Hat mich Anna heute drauf aufmerksam gemacht: Roogle. Angeklickt, angeguckt und sofort zur Startseite gemacht. Höchst empfehlenswert.
Archiv des Autors: Chris Kurbjuhn
Hiepen ohne Kondition
Promis: René Hiepen – Bild.T-Online.de: Hiepen aufgeräumt in die TV-Kamera: „Aus persönlichen Gründen habe ich mich entschieden, das ZDF nach sechs Jahren zu verlassen.“ Vergangene Woche hatte es Wirbel um René Hiepen gegeben, weil bekannt wurde, dass er bei einem „Porsche“-Fest im Sommer zwei Manager verprügelt haben soll. Warum wirft René Hiepen beim ZDF hin?
Weil das ZDF ein Sender für echte Kerle ist. Die brauchen Macher mit Kondition und Durchsetzungsvermögen, keine Weicheier, denen beim zweiten Porsche-Manager schon die Puste ausgeht.
Das Ende des Abendlandes droht!
SPIEGEL ONLINE – Nachrichten: „Barmherzige Jacob Sisters: Damit Rudolph Mooshammers toter Schosshund Daisy sich nicht zu einsam fühlt, soll die Urne mit ihrer Asche im Wohnzimmer der Schwestern einen Ehrenplatz kriegen. Da freuen sich auch die vier Pudel der Sängerinnen.“
Diese verstörenden Meldung sollte unsere in Afghanistan mit herumliegendem Gebein herumalbernden Soldaten sofort aus den Schlagzeilen bringen. Daisys Urne im Wohnzimmer der Jacob Sisters – die Störung der Totenruhe erreicht hier eine neue, bisher unbekannte Dimension, die unser Wertesystem in seinen Grundfesten erschüttert. UNO, Menschenrechtskommissionen, die Tierschutzvereine und die Weight Watchers müssen schleunigst in einer konzertierten Aktion zusammenarbeiten, um das Unfassliche zu verhindern.
Nächstes Schild
Das beste Schild der letzten Woche hab ich leider verpaßt, weil ich keine Kamera dabei hatte. Auf alle Fälle offerierte der NP-Discounter marktschreierisch „Kochwurstspezialitäten im Ring!“ Ich frage mich, was man sich von einem dermaßen bizarren Kampfsport-Event verspricht. Eine Lyoner mit zwei Handschuhen an den Enden versehen und sie gegen eine Dampfwurst antreten lassen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das durchsetzt. Genauso wenig wie das „Gastpferdeboxen“, dass ein Landgasthof in der Lüneburger Heide unlängst offerierte. Ich habe den Veranstalter übrigens angemailt, um zu fragen, wie er denn den Kleppern die Handschuhe anziehen wolle, habe aber niemals Antwort erhalten. Merkwürdig.
Wie dem auch sei, ein Foto hab ich parat. Das typische, mal eben schnell dahinimprovisierte Schild, um der Kundschaft zu zeigen, wo’s langgeht. Kurz, knapp, und leider überhaupt nicht sinnstiftend.
Mangel
Heute in der Printausgabe des Tagesspiegel gefunden:
„Personaler beklagen Mangel an geeigneten Bewerbern : Obwohl es in der Regel viele Bewerber auf freie Stellen gibt, sind oft zu wenige mit dem passenden Profil dabei. So klage rund die Hälfte der deutschen Personalmanager über einen Mangel an geeigneten Bewerbern, teilte die Unternehmensberatung Kienbaum mit.“
Ach ja? Es gibt tatsächlich zu wenig hoch belastbare Unter-Dreißig-Jährige mit mindestens zwanzig Jahren Berufserfahrung, die bereit sind, als Einstieg in die neue Stelle erstmal ein Jahr lang als unbezahlter Praktikant zu arbeiten? Das kann ich ja gar nicht glauben!
Ausgerechnet das Kohlröschen!
Wie ich soeben aus dem Videotext erfahrenen habe, ist das Schwarze Kohlröschen vollkommen überraschend Orchidee des Jahres geworden und löst damit das Brandknabenkraut als Würdenträger ab. Für Kenner der Szene ist das natürlich eine faustdicke Überraschung. Experten hatten das Waldvöglein oder die Apulische Ragwurz ganz vorn notiert, die ganz Mutigen haben sich Außenseiterchancen für das Dendrobium oder die Gewürzvanille ausgerechnet, aber dieses überraschende Votum muss alle selbsternannten Experten düpiert haben. Ich jedenfalls bin heilfroh, dass der vollkommen unerträgliche Gelbe Frauenschuh leer ausgegangen ist, und hoffe nur, dass dem sympathischen Kohlröschen diese Auszeichnung, die vielleicht doch ein oder zwei Jahre zu früh kommt, nicht zu Kopfe steigt.
Mal wieder ’n Schild
Danke, Firma „Blume 2000“ am Theo! Hätte ich gar nicht gemerkt, das die Tür zu ist. Aber gottseidank habt ihr ja dieses pfiffige Schild angebracht!
