Splitterbrötchen (DCCCXXXV)

Ich habe seit Beginn der ganzen Corona-Geschichte haargenau einmal Werbung für das Ergreifen von Berufen in der Pflege gesehen. Das beunruhigt mich sehr. Schon jetzt halten viele Menschen in diesen Berufen nur noch aus Pflichtbewusstsein durch. Wenn das Schlimmste überstanden ist1, wird es einen riesigen Exodus aus diesen Berufen geben, weil die Menschen nicht mehr können und wollen. Man hätte schon längst mit entsprechenden Programmen beginnen müssen: Arbeitsbedingungen verbessern, Löhne deutlich erhöhen, um Nachwuchs werben. So wie’s ausschaut wird Katastrophe auf Katastrophe folgen.

„Uns erreichen viele Nachrichten aufgrund eines Videos, das einen Kollegen bei einem vermeintlichen Handschlag mit einem Aufzugsteilnehmer zeigt. Nach Rücksprache mit dem Beamten, ergriff der Versammlungsteilnehmer nach einem Gespräch dessen Hand und streckte sie in die Höhe.“, twitterte die Stuttgarter Polizei nach der Querdenkerdemo. Soso.

„Auf keinen Fall habe ich ihm einen Kinnhaken versetzt, Herr Polizeiobermeister. Er hat niederträchtigerweise sein Kinn auf meine zufällig geballte Faust geschmettert!“

Prince Philip ist tot. Ich war und bin sein größter Fan.

Forderungen „an die Politik“ nach Twitter zu posten ist natürlich eine hochintelligente Vorgehensweise, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. So klappt’s bestimmt!

Im hervorragenden Nachruf des Guardian auf Prince Philip fand ich einen grenzüberschreitenden One-Liner seiner Hoheit, den ich tatsächlich noch nicht kannte.

“Do you know they have eating dogs for the anorexic now?” (to a blind Exeter woman with a guide dog during a royal tour)

Falls jemand – wie ich – jetzt schon anfängt, darüber nachzudenken, welche Partei im Herbst noch wählbar sein könnte2: Wenn die Grünen sich mit ihrer Keine-Gentechnik-Politik durchgesetzt hätten, hätten wir jetzt keinen Impfstoff gegen Corona.

Unter anderem war und bin ich der größte Fan des Duke of Edinburgh, weil er nicht nur austeilen, sondern auch einstecken konnte:

„Prinz Philip blickte dem dekorierten Admiral auf die geschmückte Brust, es war 1968, das Königspaar besuchte Brasilien. Nachdem er lange genug auf die Auszeichnungen geschaut hatte, fragte er den Admiral, ob dieser all die schönen Orden auf dem künstlichen See der Hauptstadt Brasília erworben habe. Philip liebte es, Menschen aus der Reserve zu locken. Der brasilianische Admiral hätte beleidigt sein können, er hätte patzig antworten können oder gar nicht. Der Admiral aber sagte: ‚Ja, Sir. Nicht durch Heirat.'“ (aus der SZ)

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war wunderbarer weißer Spargel, ganz klassisch mit Kartoffeln, Schinken und zerlassener Butter. Die Grie Soß, die es anderntags zum gekochten Rindfleisch gab, musste sich knapp geschlagen geben.

Nachhaltig verärgert wurde ich durch den oberflächlichen Umgang der ARD mit Prince Philips Ableben. Zu nachtschlafener Stunde gab’s 30 vorproduzierte Minuten vom Ober-Hof-Schleimer Seelmann-Eggebrecht. Angemessen wäre gewesen, zur Primetime die Idioten von den Philharmonikern was von diesem verdammten Beethoven spielen zu lassen.

Brüllkomischer Lichtblick: die amazon-Serie „Truth Seekers“ mit Nick Frost, Simon Pegg und Malcom McDowell. Ghostbusters unter britischen Elektro-Installateuren.

Splitterbrötchen (DCCCXXXIV)

Gebbi Gibson auf Twitter: „AstraZeneca heißt jetzt Vaxzevria. Sie brauchten einen Neuanfang, das Vertrauen war weg. Der Ministerpräsident von NRW, Vaxim Lascheria, begrüßt den Schritt.“

Ich misstraue grundsätzlich allen Menschen, die in ihrer Kindheit NICHT Indianerhäuptling werden wollten.

