WM-Agenda 2010 – Tag 20

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Heute müssen wir ganz stark sein. Kein Fußball. Spielfrei. Man weiß alle vier Jahre, dass dieser Tag kommt, und fällt trotzdem in ein tiefes Loch.
Aber Rettung ist nahe. Bei allesaussersport las ich, dass gestern die erste Qualifikationsrunde für die Champions League mit der Partie Santa Coloma gegen Birkikara FC starten sollte, das Match wurde aber wegen Unbespielbarkeit des Platzes verschoben, der frische Rollrasen war wohl wegen Dauerregen nicht festgewachsen. Aber heute trifft Tre Fiori auf Rudar Pljevlja. In den Duellen zwischen San Marino und Montenegro steckt ja traditionell jede Menge Brisanz, wenn ich irgendwo im Netz einen Stream oder wenigstens einen Live-Ticker auftreiben kann, wird es doch noch ein schöner Abend.

Video des Tages:
Oder soll ich mir doch ein Video ausleihen?

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=7B2LPxggvqY[/youtube]

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
Maradona and me – hinreißender Text über Diego
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Zitat des Tages:
„Wenn man die Argentinier unter Druck setzt, sind sie immer für ein Gegentor gut.“ Uli Hoeneß experimentiert mit Druck und Gegendruck.

WM-Agenda 2010 – Tag 19

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Ich bin immer noch nicht über das England-Match hinweg. Was für ein Klassiker und – wie immer gegen die Engländer – ein außergewöhnlich faires Spiel. Auch wenn’s noch mindestens 2 Jahre dauernd bis zum nächsten möglichen Turnierspiel: ich freu mich jetzt schon auf das nächste Aufeinandertreffen.
Das Ablehnen des Videobeweises mit der Begründung, dass man dadurch dem Fußball das „Drama“ nehme, ist fundamentaler Quatsch, gerade vom Standpunkt eines Autors aus. Der Leser bzw. der Zuschauer goutiert keine Geschichten, in denen das Schicksal zufällig, blind und ungerecht zuschlägt. Drama entsteht nicht zufällig, gutes Drama folgt immer dem Prinzip von Ursache und Wirkung, Schuld und Sühne. Das Drama, das u.a. Beckenbauer und Netzer beschwören, ist schlecht gemachtes Drama. So etwas gefällt dem Publikum nicht.
Aus diesen Kühlschrank-Brasilianern werde ich nicht schlau. Genausowenig wie aus den Kühlschrank-Holländern. Nach dem Kühlschrank-Gipfel im Viertelfinale kenn ich mich vielleicht aus.

Video des Tages:
Spanien ist noch drin. Was keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man sich die Turniergeschichte der „Furia Roja“ anschaut. Da gab’s den EM-Titelgewinn 1964, und dann eine endlose Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Ich hab mich immer gefreut, wenn die deutsche Nationalmannschaft in einem wichtigen Turnier auf Spanien traf: an irgendwas würden sie schon scheitern, die Spanier, an den eigenen Nerven, an fehlender mannschaftlicher Geschlossenheit, manchmal hatten sie auch schlichtweg Pech, wir dafür die Punkte oder das Weiterkommen im Sack. Bis 2008, aber wir wollen nicht über 2008 reden, es besteht kein Grund, sich an 2008 zu erinnern, ich weiß gar nicht, ob es in 2008 überhaupt eine Europameisterschaft gegeben hat. Denken wir lieber an 1964, als Spanien zum ersten Mal Europameister wurde.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=4Kxk0ZM-tGQ[/youtube]

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
Ja, wie denn nu? Video-Beweis oder nicht? Lesenswerter Artikel mit interessanter Diskussion bei allesaussersport.
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Die Tipps des Tages:
Paraguay-Japan 0:1
Spanien-Portugal 2:1

Ärgernis des Tages:
Mal wieder Bela Réthy. Diesmal hat er beim chilenischen Ecken-Schützen eine charmante kleine Marotte ausgemacht: der fasse immer die Eckfahne vor dem Eckstoß an, wahrscheinlich glaube er, dass ihm das Glück bringe. Mensch, Bela! Spieler, die so ihren Kollegen signalisieren, was kommt (Fahne anfassen – kurze Ecke, Stange anfassen – lange Ecke) findet man schon in der Kreisklasse. Weiß das beim ZDF keiner?

