Splitterbrötchen (CMXXIII)

Vorbildlicher Leserservice beim Verlag Droemer Knaur: Binnen zwanzig Minuten hatte ich Antwort auf meine Anfrage per Kontaktformular, wann denn der neue Pendergast-Roman auf Deutsch erscheinen wird. Die Antwort lautete allerdings: „Der Termin ist noch unbestimmt…“

Letztes Jahr habe ich vom besten Konzert meines Lebens erzählt, von dem der Pirates im Kant-Kino, Ende der 70er Jahre. Diese Woche musste ich voller Wehmut an den Runner-Up denken, das waren 1976 David Crosby und Graham Nash im Circus Krone in München. Die Magie, die diese beiden Stimmen erzeugen konnten, hat mich damals umgehauen, die Tonträger reichen noch nicht mal annähernd an das heran, was diese begnadeten Songwriter live geboten haben. In der Band spielten dann auch noch Westcoast-Giganten wie Craig Doerge und David Lindley, was war das für ein genialer Abend! Drei fantastische Stunden lang dauerte das Konzert damals, drei Stunden, die mir seitdem immer präsent geblieben sind. Und niemand hat Songs wie David Crosby geschrieben. Ich war sehr traurig, als ich diese Woche vom Tod dieses Hippies erfuhr, der sich bis zuletzt nicht die Haare schneiden ließ. Danke, Mann.

Schon verblüffend, dass die eigene Lebenserfahrung gelegentlich auch hinderlich sein kann.

Es ist intellektuell unredlich, handelnde Figuren in Geschichten als Repräsentanten einer bestimmten Bevölkerungsgruppe anzusehen. Geschichten sind Geschichten, deren Aufgabe ist es nicht, die Wirklichkeit abzubilden. Im Gegenteil.

Die Pointe der Woche gelang Herrn Bonetti. Ich lachte sehr:

Fata Morgana oder Vader Abraham? Das ist nicht immer einfach zu unterscheiden.

Und hier stehen wir am Ende einer relativ kurzen Ausgabe der Splitterbrötchen. Mehr Zeit habe ich heute leider nicht, ich muss den neuen Pendergast auf Englisch weiterlesen. Tja, Droemer Knaur: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser.

Splitterbrötchen (CMXXII)

Ich habe mir in den letzten paar Jahren angewöhnt, in allen Rezepten, die mit „Zwiebeln würfeln und anschmoren“ beginnen, zusätzlich ein wenig Möhre und Sellerie zu verwenden. Die Gerichte bekommen in der Tat deutlich mehr Körper und Fülle, und, wenn man einen großen Kühlschrank hat, ist es kein Problem, das Wurzelwerk ständig vorrätig zu haben.

Pfiffige Wartezimmer-Deko beim Augenarzt: „Können Sie dieses Bild scharf sehen? Nicht? Oh, oh…“

Diese Woche habe ich die Liste der Restaurants, die ich besuche, um ein bestimmtes Gericht zu essen, um eine Position erweitert. Das Signature Dish im Fischrestaurant Atlantik sind die fremdfotografierten „Edelfische im Tontopf„, die diesmal kulinarischer Wochenhöhepunkt waren. Wird schwierig, da in Zukunft etwas anderes zu bestellen.

Christoph Stölzl ist gestorben. Obwohl ich seine Ansichten selten geteilt habe, fand ich fast immer nachdenkenswert, was er gesagt oder geschrieben hat. Allerdings hat er  auch eine der absurdesten Radiosendungen verantwortet, denen ich je hervorquellenden Auges Ohres gelauscht habe, als er sich (Mitte, Ende der neunziger Jahre muss das gewesen sein) gemeinsam mit Georg Gaffron bei Radio Hundert,6 eine Stunde lang darüber aufregte, dass kein Mensch mehr Krawatte tragen will.