Wer hätte denn gedacht, dass es ausgerechnet Oberfranken sein würde, das der Digitalisierung einen gewaltigen Schub mitgibt?

Es ist nur eine Frage derzeit, bis einem der üblichen Twitter-Verdächtigen auffällt, dass die Mainzelmännchen überhaupt nicht divers sind. Und wie lange der Hessische Rundfunk mit seinem als Seehund getarntem alten weißen Mann namens Onkel Otto durchkommt, weiß zur Zeit niemand.

Sollte der Rechteinhaber dieses Gedichts (es hängt in einer Einfahrt in der Schildhornstr.) eine Übersetzung in andere Sprachen in Erwägung ziehen, kommen vielfältige Probleme auf ihn zu. Reicht es aus, wenn der Übersetzer einen kleinbürgerlichen Hintergrund hat, oder ist auch eine gewisse Untertanenmentalität nötig (und nachzuweisen), um den „spirit“ des Gedichts zu treffen? Recht wahrscheinlich ist, dass das Gedicht in einer stillen Stunde von einem Gebäudelogistiker (früher: Hausmeister) verfasst wurde. Muss der Übersetzer ebenfalls Hausmeister sein, käme auch ein anverwandter Immobilienberuf in Frage oder darf es ausnahmsweise mal wieder ein professioneller Übersetzer sein? Oder ist man erst auf der sicheren Seite, wenn man ein Übersetzerteam aus einem Hausmeister. dem Leiter einer Bürgerwehr und einem welterfahrenen Schrebergärtner, der in der Schule mal ein Gedicht auswendig gelernt hat, zusammenstellt?

Wieso Aqua? Es heißt Emma! Emma Peel!

Dank „Last One Laughing“ weiß ich jetzt, dass ein einziger Ton auf einer Blockflöte Kurt Krömer total zerstören kann.

Zum Vergleich:
„SPIEGEL-Reporter vor Ort beobachteten, wie massiv die Polizei von Beginn an auftrat. Dem Demonstrationszug stellten sich sehr schnell mehrere Wasserwerfer entgegen, zugleich wurden Zugriffseinheiten der Bereitschaftspolizei zusammengezogen. Zwar legten zahlreiche Autonome ihre Vermummungen nach entsprechender Aufforderung der Einsatzkräfte ab. Jedoch kamen nicht alle Maskierten dem nach. Daraufhin rückte die Staatsmacht überaus robust vor. Autonome und Protestierer flüchteten teilweise panisch vor den Beamten, es gab Verletzte, Flaschen flogen, die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein.“
„Am #Marienplatz haben sich mehrere Hundert Versammlungsteilnehmer friedlich eingefunden. Versammlungsauflagen hinsichtlich des Tragens von Masken und dem Einhalten von Abständen, werden größtenteils nicht eingehalten. Wir weisen die Teilnehmer auf die Einhaltung hin. #s0304

„Zweiklassen-Medizin!“ schimpfte Dr. Heinz Oehl-Voss darüber, dass die Kassenarzt-Praxen zuerst mit Impfstoff beliefert werden. Was macht der Mann nochmal beruflich? Präsident des Privatärztlichen Bundesverbandes? Ach so.

René Descartes kommt in eine Bar. Der Barkeeper fragt ihn: „Wissen Sie schon, was sie trinken wollen?“ Descartes antwortet; „Ich denke nicht…“ Und fällt tot vom Hocker.
Ja, über sowas kann ich lachen. Ohne Ende.

Mit den meisten Kreditkarten kann man mittlerweile sehr einfach die eigene Identität erfahren, überprüfen und bestätigen lassen. Das erfolgreiche Abschließen eines Bezahlvorgangs gestaltet sich allerdings oft deutlich schwieriger.