Zitat des Tages:
„Sollen Maschinen alles entscheiden? Digital, wie Maschinen nun mal sind?“ Claus Kleber vom ZDF offenbart beim Thema Video-Beweis profundes technisches Wissen.

Danke, Tagesspiegel!

Nicht nur die Erinnerung an den gestrigen fulminanten 4:1-Sieg über unsere englischen Sportsfreunde hat heute ein Dauergrinsen in mein Gesicht gezaubert, sondern eine Schlagzeile des ansonsten bieder-ehrpusseligen Tagesspiegel: „Autonome in Rage: Immer mehr Türken flaggen Schwarz-Tor-Gold“
Ich kann’s mir so gut vorstellen: „Eyh, Alter, isch versteh disch nischt? Die gewinnen doch! Und Mesut, Alter! Mesut! Wo hast du Problem?“

Revenge is a dish best served cold

Heute ist auf spektaktuläre und gleichzeitig unglaublich zarte, poetische Weise nach 44 endlosen Jahren die Gerechtigkeit in die Welt zurückgekehrt. 44 Jahre, nachdem England uns den verdienten Weltmeistertitel durch ein vollkommen irreguläres Tor entrissen hat (jaja, ich weiß, dass das Spiel 4:2 ausgegangen ist, dazu komme ich noch), haben wir heute die Engländer mit der höchsten Turnierniederlage ihrer WM-Geschichte aus dem laufenden Turnier entfernt. Dabei gab es eine Spielsituation, die in geradezu gespenstischer Weise an Hursts berüchtigley-Tor erinnerte. Mit drei kleinen, feinen Unterschieden.

  1. Es war ein klarer Treffer. Der von Lampard geschossene Ball setzte mindestens einen Meter hinter der Torlinie auf.
  2. Wieder war ein blinder Linienrichter am Werk. Er gab den hundertprozentig korrekten Treffer nicht.
  3. Der Treffer fiel nicht 15 Minuten vor Schluss der Verlängerung, sondern kurz vor Ende der ersten Halbzeit.

Und Punkt 3 ist der entscheidende. Unsere englischen Sportsfreunde hatten ausreichend Zeit, die ungerechte Entscheidung von Linien- und Schiedsrichter zu korrigieren, aber sie konnten es nicht. Das 4:1 (ich wiederhole gern, dass das die höchste Niederlage Englands bei einem WM-Turnier ist) ist trotz des zu Unrecht nicht gegebenen Treffers ein vollkommen korrektes Ergebnis, denn alle Treffer der deutschen Mannschaft (und natürlich das konzedierte Ehrentor) waren hundertprozentig regelgerecht, nicht so wie Hursts 4:2 in der Schlussminute des 66er Finales, das fiel, als bereits zahlreiche Zuschauer das Spielfeld stürmten und ebenfalls nicht hätte gewertet werden dürfen…
Aber genug davon.  Es ist vorbei. Nach 44 Jahren sind wir endlich und endgültig mit den Engländern quitt, das Wembley-Tor und die von ihm ausgelöste Final-Niederlage ist seit heute (sogar für mich) kein Thema mehr. Es ist jetzt endlich Geschichte.
Finally, we are at peace.

WM-Agenda 2010 – Tag 17

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Endlich wieder England! Besonders nach der letzten Auflage dieses Klassikers, die ich bei gefühlten zwanzig Grad minus im Berliner Olympiastadion verfolgen durfte, und die einigermaßen blamabel verloren ging. Heute ist die Chance, diese Scharte auszuwetzen, und, wo wir beim Zurückdenken sind, fällt mir – leider – auch noch das letzte Pflichtspiel gegen unsere englischen Freunde ein, Wm-Quali 2002, die Schnade von München, das überaus schmerzhafte 1:5… also, allerhöchste Zeit für Wiedergutmachung, und das kriegen wir hin. Kein Platz für Zweifel. Verlieren ist keine Option!