Ursachensuche im Bereich Silvesterkrawalle in Berlin ist überflüssig. Wer hier nicht in den letzten 10, 20 Jahren bewusstlos unter einem Stein gelegen hat, kennt die Ursachen. Nachzulesen sind sie unter anderem bei Malte Welding und in der „Emma„.

Hat Fa. TMZ uns bereits im Januar mit der Headline des Jahres beglückt?

Falls Zweifel bestehen: die Krawatte muss in der Liste der überflüssigsten Kleidungsstücke nur dem Keuschheitsgürtel den Vortritt lassen. Ich sage das übrigens als Mann, der immer noch fünf verschiedene Krawattenknoten binden kann, es aber nicht tut.

Diese Woche habe ich erfahren, dass eine britische Autorin eine Buch-Reihe schreibt, in der die Haushälterin von Agatha Christie Mordfälle löst. Ich habe spontan die Arbeit an einem Drehbuch begonnen, in dem der Hausmeister von Quentin Tarantino mit der Rückfahr-Kamera seines Toyota heimlich ein Remake von „Kill Bill“ dreht und Tarantinos Gäste (alles bekannte Schauspieler) darin mitspielen lässt, ohne dass sie es merken.

Auf Twitter verlangen gerade die üblichen Verdächtigen, dass Frau Strack-Zimmermann Verteidigungsministerin werden muss. Die gleichen üblichen Verdächtigen, die vor einem Jahr unbedingt Klabauterbach als Gesundheitsminister haben wollten und jetzt sehr unzufrieden sind…

Zu Friedrich Merzs „kleinen Paschas“: Dem Tonfall nach wollte er mit dieser Aussage wohl im Trüben fischen, aber er hat ein existierendes Problem angesprochen. In vielen konservativ islamisch lebenden Familien werden Mädchen immer noch geschunden und Jungen vergöttert. Das bleibt nicht ohne Folgen fürs Erwachsenenleben, da wird Schaden angerichtet, beim männlichen und beim weiblichen Geschlecht. Und Merz verschweigt natürlich, dass inzwischen viel mehr deutsche als arabisch-stämmige Helikoptereltern in den Schulen auftauchen, um sich über „Ungerechtigkeiten“ gegenüber ihren KIndern zu beschweren.

Abgeordnete, die stolz darauf sind, gegen Beschlüsse zu demonstrieren, für die sie selbst gestimmt haben… wer wählt die? Offensichtlich nur Leute, die dümmer sind, als diese Abgeordneten selbst. Sportlich ist das zwar keine kleine Leistung, aber für die Klimaziele ist das nicht gut. Um die zu erreichen, braucht man Leute, die deutlich klüger sind als die Grünen und ihre Klientel.

Die beste, geduldigste Gemahlin von allen und ich waren gestern auf großer Schnäppchenfahrt bei Karstadt. Unter anderem haben wir uns einen stark herabgesetzten Wok von Rösle gegönnt. Nach Erstgebrauch muss ich sagen: Donnerwetter. Sensationelles Kochgeschirr. Wäre auch ohne Reduktion1 jeden Cent wert gewesen.

Sollten Sie jemals von einem Außerirdischen gefragt werden, was eigentlich das Tolle an dieser Rock-Musik ist, zeigen Sie ihm das:

Diese Bilder malenden KIs taugen nichts. Keinem dieser angeblichen Wunderprogramme ist es gelungen, ein befriedigendes Bild nach meiner Beschreibung „Napoleon beim Nappo-Essen“ zu liefern.

Splitterbrötchen (CMXXI)

Die Böller-Mahnungen in der Presse und den sozialen Netzwerken waren – wie jedes Silvester – ein voller Erfolg: die meisten Feuerwerkskörper wurden ungezündet weggeworfen. Was draußen andauernd geknallt hat, waren wohl wertkonservative Journalisten, die vor Wut über diesen Erfolg des Wokismus geplatzt sind.

