Vorbildlich, liebe Friedhofswärter, wie ihr den fassungslosen Hinterbliebenen die Trauerarbeit erleichtert. Pädagogisch geschickt verwandelt ihr durch derart subtile Schikanen (Hat euch eigentlich schon mal jemand gefragt, warum man keine Grabvasen an diesem Brunnen auswaschen soll?) den Eschweger Friedhof von einer Stätte der Verzweiflung in einen Ort, an dem man sich förmlich nach einem besseren Leben im Jenseits sehnt.
…dass es zur Zeit ganz beschissen läuft beim FC Bayern München? Den Felix in die Wüste geschickt und den Ottmar zurückgeholt, damit ein Ruck durch die Mannschaft geht und die Saubären sich zusammenreißen, um Meister zu werden und vor allen Dingen den stinkreichen Spaniern aus Madrid mal zu zeigen, wo der Hammer hängt?
Finden Sie nicht auch, Kalle, dass es nicht richtig geruckt hat? Einmal gewonnen, zweimal verloren, ein mickriges Törchen… Die Rückkehr vom Ottmar hatten Sie sich sicherlich ganz anders vorgestellt. Zumal Sie doch wirklich einen Pracht-Kader haben. Dass kann doch nicht sein, dass Ihre millionenschweren Ballstreichler 90 Minuten lang den Ball nicht ins Tor von den Aachener Discount-Stolperbrüdern hineinbekommen. Dafür muss es doch eine Erklärung geben!
Finden Sie nicht auch, Kalle, dass Sie vor zwoeinhalb Jahren den Ottmar ganz schön mies behandelt haben? Dass Sie ihn im Regen haben stehen lassen, als es nicht lief? Ihn demontiert und gedemütigt haben, als Sie anfingen, mit dem Felix zu verhandeln, als er noch anderthalb Jahre Vertrag hatte? Dass es vielleicht einen Tick naiv war, zu glauben, dass der billige Blumenstrauß, den Sie ihm zum Abschied in die Hand gedrückt haben, alles wieder gut macht?
Finden Sie nicht auch Kalle, dass der Ottmar gerade die fantastischste Retourkutsche der Fußballgeschichte fährt?
Eine Gemüsebeilage von nachgerade idiotischer Einfachheit, trotzdem äußerst lecker und vor allen Dingen endlos variationsfähig: Geschmortes Paprika-TomatenGemüse. Für die Basisvariante braucht’s pro hungrigem Magen ein bis anderthalb große Grüne Paprika (geputzt und in Streifen geschnitten) und eine große Tomate (entstrunkt und entkernt, weil’s sonst zu suppig wird, evtl. gehäutet, auf alle Fälle gewürfelt) und etwas Olivenöl. Das Olivenöl macht man in Topf oder Pfanne heiß, wirft Tomaten und Paprika rein, salzt und pfeffert.
Jetzt kommt der Deckel drauf, die Hitze wird runtergedreht, und wir beschäftigen uns fünfzehn bis zwanzig Minuten lang mit anderen Dingen. Dann heben wir den Deckel ab…
…und staunen, dass sich das Gemüse ganz ohne unser Zutun von selbst gekocht hat. Wir müssen höchstens noch ein bißchen die Flüssigkeit einkochen, falls die Tomätchen zuviel davon gelassen haben. Feucht sollte das Gemüse sein, aber nicht nass.
Man kann es so, wie es ist, servieren, am Tisch vielleicht noch mit einem Schuß kaltgepreßten Oliven- oder Kernöls vollenden, denn es schmeckt schon in dieser Basis-Version ausgesprochen gut. Ich nehme an, dass das an der niedrigen Schmortemperatur liegt, da scheint irgendwas im Paprika zu karamelisieren, was der Sache einen schönen Geschmack verleiht.
Natürlich ist hier noch nicht Ende der Bohnen Fahnenstange, jetzt geht’s erst richtig los, denn diese Simpelbeilage kann man jederzeit aufbohren, zum Beispiel…
Kurz vor dem Servieren einen Löffel kalten Schmand oder Sahnejoghurt drangeben.
Oder Currypaste mitschmoren.
Oder Paprikapulver mitschmoren.
Oder Sauerkraut, Paprikapulver und Schmand hinzufügen und mitschmoren lassen.