Video des Tages:
Ich weiß, es ist peinlich, immer noch darauf herumzureiten. Ich weiß, es ist wurscht, ob der Ball drin war oder nicht, der Schiri (Dienst, du dämliche Pfeife!) hat auf Tor entschieden, und damit war es ein Tor.
Aber das ist mir Scheiß-egal, es ist immer noch eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=HeXWEVXhdUo[/youtube]

Auf die Gefahr hin,  mich zu wiederholen. Nicht drin. Eindeutig. Kein Tor.

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
Die „Didi-Hamann-Bridge“
„The Hand of Götterdammerung followed by the Hand of God“ – wunderbares englisches Säbelrasseln
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Die Tipps des Tages:
Deutschland-England 6:5 n. E. (was sonst?)
Argentinien-Mexico 3:0

Zitat des Tages:
“It’s like WWII. France surrendered early, US arrives at the last second and we’re left fighting Germany.” Die BBC. Wer sonst?

Profi-Prognose Deutschland-England: Herr Üflüflü rockt das Turnier!

Jetzt geht’s ans Eingemachte, und Herr Üflüflü, Kreuzberger Zeitungshändler und von der FIFA gefürchteter Power-Prognostiker mischt mit. Jetzt schon mit gefühlten hundert Prozent Akkuratesse das Ergebnis von Deutschland-England? Kein Problem für Fußball-Genie Üflüflü:

Jetzt ist mit Verlängerung und Elfmeterschießen, nicht wahr? Dann ist Deutschland raus. Nach Elfmeterschießen.

WM-Agenda 2010 – Tag 16

Aus technischen Gründen einen Tag vorgezogen. Weiß nicht, ob ich morgen online sein kann.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Endlich. Die K.O.-Runde.

Video des Tages:
Schön, dass der Uru noch im Turnier ist. Deshalb heute ein paar Bilder vom 2. Titel, den sie Brasilien im Maracana-Stadion entrissen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=q-Rph3ZVKo0[/youtube]

Auf youtube finden sich noch weitere Clips von diesem Spiel, das eins der dramatischsten in der WM-Geschichte gewesen sein muss. Anschauen lohnt unbedingt, den trotz der meist unscharfen, kontrastarmen Bilder bekommt man eine Ahnung von der unglaublichen Atmosphäre, die im Maracana-Stadion geherrscht haben muss. In meiner Rangliste „Die besten Spiele, die ich nie gesehen habe“ ganz oben.

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:

Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Das Spiel des Tages:
Entfällt ab sofort. Ab jetzt sind alle Spiele Endspiele, ab jetzt ist jedes Match sehenswert.

Die Tipps des Tages:
Uruguay-Südkorea 1:2
USA-Ghana 1:0

Zitat des Tages:
„Die Statistik legt übrigens nahe Butt fürs Elfmeterschießen einzuwechseln: 4 von 7 Elfmetern gehalten. und ich würde gerne die Gesichter der englischen Spieler sehen, wenn Löw einen Torwart mit dem Ruf eines Elfmeterspezialisten einwechselt.“ allesaussersport
“Butt will kick your butt in ze penalties” Kommentar dazu dortselbst.

WM-Agenda 2010 – Tag 15

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Die Unbezwingbaren sind raus. Und damit ist das Turnier um eine Attraktion ärmer. So gerne ich mich an den Italienern reibe, aber ein Turnier ohne diese Mannschaft war – zumindest in den letzten zwanzig Jahren – ein Turnier ohne Darth Vader, ohne den schlimmen Feind, ohne den nervenden Cousin, der jede Party verdarb und den man nicht los wurde, es sei denn durch Elfmeterschießen (oder einmal – das sei ihnen zugestanden – eine zweifelhafte Schiedsrichterleistung). Die Statistik Italiens seit 1990:

1990 – Aus im Halbfinale durch Elfmeterschießen
1994 – Niederlage im Finale durch Elfmeterschießen
1998 – Aus im Viertelfinale durch Elfmeterschießen
2002 – reguläres Aus im Viertelfinale (die Schiedsrichterleistung in diesem Match WAR grenzwertig)
2006 – Weltmeister nach Elfmeterschießen

Eine fantastische Statistik. Einerseits bin ich froh, dass sie raus sind. Andererseits haben wir ja noch diverse Rechnungen mit den Azzurri offen, und den ersten Pflichtspielsieg gegen Italien müssen wir nun in einem späteren Turnier feiern. Immer diese Warterei.
Noch 2 Tage bis England.

