Archiv der Kategorie: Auf die sechzich zu…

It’s all true!

Heute früh hab ich erfahren, dass Joe Esposito gestorben ist, ehemaliger Road Manager von Elvis Presley und – nach Elvis‘ Tod – weltweit führender Elvis-Experte. Ich hatte das große Vergnügen, ihn kennenlernen zu dürfen.

Mr. Esposito war als Ehrengast zur Premiere eines Musicals („Elvis in Bremerhaven“) eingeladen, für das ich die Dialoge geschrieben hatte. Da Elvis in Bremerhaven absolut nichts gemacht hatte (er war 1958 als Rekrut lediglich vom Schiff zum Bahnhof gefahren worden), hatte das Musical eine erfundene Quatschhandlung mit Liebesgeschichte, Rummelplatzbesuch und anderen an den Haaren herbei gezogenen Aufhängern für Elvis-Songs. Nachdem Mr. Esposito sich die Generalprobe angesehen hatte, stürmte er hinter die Bühne und rief „Who is the writer?“ Alle deuteten auf mich, woraufhin er mir um den Hals fiel und „It’s all true! All true! It’s exactly as the King himself told me!“ brüllte. Dann ließ er von mir ab, grinste wie ein Honigkuchenpferd und sagte: „Now you owe me something.“

Meine Mutter, Brot essend

Wer das Privileg hat, älter werden zu dürfen, kennt das: Da sind ein paar Bilder hängen geblieben, aus den verschiedensten Abschnitten des eigenen Lebens.

Auf einem der frühesten Bilder, an die ich mich erinnern kann, sitzt meine Mutter in der Küche. Sie hat ihre Schürze umgebunden und isst einen Kanten Brot. Nicht den appetitlich-knusprigen Kanten eines frischen Brots, sondern den trockenen, steinharten Kanten eines mehre Tage alten Brotlaibs, den alle anderen Familienmitglieder verschmäht hatten. Meine Mutter, die meine Geschwister durch den 2. Weltkrieg und die Hungerjahre der Nachkriegszeit hatte bringen müssen, war unfähig, Lebensmittel wegzuwerfen. Und Brot schon gar nicht, auch wenn es ein steinharter Kanten war. Also aß sie ihn zum zweiten Frühstück, dünn mit Butter bestrichen. Um das harte Brot abbeißen zu können, schnitt sie das Brot immer wieder ein Stück mit ihrem Küchenmesser, dem “Kliffchen”, ein, so dass sie es mit große Mühe doch noch abbeißen konnte. Sie kaute jeden Bissen lange, um ihn überhaupt herunter schlucken zu können. Gelegentlich feuchtete sie dabei Brot und Kehle mit ein wenig Kaffee an. So ein Brotkanten-Frühstück dauerte recht lange, mindestens zwanzig Minuten. In kürzerer Zeit war dem harten Brot nicht beizukommen.

Ungerechtes Postscriptum: Viele Jahre später sah ich die große Schauspielerin Therese Giehse in der Berliner Schaubühne. Sie spielte die Hauptrolle in “Die Mutter”, einem Stück von Brecht nach einem Gorki-Roman. In einer Szene aß sie auf der Bühne mit großer Inbrunst, Hingabe und Sorgfalt einen Teller Suppe. Insbesondere dafür war sie von der Theaterkritik sehr gelobt worden. Ich hatte den Vergleich zu meiner Brot essenden Mutter. Für mich war’s – bei aller Bewunderung für Frau Giehses Können – eine Zirkusnummer..

Podersdorf 2016

Es war mal wieder ganz bonfortionös am Neusiedlersee. Wir haben alte und neue Wege gefunden…

Julawiesen…ich war des öfteren mit dem Fahrrad unterwegs…

Fahrrad… um mir anschließend oder unterwegs das ein oder andere Speckbrot zu gönnen…

SpeckbrotElisabeth… wie zum Beispiel dieses wohlgeratene Exemplar in der Elisabethschenke. Die Brettljause in Jupps Bierstüberl (alles mögliche vom Mangalitza-Schwein inkl. Brot, Schmalz und Schnaps) ist die logische Fortsetzung des Speckbrots, und ein Abendessen, auf das ich mich das ganze Jahr lang freue.

BrettljauseNatürlich haben wir auch wieder in meinem Lieblingsrestaurant gegessen, dem Gasthaus zur Dankbarkeit. Köstlicher Zitronenbiskuit!

DankbarDessertDie beste, geduldigste Gemahlin von allen schoss wieder ein Foto nach dem anderen…

GGFoto1… unter anderem auch eins von einem Baum, unter erschwerten Bedingungen..

GGfoto4

Der Wein war fast immer schön kalt, der Himmel meistens blau…
Jagakölla… und wie immer wurden an den ungewöhnlichsten Orten ungewöhnliche Fragen aufgeworfen.

SandburgMacGyverEs war sehr, sehr schön. Nächster Jahr wieder.

Am Ende des Tages in Podersdorf

 

New Yorker Eindrücke

2016-07-19 13.01.37New York hat sich verändert. Die Exzentriker versuchen, sich zusammenzureißen. Gottseidank scheitern viele.

