Splitterbrötchen (LXXI)

Die Suchmaschinenanfrage der Woche betraf mein Schreibblog. Fa. Google empfahl die Seite einer verwirrten Seele, die nach „Wie sieht ein Sekt äußerlich aus?“ gesucht hatte. Na, dann Prost! Nicht zu toppen, obwohl die Konkurrenz in dieser Woche extrahart war, unter anderem verzeichnete ich steinstarke Versuche wie „Wann tut man das knoblauch zum kochen dazu“ und „wo mann keinen ton braucht“.

Äußerst erstaunlich, dass auch ein komplexes Stück High-Tech wie ein Farblaser-Drucker auf eine der archaischsten Reparaturmethoden anspringt: Ein kräftiger Faustschlag auf die Frontseite, und alle Kapriolen der letzten 14 Tage waren vergessen.

Für die Berliner Abendschau berichtete natürlich Ulli Zelle von der Premiere der Rocky Horror Show. Und natürlich trug trug Zelle dabei Gummihandschuhe. Wer kommt beim RBB nur auf diese unfassbar originellen Ideen?

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In eigener Sache: Ab morgen ist NaNoWriMo

Vor 4 Wochen habe ich begonnen, mich auf NaNoWriMo vorzubereiten, den National Novel Writing Month: Menschen aus aller Herren Länder versuchen, während der 30 Novembertage einen Roman von mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Ich mache mit. Morgen geht‘s los.
Mein Wecker wird eine Stunde früher als gewöhnlich klingeln und ich werde den Tag damit beginnen, ein Kapitel meines Romans in die Tastatur zu hacken. Der Roman soll „Der Fänger im Beton“ heißen. Die Hauptfigur ist Bruno Pachowiak, ein Mensch, der sein Geld damit verdient, vermisste Menschen in Berlin wieder zu finden. Pachowiak bedient sich dabei ungewöhnlicher, meist recht gewalttätiger Methoden, doch in dem Fall, von dem ich erzählen möchte, trifft er auf einen Gegner, der ihm mindestens ebenbürtig ist.
Rechts unten in der Sidebar ist ein NaNoWriMo-Widget, das den Netzecken-Besuchern anzeigen wird, wieviele Wörter bereits den Weg auf meine Festplatte gefunden haben. In meinem Schreibblog werde ich detailliert über Fortschritte und Rückschläge berichten. Hier in der Netzecke wird es daher im November weiterhin ziemlich ruhig bleiben. Splitterbrötchen, Link-Tipps und vielleicht der ein oder andere Gelegenheitsbeitrag, mehr ist erst mal nicht, sorry.
Wobei… augenscheinlich wird meine Nachlässigkeit honoriert. Kaum hatte ich am 6. Oktober angekündigt, in Zukunft weniger in die Netzecke reinzuschreiben, schnellten die Besucherzahlen dramatisch in die Höhe. In der Tat hatte die Netzecke noch nie so viele Besucher wie in diesem Oktober. Vielleicht ist das ja ein Konzept. Wenn ich ankündige, gar nix mehr zu schreiben, kommen vielleicht so viele Besucher, dass ich von der Netzecke leben kann. Darüber muss ich nachdenken. Nach dem 30. November.

[tags]NaNoWriMo Netzecke Roman[/tags]

Splitterbrötchen (LXX)

Eine Fähigkeit, die ich gern hätte: eine Augenbraue hoch ziehen zu können.

An die Person, die von Google hierher geschickt wurde, weil sie dort gefragt hat, wie sie ihren Papierkorb umtauschen kann: Faszinierende Fragestellung. Können wir uns mal unterhalten? Gern auch in Gegenwart Ihres Therapeuten!

Ich beantrage, dem Urheber der BILD-Headline Koma-Saufen! Jetzt tun es so gar die Igel! den Pulitzer-Preis auf Lebenszeit zu verleihen.

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Die Mutter aller Ei-Brötchen