Da es sinnfrei ist, wohlschmeckendes, aber in Warmhalte-Behältern geliefertes Essen zu fotografieren, bleibt der kulinarische Wochenhöhepunkt unbebildert, eine mediterrane Vorspeisenplatte und einmal Kalbsleber mit getrüffeltem Kartoffelpüree  (efn_note] Die geduldigste, beste Gemahlin von allen gönnte sich eine Kaninchenkeule.[/efn_note]vom „La Casserole“ in Steglitz. Ganz köstlich.

Manche Firmen tun wirklich ALLES, um in die Splitterbrötchen zu kommen. Zum Beispiel Fa. Lidl. Drucken knallig „Vorratspackung“ auf die Tüte mit den Espresso-Pads. In den Tüten mit den anderen Kaffee-Sorten sind natürlich jeweils 4 Pads mehr.

Die Donnerstags-Sendung von Markus Lanz (Kretschmer, Brinkmann) verdeutlichte einmal mehr einen der Gründe, warum es bei der Pandemie-Bekämpfung hakt: Politiker orientieren sich grundsätzlich am dümmsten Teil der Bevölkerung1, und Experten können das nicht verstehen.

Jetzt kann ich nicht mehr anders. Jetzt bin ich Danger-Dan-Fan.

Splitterbrötchen (DCCCXXXIII)

Auf Sicht zu fahren ist ja an sich eine gute Option. Bei dichtem Nebel und Sichtweite bis zur vorderen Stoßstange ist Anhalten jedoch die bessere Möglichkeit.

Muss … G5 … aktivieren… Muss … G5 … aktivieren…

Muss … G5 … aktivieren… Muss … G5 … aktivieren…

G5 aktiviert! Ich erwarte Ihre Befehle, Mr. Gates!

Gerade in der Steglitzer Bismarckstraße an einem Geschäft „Kosmetik und Nägel“ vorbeigekommen. Ich glaube nicht, dass dieses Geschäftskonzept aufgeht. Heimwerker, die Nägel benötigen, interessieren sich meist nicht für Kosmetik.

Irgendwann muss einmal Schluss sein mit diesem „Waren wir nicht alle schlecht in Mathe, hö, hö, hö?“-Kokettieren. Wenn der Bevölkerung und vor allen Dingen die Führungselite1 in der Schule das Rechnen mit großen Zahlen nähergebracht worden wäre, würde man sich mit der Pandemiebekämpfung deutlich leichter tun.

Tipp für hartgesottene Foodies: In den uralten Maigret-Hörspielen mit Paul Dahlke (u.a. in der ARD-Audiothek) geht die Post ab. „Bringen Sie mir die Hammelkeule. Vorher ein paar Muscheln. Und eine anständige Hors d’oeuvre-Platte, ich muss vorsorgen!“

Das Böllerverbot an Ostern ist Unsinn. Auch aus epidemiologischer Sicht.

Und endlich wieder ein heißersehnter Beitrag für meine mega-erfolgreiche Bilderserie „Die beste, geduldigste Gemahlin von alle fotografiert Dinge“. Heute: farbenfrohe Frühlingsblumen.

Anfang der Woche fühlte ich mich an diesen typischen Moment auf einer Theaterprobe erinnert, wenn der Regisseur einen Vorschlag macht, und die Schauspieler sich erstmal entgeistert angucken, bevor sie ihn widerwillig ausführen. Tja.

Natürlich hatte Hermann Höcherl recht: Man kann nicht immer mit dem Grundgesetz unterm Arm rumlaufen. Aber vielleicht sollte Frau Merkel doch mal wieder in Artikel 65 schauen und den Satz „Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik…“ durchlesen, bevor sie sich wieder stundenlang mit ihren naughty boys and girls darüber kabbelt, ob Camping in Meckpomm jetzt das Pandemie-Ding ist oder nicht.

Im Impfzentrum hatten übrigens fast alle Mitarbeiter, mit denen ich zu tun bekam, einen Migrationshintergrund. Sie sprachen natürlich alle sehr gut deutsch, waren kompetent, höflich, freundlich bis zur Herzlichkeit und extrem professionell. Dass wir ohne diese Menschen komplett aufgeschmissen wären, sollte auch Einwanderungskritikern – oder wie diese Klappspaten sich aktuell nennen – mittlerweile dämmern.