Oder ein Omelette damit füllen.
Oder man kann, statt separat ein Omelette zu braten, die verklepperten Eier gleich so über das gegarte Gemüse kippen. Dann erhält man so etwas ähnliches wie die berühmte Piperade aus dem Baskenland. Da kann man dann noch Schinkenstückchen drüberstreuen, damit’s nicht allzu vegetarisch wird. Ja. Piperade könnte man auch mal wieder machen.
Mein derzeitiger Favorit: Zuerst eine Zwiebel, 2 bis drei Zehen Knoblauch und eine gehörige Portion Ingwer im Öl anschwitzen, bevor man Paprika und Tomaten dazu gibt. Mit getrockneten Chilischoten schärfen. Dazu vielleicht ein Stückchen Entenbrust. Das Leben ist schön.
Mahlzeit!
Wenn dem Hauptdarsteller Perlen der Dialogkunst wie „Fighters fight…“ aus dem Mundwinkel fallen… Wenn nach dem überaus gelungenen Pep-Talk des Trainers („Lasst uns ein paar schmerzhafte Bomben basteln!“) die überlaute Fanfare die klassische Trainingssequenz einleitet… Wenn Mr. Balboa das einengende Korsett der klassischen Kampfkunst sprengt, um seinen Kampf gegen den amtierenden Schwergewichtsweltmeister in eine Wirtshausschlägerei nach Altvätersitte zu verwandeln und der Ring-Kommentator entzückt „Willkommen in Rocky-Land!“ ruft… Dann geht einem doch das Herz auf. Ein Film wie ein Grips-Theaterstück für alte Säcke. Stallone ist der Volker Ludwig des Box-Films. Macht das Spaß…
Für ein Buch, dass demnächst in unserem Verlag erscheinen wird, brauchte ich ein paar Infos von einer bekannten deutschen Autofirma. Und beim Herumstöbern auf deren Website entdeckte ich einen wunderbaren Beruf, von dem ich vorher noch nie gehört hatte…
„Nu sag doch mal, was willst du später mal werden? Lokomotivführer? Indianerhäuptling? Piratenkapitän?“
„Piratenkapitän? Wie pissig! Ich werden Flottenentscheider!“
Ja, und dann stand da bei SPON tatsächlich „DerGrößteDeutschenAutomobilClub“. Als Schlußpointe einer Story über einen Geschäftsmann, der in Dubai einen Herzinfarkt erlitten hatte, in eine Privatklinik eingeliefert worden war und in existenzielle Nöte geriet, weil er die Rechnung nicht bezahlen konnte. Und mit der Auslandskrankenversicherung vom „GrößtenDeutschenAutomobilClub“ wäre das nicht passiert.
Äh… geht’s noch? Was war das nochmal für ein Fass, dass ihr anlässlich Schleichwerbung/Product Placement bei der ARD aufgemacht habt? Und was soll ich von der Veröffentlichung dieser Story halten? Bloß dumm gelaufen wg. üblicher redaktioneller Schlamperei? Riesen-Chuzpe? „Was die von der BILD können, können wir schon lange?“ Oder ist das ein Versuchsballon, um neuartige Methoden zur Finanzierung eines Gratis-Online-Angebots auszuloten?
Eben klingelt das Telefon. Ich melde mich mit meiner üblichen Begrüßungsfloskel, die am anderen Ende der Leitung offenbar eine kurze Ratlosigkeit und dann die Frage der Woche auslöst: „Sind Sie der aus dem Internet?“
Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war’s, da wurden in München die Mensapreise erhöht. Stammessen 1 von 1,30 DM auf 1,70 DM und Stammessen 2 von 1,90 auf 2,30 DM oder so. Ganz genau weiß ich’s nicht mehr. Zum Vergleich: ein halber Liter Bier war damals im Atzinger für ca. 2 DM zu haben. Eine derart happige Preiserhöhung und die dadurch logischerweise ausgelöste allgemeine studentische Unzufriedenheit riefen in den seligen siebziger Jahren unfehlbar wen auf den Plan? Richtig, die kommunistischen Splitterorganisationen.