Küchentipp an die Kombüse im Maschinenraum: Bei allen Schmorgerichten mit Kalb grundsätzlich Bäckchen nehmen und gegebenenfalls die Schmorzeit anpassen (anderthalb Stunden). Bäckchen geben noch den Geschmack, wegen dem Kalb früher als Delikatesse gehandelt wurde.

Unfassbar! Ganz offen werden in Berlin und übers Internet in Flaschen abgefüllte Seniorinnen verkauft, auch noch mit einer dubiosen Bio-Qualität („Natur“) beworben. Wann schreiten die Behörden ein?

Wer hätte denn gedacht, dass Harry einmal mehr Schaden anrichten würde als Edward?

Als „hirnverbrannt“ bezeichnet man Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass etwas, was noch nie geklappt hat, plötzlich funktioniert, wenn man es aus den richtigen Motiven tut.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein unfotografiertes Essen bei hervorragend kochenden Freunden. Der Runner-Up war ein alter Bekannter: die gute Curryrahmsuppe, die ich nach gefühlten Äonen mal wieder zusammengeklöppelt habe. War wieder gut.

Da will die Frau Lambrecht ganz pfiffig mit einem Knaller-Video ein wenig Druck von der Böller-geplagten Frau Giffey nehmen, und dann ist es auch wieder nicht recht.

Splitterbrötchen (CMXIX)

Ganz erstaunlich, wie viele Menschen immer wieder auf die Idee „Lass uns ganz früh fahren, da sind die Züge nicht so voll!“ kommen, besonders in Ferienzeiten.

Kommaregeln endlich verständlich:

Heißen die Goldbären in Frankreich L‘or-Bären?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war das letzte Steak im „Hugo“. Der Ruhestand sei den Inhabern von Herzen gegönnt, aber diese gutbürgerliche Küche in Perfektion werde ich schon sehr vermissen.

Ganz erstaunlich, wie viele Leute den Unfug mit dem „trainierten“ Immunsystem glauben. Aber… vielleicht ist ja doch was dran? Vielleicht kann man ja sein Immunsystem tatsächlich optimal trainieren, indem man sich möglichst oft erkältet… Oh. Moment…

Neuer Beitrag zu meiner gigantisch beliebten Fotoserie „Die geduldigste, beste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“ Heute: ein Porzellanpferd.

Bernhard Hoëcker über Mario Barth:

Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Aufs Komiker-Handwerk reduziert, ist Barth absolut herausragend. Sein komisches Timing ist atemberaubend, in dieser Hinsicht ist er vermutlich der beste deutsche Komiker aller Zeiten. Würde er jetzt noch wirklich komisches Material in seinen Shows bringen, müsste er vermutlich dauernd seine Darbietungen unterbrechen, um Sanitätern Gelegenheit zu geben, die Erstickungsopfer aus dem Zuschauerraum zu entfernen. Also bringt er lieber diese unterirdischen Grotten-Nummern, damit sein Publikum gesund bleibt und er pünktlich Feierabend machen kann.

Ach ja, Weihnachten ist ja auch noch.Weiterhin ein Frohes Fest.

Splitterbrötchen (CMXVIII)

Auf fast allen Ebenen der Gesellschaft entscheidet man sich seit geraumer Zeit, wenn eine Entscheidung zwischen „preiswert“ und „gut gemacht“ getroffen werden muss, für die preiswerte Lösung. Der Schaden, der durch diese preiswerten Lösungen angerichtet wurden, beträgt mittlerweile ein Vielfaches von dem, was eingespart wurde.

Sensationeller neuer Beitrag zu meiner ultra-beliebten Fotoserie „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“! Heute: ein Plastik-Weihnachtsmann.

Der zündende Wortwitz der Woche gelang Blake:

Wenn mir bei der Abbestellung eines Newsletters eine Seite wie „Wir vermissen Sie schon jetzt!“ gezeigt wird, dann wird eine Ahnung zur Gewissheit: Die halten mich tatsächlich für komplett bescheuert.

