ist dann irgendwie doch wieder beruhigend.

Weitere Titel für die Rory-Storm-Reihe: „Stiller Stinker, Häuptling der Schoschonen“ und „Das Donnern in der Todesschlucht.“ Außerdem ist mir ein Indianerstamm eingefallen, in dem alle Krieger Elvis-Presley-Frisuren tragen. Bzw. stand der – glaube ich – mal in einem Artikel der lange untergegangenen „Neuen Spezial“.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (XII)

Ratlosigkeit anläßlich der ARD-Serie „Legenden“: Warum tragen die gealterten Wegbegleiter grandioser Hollywood-Stars beinahe ausnahmslos vollkommen bizarre Brillengestelle?

Sehr merkwürdig, dass man die Praxen sämtlicher mir bekannter Orthopäden nur über Treppenhäuser erreicht. Gibt es überhaupt Orthopäden im Erdgeschoss? Oder in Häusern mit Fahrstuhl?

Kontrollen scheinen mittlerweile ein Allheilmittel zu sein. Wenn irgendwo irgendetwas schief geht, fordert sofort irgendwer verschärfte Kontrollen. Ich bin dafür, ín Zukunft reflexhafte Forderungen verschärft zu kontrollieren.

Beim Zappen etwas namens „AstroTV“ gefunden. Dort wirken „Isabell Richter & ihr Gratisteam“. Nun ja, diesen Beruf würde ich nicht ausüben wollen. Wie klingt das denn: „Was machen Sie denn beruflich?“ – „Ich arbeite in einem Gratisteam.“

Auf Vox gehört: „Einwecken wie zu Omas Zeiten ist längst zum Lifestyle geworden.“ Ob ich mit mildernden Umständen rechnen kann, wenn ich den Urheber dieses Satzes stundenlang foltere, bevor ich ihn reuelos töte?

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

He’s got the whole web in his hands…

Wenn man in Friedbert Pflügers Blog die Mailbenachrichtigung bei Kommentaren aktiviert, bekommt man Mails mit dem Absender „World Wide Web Owner“. Greift Pflüger nach der Weltherrschaft? Glaubt er, als Dr. Fu Man Chu der Berliner CDU punkten zu können? „First we take the Internetz, then we take Berlin“?
Und – ganz wichtig – ist dieses Vorgehen mit dem Ortsverband Frohnau abgestimmt?
[tags]Pflüger, Berlin, CDU, Weltherrschaft, Gummizelle, Ungeheuer![/tags]

Splitterbrötchen (XI)

Interessant, dass in deutschen Kriminalfilmen mittlerweile auch vom Büro aus via Handy telefoniert wird. Sind die Tarife wirklich so günstig, oder ist Festnetz-Telefonie auch bei Kommissaren mittleren Alters nicht mehr sexy genug?

Dass ich Michel Friedmann mal recht gebe… Aber bitte: „Der Staat hat so wenig wie möglich von seinen Bürgern zu wissen.“ Michel Friedman hat recht.

Was mir wirklich Sorge bereitet: Wolfgang Schäuble muss wissen, dass der „Bundestrojaner“ ein kompletter Unfug ist. Und er muss wissen, dass eine ziemlich große Menge Menschen weiß, dass das Unfug ist. Warum erzählt er dann diesen Unfug trotzdem, wieder und wieder?

In den Keywords eines Seniorenportals, das das Wort „Senioren“ meidet wie der Teufel das Weihwasser, habe ich den Ausdruck „Best Ager“ gefunden. Es wird mir eine Freude und Ehre sein, jedem, der mich jemals als „Best Ager“ bezeichnet, mit einer Pumpgun das Licht auszupusten, bevor der Sargdeckel über mir zuknallt.

Letzte Woche machte ich David Odonkor auf das Ähnlichkeitsproblem auf, dass er mit Detelf D! Soost hat. Diese Woche möchte ich Bernd Schuster im ähnlichen Sinne vor Ingo Lenßen warnen.

Idee für einen Western: Ein Revolverheld kommt in die Stadt. Niemand kann sich seinen Namen merken. Titel des Films: „Man nannte ihn Dingens“

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (X)

Borniertheit und Konsequenz gehen meist Hand in Hand. Binse.

David Odonkor muss hart an sich arbeiten. Der sympathische junge Sportler sollte alles geben, um seiner fortschreitenden Ähnlichkeit mit Detlef D! Soost endlich Einhalt zu gebieten.

Ich lebe nun bald dreißig Jahre lang in Berlin. Ebenso lange warte ich darauf, dass der berüchtigte Berliner Volksmund endlich einmal in meiner Gegenwart zuschlägt. Vergeblich. Ich habe noch nie einen Berliner „Schwangere Auster“ sagen hören. Ich hör immer nur „Kongresshalle“. Ganz gelegentlich „Haus der Kulturen der Welt“. Ich glaube, der Berliner Volksmund findet woanders statt. Außerhalb. Jottwedeh, vermutlich.

Logisch, dass man einen Profi holt, wenn man eine Arbeit zu erledigen hat, von der man selbst nichts versteht. Aber warum fangen 99% aller Auftraggeber sofort an, dem Profi in haargenau das Handwerk zu pfuschen, von dem sie selbst keine Ahnung haben?

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (IX)

Gestern ist Martenstein an mir vorbei geradelt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es weht einen tatsächlich ein Hauch von Kurzweil an, wenn Martenstein vorbei radelt.

Als ein Kandidat Jörg Pilawa in seiner Quizsendung mit „Herr Jauch“ ansprach, hat der noch nicht mal mit der Wimper gezuckt. War Pilawa nun hochprofessionell, oder hat er es einfach nicht gemerkt?

Im Tagesspiegel schreibt ein Herr Mühling, F. Scott Fitzgeralds Großer Gatsby sei der „literarische Prototyp des mühelosen Gewinners“. Ich appelliere an Herrn Mühling, das Buch doch (noch?) einmal zu lesen.

Wieso erlaubt Ottmar Hitzfeld eigentlich, dass Ze Roberto bei „Dr. House“ mitspielt?

Das Insider-Manöver ist beinahe so alt wie die Menschheit: Eine Gruppe gründen, um sich über Menschen lustig zu machen, die nicht zu dieser Gruppe gehören. Das macht Spaß. Das ist einfach. So einfach, dass viele Insider es schon mit einer eigenständigen Leistung verwechseln.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]