Splitterbrötchen (DCCXIII)

Kultureller Wochenhöhepunkt: eine Hommage an Ulrich Roski im Tipi am Kanzleramt. Was hab ich gelacht, vor allem, als das längst vergessene Wort „Blödelbarde“ fiel. Roski war ein Genie, nichts weniger. Jeder, der nach den 70er Jahren zum Zwecke der Publikumsbelustigung gereimt hat, hat irgendwie bei Roski geklaut.

Bei SpOn eine Headline gelesen, die mich umgehauen hat: „Wie ich es endlich schaffte, meine Wohnung aufzuräumen“ Endlich hab ich begriffen, wie Qualitätsmedien arbeiten.

Kulinarische Offenbarung der Woche: Gebratener Rosenkohl mit gehackten Pistazien und Granatapfelkernen, Superrezept nach Petra Holzapfel. Die unfotografierte Entenkeule, die’s dazu gab, war auch nicht übel.

Vielleicht sollte sich der ein oder andere politische Kommentator mal die Frage stellen, ob es in demokratischem Sinne wirklich sinnvoll und richtig ist, SED-Ergebnisse (95%+)auf Parteitagen grundsätzlich zu bejubeln und Mandatsträgern, die mit knappen Mehrheiten gewählt wurden, ebenso grundsätzlich Schwäche zu unterstellen.

Splitterbrötchen (DCCXII)

Unerhörte Ansage im ICE: „Zur Stabilisierung unserer Pünktlichkeitslinie wurden wir auf die Schnellfahrstcke umgeleitet und werden unseren nächsten Halt 10 Minuten früher erreichen.“

Unerhörte Rede der Verteidigungsministerin, die meinte, dieses Land müsste sich – so ganz generell – militärisch mehr engagieren und eine eigene militärische Strategie auch an entfernten Orten der Erde verfolgen, um den Machtansprüchen anderer Staaten entgegenzutreten. Ich bin komplett anderer Ansicht und halte nichts davon, deutsche Soldaten in die Welt zu schicken, um Tod und Zerstörung in weit entfernte Länder zu exportieren. Auch ist mir nichts von Machtansprüchen anderer Staaten bekannt, denen man militärisch begegnen müsste. Als friedliebender Bürger antworte ich Frau Kramp-Karrenbauer mit einem Habe-Kerkeling-Zitat: „Isch möschte das nischt.“

Den Tweet der Woche schuf Lars Reineke: „Hin und wieder kam es vor, dass die Azteken den Gott der Unbeständigkeit verehrten: Abundzuma.“

Falls jemand wissen möchte, was ich am 9. November vor 30 Jahren gemacht habe… das hab ich schon vor 12 Jahren hier reingeschrieben.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt wäre mein Geburtstagsessen beim Lieblings-Italiener gewesen, Antipasti und Filetto mit Gorgonzola-Sauce, Medium Rare, wie ich‘s am Liebsten esse. Das machen sie dort ganz wunderbar. Doch dann schob sich an diesem Wochenende eine gute, alte Bekannte auf Platz 1…

Früher war nicht alles schlecht, es war nur viel schlimmer.

Noch unerhörter als AKKs säbelrasselnde Hunnenrede finde ich die gleichmütige Zustimmung der Presse zu ihrem bellizistischen Geschwurbel.

Splitterbrötchen (DCCXI)

Nachdenklich machende Meldung im Tagesspiegel: „Frau betäubte Patienten ohne Ausbildung“. Wenn man „Patienten“ durch „Stammgäste“ ersetzt, ist das doch ein ganz normaler Vorgang.

Am Thüringer Wahlabend untergegangen: Höcke erzählt in der ARD, dass die „Parteiendemokratie“ am Ende sei. Und die Moderatorin hakt nicht nach, fragt nicht, widerspricht nicht. Tja.

Schreib ich damit Songs für die Lichtorgel, oder was?