Video des Tages:
Wieder ein Spieltag mit Brasilien, wieder Zeit für brasilianische Fußball-Nostalgie. Wenden wir uns der Frage zu, wer die besten Brasilianer aller Zeiten waren. Die Weltmeister von 58 und 72 kenne ich nur aus kurzen Schnipseln in der Sonntags-Sportschau.1966 enttäuschte Brasilien in England, aber dann kam das erste Turnier in Mexico, 1970. Das erste Turnier, das in Farbe übertragen wurde. Fußball war plötzlich bunt. Und Brasilien spielte einfach atemberaubend. Mit Carlos Alberto. Jairzinho. Rivelino. Gerson. Pelé. Für viele die besten Brasilianer aller Zeiten.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=R3yq2wSSXpE[/youtube]

Wirklich die besten? I beg to differ. Mehr beim Achtelfinal-Auftritt der Seleção.

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
„Nicht der Fußball ist schlecht, sondern das Fernsehen, das ihn zeigt.“ Lesenswerter Artikel von Daniel Raecke
Super-Einzelkritik der deutschen Mannschaft im Ghana-Spiel
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Das Spiel des Tages:
Schwer, sich zwischen Portugal-Brasilien und Chile-Spanien zu entscheiden. Am besten beides gucken. Ich heute wieder non-public.

Die Tipps des Tages:
Portugal – Brasilien 1:2
Nordkorea – Elfenbeinküste 0:1
Chile – Spanien 0:1
Schweiz – Honduras 1:0

Zitat des Tages:
„Kurz nach dem Spiel traf ich einen alten Freund und Kollegen vom englischen Fernsehen. Ich sagte ihm, dass ich mich freue auf das Achtelfinale zwischen der deutschen Mannschaft und seinen Landsleuten. Er antwortete: ‚Wir nicht, wir haben Angst!‘ Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.“ Marcel Reif im Tagesspiegel

WM-Agenda 2010 – Tag 14

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Ich weiß nicht, wie ich die Warterei bis Sonntag aushalten soll. England! Das könnte ein richtig großes Spiel werden, ich hab mich lange nicht mehr so auf eine Partie gefreut wie auf diese. Und ich bin mir sicher, unsere Freunde auf der Insel freuen sich auch schon auf lecker Elfmeterschießen. England!
Die Überraschung des Abends: der angebliche Skandal-Schiri Simon hat sehr gut gepfiffen. Diese Variante hatte vorher wohl niemand auf der Rechnung.

Video des Tages:
Heute wird’s für den Azzurro eng, ein Entscheidungsspiel gegen die Slowakei steht an. Und immer wenn’s beim Azzurro eng wird, besinnt er sich auf seine ureigenen Tugenden, auf das, was er am besten kann. Schwalben. Hier eine kleine Auswahl aus dem WM-Finale 2006.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=FFgyWNnb5TQ[/youtube]

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
England-Slowenien – die Analyse auf zonalmarking.net
Ghana-Deutschland – die Analyse auf zonalmarking.net
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Das Spiel des Tages:
Am spannendsten könnte es tatsächlich zwischen der Slowakei und Italien werden, da aber spannende Spiele mit italienischer Beteiligung meist auf das gleiche (siehe Video des Tages) hinauslaufen, freu ich mich lieber auf Niederlande-Kamerun. Geht zwar um nix mehr, aber vielleicht kann man sich ganz entspannt ein paar schöne Spielzüge angucken. Zur Abwechslung. Zuhause.
Apropos Public Viewing: Das war eine regelrechte Odyssee gestern. Zuerst gab’s im Florians Garten zwei Stunden vor Anpfiff (!) keinen freien Platz mehr. Dann probierten wir’s gegenüber im Martinique, mochten uns aber mit eingeschränkter Sicht auf einen betagten Fernseher, der ein sinistres Eigenleben zu führen schien, nicht abfinden, und landeten schließlich in einer wunderbar bizarren Location: im ehemaligen „Korn’s“ in der Möckernstr. Ecke Kreuzbergstr. Der Laden hat vor ein paar Monaten dicht gemacht, aber jetzt, zur WM haben ihn ein paar Leute angemietet und einfach Leinwand, Beamer und ein paar Bierzelt-Garnituren in den komplett ausgeweideten Laden gestellt. Sie verkaufen kaltes Bier und höchst dubiosen Wein in Pappbechern, das ganze hat den Charme eines 70er-Jahre-Campingplatzes, aber die Stimmung war riesig. Eine Empfehlung für Public Viewer mit dem Sinn fürs Absurde.