Ansonsten habe ich bezüglich Pandemie dem, was Herr Kaltenbach sagt, nichts hinzuzufügen.

Und immer die Kunstfreiheit im Blick halten!

 

Splitterbrötchen (DCCCXXXII)

Ich kann mich nicht erinnern, das Tun einer Bundesregierung jemals mit größerer Verdrossenheit verfolgt zu haben.

Was nicht jeder weiß: Man kann Brote mit vegetarischem Aufstrich durch eine pfiffige Rohschinken-Garnitur optisch und geschmacklich aufwerten.

Es gibt keinen Grund, mit Nebeneinkünften von Parlamentariern anders zu verfahren als mit den Nebeneinkünften von Hartz-IV-Empfängern.

Gesellschaftlicher Wochenhöhepunkt war der Überraschungs-Anruf einer lieben Kollegin, mit der ich vor 40(!) Jahren zusammen Theater gespielt habe. Riesenfreude, in diesen Zeiten an die alten Zeiten denken zu dürfen.

„Was planen Sie als nächstes, Uwe Boll?“ – „Ich werde einen Rapsölfilm drehen, über einen Killer-Matjes, der sie alle fertig macht. Auf nordische Art!“

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Karl Lauterbach sich beim Betreten des Studios, in dem „Markus Lanz“ aufgezeichnet wird, selbst begegnet.

Seit Donnerstag erhalte ich 3-4 Anrufe täglich mit der „Hello, I’m calling from Microsoft“-Masche. Anscheinend hat die Bundesregierung die Inzidenz an die Telefonbetrüger gekoppelt.

MaGeLaNe machte mich auf Twitter nachdenklich: „Was macht ihr eigentlich mit der weißen Kugel, nachdem man den Mozzarella getrunken hat?“

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Karls sensationelle Kässpätzle.

Ich weiß gerade nicht mehr, was mich mehr verwundert: Die Mitbürger, die sich einen Dreck um die verordneten Corona-Maßnahmen scheren, oder die Politiker, die sich einen Dreck darum scheren, dass immer mehr Leute sich einen Dreck um ihre Verordnungen scheren.

Das Lied zur Zeit:

 

 

Splitterbrötchen (DCCCXXXI)

Merkel hört auf, Löw hört auf, Bohlen hört auf… Wollten die sich alle nicht chippen lassen, oder warum tauscht Bill Gates gerade die ganze Führungsriege aus?

Die Tatsache der Woche lieferte Stephanie K. auf Twitter: „Der letzte deutsche Offizielle, der einen Beschluss zügig umgesetzt hat, war Günter Schabowski.“

Der taz ist mal wieder ein Vogel in Archäopteryx-Größe vor die Flinte gekommen:

Die BILD hingegen schreibt, dass Tim Toupet einen Geheimplan hat, um den Ballermann zu retten. Irgendwer verliert gerade den Kontakt zur Realität.

Was nicht jeder weiß: Man kann durchaus weniger Fleisch essen, wenn man stattdessen pro 100g weggelassenem Fleisch mindestens 0,25l Wein trinkt. Weil man sich nicht mehr daran erinnert, was man gegessen hat, vermisst man das Fleisch überhaupt nicht.

Die Bildunterschrift der Woche gelang der Berliner Morgenpost unter diesem Artikelfoto. Plötzlich war alles einfach und klar.

Am Montag stolperte ich über ein englisches Wort, dass mir unbekannt war. Als ich es nachschlug, stellte ich erfreut fest, dass es mich perfekt einordnet. I’m proud to be an ultracrepidarian!

Franz Josef Göbel ist gestorben. Die Stadtklause, eine der angenehmsten Kneipen Berlins, hat Herz und Seele verloren.

Ein Handwerker bezeichnete den an der Wand hinter meinem Schreibtisch hängenden „Wilson T 2000“ 1 als „Federballschläger“. Meine Berichtigung, dass es sich um das Tennisschläger-Modell handelt, das Jimmy Connors jahrelang gespielt hat, ließ ihn kalt. Als ich jedoch „Das war mal der teuerste Tennisschläger der Welt“ nachschob, hatte ich seine volle Aufmerksamkeit.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein ausgezeichnetes Couscous mit Merguez aus dem La Casserole in Steglitz. Französisches Essen am Hochzeitstag genießen wir sonst direkt vor Ort, in Paris… ach, nächstes Jahr!