Magic Moments
Und mal wieder Tennis gespielt. Die Opposition servierte, und dem Aufschläger fiel das Racket aus der Hand, nachdem er den Ball getroffen hatte. Als mein Partner den Return vor Aufregung ins Netz haute, blieb für einen Moment die Zeit stehen.
Ja, es war Satzball für uns.
Ja, wir haben dann den Satz noch verloren.
Ja, wir haben auch das Match verloren.
Nein, ich wollte meinen Partner nicht umbringen.
Wer ist hier die Unterschicht?
Wenn wir hier in Deutschland auf ein Problem aufmerksam werden, dann versuchen wir als allererstes, herauszufinden, wer daran schuld ist. Nicht, dass jemals irgendein Problem durch Herausfinden seines Urhebers gelöst worden wäre, aber es ist ja auch viel einfacher und unterhaltsamer, mit dem Finger auf einen Schuldigen zu zeigen, als sich ernsthaft Gedanken über Ursachen und Lösungen des jeweiligen Problems zu machen.
Jetzt haben die Knalldeppen von SPD und CDU eine sogenannte Unterschicht entdeckt und schieben sich gegenseitig die Schuld an deren Existenz zu. Jahrelang die Talkshows mit Wortketten vollgemüllt, die sie selber nicht verstanden haben: „Schmerzhafte, aber notwendige Einschnitte“ – „Umbau des Sozialstaats“ – „Preis der Globalisierung“… Und jetzt stellen diese Phrasendrescher überrrascht fest, dass Menschen in Armut geraten, wenn man ihnen ihre alten Arbeitsplätze wegnimmt und keine neuen schafft. Mein Gott, dass konnte doch kein Mensch ahnen, dass da ein Zusammenhang besteht!
Obwohl die meisten Führungskräfte von SPD und CDU offenbar rettungslos überfordert sind, wenn sie gleichzeitig spazieren gehen und einen Kaugummi kauen sollen, können sie sich aber trotzdem zeitgleich über zwei verschiedene Dinge wundern. So haben haargenau die gleichen Hanseln, die offenbar keinen Zusammenhang zwischen Jobabbau und Arbeitslosigkeit erkennen konnten, jetzt die Bedrohung durch die Neonazis entdeckt. Bravo!
Obwohl es über dreißig Jahre her ist, erinnere ich mich noch gut daran, wie unser Gemeinschaftskundelehrer Habba Fritsche uns damals in weniger als fünf Minuten den Zusammenhang zwischen Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und dem Aufsteig der NSDAP erläuterte. Man musste schon ein Denk-Kräppel von astronomischer Blödheit sein, um diesen einfachen, folgerichtigen, logischen Zusammenhang nicht im Bruchteil einer Sekunde zu begreifen. Dennoch muss es wohl Leute gegeben haben, die damit geistig überfordert waren. Die sind nämlich Politiker geworden. Sie zählen jetzt zur Führungselite dieses Landes und nehmen sich heraus, die Menschen, die sie ins Unglück gestürzt haben, als „Unterschicht“ zu bezeichnen.
Damals, in der Schule, bei Habba Fritsche und Kollegen, haben die Dummköpfe meist ängstlich geschwiegen, wenn der Lehrer sie aufforderte, vor die Klasse zu treten und ihre Erkenntnisse öffentlich vorzutragen. Heute plärren sie jeden geschichtslosen Unfug in die Gegend, weil sie sogar zu blöde sind, um Angst vor schlechten Zensuren zu haben.
Letztendlich sind die Begriffe falsch gewählt. Nicht die in die Armut geratenen bzw. getriebenen Menschen sind ein Problem, das man als „Unterschicht“ bezeichnen kann. Das Problem sind die Angehörigen einer geistigen und moralischen Unterschicht, von denen wir uns regieren lassen.
Festhalten!
Ausrede vor Gericht: „Handy stützt wackeligen Kiefer“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten
„Dem 36-Jährigen aus dem thüringischen Sondershausen, der mit einem Handy am Steuer erwischt worden war, ließ er die Ausrede nicht durchgehen. Der Mann hatte vor dem Gericht angegeben, er habe das Telefon als Stütze für seinen wackeligen Unterkiefer benötigt.
Der Richter verurteilte den Fahrer zu 40 Euro Bußgeld. Außerdem soll die Führerscheinstelle seine Fahrtauglichkeit prüfen. ‚Wer angeblich die rechte Hand beim Autofahren fürs Festhalten seines Kiefers benötigt, nimmt nur eingeschränkt am Straßenverkehr teil‘, hieß es in der heute veröffentlichten Begründung.“
Manchmal sind es Nuancen, die über ein Urteil entscheiden. Wenn der Mann gesagt hätte „Ich hab im Autoradio gerade die neuesten Nachrichten zur Unterschichtdebatte in der SPD gehört. Dabei fiel mir die Kinnlade dermaßen herunter, dass ich sie mit dem Handy abstützen mußte, um eine Verletzung zu vermeiden.“, wäre ein Freispruch unvermeidlich gewesen. Und Kurt Beck hätte die Gerichtskosten tragen müssen.

