Splitterbrötchen (DCCXXXIII)

Fußball fehlt. Sehr. Nicht nur die Spiele, auch die Geschichten, die der Sport nebenbei schreibt und die einen über Wochen und Monate beschäftigen.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Der zweite weiße Spargel des Jahres1, klassisch serviert mit Schinken, neuen Kartoffeln und zerlassener Butter, dazu einen muskulösen Silvaner vom Gustavshof, da war eine Mahlzeit lang richtig Frühling.

Ich bin von der werbenden Industrie schwer enttäuscht. Warum erfahren wir nicht, wie die ulkigen Schnääpchen-Familien von Check 24 die Corona-Krise meistern?

Lassen Sie sich nicht einreden, dass das Virus an der Wirtschaftskrise schuld ist, durch die wir jetzt durch müssen. Es war nicht das Virus, es waren die Privatisierer und Optimierer, die uns in diese Scheiße geritten haben.

Immerhin, das Eingeschlossensein macht einen auch kreativ. Mir zum Beispiel ist diese Woche ein Serienkonzept eingefallen, das mir einen Platz in der TV-Geschichte sichern wird. Arbeitstitel „The Elvis Files“. Wie wir – nicht erst seit dem Film „Elvis & Nixon“ -wissen, wurde Elvis Presley 1970 von Präsident Nixon zum Agenten der Drogenfahndung gemacht. In den darauffolgenden Jahren feierte Elvis als Undercover-Agent auf diesem Gebiet große Erfolge und führte mehrere vernichtende Schläge gegen die Drogenmafia. Die schlug 1977 zurück und verübte ein Attentat auf Elvis in Graceland, dem jedoch nicht der King sondern eins seiner zahlreichen Doubles zum Opfer fiel. Der King beschloss, dieses Attentat als Chance zu begreifen und inszenierte seinen eigenen Tod, um sich fortan ganz der Tätigkeit als Agent widmen und den Vorteil ausnutzen zu können, dass alle Welt ihn für tot hielt. Die Folgen der Serie erzählen – in jeweils abgeschlossenen Handlungen – von Elvis‘ Abenteuern als Agent. Dabei werden die Folgen thematisch passend mit Elvis-Songs betitelt, z. B. „The Elvis Files: Heartbreak Hotel“ (Elvis entschärft eine „Honigfalle“) „The Elvis Files: Hound Dog“ (Elvis sprengt gemeinsam mit einem Drogenspürhund ein Kokain-Kartell) oder „The Elvis Files: Suspicious Minds“ (Elvis gerät fälschlich unter Verdacht, ein Doppelagent zu ein). Welt-Idee!

Das Virus bringt es an den Tag: Die uralte Feindschaft zwischen Stadt- und Landbevölkerung blüht, wächst und gedeiht auch noch im 21. Jahrhundert. Beim Lesen dieses Artikels standen mir einige Erlebnisse meine Jugendzeit wieder deutlich vor Augen: Dass man als Junge aus der Kleinstadt auf dem Dorf immer auf der Hut sein musste. Wenn gerade kein „Großer“ hinguckte, gab’s Dresche, nicht zu knapp. Und auf den Fußballfeldern fanden zwischen den Jugendmannschaften regelrechte Schlachten statt. In nordhessischen Dörfern wusste man, wie man Stollen scharfkantig schleift.

Man stelle sich vor: Irgendwann gestatten die Regierungen uns, wieder hinaus zu gehen. Und dann bleiben wir trotzdem zuhause!

Splitterbrötchen (DCCXXXII)

Es ist deutlich über zwei Wochen her, dass ich das letzte schön kalte Pilsener vom Fass getrunken habe. Erst jetzt begreife ich Kuhns „Es gibt kein Bier auf Hawaii“. Das ist keine populistische Sauf-Schnulze, in diesem Lied werden existenzielle Wahrheiten verhandelt.

Geisterspiele in der Bundesliga oder Champions League sind Unsinn. Geister können nichts am Ball, das will doch keiner sehen!

Falls sich jemand beim ersten Anhören des neuen Dylan-Songs „Murder most foul“ (17 Minuten) so nach 2, 3 Minuten fragt „Kommt da noch was?“, kann ich helfen. Nee, da kommt nix mehr. Er raunt die ganze Zeit monoton ziemlich gute Lyrics runter, mehr ist nicht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein von Daniele zubereiteter  To-Go-Meeresfrüchte-Salat, perfekt begleitet von einem Chardonnay (Ettl, Podersdorf). Wonne. Sonnenstrahl in der Corontäne.