Gegen amerikanische Kochsendungen können Lafer und Co. noch nicht einmal entfernt anstinken.

2016-07-12 18.54.25

Ganz ausgezeichnete Moules Frites im belgischen Restaurant „Petite Abeille„.

Die Gesundheitsbesessenheit der Amerikaner wird nur noch von ihrem Glauben an die Chemie übertroffen. Gefühlt jeder 2. Werbespot im Fernsehen bewirbt irgendein Wunder-Medikament. Offenbar sind die Pharma-Firmen mittlerweile gezwungen, in den Werbespots auf Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen. Diese Hinweise dauern meistens deutlich länger als der eigentliche Spot. Wir haben also dreißig Sekunden Werbung und dann 45 Sekunde Bilder von glücklich vor der Kamera herumturnenden Menschen, während eine sonore Stimme vor Kopfschmerzen, Depressionen und Malaria-Schüben warnt, die dieses Medikament auslösen kann.

Wenn man durch die 42. Straße geht oder fährt wird, einem beim Anblick der Theaterreklamen schlagartig klar, wie blutleer und verschnarcht fast alle in selbstverliebter Langeweile erstarrten deutschen Bühnen sind. Ein Beispiel: Kurz bevor ich ankam, spielte Lin-Manuel Miranda, Autor und Hauptdarsteller des Musicals „Hamilton“ seine letzte Vorstellung. Tickets für dieses Ereignis gingen bei ebay für fünf- bis zehntausend Dollar weg. Hierzulande besucht man die Derniere eines Schauspieler allenfalls wenn’s Steuerkarten gibt.

(Unausweichlicher) Lesefehler des Aufenthalts: „Hilary Coup“ statt „Military Coup“.

Bizarre Unterhaltungsangebote: Glückwunschkarten-Anbieter Hallmark betreibt einen eigenen TV-Kanal, auf dem derzeit ausschließlich Whodunits mit weiblichen Hobby-Detektiven („Spying Spinsters“) und Weihnachtsfilme laufen.

Am Counter einer Pharmacy. Die Verkäuferin reicht einer Kundin zwei kleine Tablettenschachteln. „That’s 204,31$“ – „200 Dollar? What’s insurance good for?“ – „It’s deductible.“

2016-07-18 15.31.28Trotz Veränderungen: New York ist immer noch die schnellste, aufregendste und spannendste Stadt der Welt.

Mit rohem Fisch zu Wolfram Siebeck – eine Erinnerung

„Gestern Abend hat er gesagt, er wolle gegen halb zwölf mal in der Küche vorbeischauen. Jetzt ist erst elf, dann zieh ich jetzt den Strudelteig aus, bevor er zuguckt…“ Ich nehme mir den Klumpen Strudelteig, rolle ihn aus, greife mit beiden Händen unter den Teigfladen und… in diesem Augenblick fliegt die Küchentür auf, Wolfram Siebeck und Frau Barbara stürmen herein, einen Fotografen im Schlepptau. Geistesgegenwärtig tu ich so, als wäre mir was runtergefallen und versuche, unter den Küchentisch zu tauchen… zu spät! „Guck mal, er zieht den Strudelteig!“, ruft Barbara Siebeck und eilt herbei. Unter den Augen von Barbara und Wolfram Siebeck reiße ich dann jede Menge Löcher in den Strudelteig und stammele sinnloses Zeugs, während der Fotograf ein Foto nach dem anderen schießt… Alptraum eines Hobbykochs? Nee, ist mir wirklich passiert.

Siebeck guckt in meine Pfanne
Siebeck guckt in meine Pfanne

Im Frühjahr 2009 hab ich mich irgendwie ins Halbfinale des ZEITmagazin-Kochwettbewerbs gemogelt und durfte im Park Hyatt Hotel in Hamburg für die Siebecks und ein paar andere Jury-Mitglieder kochen. Damit ging  für mich ein Traum in Erfüllung. Mein erstes Kochbuch war von Siebeck,  ich hab so gut wie alle Siebeck-Bücher im Regal, und die gehören zu den wenigen Büchern, aus denen ich auch wirklich gekocht habe. Auch wenn Siebeck von den Kritikern des Kritikers gern als elitär bezeichnet wird, als Kochbuch-Autor war er der größte Praktiker unter der deutschen Sonne. Fast alle seine Rezepte sind alles andere als elitär, sondern einfach, machbar und gelingsicher.

Über Siebecks Verdienste als Autor vergisst man gerne seine Verdienste um das Sortiment des Lebensmitteleinzelhandels. Siebeck ist der Mann, der die Créme Fraiche in den deutschen Supermarkt geschrieben hat. Anfang der Siebziger Jahre begann er ausdauernd gegen das Angebot in Deutschlands Kühlregalen zu polemisieren. Da gab es damals saure Sahne, süße Sahne, Sprühsahne… und das war’s. Mit der Hartnäckigkeit eines Cato („Ceterum censeo“) prangerte er das an und ließ keine Gelegenheit aus, gegen das Fehlen von Créme Fraiche und Créme Double zu polemisieren und ihre zukünftige Anwesenheit im Sortiment zu fordern. Mitte, Ende der Siebziger war’s soweit. Die ersten blauen Becherchen eines bekannten Lebensmittelkonzern tauchten in den Supermärkten auf, wir konnten endlich mit Creme Fraiche kochen! War Siebeck zufrieden? Natürlich nicht. Umgehend wies er daraufhin, dass die Créme Fraiche des blauen Doktors deutlich weniger Fett enthielt als die französische, deren Wohlgeschmack nach wie vor unübertroffen war. Das war typisch Siebeck. Der Mann war mit dem Allerbesten gerade mal eben so zufrieden. Das haben ihm die Ahnungslosen als Arroganz ausgelegt.