Ich würde sofort ein Wasserbett kaufen, wenn einmal im Jahr Captain Jack Sparrow käme, um das Teil zu warten.

Am Freitagabend entsetzt beobachtet, wie ein Isländer Wiener Walzer getanzt hat. War das jetzt „nur“ ekelerregende kulturelle Aneignung oder schon flagranter Rassismus?

Und dem nächsten, der mir mitteilt, dass wir in bewegten Zeiten leben, gewähre ich gern Einblick in die Mündungsrohre meiner Pumpgun.

Die Abstandsregeln funktionieren übrigens sehr gut. Ich habe das erste Jahr meines Lebens ohne Erkrankung der Atemwege hinter mich gebracht. Vermutlich werde ich mich jetzt, kaum dass ich das geschrieben habe, irgendwie erkälten.

Splitterbrötchen (DCCCXXX)

Hierzulande ist derzeit der Datenschutz an allem Schuld: an der dysfunktionalen Corona-Warn-App, an vom Familienministerium gestoppten Studien, an der Impferei im Schneckentempo… Ist es nicht ein bisschen verwunderlich, dass sich Politiker in anderen EU-Ländern nicht bzw. deutlich weniger lautstark deswegen beschweren? Da gilt doch die gleiche DSGVO wie hier. Kann es etwa daran liegen, dass hierzulande Politiker den Datenschutz als wohlfeilen Sündenbock benutzen und unsere Qualitätsjournalisten ihnen das durchgehen lassen, weil sie selber überhaupt nichts über den Datenschutz wissen? Nein. Das wäre ja vollkommen absurd.

Die Berliner kassenärztliche Vereinigung startet nächste Woche ein „Pilotprojekt“, bei dem 100 Berliner Arztpraxen probehalber gegen Corona impfen sollen. Ich weiß wirklich nicht, was da geprobt werden soll. Ich bin seit 40 Jahren regelmäßig in Berliner Arztpraxen geimpft worden, ich denke, die können das inzwischen ganz gut. Aber was sag ich? Hierzustadts veranstaltet man ja auch Pilotprojekte, wenn Lehrer E-Mails verschicken sollen.

Alles, wofür man sich ein Leben lang schämt, fing mal als gute Idee an.

Ein Whisky-Versender offerierte mir den ersten Werder-Bremen-Fan-Single-Malt. Man sollte den FC Bayern nicht auf Ideen bringen. Hinterher kaufen Sie noch Schottland, nur um die Konkurrenz zu schwächen.

Gelassenheit und Bräsigkeit sind benachbarte Ortschaften.

Und er hörte sich Willie Nelsons neues Album1 an. Und er fand, dass die Musik seine Laune beträchtlich hob.

Ausgerechnet Ronald Reagan hat 1988 die 33 Jahre später stattfindende deutsche Corona-Impfkampagne treffend zusammengefasst: „Die zehn furchterregendsten Wörter … sind: ‚Hi, ich bin von der Regierung und komme, um Ihnen zu helfen!'“

Für den Twitter-Brüller der Woche sorgte die ZDF heute-show: „Spahn und #Scheuer sollen zusammen die „#Taskforce Testlogistik“ leiten. Als würde man der sinkenden Titanic die brennende Hindenburg zur Unterstützung schicken.“

Aus gegebenem, traurigen Anlass möchte ich an einen der frühesten Texte auf dieser Seite erinnern: Chris Barbers kurze Gardinenpredigt 

Bei der Bavaria plant man ein Remake von „Raumpatrouille“. Das wirft natürlich Fragen auf: Spielt Til Schweiger McLane, oder sieht man bei der Bavaria ein, dass er zu alt ist? Moritz Bleibtreu wäre mein Favorit als Oberst Villa, Michael Brandner MUSS General Wamsler spielen, aber mit wem besetzen wir Spring-Brauner, die Natter?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war der Poseidon-Teller (Allerlei lecker Fischzeugs mit Reis und unfotografierter Cocktailsauce) von der Taverna Achilles.