Man kann gegen den Wurst-Uli sagen, was man will, aber seinen Freunden hilft er jederzeit. Als der Schuhbeck-Fonsä wg. Justizirrtum bei den Steuerheinis absagen musste, ist er sofort für ihn eingesprungen.

Auf Facebook wurde ich an eine wundervolle Weisheit Humphrey Bogarts erinnert: „Fran Sinatra stellt sich das Paradies als einen Ort vor, an dem es sehr viele Frauen und keine Zeitungsreproter gibt. Er weiß es nicht, aber für ihn wäre es besser umgekehrt.“

Freitagabend schien das Rennen um den kulinarischen Wochenhöhepunkt gelaufen, als die beste, geduldigste Gemahlin von allen auf einem Kurztrip nach Beelitz im „Due Fratelli“ einkehrten. Wer mich kennt, weiß: Wenn humorbegabte italienische Servicekräfte mit Grandezza Aperitif und eine Tafel mit den Tagesgerichten…

…vor den Chris hinstellen, fühlt er sich wohl. Und wenn dann noch ein perfekt gegrillter Steinbutt mit leicht safranisierter Knoblauchsauce und aromatischen(!) Kartoffeln auf den Teller kommt…

… bin ich begeistert und beginne hektisch nach einem Vorwand zu suchen, möglichst bald wieder nach Beelitz zu fahren. Überraschenderweise wurde der ausgezeichnete Steinbutt am nächsten Tag an Delikatesse noch eingeholt, nämlich als wir – nach dem Einkauf in der Weidelandfarm – im „Landgasthof Rieben“ zu Mittag aßen und ich mir wieder die Spinatknödel bestellte.

Über diese Spinatknödel geht nichts, die sind absolute Weltklasse, wunderbar aromatisch, innen fluffig, außen knusprig ausgebacken, eine Delikatesse von Rang, besser wird man dieses Gericht nirgendwo bekommen. Zwei kulinarische Wochenhöhepunkte also, ich betrachte mich als gesegnet.

Als Tom Kraftwerk ein Ereignis der Zeitgeschichte korrekt einordnete, gelang ihm der Tweet der Woche.

Konventionen sind Gefängnisse.

Was ich vor knapp zehn Jahren vermutet habe, stimmt tatsächlich: Erstaunlich viele Menschen verwechselt altersbedingte Trägheit mit Coolness.

Vor langer, langer Zeit pflegte ich Witze darüber zu machen, wie selbstverliebt die Deutschen in ihren eigenen Perfektionsdrang waren, wie stolz auf die überall reibungslos funktionierenden Abläufe. Heute bedaure ich jeden dieser Scherze zutiefst.

 

Splitterbrötchen (CMXVII)

Wer bereit ist, Mittelmaß zu akzeptieren, wird auch sehr häufig Mittelmaß bekommen.

Das könnte in relativ naher Zukunft zur bevorzugten Freizeitbeschäftigung werden: Mit anderen starrsinnigen Senioren über fehlerhafte Erinnerungen streiten. „Nein, das war doch ganz anders…“

Eigentlich ist es doch schön, wenn jeden Morgen das Licht des Tages aus den profundesten Gedanken der letzten Nacht Banalitäten macht.

Oliver Kahn gestern, während des Telefonats mit Manuel Neuer: „Mensch, wir haben doch noch den Ulreich, und in der Winterpause geht noch mal das Transfer-Fenster auf. Mensch, Manu, offengestanden ist deine Verletzung für uns kein Beinbruch.“

Satiriker, die moralische Instanzen sein wollen, sind keine Satiriker.

Ich bin ganz kurz davor, einen superkomischen Anwaltswitz mit einem Eid-Otter zu erfinden. Das wird der Hammer!

Ist Kokain mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum Schnee von gestern?