Am Vorabend des Wettkochens hatte ich das große Vergnügen,  Siebeck zwei Stunden lang in der Hotel-Bar bei Wein und Tapas zuhören zu dürfen. Nachdem er ein, zwei Anekdoten erzählt hatte, begriff ich, dass dieser Mann alles andere als arrogant war, sondern schlichtweg so viel über edles Essen und Trinken wusste wie sonst niemand auf Gottes weiter Erde. Herrgottnochmal, der Mann war ja tatsächlich überall gewesen und hatte bei allen Schwergewichten der Gastro-Szene das Besteck in die Hand genommen. Der wusste Bescheid wie sonst kein zweiter. Wie kann das arrogant sein, wenn jemand sich wirklich auskennt?

„Und morgen musst du für diesen Siebeck kochen“, schoss es mir durch den Kopf, und praktisch gleichzeitig nahm mein Herz den direkten Weg ins Beinkleid. Jeder Gedanke, irgendwie mit meiner pannonischen Hausmannskost punkten zu können, verabschiedete sich in Richtung Kompost-Eimer. Schadensbegrenzung und Bekämpfen der eigenen Nervosität war angesagt, sonst nix.

Unterstützt von der besten, geduldigsten Gemahlin von allen hab ich mich dann irgendwie aus der Affäre gezogen. Beim Krautstrudel hab ich das Kernöl vergessen, und der Biskuit von den Somloer Nockerln wäre lockerer möglich gewesen (Hab ich überhaupt die Rumrosinen dazugegeben?)… das emotionale Highlight war jedoch die Fischsuppe. Ich kippte die heiße Suppe in die vorgewärmte Terrine und fügte die rohen Fischstücke hinzu, die sollten ja nur drei Minuten in der heißen Suppe ziehen, dann sind sie auf den Punkt. Dann griff ich mir die Terrine und machte mich auf den Weg ins Speisezimmer der Jury. „Du trägst gerade rohen Fisch zu Wolfram Siebeck“, dachte ich plötzlich und konnte nur mit knapper Not eine Ohnmacht verhindern. Vermutlich hätte ich die Suppe auch offensiver salzen sollen.

Egal, am Ende des Tages waren die geduldigste Gemahlin von allen und ich stolz wie Bolle auf den zweiten Platz. Und heilfroh, dass wir nicht im Finale waren, wo wir das alles nochmal hätten kochen müssen. Andererseits wäre das Finale die Möglichkeit gewesen, Herrn Siebeck ein zweites Mal zu treffen.

Das geht nun nicht mehr. Was verdammt schade ist. Ein ähnlich kenntnisreicher und leidenschaftlicher Gastrosoph ist derzeit nicht in Sicht. Fast all mein Küchenwissen verdanke ich Wolfram Siebecks Büchern und Kolumnen. Ich bin traurig und sehr dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte.

 

 

Yuppi Du ist wieder da!

Soeben hat mich ein Mitstreiter der „Verdammt nochmal, Celentano, bring endlich Yuppi Du auf DVD raus!“-Bewegung darauf aufmerksam gemacht, dass ein Wunder geschehen ist: Yuppi Du erscheint am 28. August hierzulande auf DVD, inkl. deutscher Synchro. Das bedeutet, dass einer der meist kommentierten und am häufigsten gegoogleten Beiträge dieser Website obsolet wird, aber das ist mir sowas von mumpe: Yuppi Du non e‘ morta, e‘ ritornata dal canal!

Nachtrag 2. 9. 2015:
Die DVD ist mittlerweile bei mir angekommen. Ich kann Sie leider nur Menschen empfehlen, die „Yuppi Du“ so dringend wiedersehen wollen, dass Sie dafür eklatante technische Mängel in Kauf nehmen wollen. Auf der DVD befinden sich keine Extras, nur der Film in deutscher Synchronfassung. Die auf der amazon-Seite beworbene italienische Sprachversion ist NICHT auf der DVD. Die Bildqualität ist schlichtweg unterirdisch. Offenbar wurde hier eine total heruntergerockte 35mm-Verleih-Kopie abgetastet und auf DVD gebrannt. Der Film ist durchgehend stark „verregnet“ (schwarze Streifen), einige Szenen sind nicht komplett. Wieso man diesen Weg gegangen ist und keine DVD auf Basis der 2008 für die Filmfestspiele Venedig aufwendig restaurierten Kopie erstellt hat, ist mir ein komplettes Rätsel.