Die Tipps des Tages:
Dänemark – Japan 1:0
Kamerun – Niederlande 0:2
Slowakei – Italien 1:1
Paraquay – Neuseeland 2:0

Zitat des Tages:
„Als Özil in der 60. Minute das Siegtor schoss, brach Jubel aus.“ Die Tagesschau schürt die Euphorie.

Ungerechtigkeit für alle

Fußball ist eine der faszinierendsten, wenn nicht die faszinierendste Sportart überhaupt. Weil es oft die Ungerechtigkeit ist, die den Ausgang eines Fußballspiels bestimmt. Würde man heute noch über das 66er Finale sprechen, wenn Schiedsrichter Gottfried Dienst das dritte Tor korrekterweise nicht gegeben hätte, weil der Ball – für Millionen Zuschauer deutlich sichtbar – nicht „in vollem Umfang“ die Torlinie überschritten hatte? Wohl kaum.
Und das Jahrhundertspiel wäre niemals das Jahrhundertspiel geworden ohne die vollkommen indiskutable Leistung des Schiedsrichters Arturo Yamasaki, der italienische Fouls reihenweise nicht ahndete, mindestens zwei klare Elfmeter gegen Italien nicht verhängte und nach einem Foul an Beckenbauer im Strafraum (!), bei dem ihm die Schulter ausgekugelt wurde (!), einfach weiterspielen ließ?
Nein, diese und zahlreiche andere Ungerechtigkeiten machen auch den Reiz dieses Spiels aus, sie geben dem Fußball diese Portion Drama und Leidenschaft, die ihn über alle anderen Sportarten erhebt.
So. Genug gesäuselt. Klartext. Alles muss man sich nämlich auch nicht gefallen lassen. Wir alle erinnern uns ja noch leider daran, dass Torsten Frings vor vier Jahren nach dieser Aktion

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=N3WL1cavwMs[/youtube]

nachträglich für ein Spiel gesperrt wurde und im Halbfinale gegen Italien nicht auflaufen durfte.
David Villa erlaubte sich im Spiel Spanien-Honduras eine verblüffend ähnliche Aktion.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=14MLUmBcekU[/youtube]

Alles klar? Ein Spiel Sperre gegen Villa wäre doch wohl mehr als gerecht, oder? Pustekuchen. „Die Disziplinarkommission hat den Fall untersucht und wird kein Verfahren eröffnen“, trompete FIFA-Sprecher Pekka Odriozola heute in die Welt hinein. Leider konnte ich bisher keinen Hinweis auf die schicken neuen Armbanduhren finden, die vermutlich die Handgelenke der Disziplinar-Kommissare jetzt schmücken. Die Marke täte mich schon interessieren. Rolex? Breitling? Rado? Der spanische Verband hat sich bestimmt nicht lumpen lassen, es steht ja einiges auf dem Spiel.
Und Herrgottsackzementnochmal, vergesst den Quatsch, den ich Anfnags geschrieben hab, das Ungerechtigkeit zum Fußball gehört, Ungerechtigkeit tut weh! Es ist der Schmerz, an den man sich erinnert. Noch nach Jahren. 44 Jahre nach Wembley. 40 Jahre nach dem Jahrhundertspiel. 4 Jahre nach Frings. Das ist unerträglich. Ich fordere Gerechtigkeit!