Im Prinzip können nur Menschen aus der Geschichte lernen, die die entsprechenden Ereignisse selbst miterlebt haben. Menschen, denen man „von früher“ erzählt, lernen nix. Man geht ihnen eher auf den Zeiger.

Name für eine Pferdemetzgerei in Wien: Lippizzeria.

DPD kann weder Pakete zustellen noch mit Kunden kommunizieren, so meine Erfahrung. Offenbar besteht der USP dieses Unternehmens ausschließlich in „Scheiße bauen“. Erstaunlich, dass man damit Geld verdienen kann.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Pasta mit Seeteufel und chön charf. In aller Bescheidenheit: Nobody does it better.

Heute sind’s die Smartphones, früher waren’s die Taschenrechner. Hat seinerzeit die Einführung des Abakus eigentlich auch eine kulturelle Erosion ausgelöst?

 

Splitterbrötchen (DCCX)

Auf Facebook entdeckt: „Natürlich ernähre ich mich bewusst. Bewusstlos geht ja nicht.“

Gibt es schöneres Tage als Montag? – Ja. Insgesamt sechs.

„Wir schreiben das Jahr 2191. Der britische Premierminister reist nach Brüssel, um eine Verlängerung des Brexits zu erwirken. Niemand weiß mehr, wie diese Tradition entstanden ist. Trotzdem lockt dieses Spektakel jedes Jahr Scharen von Touristen an.“ Julian Popov auf Twitter.

Schreckliche Qualen durch hartnäckiges Kopfkino, ausgelöst von der BILD-Headline „Penis-Panne bei Giulia Siegel“.

Splitterbrötchen (DCCVIII)

Beim Tagesspiegel sah ich so eine Spontan-Umfrage, ob Girokonten grundsätzlich umsonst sein sollten, oder ob geringe Konto-Gebühren okay sind. 75 Prozent der Teilnehmer waren für grundsätzlich kostenlose Girokonten. Die haben sich damit – in diesen Zeiten – auch für negative Zinsen ausgesprochen.

Wenn wir uns wirklich nicht mehr darauf verständigen können, Werk und Künstler zu trennen, dann war’s das mit der Kultur. Dann können wir auch die Bücher indizieren, die uns derzeit noch genehm sind. Irgendeinen Unsinn wird sie/er schon noch sagen, bevor  der Deckel über ihr/ihm (hier den Namen der/des aktuellen Lieblingsautorin/-autos einsetzen) zuknallt.

Also auch in Florenz: Wagner-Pizza.

Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Hobbykoch Peter Wagner auf SpOn. Aber einen Kochtopf-Test mit dem Lead-In „Im tiefen Tal der Supertöpfe“ zu beginnen, ist wirklich cool.

Zum Werk Peter Handkes hat Thomas Bernhard alles gesagt: „Wenn Handke einen Reiseroman schriebe, würde der Weg von der Haustür zum Gartentor 60 Seiten dauern“ (aus der Erinnerung zitiert)

An der Wand einer Trattoria in Florenz: „Sie können Ihr Bistecca Fiorentina gerne ‚medium‘ oder ‚durchgebraten‘ bestellen. Wir bringen es Ihnen trotzdem ‚blutig‘. Und versuchen Sie gar nicht erst, einen Cappuccino zu bestellen!“

Wer alle Probleme grundsätzlich für lösbar hält, schafft sich Probleme.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Bistecca Fiorentina, vor Ort. Blutig.

Florenz ist übrigens eine der schönsten Städte der Welt.

Splitterbrötchen (DCCVII)

„Wenn man mit Freiwilligkeit nichts erreicht, muss man die Leute eben zwingen.“ Dieses Schild steht an der Autobahn-Auffahrt Richtung Totalitarismus. Demokratie wird niemals irrelevant.

Die Forderung, über eine Person oder ein Thema keine Witze machen zu dürfen, ist grundsätzlich als Aufforderung zu verstehen, darüber sofort einen Witz zu machen. Witzverbote sind Denkverbote.