Vor 5 Jahren schrieb ich, dass mein Wunsch nach einer akzeptablen DVD- oder Bluray-Ausgabe des genialen Outlaw-Westerns „Barbarosa1 wohl unerfüllbar bleiben wird. Manchmal muss man ein wenig Geduld haben…

Beim Mitmachen bei einem sehr amüsanten Facebook-Spielchen (man bekommt den Anfangsbuchstaben eines Namens und muss ein Video mit einem entsprechenden Interpreten posten) fand ich dieses schlichtweg geniale Musikvideo.

Ich hatte übrigens „H“.

Ist das außer mir wirklich noch niemandem aufgefallen? Wie verdächtig ähnlich sich Corona-Virus und der Exot von Sergeant Pinback aus „Dark Star“ sehen?

Splitterbrötchen (DCCXXXI)

Ist es nicht ganz erstaunlich, was dieser Staat mit uns Bürgern alles machen darf, einfach so? Warum haben wir uns damals eigentlich wegen der Notstandsgesetze so aufgeregt?

Warum horten die Menschen Mehl, Nudeln und Klopapier? Ich denke, das ist relativ einfach zu erklären. Sie wollen irgendetwas tun, um sich zu schützen. „Hände waschen und Ruhe bewahren“ ist nicht abendfüllend. Also kaufen insbesondere Menschen mit knappem Budget Dinge des täglichen Bedarfs, die wenig kosten und nicht verderben können, auch wenn unmittelbar kein Bedarf besteht. Man hat dann das Gefühl, wenigstens etwas getan zu haben.

Ich verstehe nicht so ganz, warum sich noch niemand von der Bertelsmann-Stiftung zur Corona-Krise geäußert hat. Jetzt könnte man doch einen detaillierten Plan vorlegen, genau welche Kliniken geschlossen werden müssten, um die Infizierten besser versorgen zu können!.

Erkenntnis der Woche: Gastronomie ist extrem wichtig für meine Lebensqualität, ihre plötzliche Abwesenheit macht mir zu schaffen.

PizzaKulinarischer Wochenhöhepunkt war demzufolge die einzige Mahlzeit der Woche, die ich nicht selber gekocht hab. Pizza to Go von Daniele mit scharfer Salami. Hat das gut geschmeckt.

Die Hoffnung, die ich mit diesem Virus-Scheißdreck verbinde: Dass wir nicht möglichst bald zur „Normalität“ zurückkehren, sondern niemals mehr. Dass diese Krise das Aus für das neoliberale Denken bedeutet, das letztlich unser Leben vor die Wand gefahren hat (der Virus war’s nicht). Der Markt kriegt nichts geregelt. Die Menschen müssen die Dinge in die Hand nehmen.

Splitterbrötchen (DCCXXX)

Die Freude, die viele Menschen empfinden, wenn sie gehorsam sein dürfen, erstaunt mich immer wieder.

An die Zeit zwischen 1968 und 1970, als die Hongkong-Grippe um die Welt zog, habe ich viele lebhafte Erinnerungen. Nur an die Hongkong-Grippe nicht. Nachfragen bei gleichaltrigen Menschen ergaben das gleiche: Niemand kann sich an auch nur minimale Aufgeregtheit deswegen erinnern. Dieser Artikel aus dem SPIEGEL-Archiv dürfte symptomatisch für die damalige Gelassenheit sein.

Was mich interessieren würde: Was wäre anders gewesen, wenn Corona auf ein gut ausgestattetes, funktionierendes Gesundheitssystem gestoßen wäre?

Vorsicht mit Rufen nach einem starken Staat! Ihr könntet ihn bekommen.

Wie man sich in 3 einfachen Schritten vor Corona schützen kann:
!. Besorg dir ein Exemplar von Hegels „Phänomenologie des Geistes“ (ist billiger als Desinfektionsmittel).
2. Lies es von vorn bis hinten durch (sollte dich mindestens zwei Wochen Zuhause beschäftigen)
3. Versuch, mit anderen darüber zu reden (sie werden den Kontakt mit dir um jeden Preis vermeiden).
(Nolen Gertz)

Das Zurückhalten von salbungsvoll vorgetragenen Binsenweisheiten und Ratschlägen kann ebenfalls die Volksgesundheit stärken.

Auch wenn man’s nicht für möglich halten möchte: Es wird Frühling.

Frühling

Splitterbrötchen (DCCXXIX)

Ursula von der Leyen hat Griechenland als „europäischen Schild“ bezeichnet. Einen Schild verwendet man, um sich vor Angriffen zu schützen. Frau von der Leyen fühlt sich also durch Menschen angegriffen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Europa kommen. Diese Frau sollte sich schämen. Aber ich fürchte, sie ist auch dazu nicht in der Lage.