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war das verlässlich ausgezeichnete Rumpsteak im „Hugo“ an der Bundesallee. In die Steaksauce fiel allerdings ein dicker Wermutstropfen: das Restaurant wird zum Jahresende schließen. Ich weiß momentan nicht, was schlimmer ist: wenn einer meiner Ärzte in den Ruhestand geht oder der Inhaber eines meiner Lieblingsrestaurants. Beides schwer verstörend.

Eigentlich ist es doch ganz einfach:

Mein Warntag-Tagebuch:
10:59: Alles ruhig.
11:00: Ich bin alarmiert.
11:01: Die Frisur sitzt.

 

Splitterbrötchen (CMXVI)

Die Erde kann keine Scheibe sein, sonst hätte Carglass sie schon längst ausgetauscht.

Klarsichtigste WM-Analyse:

Satire, die man erklären muss, ist keine.

Schuld sind die deutschen Störe. Solange die stur auf ihrer Verweigerungshaltung beharren, MÜSSEN wir ja russischen Kaviar essen.

Flick scheint doch nicht der Stratege zu sein, für den ich ihn gehalten habe. Der ultimative „smart move“ wäre doch gewesen, nach der Führung durch Costa Rica erstmal jeden Gewinnversuch einzustellen. Solange die Japaner in Führung lagen, wäre Spanien mit in den Abgrund gerissen worden. Also hätten die Spanier sich reinhängen müssen, und wenn sie dann in Führung gelegen hätten, hätte Flick mit einer Last-Minute-Aufholjagd „all in“ gehen und die Sache klar fahren können.

Definitiver Advents-Tweet:

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren äußerst erfreuliche Spaghetti Aglio e Olio im „Casa Nostra„, in das wir diese Woche tatsächlich zum ersten Mal einkehrten, nachdem wir zehn Jahre lang auf dem Weg zur Schloßstraße daran vorbeigelaufen sind. War wohl ein Fehler.

Der Zustand des Feuilletons wird immer bedenklicher, man sieht es an der diese Woche erneuerten Liste der besten Filme aller Zeiten von „Sight and Sounds“. Einen nur einer kleinen Gruppe von Cineasten bekannten Film zum „besten Film aller Zeiten“ zu küren, ist kein politisches Signal (als solches war es wohl intendiert), sondern ein deutliches Zeichen an das Publikum der abstimmenden Kritiker: Ihr seid uns scheißegal, unsere Befindlichkeit und unser Standing in der Peer-Group ist uns wichtiger als unsere Leser. Die Folgen einer solchen Haltung sind bereits sichtbar: selbst treue Leser des Feuilletons wenden sich ab. Der Tagesspiegel hat beim Relaunch die einstmals vielbeachtete „Medien“-Seite gestrichen. Sowas kommt von sowas.

Jedes Land hat die Nationalmannschaft, die es verdient.

Splitterbrötchen (CMXV)

Wenn etwas außerhalb von Twitter kein Skandal ist, dann ist es kein Skandal.

Wenn man von jemandem als „außergewöhnlich kreativ“ bezeichnet wird, ist Vorsicht angebracht. Meistens ist „außergewöhnlich kreativ“ nur eine Umschreibung für „Ich versteh überhaupt nicht, was der Typ macht und find das auch ziemlich doof, aber ich will mal lieber höflich sein.“

Perlen der Dialogkunst: „‚Romeo und Julia‘ ist keine Romanze. Das sind nur zwei dumme Kinder, die am Ende draufgehen.“ (Godfather of Harlem1)

Die Schändlichkeit perfekt analysiert:

Wobei ich selber über mein Desinteresse an diesem Turnier vehement staune.

Was nicht jeder weiß: Man ist nicht auf der Welt, um recht zu haben.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine mit Schafskäse gefüllte Pljeskavica mit delikat-deftigen Bohnen im „Kadena„, das uns in beängstigender Geschwindigkeit ans Herz wächst.