Eigene Sachen, die man nach Jahrzehnten wieder zu Gesicht bekommt, lehren einen wenigstens Demut.

Spektakuläre Geschäftsidee: „Ihre Kinder sind im besten Trotzalter, und Sie haben zunehmend Probleme, Ruhe und Gelassenheit zu wahren? Kein Problem. Ich schreie Ihre Kinder für Sie an. Anruf genügt!“

Panik ist ein hundsmiserabler Ratgeber. Nur Religionen (also institutionalisierte Panik) sind schlimmer.

Splitterbrötchen (DCCVI)

Ich muss den geschätzten Facebook-Freund Hermann-Josef Fohsel rügen. Bruce Springsteen anlässlich seines 70. Geburtstag als „Mittelstands-Tom Waits“ zu bezeichnen, geht gar nicht.

Vor 9 Jahren, als beinahe die gesamte Führungselite Polens beim Flugzeugabsturz von Smolensk ums Leben kam, hat man es noch als verantwortungslos bezeichnet, wenn wichtige Politiker das gleiche Flugzeug benutzen.

Es gibt keine Veränderung durch Effekt. Nur eine durch Beharrlichkeit.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Unglaublich leckere zwei Gänge in der Brasserie Lamazére, zu denen die beste, geduldigste Gemahlin von allen eingeladen hatte. Ich erfreute mich an Oeufs en cocotte mit Schinken und Käse und gebackenen Kichererbsen mit Käsecreme und grünem Spargel, beides wunderbar ausdrucksvoll im Geschmack und handwerklich perfekt gemacht. Begleitenden Spaß boten ein hervorragender Elsässer Riesling[efn_mote]Notiz: Wieder öfter Elsässer Riesling trinken! Unbedingt[/efn_note] und dem wunderbar runden, harmonischen rotem Hauswein, einem Syrah.

Am meisten in Acht nehmen sollte man sich vor Menschen, die Angst vor einem selber haben.

Die Meldungsüberschrift „Kleinherne für Gasper nachnominiert“ las ich zuerst als: „Kleinhirn an Kasper: Nachlegen!“

Am Freitagmorgen verlangte ich in der Kantine einen Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt. Kommentarlos reichte man mir einen Milchkaffee. 007 wäre das nicht passiert.

Ich muss dem geschätzten Facebook-Freund Hermann-Josef Fohsel gratulieren. Mit der Bezeichnung „Mittelstands-Tom Waits“ für Bruce Spingsteen hat er das Wort der Wocche geliefert. Habe Tränen gelacht.

Splitterbrötchen (DCCV)

Der Regierende Bürgermeister von Berlin hat sich geärgert, dass er noch nie in den Splitterbrötchen aufgetaucht ist. Deshalb hat er sich diese Woche bei Markus Lanz mit dem fantastischen Satz: „Wer glaubt, mit einer Maßnahme ein Problem zu lösen, der wird vor den Schrubber laufen.“ beworben. Die Bewerbung war erfolgreich.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: ein selbstgeklöppelter Hackbraten nach dem Rezept meiner lieben Mutter, mit reichlich vorgedünsteten Zwiebeln. Paprikastreifen und Käsewürfeln in der Hackmasse, mit scharfem Paprikapulver großzügig gewürzt. Das hat viele Erinnerungen hervorgerufen und die Erkenntnis, dass man vor 30 Jahren doch etwas anders gekocht hat als heute. Es schmeckt aber immer noch sehr, sehr gut.

Die kulinarische Entdeckung der Woche verdanke ich mal wieder der besten, geduldigsten Gemahlin von allen, die mir von einer – viel zu langen – Reise nach Leipzig diese Sauce eines kleinen Herstellers mitbrachte. Es handelt sich eher um eine Würzsauce, mit der man andere Saucen ergänzt. Um sie solo übers Essen zu kippen, ist sie schlicht zu dünnflüssig. Und zu scharf, die hat wirklich ordentlich Wumms. Und ein sehr schönes, fruchtiges, an Zinfandel erinnerndes Aroma.