Fun Fact: Je länger der Lockdown dauert, desto länger werden die Splitterbrötchen.

Splitterbrötchen (DCCCXXVIII)

Wer intelligente Menschen über einen längeren Zeitraum wie kleine Kinder behandelt, verliert ihren Respekt.

Auch ein Baum kann mal die Schnauze voll haben.

Jetzt wird es offenbar: Ex-Assistenz-Trainer Flick hat diese ganzen Titel nur gewonnen, um uns arglosen Fans Sand in die Augen zu streuen und seine Erfolglosigkeit zu kaschieren.

Wir sind schon lange nicht mehr das moderne, effiziente Land, für das wir uns halten. Wir sind ein mutloser, in Scheindebatten verliebter Haufen, der allem Neuen grundsätzlich misstraut.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine selbstgeklöppelte klassische Rindsroulade an gefälligem Selleriepüree.

Und endlich ein neuer Beitrag für meine beliebte Serie: „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“. Heute: Schneeglöckchen.

 

Splitterbrötchen (DCCCXXVII)

Die Frage der Woche: Darf man etwas essen, dass in der Lage ist, Emails zu verschicken?

Damit hat die Bahn mal Werbung gemacht. Man hat übrigens damals tatsächlich die Bahn genommen, wenn man bei zweifelhaftem Wetter pünktlich irgendwo ankommen musste.

Zwei kulinarische Wochenhöhepunkte: ein dahinimprovisiertes Mittagessen, in Gänseschmalz langsam gebratene, mit Knoblauch vollendete Bratkartoffeln, also Sarladaises ohne Petersilie. Die Petersilie hab ich nicht vermisst. Außerdem soll man ja Dickmacher weglassen.

Numero 2: Frutti di Mare aus der Trattoria Sicilia mit einem Fläschchen Malamatina aus dem Kühlschrank.

Filmidee: Ein Flugzeug voller linksliberaler Aktivisten stürzt auf dem Weg zu einem internationalen Kongress ab. Ein verrückter Wissenschaftler, der zufällig neben der Absturzstelle lebt, baut in seinem Labor aus den Leichenteilen ein Monster und erweckt es zum Leben. Das Monster kritisiert ihn in einem fort, Fordert ihn auf, seine Privilegien zu checken und will ihn zum Gendern zwingen. Entnervt wirft er das Monster raus, das sich auf den Weg ins benachbarte Dorf macht und dort den Einwohnern so lange auf den Zeiger geht, bis sie es mit Fackeln und Mistgabeln davon jagen. Dass Monster flüchtet zurück ins Schloss, die Dörfler zünden das Schloss an, Wissenschaftler und Monster kommen um und die Dorfbewohner feiern ihren Sieg. Arbeitstitel: „Wokenstein“

Große Sorge um Karl Lauterbach: Der Lockdown wird verlängert und er ist weder bei Maischberger noch bei Markus Lanz- Wurde er am Ende von Corona-Leugnern entführt und mit einer Überdosis Salzletten vergiftet, so dass er nun geistig verwirrt Lockerungen fordert?

Man soll ja grundsätzlich bargeldlos waschen. Geldwäsche ist verboten.

Wirklich, Fa. Groupon? „Zeig lokalen Anbietern deine Liebe zum Valentinstag“? Was wird meine Frau dazu sagen?

Die allgemeine Konzentration auf die Inzidenz-Zahlen finde ich fatal, „35 ist das neue 50“ geradezu idiotisch. Wir waren schon viel weiter runter als 35 und trotzdem fingen die Infektionen wieder an, exponentiell zu wachsen. Solange nicht analysiert wurde, was da schief gelaufen ist, und keine Maßnahmen getroffen wurden, um eine Wiederholung zu verhindern, können wir die Zahlen drücken, wie wir wollen, ohne die dritte Welle zu vermeiden.