Letzte Woche splitterte ich „Wenn dir jemand Angst einzujagen versucht, will er dich dazu bringen, gehorsam zu sein.“ zum Thema Corona-Virus. Diese Woche wurde die erste Sauerei entkorkt, die wir gehorsam abnicken sollen. Sie wollen an unsere Bewegungsdaten, tutti kompletti. Wer sich nur ein wenig mit der Materie auskennt (also nicht die Redaktion des Tagesspiegel), erkennt sofort, dass diese Daten für alles mögliche gut sind, aber nicht, um die Ausbreitung eines Virus einzudämmen.

Das Stilmittel der Ironie ist vom Aussterben bedroht. In den verkürzt geführten Debatten auf Twitter, Facebook und Co. werden ironische Statements des Gegners gern wörtlich genommen. Auf diese Weise kann man anstrengungslos und billig den eigenen Standpunkt untermauern. Dass der Widersacher, dass Gegenteil von dem gemeint hat, was man selbst behauptet, nimmt man in Kauf. Die logische Konsequenz wird sein, dass in Zukunft im öffentlichen Diskurs auf Ironie verzichtet werden wird. Unsere Sprache und unser Denken werden ärmer werden.

Splitterbrötchen (DCCXXVIII)

Also gut, dann war das gestern in Hoffenheim also der Meilenstein, die große Trendwende beim DFB. Ab sofort wird gegen jeglichen Rassismus sofort vorgegangen, ab sofort wird sich bedingungslos jederzeit für die Menschenrechte eingesetzt. Die logische Folge wäre natürlich, 2022 keine Mannschaft nach Qatar zu schicken.

Tagesspiegel, HeadlineTeilt doch bitte etwas Neues mit, liebe Leute vom Tagesspiegel. Natürlich liegt auf der Rückseite des Mondes meterdick Staub, da hat doch noch nie jemand gewischt!

Eine machtvolle Bewegung ist entstanden, und ich zögere nicht, mich ihr anzuschließen: „Sue, du schreist gerade Tee an!muss Zitat des Jahres werden.

Wichtige Info für Krimi-Freunde, die bei Whodunits gerne mitraten: Wenn ein 
Verdächtiger ein iPhone hat, war er’s nicht.

Thema Corona-Virus: Wenn dir jemand Angst einzujagen versucht, will er dich dazu bringen, gehorsam zu sein.

AusternKulinarischer Wochenhöhepunkt: der 2. Besuch im „Les 3 Veuves de Wilmersdorf“1. ICh erfreute mich an Austern und Kalbsnieren.

Kalbsnieren

Splitterbrötchen (DCCXXVII)

Wer hätte denn gedacht, dass es mal zum Problem wird, sich zu besaufen? Dass man regelmäßig einschläft, bevor der Rausch irgendwie spürbar wird?

Mehrfach wurde diese Woche in meinen Timelines auf Artikel 21, Absatz des Grundgesetzes hingewiesen: „Parteien, die nach ihren Zielen ODER NACH DEM VERHALTEN IHRER ANHÄNGER Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.“ Die CDU hat die Wahl: Entweder sie leitet ein Parteiausschlussverfahren gegen Hans-Georg Maaßen ein oder sie macht sich zum Verdachtsfall.

Mein TV-Höhepunkt der Woche (neben der freitäglich neu erscheinenden „Star Trek: Picard“-Folge) war das Bingen der Netflix-Serie „Ich schweige für dich“ (nach einem Buch von Harlan Coben. Das ist geradezu perfide spannend gemacht. Man darf sich jedoch nicht fragen, in welcher deutschen Serie zuletzt eine solche handwerkliche Souveränität demonstriert wurde. Bei der erfolglosen Suche nach einer Antwort besteht die Gefahr, in Depression zu verfallen.

„Nach dem offenbar rechtsradikalen Anschlag im hessischen Hanau stellen sich die Sicherheitsbehörden auf gewaltsame Gegenreaktionen ein. Es wird mit Veranstaltungen der linksextremistischen Szene gegen „Rechts“ gerechnet, ebenso mit Straftaten gegen örtliche Vertreter der AfD, berichtet die „Funke Mediengruppe“ unter Berufung auf Ermittlerkreise.“ heißt es bei tagesschau.de. Interessant. Nach einem rechtsradikal motivierten Amoklauf in Hanau, Anschlägen auf Shisha-Basrs in Döbeln und Stuttgart (alles in einer Woche) muss man natürlich besonders die Linksextremsten beobachten. Klar. Logisch. Natürlich. Warum auch nicht?