Der Tweet der Woche. Unverzichtbare Information.

Splitterbrötchen (DCCIV)

Die beste deutsche Nr. 10 aller Zeiten wurde gestern 75. Ich bedaure jeden, der ihn nie hat spielen sehen.

Die Fähigkeit zum Selbstzweifel ist die Voraussetzung für den Zweifel an anderen.

Falls irgendein Honk in Ihrem erweiterten Bekanntenkreis mit dem Einwand kommt, die AfD sei gar nicht faschistisch (nur besorgte Bürger, „gäriger Haufen“, was Honks eben so sagen), könnte ein Verweis auf diesen Vorgang hilfreich sein.

Ab einem gewissen Alter versucht man nach Möglichkeit, überflüssige Aufregung zu vermeiden. Das ist der Gesundheit und allgemeinen Lebensqualität durchaus zuträglich. Eine ständig jeden Scheiß skandalisierende Presse signalisiert also der älteren Zielgruppe, dass man auf sie keinen Wert legt.

Die Angewohnheit, Familienzweige anhand ihres Wohnorts zu identifizieren, führt zu Sätzen, die Außenstehende schockieren können, zum Beispiel: „Ach, Hanau ist in Griechenland!“

Natürlich verdanken wir Günter Netzer auch unsterbliche Fußballweisheiten. Mein Favorit: „Die meisten Spiele, die 1:0 ausgingen, wurden gewonnen.“

Splitterbrötchen (DCCIII)

Wer keine Bratkartoffeln mag wird niemals gute machen.

AFD-Wähler sind keine Protestwähler. Es sind Menschen, denen faschistisches Gedankengut akzeptabel erscheint.

Der Tweet der Woche:

„Nur weil alle es machen, musst du es nicht auch tun.“ haben meine Eltern mir vor langer Zeit eingebleut. Mir erscheint dieser Satz heute noch recht sinnvoll. Den deutschen Leit- und Massenmedien öffenbar nicht.

Die kulinarische Entdeckung der Woche machte ich bei Edeka im Kühlregal. Diese scharfe, tomatisierte Ailloli ist sensationell. Wenn ich selber eine Rouille rühre, bin ich froh, wenn sie so schmeckt (keine Werbung, spontane Empfehlung).

Ich bin gottfroh, dass es zwischen, sagen wir mal, 1973 und 1980, weder Internet noch Facebook noch Instagram gegeben hat. Sonst hätte ich jetzt vermutlich arge Probleme.

Der Kleinkrieg, den Frederik Hanssen im Tagesspiegel gegen Daniel Barenboim führt, wird immer bizarrer. Letzte Woche arbeitete Hanssen sich in epischer Breite daran ab, dass Barenboim kurz vor einem Konzert ausgerastet und eine Mitarbeiterin erbost aus seiner Garderobe geworfen hat, die kurz zuvor vorgeschlagen hatte, seinen persönlichen Flügel, eine Spezialanfertigung von Steinway, für eine Veranstaltung außerhalb der Staatsoper zu verleihen. Ist natürlich unfassbar, klar. Äh… Herr Hanssen, wären Sie bereit für ein kleines Experiment? Erzählen wir zum Spaß, sagen wir mal, Anne-Sophie Mutter, dass Sie vorgeschlagen hätten, ihre Stradivari an einen Kindergeburtstag auszuleihen. Und jetzt gehen Sie fünf Minuten vor einem Konzert in Frau Mutters Garderobe. Meinen Sie ernsthaft, dass sie Ihnen dann schnell noch ein Tässchen Tee anbietet, Ihnen geduldig erklärt, warum man manche Dinge verleiht und manche nicht, und dann aufs Podium eilt?