Den Anfang machte der Marxistische Studentenbund Spartakus (DKP-nah und prinzipientreu), der vor der Mensa in der Leopoldstraße eine Gulaschkanone aufbaute und – als Akt höchster internationaler Solidariät – Erbsensuppe zum alten Stammessen-1-Preis an die darbende Studentenschaft verhökerte. Die Erbsensuppe war ein ziemlicher Erfolg, der sich allerdings nicht auf den pfiffig daneben platzierten Büchertisch mit wie absichtslos daliegenden Aufnahmeanträgen für den MSB übertrug.
Diese Aktion der Spartakisten rief natürlich die KPD/ML (Kommunistische Partei Deutschlands, Marxisten-Leninisten, stalinistische Maoisten, noch humorloser als der MSB) auf den Plan. Mitglieder der KPD/ML waren damals leicht zu erkennen. Sie trugen ausnahmslos ausgebeulte graue Hosen, kleinkarierte Hemden und abgewetzte braune Cord-Sakkos. Noch der ärmste Münchner Proletarier war eleganter gekleidet als ein Mitglied der KPD/ML. Die Cord-Sakkos bauten sich gegenüber des Spartakus-Büchertischs auf, verteilten Flugblätter und nahmen ein Megafon in Betrieb. Der ML-Chefagitator eröffnete mit: „Jeder, der die Erbsensuppe des MSB Spartakus ißt, ist ein Renegat, ein Verräter an der Sache der Arbeiterklasse, der den revolutionären Kampf um Jahre zurückwirft!“
„Wir brauchen auch ein Megafon!“ erkannten die Spartakisten mit revolutionärer Klarheit. Hastig wurden Telefongroschen organisiert, um in der Zentrale (Jede kommunistische Organisation, die etwas auf sich hielt, hatte damals eine „Zentrale“.) anzurufen und ein Megafon zu bestellen, das tatsächlich nur eine Viertelstunde später in einem von der Arbeiterklasse finanzierten Taxi eintraf. Die spartakistische Gegenoffensive begann mit „Die Solidarität zwischen Arbeiterklasse, Studentenschaft und der Oktoberrevolution ist unverbrüchlich!“ Präzision in Sprache, Grammatik oder Semantik war nie die Sache des MSB Spartakus gewesen. Anschließend verlas man ein Grußwort von Leonid Breschnew.
Die Situation eskalierte. Die Megafone wurden immer weiter aufgedreht, die Agitatoren rückten immer näher aufeinander zu und brüllten sich schließlich beinahe Nase an Nase an. Nur die Megafone passten noch dazwischen.
Wer fehlte noch? Natürlich die Genossen von der KPD/AO (Aufbauorganisation), einer linksabweichlerischen Abspaltung von der KPD/ML, denen Mao nicht maoistisch genug war, und die immer hinter den Marxisten/Leninisten herliefen, um ihre Gegenposition zu untermauern. Sie trafen mit halbstündiger Verspätung ein und hatten auch ein Megafon mitgebracht, mit dem sie ihre Position (Klassengegensätze nicht mit Erbsensuppe zukleistern, Arbeiterklasse sofort bewaffnen, Albanien stärken) unmissverständlich klarstellten.
Der Beginn eines revolutionären Handgemenges schien unausweichlich, noch bevor die Genossen vom KSB (Kommunistischer Studentenbund) und vom KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland) überhaupt rhetorisch eingreifen konnten. In letzter Sekunde konnte jedoch revolutionäres Blutvergießen durch das Eintreffen einer bajuwarischen Polizeistreife abgewendet werden. Umgehend solidarisierten sich sämtliche linken Flügel, richteten ihre machtvollen Megafone gegen die beiden übermächtigen Repräsentanten des Imperialismus und begannen, die Arbeiterklasse gegen die Polizeistaats-Methoden der Büttel des Monopolkapitals zu verteidigen.
Der weitere Verlauf der Veranstaltung war im Sinne der Weltrevolution durchaus enttäuschend. Die meisten Studenten hatten sich längst desinteressiert in die Mensa verzogen, sodass die ganze Brüllerei mangels Masse nicht einmal als unangemeldete Demonstration durchgehen konnte. Auch zeigten die Polizisten keinerlei Bereitschaft, die kommunistische Avantgarde menschenrechtsverletzend niederzuknüppeln, sondern baten lediglich die Barrikadenkämpfer ganz freundlich, die Megafone auszuschalten. Man habe eine Beschwerde wegen Lärmbelästigung erhalten.