Perlen der Dialogkunst: „Sie wissen ja: Das Rad dreht sich noch, aber der Hamster ist tot.“ (Best Exotic Marigold Hotel)

Zum ersten Mal seit Monaten wieder ein Escape Game gespielt, ein grandioser Spaß, den wir uns hoffentlich in naher Zukunft öfter gönnen werden. „Das Geisterschiff“ kann ich sehr empfehlen: clever und fair konstruierte Rätsel, sehr atmosphärische Kulisse.

Beinahe wurde das Escape Game noch von einer Trouvaille der Berliner Café-Kultur getoppt, als wir anschließend in „Ralf’s Tortenatelier“ entspannten: Klassische Konditorei, die eher in die Richtung von „Mutterns Kuchen“ geht, keine Designer-Törtchen sondern bodenständiger Birnenkuchen, sehr guter Espresso und – vor allen Dingen – ein gesprächs- und blödelbereiter Inhaber, das machte fast so viel Spaß wie das Escape-Game. Schade, dass die Verkehrsanbindung zwischen Friedenau und Schnöselauer Berg suboptimale 60 Minuten Fahrzeit vorsieht, sonst würde ich mich dort täglich einfinden. Trotz des Apostrophs.

Den Gipfel der Schmerzfreiheit erreichte ich, als ich diese Woche auf Facebook dem Drehbuchautor von „Das Wunder von Bern“ den emotionalen Gehalt von Fußballweltmeisterschaften erklärte.

Letztlich sind Infantino und diese Scheichs doch arme Würstchen. Ich meine, hätte Al Capone wegen ein paar bunter Armbinden so einen Aufriss gemacht?

Splitterbrötchen (CMXIV)

Vorsicht! XXL-Ausgabe!

Immer öfter höre ich die Smalltalk-Frage „Arbeiten Sie eigentlich noch?“ Ich mag diese Frage ü-ber-haupt nicht  und lasse bei der Antwort meiner angeborenen Pampigkeit freien Lauf.

Was genau wird am 30.11.2023 exakt um 21:16 mit dem Sauerkraut in diesem Beutel passieren? Ich kann es kaum abwarten!

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war der in den letzten Splitterbrötchen erwähnte, aus den Einkäufen in der Weidelandfarm zusammengeklöppelte Gulasch. Zwischen dem Geschmack dieses Rindfleischs und dem, was unter „Gulasch“ in der Supermarkttheke rumdümpelt, liegen Welten.

Ich verstehe nichts von Kunst, aber ich weiß, was mir gefällt. Jugendstil.

Ist es ein Maulwurf? Ist es eine Blindschleiche? Nein, es ist Fielman!

Im Münster-Tatort war plötzlich Psycho-Tanja aus dem „Letzten Bullen“ zu sehen. Das ist vermutlich diese kulturelle Aneignung, von der jetzt alle reden.

Aus der Abteilung „Lebenslanges Lernen“: „Quafftide“ ist ein englisches Wort aus dem 16. Jahrhundert. Es bedeutet „Zeit für einen Drink!“ Gutes Wort.

Die SPD versucht es jetzt mit schonungsloser Ehrlichkeit:

Menschen, die nicht rechnen können, prügeln auf einen Taschenrechner ein wie auf einen Feind.

Der Mann der Woche:

Perlen der Dialogkunst: „Seine Hoheit haben ihre Feder nie gezügelt.“ Der Privatsekretär der Queen über Edward VII. als Tagebuchschreiber („The Crown“)

Ich habe nie verstanden, warum es in der Berliner Spielbank nicht wenigstens einen Boulette-Tisch gibt.

Ist es nicht ganz bemerkenswert, in welch tiefer Talkshow-Versenkung der Deutsche Ethik-Rat wieder verschwunden ist? Erinnert mich mittlerweile stark an diesen Gutenberg-Editor hier in WordPress: Jeder kennt ihn, keiner will mehr was mit ihm zu tun haben.