Interessante Info aus einem Tagesspiegel-Interview mit Katja Langen-Müller: „Aufgefallen ist mir, dass die Friedhöfe jetzt übervölkert sind. Das illegale bis halb legale Leben hat sich dahin verlagert. Da werden Sixpacks Bier hingeschleppt, die Junkies haben sich dahin verkrümelt, auf Friedhöfen ist richtig was los! Mehr Lebende als Tote, die attraktivste Location im Moment.“

Splitterbrötchen (DCCCXXVI)

Hartnäckig bietet Fa. Groupon mir seit mehrere Tagen Gratis-Hundefutter an. Ich warte ungeduldig darauf, dass sie endlich versuchen, mir den dazugehörigen Hund anzudrehen.

Was nicht jeder weiß: Cleopatra war zeitlich weiter vom Bau der Pyramiden entfernt als vom Launch des iPhones.

Als die Kanzlerin am Dienstagabend ein Sonder-Interview übertragen ließ, wollte sie nur mal testen, ob wir noch aufpassen.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine bei der Kaltmamsell aufgeschnappte Wirsing-Linsen-Lasagne nach diesem Rezept. Das war eine ganz wunderbare Deftigkeit. Was mich überrascht hat: Wie schön die Ricotta-Kruste aufgegangen ist, obwohl die Eiweiße nicht steifgeschlagen wurden.

Hätte nicht jemandem auffallen müssen, dass „Die Pfeifen nach Brüssel wegloben, wo sie keinen Schaden anrichten können.“ und „Europa stärken.“ zwei Strategien sind, die nicht ganz zueinander passen?

Der Lockdown hinterlässt Spuren. Selbst die größten Schweiger im erweiterten Bekanntenkreis wollen jetzt chatten.

„Gibt es eigentlich eine Bezeichnung für Blitzeis, das sich langsam aufbaut. So normal?“
„Glatteis?“
„Ja, genau, das. Danke.“

Im Tagesspiegel stand ein Interview mit Kulturmensch Peter Raue. Darin brachte er knapp und klar die Bedeutung der Kultur für seinen sinnvollen, geregelten Tagesablauf zum Ausdruck: „Es beginnt normalerweise ja eigentlich schon morgens, wenn ich aufstehe. Da weiß ich, heute Abend gehe ich in die Premiere oder ins Konzert. So gehe ich in den Tag hinein. Der Tag ist für mich spannungsgeladener, weil der Abend ins Haus steht.“

Wie gut das tut, abends etwas vorzuhaben, worauf man sich tagsüber freuen kann, haben wir diese Woche endlich mal wieder erfahren: wir hatten uns ein Ticket für eine via Zoom veranstaltete Show mit Salonzauberer Axel Hecklau geleistet, das war ein Riesenspaß. Und beinahe wie Theater.

Khedira verpflichten? Sensationelle Idee! Hertha BSC besinnt sich auf die Vereinstradition und bringt blitzsauber den legendären 83er Bohnhof-Move. Ich bin be-gei-stert!

In zwei Lanz-Talkshows hintereinander war Karl Lauterbach nicht unter den Gästen. Geht’s ihm nicht gut? Muss ich mir Sorgen machen?

Du erträgst keine abweichenden Meinungen, hast Probleme beim Herstellen eigentlich einfacher Zusammenhänge, definierst dich über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und hast eine Lunte so kurz wie ein Fliegen-Schnurrhaar? Dann hast du vermutlich einige tausend Follower auf Twitter.

Einen Vogel in Archäopteryx-Größe hat diese Woche der Tagesspiegel abgeschossen: „Janine Kunze ist der Beweis dafür, dass auch Frauen alte weiße Männer sein können.“

Christopher Plummer ist gestorben. Er war mitverantwortlich für eine schlimme kulturelle Traumatisierung meinerseits. In Star Trek VI hat er aber alles wieder gut gemacht.

Ein Politiker muss um Himmelswillen nicht „volksnah“ sein. Aber die maximale Distanz zum regierten Bürger einnehmen, das kann nicht gutgehen.

Interessante Frage: Kann man ein ganzes Volk retten? Vor einem Virus? Vor sich selbst? Ich habe Zweifel, dass das geht.