Das Spitzenback in der Großbeerenstr. ist ein durchschnittlicher Discount-Bäcker mit einem herausragenden Angebot. Durchschnittlich, weil es das gibt, was es bei anderen Discountbäckern auch gibt: vorgebackene Brötchen, die im Laden fertig gebacken werden, einen Haufen Kuchenzeugs, das ich nicht esse, eine Kaffeemaschine, diverse Mitarbeiterinnen, die gelegentlich mangelnde Kompetenz durch große Freundlichkeit wettmachen sowie jede Menge belegter Brötchen, von denen eines das gesamte Angebot der Firma Spitzenback überstrahlt: das Ei-Brötchen.
Nun kann man nicht einfach zu Spitzenback gehen und dort ein Ei-Brötchen ordern und essen. Das heißt, man könnte schon, ich würde jedoch dringend davon abraten. Das Ei-Brötchen von Spitzenback sollte man aus gutem Grund nur – nach entsprechender Vorbereitung – in den eigenen vier Wänden verzehren.
Also, wenn du das unglaubliche Ei-Brötchen von Spitzenback probieren willst, lass es dir einpacken, leg deine 1,50 Euro hin und trag‘s nach Hause. Dort packst du‘s aus, legst es auf einen großen Teller und ziehst mindestens deine Jacke aus. Vorsichtige Naturen entkleiden sich bis auf die Unterwäsche, aber das ist ein bisschen übertrieben. Eine Rolle Küchenpapier neben dem Teller kann nicht schaden, aber vergiss das wichtigste nicht: Bevor du dich hinsetzt, um das Ei-Brötchen von Spitzenback zu essen, musst du die Badezimmertür aufmachen. Nein, zieh nicht die Augenbrauen hoch, stell keine dummen Fragen, mach einfach die Badezimmertür auf, du wirst schon sehen, wozu das gut ist.
Badezimmertür offen? Okay, nimm Platz. Klapp das Brötchen auf und salz nach. Sie machen bei Spitzenback immer zu wenig Salz auf das Ei-Brötchen, keine Ahnung warum. Nein, nicht erst probieren, ob es salzig genug ist, du willst jetzt salzen, nachsalzen ist nicht möglich. Glaub mir. Jetzt nimm das Brötchen in beide Hände und beiss rein. Holla, die Waldfee! Schmeckt üppig, nicht wahr? Außergewöhnlich üppig! Das Kauen nicht vergessen! Jaha, da ist eine ordentliche Portion Mayo dran. Und ein Salatblatt, eine Tomatenscheibe, ca. anderthalb gescheibelte Eier und richtig dick Margarine sind auch noch da, jaha, hauahauaha! Und während du kaust und schluckst, werden plötzlich deine Hände feucht. Nein, das ist kein Angstschweiß wegen der Kalorienzahl, das ist das Mayo-Margarine-Gemisch, was seitlich aus dem Ei-Brötchen quillt! Schnell ablecken, keine Zeit verlieren, sonst tropft es dir auf die Hose! Okay, du könntest dich über den Teller beugen, aber das wäre doch unsportlich. Wer ist schneller, das Ei-Brötchen von Spitzenback oder du? Du hast keine Chance: das Ei-Brötchen ist immer schneller. Und deswegen musstest du auch vorher nachsalzen: um den Salzstreuer nicht mit Mayo zu verkleben.
Jetzt wird der zweite Biss ins Brötchen fällig. Erstaunlich, nicht wahr? Erst einmal abgebissen und du musst schon kämpfen. Das Brötchen hat es in sich. Und das rausquellende-Mayo-Ablecken nicht vergessen! Erstaunlich, was so alles aus so einem scheinbar kleinen Brötchen rausquellen kann, nicht wahr? Hat irgendjemand eine kleine Mayo-Manufaktur ins Brötchen eingebaut, die stetig für Nachschub sorgt? Das gibt‘s ja nicht, was da alles rausläuft…
Am Ei-Brötchen von Spitzenback sind schon die härtesten Kerle gescheitert, aber du wirst es schaffen, das wäre ja gelacht. Das halbe Brötchen hast du schon verdrückt, den Rest wirst du doch mit zwei, drei Bissen… es quillt ja immer noch Mayo raus! Das kann nicht sein…
Aber irgendwann hast du‘s geschafft. Mit allerletzter Kraft hast du den letzten Bissen runtergezwungen, sowie du wieder zu Atem gekommen bist, schwörst du dir, in deinem Leben nie wieder so ein fettiges Ei-Brötchen zu essen, du versuchst, dir die Finger mit dem Papier von der Küchenrolle sauberzumachen… geht nicht! Das Mayo-Margarine-Gemisch bleibt hartnäckig kleben, da hilft kein Küchenpapier, das geht nur mit Wasser und Seife… Und jetzt weißt du, warum du die Badezimmertür aufmachen solltest: damit du hinterher nicht die eingesaute Türklinke saubermachen musst. Das Ei-Brötchen von Spitzenback ist eben was für Leute, die die Logistik im Griff haben. Für echte Spezialisten.

auch bei qype veröffentlicht

[tags]Ei-Brötchen Protein-Missbrauch Cholesterin-Rekordhöhe[/tags]

Splitterbrötchen (LXVIX)

An die Person, die von Fa. Google hierher verwiesen wurde, weil sie dort die Frage „Was passiert mit Wein beim Kochen“ gestellt hat: Der Wein wird heiß.

Der Discounter NP offeriert in seinem neuesten Prospekt ein Produkt namens „Hausschlachtebeutel“. Das muss ich nicht kommentieren: dieser Name spricht für sich selbst. Oder auch nicht.