Jede Staffel von „The Crown“ hat mindestens eine Folge, die mich total vom Hocker haut. In Staffel 5 ist das Folge 6, „Ipantjew House“.

Splitterbrötchen (CMXIII)

Ich dachte, ich hätte schon alles gesehen, aber dann kam ein künstlicher Weihnachtsbaum mit „True Needle“-Technologie.

Seit zwei Wochen habe ich in verschiedenen Berliner Tageszeitungen verschiedene Artikel über die „Gänse-Krise“ in der Gastronomie gelesen. Die Viecher sind dieses Jahr zu teuer, müssen von der Karte genommen werden, weil die Kunden die teuren Gänse nicht mehr bezahlen können und wollen. Schlimm. Ganz schlimm. Am Freitag wollten die geduldigste, beste Gemahlin von allen und ich in Friedrichshagen vor der Videonnale noch was essen – und schafften eine Tischreservierung erst im dritten Lokal: „Tut uns leid, wir sind bis auf den letzten Platz besetzt, heute ist bei uns Martins-Gans-Essen.“ Die früher mal als „Qualitätsmedien“ bezeichneten Zeitungen dürfen sich über die stetig sinkende Akzeptanz nicht beschweren: Wenn man die Lebensrealität der Leser nicht mehr abbildet, hat man eben weniger Leser.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren fluffige und gleichzeitig knusprige(!) Spinatknödel auf Karotten-Wirsing-Rahm im Landgasthof Rieben, einem sehr empfehlenswerten Ausflugslokal: freundliche, heitere Atmosphäre, kleine (!) Karte, ausgezeichnete bürgerliche Küche und sehr gute (für Brandenburg geradezu  sensationelle) Weinauswahl.

Maximal rücksichtslose Schlagfertigkeit bewies ich diese Woche, als ich die auf Twitter gestellte Frage nach dem besten Song von „The Police“ mit „Lalü-Lala!“ beantwortete.

Falls sich jetzt irgendjemand vollkommen zurecht fragt, wie es uns nach Rieben verschlagen konnte: die „Weidelandfarm“ bzw. deren Hofladen hatte uns angelockt. Die ausgezeichnete, in Gläsern eingeweckte „Bullion“ hat bereits unsere samstagabendliche Bohnensuppe bereichert, der frische „Edelgulasch vom Rind“ könnte heute für den nächsten kulinarischen Wochenhöhepunkt sorgen, im Tiefkühler warten Short-Ribs und dann war da noch ein Glas mit Herz-Ragout… Ich hätte nie für möglich gehalten, dass Rieben soviel aufregendes bereithält.

Samstagabend-Unterhaltung war die FIFA-Doku auf Netflix. Ich kannte das meiste ja schon, aber mal konzentriert dargeboten zu bekommen, was Slippery Sepp und seine Korrumpels so alles durchgezogen haben, erstaunt dann doch wieder. Starke Empfehlung also, trotz kleiner faktischer Unschärfen: Die Mitglieder des Exekutiv-Komitees haben ihre Stimmen meistens nicht verkauft, sondern versteigert.

Ich mag beim derzeit wechselseitig abgenickten Elon-Musk-Bashing nicht mitmachen. Der Mann ist Unternehmer, und man kann ihm nicht vorwerfen, dass er wie einer denkt, nämlich so:

Musk hat mit Twitter eine Firma übernommen, die seit Jahren massive Verluste einfährt. Deshalb verändert er Dinge und nimmt dabei in Kauf, Fehler zu machen. Befremdlich sind nicht Musks – zugegeben möglicherweise verzweifelte – Veränderungsversuche, befremdlich sind User, die darauf bestehen, dass bei einem Verluste schreibenden Gratis-Dienst alles so bleiben soll, wie es ist.

Wenn jemand etwas über Freundschaft erfahren, bestens unterhalten und schwer erschüttert werden will, dann lese er „Mayflies“ von Andrew O’Hagan (skandalöserweise nicht auf deutsch erschienen).