Splitterbrötchen (DCCXXVI)

Am Donnerstag früh eine Scheibe altbackenes Brot weggeworfen und lieber frisches gefrühstückt. Dann den ganzen Tag lang ein schlechtes Gewissen gehabt. Die Erziehungsmethoden der Kriegsgeneration werden heute als archaisch geschmäht, waren aber offensichtlich sehr nachhaltig.

Warum sind ausgerechnet Idioten dermaßen erfinderisch, wenn es um neue Wege geht, einem auf den Zeiger zu gehen?

Das Kommentariat nimmt übel – ganz großes Social-Media-Kino in den Kommentaren bei der hochgeschätzten Frau Kaltmamsell. Wenn jemand nicht auf ungebetene Ratschläge hören möchte 1, wird die Empörungsmaschinerie angeworfen.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt: Nierchen mit Apfel, Champignon und Knoblauch im Restaurant Hugo am Stadtpark Wilmersdorf, ein echter Wohlfühl-Ort.

Wer von anderen verlangt, sich zu ändern, verändert erst mal gar nichts.

Warum regen sich so viele Menschen über die Merz’sche Kandidatur zum CDU-Vorsitzenden auf? Wenn Merz CDU-Vorsitzender wird, werden die linken und linksliberalen Parteien deutlich profitieren. Sehr deutlich.

Zum wichtigsten Ereignis der Woche, der Vorstellung des neuen Bond-Titelsongs: Frau Eilish macht das sehr, sehr gut.

 

 

 

Splitterbrötchen (DCCXXV)

Es ist ungeheuerlich, die Vorgänge im thüringischen Landtag in die Nähe zum Schmierentheater zu bringen. „Schmierentheater“ waren lt. Wikipedia Wanderbühnen, in denen Schauspieler durch ehrliches Ausüben ihres Handwerks ihren Lebensunterhalt verdienten. Diese ehrbaren Theatermenschen hatten mit den gewissenlosen Karrieristen der politischen Bühne nichts gemein.

Wie man jemanden, der für Faschisten wählbar ist, politisch in der Mitte verorten kann, ist mir ein Rätsel.

Kirk Douglas war wirklich lange dabei. 1949 hat er „Champion“ gedreht, das ultimative Boxer-Drama. Man sehe sich sein Gesicht während der Kämpfe an. Rocky wäre schreiend vor iMidge Kelly geflohen. Noch vor dem >Gong zur ersten Runde.

Ich bin grundsätzlich immer angetan, wenn jemand den notorischen Langeweiler Tellkamp basht. Aber, lieber Gerrit Bartels vom Tagesspiegel,  ist der Move, ihn durch den Verweis auf die Farbe seiner Schuhe („ochsenblutfarben“) in die nicht-vegane Ecke zu stellen, nicht doch einen Tick zu plump?

Im Café Breslau war’s zu dunkel, um ein akzeptables Foto hinzukriegen, deshalb bleibt der kulinarische Wochenhöhepunkt unbebildert: sehr, sehr gute Spare Ribs mit einem Kleckschen Cole Slaw. Man sollte es mit der Beilagenesserei wirklich nicht übertreiben.

Christian Lindner hat das Thrüinger Geschehen präzise zusammengefasst. Es handelte sich um eine „unfallweise zustande gekommene Zusammenarbeit“. Groß. Nur noch groß.

Und der eigentliche Skandal in Thüringen ist natürlich, dass die Akteure bei CDU und FDP sich seit Tagen fragen, was da eigentlich schief gegangen ist. Und die Antwort darauf nicht finden.

Splitterbrötchen (DCCXXIV)

In Augsburg ist ein Polizist mit heißem Nudelwasser angegriffen worden, wie Facebook-Freund Tommy Tulip blitzsauber recherchiert hat, Das wirft Fragen auf: War die Angriffswaffe etwa mit Schuhbecks infamem „Nudelwassergewürzsalz“ gepimpt worden? Wenn ja, ist der Fonsäh jetzt wegen Beihilfe dran?

Bloß weil man etwas nicht versteht, muss es ja noch nicht schlecht sein.

Frischkäse in limitierter Edition? Unbedingt aufheben! In ein paar Jahren ist der tierisch was wert.

Auch wenn Sie sich nicht für Fußball interessieren, dieses Video sollten Sie anschauen:

Der Tweet der Woche stammt vom Kolonialwarenkönig:

Fahrgast: „Sind Sie frei?“ Taxifahrer: „Nein, auch ich bin nur ein Sklave des Systems.“

Gewohnheit verpflichtet nicht.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Spaghetti mit Skrei, selbstgeklöppelt.