Es gibt Situationen, in denen kann man sich das Leben stark dadurch vereinfachen, dass man nicht zuhört.

Man sollte stupide Gedankenlosigkeit nicht reflexhaft mit Disziplin entschuldigen.

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Splitterbrötchen (LXVIII)

Das Sprachbild der Woche wurde in der Sportredaktion von Spiegel-Online gezeichnet: „Tatsächlich stellen sich die Verantwortlichen derzeit noch offensiv hinter Klinsmann“

Eins der großen unlösbaren gesellschaftlichen Probleme: Dass man sozial stark herausgeforderten Menschen nicht klar machen kann, dass sie sozial stark herausgefordert sind.

Kurz vor Anpfiff des Länderspiels fragte ich mich, warum Sebastian Schweinsteiger noch keinen Vertrag als Testimonial für eine Haargel-Firma hat. Als ich mir eine Notiz für die Splitterbrötchen machen wollte, kam ich bis „Schweinigel“ und wusste sofort, warum das mit dem Vertrag noch nix geworden ist.

Mensch, Uli Hoeness! Jetzt geben Sie sich mal ’n Ruck, plündern Sie das Festgeldkonto und holen sie den Arshawin nach München. Vielleicht können Sie die Buddhas, die wir nicht mehr benötigen, in Zahlung geben.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (LXVII)

Ganz erstaunlich, wie oft man „Das tut mir leid“ sagt, ohne dass einem irgend etwas leid tut.

Fußball-Fans sind genial.
„Dass dich keiner leiden kann
Stand nicht in deinem Business-Plan“
wäre noch nicht mal Bob Dylan eingefallen.

Hm. Was wohl mit „kreativ genießen“ gemeint ist? Dreck fressen und für Kaviar halten?

Meine aufrichtige Bewunderung gilt dem Marketing-Genie, das für das Schild „Coffee To Go – jetzt auch zum Mitnehmen“ verantwortlich zeichnet.

Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, die eigentliche Ursache der FC-Bayern-Krise  anzusprechen: den Abgang von Ollie Kahn. Da steht jetzt kein Alphatier-Ausnahme-Keeper mehr im Tor, sondern ein begabter Nachwuchstorhüter. Wenn man dem nicht durch eine defensivere Ausrichtung des Spiels hilft bzw. einen Weltklasse-Abräumer davor stellt, kassiert man eben mehr Tore.

Und: Es gehört eine ganze Menge Chuzpe dazu, auf ein Tütchen, das ein Pulver erhält, das bei Kontakt mit heißem Wasser zu so etwas wie Suppe werden soll, das Wort „natürlich“ zu schreiben.

[tags] Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Rentner aus Stahl

Heute morgen, ca. 8 Uhr 15, an der Ecke Großbeerenstr./Yorckstr. Arglos biegt eine Rentner um die Ecke und wird beinahe von einer rücksichtslos auf dem Trottoir daherfahrenden Radfahrerin auf die Hörner gekommen. Die Frau verreißt den Lenker, verfehlt den Rentner um Haaresbreite und radelt ohne ein Wort der Entschuldigung weiter.
Der Rentner, der noch nicht einmal vor Schreck zusammengezuckt ist, verzieht keine Miene und sagt in diesem unnachahmlich maulig-sanften Berliner Unzufriedenheits-Tonfall: „Wenn se fliejen könnten, würden se ooch noch von oben kommen.“
Ich bin so unsagbar stolz auf Berlin, die Stadt, in der ich leben darf. Welche andere Stadt auf der Welt bringt dermaßen unerschrockene Senioren hervor?

[tags]Berlin, maulende Rentner, Humor, extra dry, Radfahrer[/tags]

Splitterbrötchen (LXVI)

„Riesenschwein terrorisiert Rentnerin“ – „Zug überrollt Paar beim Sex“ – „Frau bringt 15-Kilo-Baby zur Welt“
In dieser Woche hat Spiegel-Online der Beliebigkeit im Web mit echtem Premium-Content getrotzt.

Die Ursache der meisten Missverständnisse könnte tatsächlich in unterschiedlichen Erwartungshaltungen liegen.

Wall-E ist unglaublich kitschig. Wie eigentlich jedes Meisterwerk.

Gibt es eigentlich schon Lisbeth-Salander-Fan-T-Shirts? Kaffee-Tassen? Mousepads? Wenn nein, warum nicht?

Wenn man aufhören würde, zu glauben keine Zeit zu haben, sich auf andere Menschen einzulassen, wäre schon viel gewonnen.  Ebenso viel wie durch die Einschränkung des exzessiven Gebrauchs erweiterter Infinitive.

[tags] Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]