Folgen der Pandemie: Unser Chili- und Knoblauchverbrauch ist – wg. Kontaktbeschränkungen – exponentiell angestiegen. Das wird ein harter Entzug, wenn wir wieder unter Menschen dürfen. Aber Durchblutungsstörungen dürften auf Jahrzehnte hinaus kein Thema mehr sein.

Ich bin immer wieder sehr dankbar, wenn jemand mich nicht auffordert, ihm beim Einrennen offener Türen zuzusehen.

 

Splitterbrötchen (DCCCXXV)

Und wieder haben wir vom Drecks-Virus ein Stück Zivilisation zurückerobert: Die beste, geduldigste Gemahlin von allen hat mir die Haare geschnitten. Ich bin ein neuer Mensch!

Wenn jemand die aktuellen Einschränkungen (kein Shopping, kein Kino, kein Theater, keine Reisen, meistens Zuhause bleiben, keine Perspektive) als unzumutbar empfindet: Genau das mutet dieser Staat Menschen in Not zu. Man nennt es Hartz IV.

Was nicht jeder weiß: Die nordhessische Sensationsspezialität „Weckewerk1 kann „nach Bürgermeisterart“ zubereitet werden, d.h. bis zu starker Knusprigkeit gebraten (oder „angebrannt“ wie übersensible Nicht-Nordhessen sagen würden). Die Bezeichnung „Bürgermeisterart“ geht auf einen ehemaligen Oberbürgermeister Kassels zurück, der diese Zubereitungsart schätzte. Sein Name war Philipp Scheidemann.

Menschen in Gruppen einteilen, diese gegeneinander ausspielen und davon profitieren – das ist das typische Handlungsmuster der Antagonisten in Karl-May-Romanen. Lagerdenken ausnutzen ist heutzutage immer noch ein funktionierendes Geschäftsmodell. Es lesen zu wenig Menschen Karl May.

Wir Verbrecher gehen eben mit der Zeit.

Wenn jemand „den Staat“ oder „die Gesellschaft“ für etwas verantwortlich macht, muss er sich fragen lassen, ob er den Sachverhalt wirklich ganz zu Ende gedacht hat.

Ein Feinkost-Versand bescherte mir die Leseherausforderung der Woche: Porzellansenflöffel. Für norddeutsche Mitleser besonders schwer zu decodieren.

Der WDR will „Mord mit Aussicht“ mit neuen Hauptdarstellern fortsetzen. Ich habe Zweifel. Fremde in Hengasch, wie soll das gehen? Mann, Mann, Mann…

Im Wettbewerb „bester Käsebegleiter“ ist Quittenmarmelade nebst Quittengelee diese Woche knapp an Feigensenf vorbeigezogen. Bin gespannt, ob die Quitte2 diese Position halten kann.

Kathrin Passig hat den Satz „Je Türenknall, desto wiederkomm“ geprägt, der mich an einen der ersten Theaterkräche (von vielen) meines Lebens erinnert: „Ich gehe! Du lässt mir ja keine andere Wahl, ich gehe! Am ersten Probentag GEHE ICH!“ – „Bring mir eine Leberkäs-Semmel mit.“

Der kulinarische Wochenhöhepunkt stand schon kurz nach Erscheinen der letzten Splitterbrötchen auf dem Tisch: butterzarter, aromatischer Tafelspitz (Danke, Herr Benser!) mit Spinat und Meerrettichsauce.

Bei Maybritt Illner stimmten am Donnerstagabend der deutsche Wirtschaftsminister und der FDP-Vorsitzende Daniel-Cohn-Bendit mehrfach ausdrücklich zu und betonten, mit ihm vollkommen einer Meinung zu sein. Gottseidank hat mir das niemand in den 70er Jahren vorausgesagt. Ich hätte meine ganze Lebensplanung auf den Sieg einer sozialistischen Revolution ausgerichtet.

Sublimes Vergnügen: Bei einer Online-Weinprobe den Ton abstellen.

Heribert Prantl hat mit diesem Text sehr, sehr recht: Nur die Grundrechte sind alternativlos. 

So viele kreative Menschen sind doch eher produktiv.