Bevor die Funkstreife kopfschüttelnd wieder abzog, taten die braven bayrischen Beamten noch ihre Pflicht und erkundigten sich bei den Erbsensuppenverkäufern des MSB Spartakus, ob sie denn den dafür erforderlichen Gewerbeschein vorweisen konnten. Natürlich konnten die zu allem entschlossenen Revolutionäre das. Er steckte in einer Klarsichthülle.
Ich wußte wirklich nicht, wie gut meine Mutter kochen konnte. Was sie allmittäglich vor mich auf den Tisch stellte, hielt ich für normale, akzeptable Hausmannskost. Was es letztlich auch wahr, aber zubereitet von einer Meisterin ihres Fachs, die würzen und abschmecken konnte wie keine zweite und alles, aber auch wirklich alles tat, damit es ihren Kindern schmeckte. Ich hielt die Grüße aus dem Schlaraffenland, die sie jeden Tag aus der Küche auf den Tisch trug, für ganz normales Essen.
Ich hatte „schlechtes Essen“ einfach nicht auf meinem Radarschirm, und deshalb wusste ich auch nicht, was meine Mutter mit ihrem öfters ausgerufenen Seufzer „Der Junge ist gestraft mit seiner anspruchsvollen Zunge!“ meinte, wenn ich mich mal wieder über komisch schmeckende Milch (wurde am nächsten Tag sauer) oder Fleisch von merkwürdiger Konsistenz (entstammte der Tiefkühltruhe) und ähnliches beschwerte.
Als sich nun der Tag näherte, da ich den mütterlichen Haushalt verlassen musste, um in München ein Studium zu beginnen, fragte meine Mutter mich eines Tages, ob sie mir nicht die Grundbegriffe des Kochens beibringen solle. Entrüstet wies ich derartiges von mir: „Es gibt ja eine Mensa an der Uni, da kann ich zum Mittag essen.“ Sie sah mich lange an. „Ausgerechnet du willst in der Mensa essen?“ – „Ja, warum denn nicht? Ich bin doch nun wirklich ein unkomplizierter Esser!“
Sie hatte so eine Art, mich anzugucken, wenn ich gerade im Brustton der Überzeugung etwas gesagt hatte, was sie mit ihrem Weltbild nun gar nicht in Einklang bringen konnte. Sie atmete dann immer ein, als wollte sie einen Satz beginnen, schwieg dann aber doch, sicherlich weil sie nicht „Ist der Junge jetzt endgültig verrückt geworden?“ sagen wollte. Sie sagte es auch diesmal nicht, schüttelte nur den Kopf und schwieg.
Wochen später zog ich denn nach München, und an einem meiner ersten Tage dort betrat ich frohgemut und mit knurrendem Magen die Mensa. Das Stammessen zwo war Steckerlfisch, also gegrillte Makrele, eine Spezialität von der ich einiges gehört hatte und die ich schon immer mal ausprobieren wollte. Ich erwarb also eine Essensmarke der Klasse zwo (wenn ich mich recht entsinne für zwei Mark dreißig) und hielt alsbald ein Tablett mit einem riesengroßen, goldbraun gegrillten Steckerlfisch in der Hand. Erfreut nahm ich Platz und genoss eine ganz ausgezeichnete Mahlzeit, die mir noch heute in bester Erinnerung ist.
Abends rief ich meine Mutter an, um ihr von diesem schönen Erfolg der Münchner Mensa zu berichten. Ich hatte nicht nur mein Ernährungsproblem gelöst, sondern auch bestätigt, dass ich in Essensdingen tatsächlich pflegeleicht war. Meine Mutter schwieg lange. Erst, als ich fragte, ob sie noch am Telefon wäre, sagte sie leise etwas. Es klang wie „Wenn du meinst…“
Am nächsten Tag wusste ich, was sie meinte. Als ich vor einem unglaublich schmierigen braunen Schmadder, aus dem knorpelige Fleischstücke feindselig zwischen öligen Fettaugen herausragten, einer Schale mit körnig angerührtem Moltofill und einem ekelhaften grünen Flummi (Stammessen 1: Schweinsgulasch mit Reis, Götterspeise) saß und keinen Bissen herunterbrachte, obwohl mein Magen knurrte wie die überforderte Endstufe eines Motörhead-Verstärkers, wurden mir schlagartig drei Dinge klar:
1. Meine Mutter war die beste Köchin der Welt, das Essen, was sie zu kochen pflegte, war alles andere als normal.
2. Ich war vielleicht doch etwas pingelig mit dem Essen.
3. In der Münchner Mensa können sie nur Steckerlfisch, sonst nix.
Am Abend rief ich meine Mutter an, leistete Abbitte und berichtete ihr von meinem Entschluss, die Mensa nur noch aufzusuchen, wenn dort Steckerlfisch im Angebot wäre. Argwöhnisch fragte sie, wie ich mich in Zukunft zu ernähren gedächte. „Ich koch eben selbst!“ verkündete ich. Irgendetwas hinzubekommen, dass essbarer war als der verknorpelte Örks aus der Mensa sollte doch machbar sein. Besorgt machte meine Mutter mich darauf aufmerksam, dass ich keinerlei Ahnung von irgendwelchen grundlegenden küchentechnischen Abläufen hätte. Ich verwies umgehend auf meine jüngst erworbene Meisterschaft im Braten von Spiegeleiern und erklärte ihr: „Dann kauf ich mir eben ein Kochbuch. Da steht ja dann alles drin. So schwer kann das auch nicht sein.“ Sie schwieg ein wenig, dann redeten wir über andere Dinge.
Am nächsten Tag gab es in der Mensa keinen Steckerlfisch. Also mied ich diesen Ort kulinarischer Verheerung und suchte stattdessen den benachbarten Buchdiscounter montanus auf, um ein Kochbuch zu erwerben. Leicht ratlos stand ich vor der Vielfalt des Angebots, bis mir der Standardsatz meiner Mutter einfiel: „…gestraft mit seiner anspruchsvollen Zunge!“ Na, da war doch haargenau das, was ich suchte! Ich kaufte mein erstes Kochbuch sowie – natürlich in einem anderen Geschäft – eine Leberkäs-Semmel, setzte mich in die Herbstsonne und begann zu lesen.
Interessant. Einleuchtend. Und wohl doch etwas komplizierter, als ich es mir gedacht habe. Aber – ich hatte es immer gewusst – machbar. Ich entschied mich, nicht nur die Mensa sondern auch die nachmittägliche Vorlesung zu meiden, suchte stattdessen noch einmal den Fleischer auf, bei dem ich die Leberkäs-Semmel erstanden hatte, ging anschließend in einen Supermarkt und dann in mein Einzimmerwohnklo und begann zu kochen. Zum ersten Mal in meinem Leben! Am Abend rief ich meine Mutter an.
„Ich habe mir ein Kochbuch gekauft und gleich etwas gekocht! Hat ganz gut geklappt“
„So. Was denn?“
„Einen Kalbsjus!“
„Du hast was gekocht?“
„Einen Kalbsjus. Dafür brät man Kalbsknochen an und kocht…“
„Großer Gott, Junge… Warum um alles in der Welt hast du einen Kalbsjus gekocht?“
„Den braucht man für gescheite Saucen. Steht so in dem Kochbuch, dass ich mir gekauft habe.“
„Was für ein Kochbuch hast du dir um Himmelswillen gekauft?“
„Kochschule für Anspruchsvolle, von einem gewissen Wolfram Siebeck. Ich dachte, damit mach ich nix verkehrt….“
Meine Mutter schwieg. Nach einer Weile fragte sie: „Hast du deinen Kalbsjus auch gegessen?“
„Natürlich nicht. Aber ich hab jetzt einen Mordshunger. Ich geh jetzt schnell um die Ecke und ess ’ne Pizza.“
Meine Mutter schwieg lange. Das Dröhnen dieses Schweigens habe ich heute noch im Ohr.
Post von Wagner – Bild.T-Online.de: Wenn ich mich als Beispiel nehme, warum kriege ich keine schöne, junge Frau?
Könnte es vielleicht daran liegen, dass Sie mit Frauen so reden wie Sie schreiben, Effjott? Nur eine Vermutung. Nix für ungut.